mini|Ulysses S. Grant (in den 1870er Jahren) rahmenlos|hochkant|zentriert|klasse=skin-invert-image|Unterschrift von Ulysses Grant Ulysses S. Grant (* 27. April 1822 in Point Pleasant, Ohio als Hiram Ulysses Grant; † 23. Juli 1885 in Wilton, New York) war ein US-amerikanischer General und Politiker. Er war Oberbefehlshaber des US-Heeres im Sezessionskrieg und von 1869 bis 1877 der 18. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.

Leben mini|Das Geburtshaus Grants im Historic District in Point Pleasant

Kindheit und Jugend Ulysses S. Grant war der Sohn und erstgeborenes von sechs Kindern des Gerbers und Sattlers Jesse Grant (1794–1873) und seiner Frau Hannah, geborene Simpson (1798–1883). Der Vater gelangte durch seinen Betrieb zu bescheidenem Wohlstand. Als Kind arbeitete Ulysses gelegentlich in der Gerberei, seinem Vater gegenüber äußerte er starken Unmut über diese Tätigkeit. In seiner Kindheit entwickelte er schon früh besonderes Geschick im Reiten und im Umgang mit Pferden.

Im Alter von 17 Jahren wurde er auf Wunsch seiner Eltern als Kadett an die US-Militärakademie in West Point, New York berufen. Aus Versehen wurde Grant in West Point als Ulysses S. Grant angemeldet. Grant ließ diesen Irrtum nicht korrigieren und behielt den Namen bei. Dass das Initial als Abkürzung für den Geburtsnamen seiner Mutter stand, bestritt Grant in späteren Jahren. Erst gegen Ende seines Lebens ließ sich Grant auf die Namen Ulysses Simpson taufen.Brooks D. Simpson: Ulysses S. Grant. S. 11 f., 470, Fußnote 21.

Anfänge im Militär 1843 graduierte er als 21. von 39 seines Jahrgangs, wobei er seine Stärke, neben dem Zeichnen, im Bereich der mathematischen Studien hatte. Er hoffte danach eine Anstellung als Dozent zu finden, wurde aber in das Heer versetzt.Keegan: Der Amerikanische Bürgerkrieg, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 2010 S. 441. Auch einen der begehrten Plätze bei der Kavallerie bekam er – trotz seines Talents für Pferde – nicht, er kam zur Infanterie. Er wurde südlich von St. Louis, Missouri an die Jefferson Barracks zum 4. Infanterie-Regiment beordert. mini|Ulysses S. Grant

Grant im Mexikanisch-Amerikanischen Krieg Von 1846 bis 1848 kämpfte er als junger Leutnant im Mexikanisch-Amerikanischen Krieg und wurde für seine Tapferkeit zweimal erwähnt. Er wurde zum Quartiermeister ernannt und war verantwortlich für das Lieferungs- und Transportwesen seines Regimentes in Mexiko. Dies gab ihm wertvolle Erfahrungen in der Logistik des Krieges. Grant sah jedoch im Krieg an sich nichts Ruhmvolles. Er trauerte um seine dort verlorenen Kameraden und betrachtete die Probleme, die Krieg hinterlässt. Er bewunderte aber sehr allgemein den späteren Präsidenten der Vereinigten Staaten Zachary Taylor und seine ruhige, zuversichtliche Armee-Führung. Nach der amerikanischen Annexion von Texas im Jahr 1845 wurde Taylor mit einem Expeditionskorps an den Rio Grande entsandt, wo im April 1846 die Feindseligkeiten mit Mexiko begannen. Taylor widerstand mit seinen Truppen den mexikanischen Streitkräften bei einer Unterlegenheit von 1:4 und konnte dabei auch drei Schlachten für sich entscheiden.

Heirat Am 22. August 1848 heiratete Grant Julia Boggs Dent (1826–1902), die Schwester eines West-Point-Kameraden. Sie hatten vier Kinder: Frederick Dent Grant (1850–1912), Ulysses Simpson Grant, Jr. (1852–1929), Ellen Wrenshall Grant (1855–1922) und Jesse Root Grant (1858–1934). Über seinen in St. Louis im damaligen Frontier lebenden Schwiegervater Frederick Fayette Dent wurde Grant selbst für einige Zeit zum Sklavenhalter.Guelzo: Lincoln’s Emancipation Proclamation: The End of Slavery in America., Simon & Schuster, New York, 2004 S. 222.Dietz: 13. Familiar Strangers, Unknown Kin: Sharing the Shadow of the General. In: Grant at 200: Reconsidering the Life and Legacy of Ulysses S. Grant. Savas Beatie, El Dorado Hills 2023, S. 204–215.

