Die Lauter, , am Unterlauf in keltisch-römischer Zeit Murga, heute am gesamten Oberlauf im südlichen Pfälzerwald, dem deutschen Teil des Wasgaus bis zur französischen Grenze Wieslauter genannt, ist ein linker Nebenfluss des Rheins in Rheinland-Pfalz und dem Elsass (Region Grand Est).
Als Gewässer III. Ordnung eingestuft, ist die Lauter – neben Speyerbach, Queich und Schwarzbach – die Entwässerungsachse eines der vier großen Flusssysteme des Pfälzerwalds. Nach der Wasserwirtschaftsverwaltung Rheinland-Pfalz, welche die Quelle 600 m weiter nördlich sieht als vom Pfälzerwald-Verein (PWV) vor langer Zeit festgelegt (vgl. Abschnitt Quellen), ist die Lauter 74,7 km lang. Unter Einbeziehung ihres Hauptquellflusses Wartenbach oder über den starken rechten Zufluss Salzbach erreicht ihr längster Fließweg sogar gut 80 km. Der gesamte Bereich um die Quellen von Wieslauter, Wartenbach und Scheidbach bildet die fast 24 km² große Kernzone Quellgebiet der Wieslauter des Naturparks Pfälzerwald.
Name Die Lauter hieß am Unterlauf in keltisch-römischer Zeit Murga. Der Name Lauter ist nach Auffassung von Hermann Schreibmüller, Theodor Zink und Ernst Christmann hergeleitet von „Hlutara(ha)“, einem althochdeutschen Wort, mit dem einst ein reines, klares oder helles Gewässer bezeichnet wurde und das auch heute noch als Adjektiv „lauter“ existiert. Bezüglich dieser Interpretation herrscht allerdings kein Konsens.
Den Namen Wieslauter trägt der Fluss am Oberlauf zur Unterscheidung von der zweiten pfälzischen Lauter, die bei Kaiserslautern entspringt und auch Waldlauter genannt wird. Die Namenserweiterung auf Wieslauter ist ungeklärt; diskutiert werden zwei unterschiedliche sprachliche Quellen: Obwohl der obere Bachabschnitt mehr durch Wald als durch Wiesen führt, wäre angesichts einiger breiter Flussauen Wiese als Ursprung denkbar. Tatsächlich war der Fluss südlich von Dahn bis in die 1950er Jahre von regelmäßig bewirtschafteten Wiesen umgeben. Die alte Bezeichnung „Wäschlauterhof“ für den Wieslauterhof, einen Weiler im Quellgebiet, lässt allerdings den Umstand, dass das Wasser der Lauter zum Reinigen der Wäsche eingesetzt wurde, als ähnlich plausibel für die Namensgebung erscheinen. Erstmals taucht diese Variante für den Quellfluss Scheidbach als Wyseluthera in einem Weistum des Klosters Hornbach im Jahr 828 auf. Im Zuge der rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wurde der Fluss zum Namensgeber der 1969 neu geschaffenen Gemeinde Wieslautern. Sie entstand durch Zusammenlegung von Bruchweiler-Bärenbach und Bundenthal, wurde jedoch auf Betreiben Bundenthals 1989 wieder aufgelöst.
Geographie Quellen
Zwei Quellen, die nicht weit voneinander entfernt sind, gelten als Ursprung der Wieslauter. Sie liegen beide auf der Waldgemarkung von Merzalben in einem westlichen Seitental des Zieglertals, unmittelbar südöstlich der Wasserscheiden von Mosel und Oberrhein und südsüdwestlich der Burg Gräfenstein.
Wieslauter-Quelle nach WW Als Quellbach der Wieslauter eingestuft wird heute durch die Wasserwirtschaftsverwaltung Rheinland-Pfalz (WW) ein wasserarmes Bächlein, das im Norden des erwähnten Seitentals auf Höhe entspringt ().Höhe und Lage der Wieslauter-Quelle gem. WW auf: , abgerufen am 7. September 2021. Von dieser Quelle an berechnet die WW die Flusslänge mit 74,7 km. Der Wasserlauf folgt dem Tal in südlicher Richtung und ist nach gut 500 m zu einem ersten kleinen Woog () gestaut, den der Wasserlauf nach Süden verlässt.
Wieslauter-Quelle nach PWV Die nominelle Quelle der Wieslauter wurde im frühen 20. Jahrhundert vom Pfälzerwald-Verein (PWV) in Stein gefasst und durch den Ritterstein 230 mit der Inschrift „Wieslauter-Ursprung“ markiert (). Sie liegt im gleichen Tal weiter südlich als die erste in HöheHöhe und Lage der Wieslauter-Quelle gem. PWV auf: , abgerufen am 15. November 2020. knapp oberhalb des Wieslauterhofs. Diese Quelle „im Felde des Waschlauterer Hofes“ hatte bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die bayerische Regierung in den für die Holztrift erlassenen Regelungen als Lauterquelle festgelegt. Das Wasser der Quelle fließt von Osten her wenige Meter zur Talsohle hinunter und erreicht den oberen Anfang eines zweiten Woogs (), den die von der WW definierte Wieslauter nach 600 m bildet. Direkt unterhalb schließt sich ein dritter Woog an (), in den von rechts der Bach am Wieslauterhof mündet. Von diesem Woog aus folgt die Wieslauter noch 400 m weit dem Seitental, an dessen Ausgang sie zu einem vierten Woog erweitert ist (), dessen Länge 40 m beträgt, während der Damm 50 m misst.
