mini|Princesa FM von Ponta Grossa, Südbrasilien, ein Beispiel für FR. Wie angegeben, beträgt die Frequenz 87,9 MHz, eine der häufigsten Abstimmungen, die für diese Art von Radio in diesem Land vorgesehen sind.
Freie Radios sind unabhängige (von staatlichem Einfluss, staatlicher Finanzierung und Finanzierung durch Werbung), selbstbestimmte, „offene“ Massenmedien (haben aber ein anderes Konzept als offene Kanäle), die nichtkommerziellen, basisdemokratischen Gesellschaftsrundfunk betreiben, der sich kritisch mit den bestehenden gesellschaftlichen Verhältnissen auseinandersetzt und nach eigener Aussage die freie Meinungsäußerung fördern soll.
Geschichte Freie Radios sind kollektiv und gesellschaftlich sowie oftmals gemeinnützig organisiert, nicht auf Profit ausgerichtet und lehnen die Finanzierung durch kommerzielle Werbung ab. Sie basieren auf dem Konzept Gegenöffentlichkeit. Sie verstehen sich als Kommunikationsmittel im lokalen und regionalen Raum und unterstützen die regionale Entwicklung.
Freie Radios sehen den nichtkommerziellen Lokalfunk, zu dem sie und die Offenen Kanäle (diese werden auch als Bürgerrundfunk bezeichnet) zählen, als dritte Säule in der Medienlandschaft neben den öffentlich-rechtlichen und kommerziell-privaten Rundfunkveranstaltern an. Als Vorläufer der Freien Radios gelten zum Teil politische Piratensender.
In Deutschland sind Freie Radios in zwölf Bundesländern aktiv und konnten in bisher sieben Ländern medienrechtliche Grundlagen für eigenständigen Hörfunk durchsetzen. In drei weiteren Bundesländern senden Freie Radioinitiativen in Offenen Kanälen bzw. im Bürgerfunk. Daneben gibt es mehrere Bürgerinitiativen, u. a. in Berlin, Brandenburg, Dresden und Konstanz, die sich dort für die Schaffung Freier Radios einsetzen.
In ÖsterreichFreie Radios in Österreich sind 13 und in der SchweizUnion nicht-gewinnorientierter Lokalradios (UNIKOM)corall - allianz der komplementärradios. 19 freie Radios aktiv.
Abgrenzung „Freies Radio“ ist die zutreffendste Entsprechung des englischen Begriffs Community Radio,Ralf Hutter: Rückschlag für Freies Radio. Neues Deutschland, 25. April 2012, abgerufen am 10. Februar 2019. auch wenn die Abgrenzung zwischen Freien Radios, Bürgerradios, Offene Kanäle und Aus- und Fortbildungsradios historisch bedingt in den meisten Ländern nicht deckungsgleich ist bzw. zwischen diesen Modellen nicht überall differenziert wird. In allen Ländern organisieren sich viele dieser Sender in den nationalen Vereinen Freier Radios.