Austritt aus dem Militär Nach seiner Teilnahme am Mexikanisch-Amerikanischen Krieg (1846–1848), den er in seinen Memoiren als den ungerechtesten Krieg brandmarkte, den je ein starker gegen einen schwachen Staat geführt habe,https://www.gutenberg.org/files/4367/4367-h/4367-h.htm Memoiren Teil I, S. 53. wurde Grant zum Hauptmann befördert. Nach dem Krieg wurde er zunächst in das Oregon-Territorium und anschließend nach Kalifornien versetzt. Die damit verbundene Trennung von seiner Familie machte ihm zu schaffen; damals kamen Gerüchte auf, er sei Alkoholiker. Im Jahr 1854 verließ Grant das US-Heer, nachdem ihm sein Vorgesetzter mutmaßlich ein Disziplinarverfahren wegen Trunkenheit im Dienst angedroht hatte.White, Ronald C.: American Ulysses: A Life of Ulysses S. Grant. Random House, New York 2016, S. 120. In den folgenden sieben Jahren arbeitete Grant wenig erfolgreich als Landvermesser, Farmer und Grundstücksmakler in St. Louis und half schließlich seit 1860 seinem Vater und seinen Brüdern in deren Lederhandlung in Galena, Illinois.

Der Bürgerkrieg mini|Die Generale Sherman, Grant und Sheridan auf einer Briefmarke von 1937

Anfänge und erste Erfolge Nachdem der Bürgerkrieg 1861 begonnen hatte, bewarb sich Grant als Offizier in der Armee der Nordstaaten. Der Gouverneur von Illinois, Richard Yates, überantwortete dem ehemaligen Hauptmann das aus Freiwilligen bestehende 21. Illinois-Infanterieregiment. Am 7. August 1861 wurde Grant zum Brigadegeneral der Freiwilligen ernannt.

Erste militärische Erfolge erlangte Grant durch seine Feldzüge im nördlichen Tennessee. Er nahm die wichtige Stadt Paducah, Kentucky an der Mündung des Tennessee in den Ohio ein und schlug General Leonidas Polk am 7. November 1861 bei Belmont, Missouri am Mississippi, auf der gegenüberliegenden Seite von Columbus, Kentucky.

Beförderung zum Generalmajor und Kritik an seiner Kampfweise Die Einnahme von Paducah schuf die Voraussetzung für die spätere Eroberung von Fort Henry am Tennessee (6. Februar 1862) und von Fort Donelson am Cumberland (16. Februar 1862). Diese Siege verschafften der Union erste Erfolgserlebnisse nach der Niederlage in der Ersten Schlacht am Bull Run. Grant wurde daraufhin zum Generalmajor befördert. Berühmt wurde seine Forderung nach unconditional surrender (bedingungslose Kapitulation) gegenüber dem Kommandanten von Fort Donelson; die beiden Wörter wurden bald sein Spitzname. In der Schlacht von Shiloh ließ sich Grant am 6. April 1862 zwar von den Truppen des Südstaaten-Generals Albert S. Johnston bei Shiloh (oder Pittsburgh-Landing) überraschen (wofür er scharf kritisiert wurde); hartnäckig verteidigte er jedoch seine Stellung und konnte die Schlacht schließlich zu seinen Gunsten entscheiden, nachdem General Don Carlos Buell Entsatz geleistet hatte. Allerdings wurde Grant wiederholt sein übermäßiger Alkoholkonsum vorgeworfen; auch kritisierte man, dass seine Kampfweise zu hohen eigenen Verlusten führte. Präsident Abraham Lincoln stärkte Grant jedoch den Rücken: „Ich kann nicht auf diesen General verzichten. Er kämpft.“ Grant blieb Oberbefehlshaber der Tennessee-Armee.

Erfolge in den Schlachten von Yuka, Corinth und Vicksburg Grant konnte seine Erfolge im September und Oktober 1862 fortsetzen, als er die Schlachten bei Yuka und Corinth gewann. Im Herbst 1862 rückte er mit der Tennessee-Armee auf Vicksburg, Mississippi vor, den einzigen noch von den Südstaaten gehaltenen Ort am Mississippi, der den Fluss sperrte und zugleich die letzte Verbindung zwischen der West- und der Osthälfte der Konföderation bildete. Grant konnte Vicksburg aber erst nach sehr langer und hartnäckiger Belagerung am 4. Juli 1863 einnehmen, nachdem die Südstaaten-Garnison schließlich kapituliert hatte (siehe auch Schlacht um Vicksburg). Vielfach wird dies – zusammen mit der fast zeitgleichen Schlacht von Gettysburg – als Wendepunkt des Bürgerkrieges betrachtet.