Wartenbach Nach dem Übertritt ins Zieglertal vereinigt sich die hier rund 1,2 km lange Wieslauter auf Höhe () mit dem von links heranfließenden Wartenbach, einem mehr als 7 km langen und wesentlich wasserreicheren Gewässer. Der Wartenbach kann als hydrologischer Ursprung des Systems gelten, weil er der längste Quellfluss der Wieslauter ist; er vergrößert die Gesamtlänge der Lauter auf rund 80 km. Zunächst als Floßbach tritt er an der Westflanke des Hortenkopfs in zwei nahe beieinander liegenden Quellen (, ) auf rund Höhe zutage und fließt fast parallel zur Hauptwasserscheide in südwestliche Richtung.
Der Wartenbach diente, worauf sein Oberlaufname hindeutet, früher der Holztrift. Zu diesem Zweck wurde er knapp 200 m unterhalb seiner Hauptquelle zum Gambswoog gestaut (), der auch Gambsklause genannt wird und dessen Absperrbauwerk als Ritterstein (Nr. 232) beschriftet ist. Etwa 700 m unterhalb mündet () von links der Bach aus dem Wüsttal. Am mittleren Wartenbach ist der Nickolauswoog () heute verschwunden; unterhalb erstreckt sich der dreigeteilte Königswoog (, , ) mit dem Ritterstein 56. 1 km abwärts mündet () von rechts der Bach beim Waschhäuschen. Am Unterabschnitt ist vom Sägwoog () nur ein kleiner Teich übrig geblieben, unterhalb dessen der 4,3 km lange Scheidbach () von links in den Wartenbach mündet.
Verlauf Die vereinigte Wieslauter zieht nun in südlicher, später mehr südwestlicher Richtung durch das Zieglertal, wo sie die Grenze zwischen Münchweiler und Wilgartswiesen bildet, auf Hinterweidenthal zu. Dort fließt ihr in einer fünfgliedrigen Talspinne, die vom Handschuh-Kopf überragt wird, von rechts aus fast gegenläufiger Talrichtung der stärkste Nebenfluss zu, der fast 18 km lange Salzbach, der nordöstlich des Hohen Kopfs () als Kröppenbach entspringt und seinen Namen zunächst in Buchbach und dann in Salzbach ändert. 200 m flussabwärts mündet gegenüber der 9,3 km lange Horbach.
mini|Die Wieslauter in Dahn Kurz vor Dahn mündet von rechts und sehr stumpf der 6,6 km lange Moosbach, der kurz vor seiner Mündung den knapp 300 m langen Neudahner Weiher füllt. Die Wieslauter wechselt hier ihre Laufrichtung auf Südost. Sie passiert Bruchweiler-Bärenbach sowie Bundenthal und verläuft zwischen dem Jüngstberg sowie dem Rauhberg. Bei Niederschlettenbach nimmt sie von links den 9 km langen und von Nord nach Süd fließenden Erlenbach auf.
mini|Der Lauterkanal in Wissembourg 5 km hinter Bobenthal – nachdem sie links den Bobenthaler Knopf und den Probstberg passiert hat – überquert die Wieslauter die Staatsgrenze von Deutschland nach Frankreich, wo sie la Lauter genannt wird. Südöstlich vor ihr erhebt sich die hohe Scherhol, die der Fluss in markanten Kurven nördlich umfließt. Anschließend durchquert er Wissembourg (Weißenburg, Elsass), wo er von einer etwa 2 km langen linken Ableitung, dem Lauterkanal, begleitet wird, und erreicht nach dessen Rückmündung die Oberrheinische Tiefebene.
mini|Neue Lauter 3 km vor der Mündung Von hier verläuft die Lauter, weiterhin in südöstlicher Richtung, am Südrand des Bienwalds und bildet im Wesentlichen die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich, bevor sie bei Lauterbourg (Lauterburg, Elsass) für die letzten 5 km links der alten Abflusslinie als Neue Lauter Frankreich wieder verlässt. Bei Neuburg mündet die Lauter nach fast 75 km auf HöheHöhe und Lage der Lauter-Mündung auf: , abgerufen am 15. November 2020. bei Rheinkilometer 355,5 in den Rhein.