In den USA, die lediglich privatrechtlichen Rundfunk kennen (und hier zwischen kommerziellen und nichtkommerziellen Sendern unterscheiden, letztere National Public Radio (NPR) genannt und aus öffentlichen Mitteln mit Förderrichtlinien unterstützt), lizenziert die Medienbehörde FCC als Community Radio nichtkommerzielle Lokalsender, die zumeist von Vereinen betrieben werden, mindestens 50 Prozent lokales Programm gestalten und sich von NPR-Sendern dadurch unterscheiden, dass sie über ein diversifizierteres Programm und eine geringe Anzahl Mitwirkender und finanzieller Unterstützung verfügen.Stefania Milan: Four steps to community media as a development tool. tandfonline.com, 14. Dezember 2010 Darunter fallen auch z. B. religiöse Sender, die aufgrund ihres Bekenntnisses keine Freien Radios sind. Andere Länder wie Indien sehen für diese Sender eine geringere inhaltliche Regulierung vor, dafür jedoch Auflagen bei der Sendestärke und der Masthöhe für die Sendeanlage (in Indien bis 50 Watt ERP und 30 Meter Höhe), wobei eine Kulturförderung hinzukommt und dafür Werbezeitenverkauf auf fünf Minuten pro Stunde beschränkt ist. Die Regeln wurden zuletzt 2006 neu geschaffen, nachdem ein richtungsweisendes Urteil aus dem Jahr 1995 Rundfunk als Gemeineigentum definierte und öffentlicher Zugang zu Sendemöglichkeiten erforderlich wurde („airwaves are public property“).Entscheidung des Supreme Court of India in der Entscheidung über eine Klage des Informations- und Rundfunkministeriums gegen einen Cricketverband In Neuseeland werden die ACAB-Sender (Association of Community Access Broadcasters) getrennt in Plattformbetreiber mit Produktions- und Sendeeinrichtungen und Bürgern als Inhalteanbieter. Das System entspricht dem Modell des Offenen Kanals.Community Access Broadcasters – Beschreibung auf der Website der acab.org.nz (im Webarchiv)
Selbst innerhalb des deutschsprachigen Raums entwickelten sich differenzierte Modelle nichtkommerzieller Radiosender im Rahmen medienpolitischer Regulierungsprozesse. Während in Nordrhein-Westfalen zunächst kommerzielle Privatsender 15 Prozent Sendezeit nichtkommerziellen Bürgerradios zur Verfügung stellen mussten, wurden 2007 klassische Offene Kanäle geschaffen, wie sie in Rheinland-Pfalz seit Beginn des Privatfunks den Bürgern zur Verfügung stehen. In Bayern gibt es eigenständig von der BLM reguliert ausschließlich Aus- und Fortbildungskanäle, während freie Radios Lizenzen als reguläre private Programme benötigen. In Österreich gibt es überhaupt kein eigenständiges Modell, lediglich privatrechtliche Sender, die im Fall von Ausbildungsradios nur befristet, ohne Genehmigung von Werbeausstrahlung und außerhalb des Wettbewerbs nachrangig lizenziert werden.§ 3 Abs. 5 Z.2 Privatradiogesetz (PrR-G) Öffentliche Förderung ist möglich, wie z. B. Radio MORA (früher Radio OP) als Förderprojekt für Minderheitssprachen eines Gymnasiums oder aus dem Nichtkommerziellen Rundfunkfonds der KommAustria für Sendungen und Sendeschienen, Ausbildung und Studien.RTR – Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH: Nichtkommerzieller Rundfunkfonds; abgerufen am 13. März 2012.
Interessenvertretung Schweiz Die Union nicht-gewinnorientierter Lokalradios (UNIKOM) wurde 1983 als „Union nicht-kommerzorientierter Lokalradios“ gegründet. 2024 gründeten die mittlerweile aus der UNIKOM ausgetretenen Komplementärradios Radio X, RaBe, 3fach, Toxic.fm, Stadtfilter, RaSa und Kanal K den Verband „corall – allianz der komplementärradios“, welcher die Interessen der komplementären konzessionierten Radios mit Leistungsauftrag und Abgabenanteil vertritt.
Österreich Anfang der 1990er Jahre wurde der Vorläufer des Verbands Freier Rundfunk Österreich (VFRÖ) gegründet. Im VFRÖ sind 15 Freie Radios und Radioinitiativen und zwei Fernsehstationen Mitglied. Über die Plattform Cultural Broadcasting Archive werden Audiobeiträge ausgetauscht.Cultural Broadcasting Archive (Programmaustausch, Podcasts)
Deutschland Im November 1993 wurde während einer Medientagung in Hattingen der Bundesverband Freier Radios (BFR) gegründet und hat seitdem (fast) jedes Jahr einen Kongress und ein Hörfestival („Hirn & Hertz“) veranstaltet. Neben diesen Veranstaltungen gab es immer wieder die Initiative zu einzelnen Projekten, für die weitere Treffen stattfanden. In Baden-Württemberg gibt es außerdem noch die Assoziation Freier Gesellschaftsfunk (AFF) als Landesverband Freier Radios.