Antisemitische Vertreibungen Bereits am 17. Dezember 1862 erließ Grant die General Order No. 11, mit der allen Juden befohlen wurde, Mississippi, Kentucky und Tennessee binnen 24 Stunden zu verlassen. Diese antisemitische Vertreibung ging auf den in der Union verbreiteten Verdacht zurück, Juden würden sich in den genannten Gebieten am Schmuggel mit den Südstaaten beteiligen und ständen grundsätzlich auf deren Seite. Der Befehl war der Endpunkt in einer ganzen Reihe von Versuchen Grants, die Juden aus dem von seinen Truppen besetzten Gebiet zu vertreiben. Die betroffenen Juden schickten eine Gesandtschaft nach Washington, wo sie von Präsident Lincoln empfangen wurden. Im Anschluss wies dieser am 7. Januar 1863 Grant an, den Befehl umgehend zurückzunehmen.Frankel: General Order No. 11. In: Handbuch des Antisemitismus. Bd. 4: Ereignisse, Dekrete, Kontroversen. De Gruyter, Berlin 2011 S. 145f. Die Korrespondenz von Grant vor und nach diesem Ereignis zeigt, dass er, anders als in Hinblick auf Afroamerikaner, negative Stereotype bezüglich der Juden nicht in Frage stellte und ihnen zum Beispiel Gier und Besessenheit von Geld vorwarf. Obwohl er sich selbst stets dagegen verwahrte, ein Antisemit zu sein, sind einige seiner Aussagen klar antisemitisch.Simpson: Ulysses S. Grant: Triumph Over Adversity, 1822–1865. Zenith, Minneapolis, 2014 S. 164.

Schlacht von Chattanooga und Aufstieg zum Oberbefehlshaber des Heeres Im Herbst 1863 wurde Grant nach der Einnahme von Vicksburg zum Oberbefehlshaber der in Chattanooga von den Südstaatlern belagerten Unionsstreitkräfte ernannt. Grant sorgte zunächst für den Ersatz des glücklosen William S. Rosecrans (dieser hatte kurz zuvor die Schlacht am Chickamauga verloren) durch General George H. Thomas und schaffte es, den Belagerungsring zu durchbrechen. In der Schlacht von Chattanooga schlugen seine Truppen dann die konföderierte Tennessee-Armee von den Höhenzügen der Missionary Ridge und dem Lookout Mountain aus in die Flucht. Die Konföderierten wichen bis nach Dalton in Georgia aus. Dadurch waren Kentucky und Tennessee für die Union gesichert, während Georgia sowie der gesamte Südosten des Sezessionsgebietes ihrerseits in ihrem Rücken bedroht waren. mini|Ulysses S. Grant im Januar 1864

Nach der Schlacht von Chattanooga wurde Grant für seine Verdienste zum Generalleutnant befördert. In der Geschichte der USA hatten bis dato lediglich George Washington und Winfield ScottMark Lardas: Ulysses S. Grant. Osprey Publishing, 2012, ISBN 978-1-84908-733-9. diesen militärischen Rang innegehabt. Am 17. März 1864 wurde er schließlich Oberbefehlshaber des Heeres. Sein bisheriges Kommando im Westen übergab er an William T. Sherman.

Weiterer Verlauf des Krieges Auf dem östlichen Kriegsschauplatz in Virginia zeigte sich erneut Hartnäckigkeit als eine von Grants herausragenden Eigenschaften. Hatten seine Vorgänger nach verlorenen oder nicht eindeutig entschiedenen Schlachten gegen Robert E. Lees Nord-Virginia-Armee stets den Rückzug angetreten, so blieb er mit der Potomac-Armee und anderen Armeen an Ort und Stelle und verwickelte den Gegner in andauernde, für beide Seiten verlustreiche Kämpfe. Er schaffte es damit, die Südstaaten in eine dauernde Defensivposition zu bringen und sie im Wortsinn auszubluten. Die von Lee bis dahin erfolgreich angewandte Offensive aus defensiven Positionen heraus war damit nicht mehr möglich, während Grant auf die überlegenen Ressourcen an Menschen und Material, über die die Union verfügte, zurückgreifen konnte. Er war bereit, hohe Verluste in Kauf zu nehmen, da er wusste, dass der Norden über die größeren Reserven verfügte.