Die deutsche Seite der unteren Lauter im Bereich des Bienwalds ist seit 1982 als Naturschutzgebiet Lauterniederung ausgewiesen, auf der französischen Seite erstreckt sich der Naturraum Forêt de Wissembourg, der morphologisch Teil des Bienwalds ist. Die Alte Lauter südlich des neuen Mündungsarms markiert bis zu ihrer eigenen Mündung in den Rhein (nach 4 km) weiterhin die Staatsgrenze. Die Mündung ist der östlichste Punkt Frankreichs und der südlichste Punkt von Rheinland-Pfalz. Der fast 75 km lange Lauf der Lauter endet ungefähr 154 Höhenmeter (Hm) unterhalb ihrer Quelle, sie hat somit ein mittleres Sohlgefälle von etwa 2,1 ‰. Wird der Hauptquellfluss Wartenbach eingerechnet, summieren sich die Höhenmeter auf 284, und das Sohlgefälle nimmt auf 3,6 ‰ zu. Bezogen auf den Nebenfluss Salzbach ergeben sich sogar 311 Hm und ein Sohlgefälle von 3,9 ‰.
Zuflüsse und Abzweigungen + Zuflüsse ab 5 km Länge, Angabe talwärts
Nachfolgend sind alle amtlich erfassten Zuflüsse der Lauter aufgelistet mit orographischer Mündungsseite, Länge in km und (soweit angegeben) Einzugsgebiet in km².
Abschnitt Wieslauter Bach am Wieslauterhof (rechts), 0,4 km und 0,93 km² Wartenbach (links), 7,2 km und 18,30 km² Scheidbach (links), 4,3 km und 7,87 km² Lembach (links), 1,4 km und 2,00 km² Bach von der Kuhquelle (links), 0,1 km und 0,28 km² Salzbach (rechts), 17,9 km und 52,38 km² Horbach (links), 9,3 km und 19,45 km² Hinterweidentaler Bach (links), 0,9 km und 0,27 km² Seebach (links), 2,1 km und 11,52 km² Dreikönigsgraben (linker Nebenarm), 1,0 km Moosbach (rechts), 6,6 km und 13,60 km² Heimbach (links), 1,6 km und 1,99 km² Kaltenbächel, auch Bach vom Büttelwoog (rechts), 1,2 km und 2,08 km² Langenbach (links), 4,9 km und 10,13 km² Kuhbach (links), 3,5 km und 7,54 km² Geiersteinbach, auch Bach am Sandbühlerhof (links), 2,2 km und 5,72 km² Wöllmersbach (rechts), 2,1 km und 6,45 km² Dumbach, auch Fischteichbach (rechts), 1,5 km und 3,99 km² Rumbach (rechts), 2,7 km und 5,44 km² Schüsselbach, auch Bach aus der Dennenhalde (rechts), 0,8 km und 1,24 km² Rechtenbach, auch Bach vom Johannesbrunnen (links), 2,4 km und 2,00 km² Litschbach (rechts), 5,3 km und 4,47 km² Erlenbach (links), 9,0 km und 18,85 km² Portzbach (rechts), 8,3 km und 15,10 km² Eulenbach (rechts), 1,2 km und 2,20 km² Woogbach (rechts), 2,4 km und 4,99 km² Klaffental(bach) (rechts), 1,8 km und 2,65 km² Bockbach (links), 1,0 km und 0,52 km² Alschbächel (rechts), 1,8 km und 1,51 km² Lauterbach (Ruisseau le Klein LauterbachNach SANDRE 4,1 km lang.) (rechts), 3,6 km und 8,12 km² Reisbach (links), 5,6 km und 9,46 km² Buchbächel (links), 1,8 km und 1,55 km² BuchbachBei einigen Karten mündet der Buchbach in den Heiligenbach und dieser in die Lauter. (links), 5,0 km und 7,11 km² Heiligenbach, frz. Heylenbach (links)
Abschnitt LauterNach Portal Sandre (Frankreich). Hasselbach (Ruisseau Hasselbach) (links), 1,3 kmName nach SANDRE: Ruisseau Hasselbach. Steinbachhohl (links), 2,0 km Markbach (links), 2,2 kmEigenmessung. Hängelgraben (links), 3,9 km und 2,25 km² Rußbach (links), 7,3 km und 8,76 km² Hardtbach (rechts), 5,5 kmLängenangabe nach SANDRE: Hardtbach.2,35 km beim Geoexplorer RP. und 21,35 km² Siegen (rechts), 4,0 kmLängenangabe nach SANDRE: Siegen.4,2 km beim Geoexplorer RP. und 5,68 km² Landbach (rechts), 7,5 kmLängenangabe nach SANDRE: Landbach.7,3 km beim Geoexplorer RP. und 14,60 km² Alte Lauter (rechte Abzweigung), 4,8 km und 2,30 km² Mühlgraben (rechts) Neuburger Altrhein (linke Abzweigung), 1,0 km und 0,35 km²
Ortschaften mini|hochkant=1.3|Ortschaften entlang des Laufs der Lauter Merzalben (Waldgemarkung) Kaltenbach Hinterweidenthal Stadt Dahn Bruchweiler-Bärenbach Rumbach Bundenthal Niederschlettenbach Bobenthal Stadt Wissembourg (Frankreich) Scheibenhardt (links, Deutschland) / Scheibenhard (rechts, Frankreich) Stadt Lauterbourg (Frankreich) Berg Neuburg
Geschichte