Der Bundesverband Freier Radios vertritt die Interessen seiner Mitglieder nach außen. Nicht alle freien Radios sind Mitglied in dem Verband. Der BFR organisiert die gemeinsame Weiterentwicklung (medien)politischer Zielsetzungen freier Radios sowie von Programminhalten und Sendeformen. Er fördert den Informationsaustausch unter den Mitgliedsinitiativen sowie mit anderen Medienprojekten. Dafür organisiert der BFR u. a. jährlich den mehrtägigen Kongress Zukunftswerkstatt Community MediaZukunftswerkstatt Community Media. Zudem betreibt der BFR eine Webseite für den Programmaustauschfreie-radios.net (Programmaustausch, Podcasts), dessen Beiträge auch als Podcast abonnierbar sind.
International Weltweiter Interessensverband von Freien Radios ist die Association mondiale des radiodiffuseurs communautaires (AMARC).
Liste Freier Radios im deutschsprachigen Raum Schweiz Kanal K, Aarau Radio X, Basel backstageradio, Bern (aktiv bis 31. Dezember 2016) Radio Blind Power, Bern Radio RaBe, Bern toxic.fm, St. Gallen Radio Cité, Genf fréquence banane, Lausanne Radio 3fach, Luzern Radio RaSA, Schaffhausen Radio Kaiseregg, Tafers PowerUp, Trogen iischers radio, Brig-Glis (erster Kurzbetrieb 1989, seither sporadisch weitere Radiokurzveranstaltungen) Radio Stadtfilter, Winterthur (Dauerbetrieb ab Januar 2009) Jam On Radio, Zug Radio LoRa, Zürich Radio Vostok, Genf
Österreich alternativtext=Zwei Frauen am Schaltpult eines Radios, beide tragen Kopfhörer, vor ihnen ein Radiomikrofon|mini|Radiomacherinnen in der Radiofabrik Salzburg Campus Radio St. Pölten, St. Pölten Freies Radio Innsbruck, Innsbruck Freequenns 100.8, Liezen Freies Radio B138, Kirchdorf an der Krems Freies Radio Salzkammergut, Bad Ischl FRO – Freier Rundfunk Oberösterreich, Linz FRF – Freies Radio Freistadt 107,1, Freistadt Radiofabrik 107,5, Salzburg Orange 94.0, Wien Radio Proton, Dornbirn Radio Helsinki, Graz Radio AGORA, Klagenfurt Radio MORA, Oberpullendorf Radio Ypsilon, Hollabrunn
Deutschland Baden-Württemberg Radio Dreyeckland, Freiburg – 102,3 MHz Freies Radio Freudenstadt, Horb – 89,2 MHz und Glatten 100,1 MHz Radio fips, Göppingen – 89,0 MHz Querfunk, Karlsruhe – 104,8 MHz (Geteilt mit dem Lernradio) Radio Wellenbrecher, Konstanz – Keine terrestrische Ausstrahlung Bermudafunk, Mannheim – 89,6 MHz und Heidelberg – 105,4 MHz Freies Radio Wiesental, Schopfheim – 104,5 MHz Radio StHörfunk, Schwäbisch Hall – 97,5 MHz und Crailsheim – 104,8 MHz Freies Radio für Stuttgart – 99,2 MHz Wüste Welle, Tübingen – 96,6 MHz Radio free FM, Ulm – 102,6 MHz
Bayern LORA München – 92,4 MHz Radio Z, Nürnberg – 95,8 MHz
Berlin-Brandenburg Colaboradio, Berlin – DAB+ 7D Berlin frrapó - Freies Radio Potsdam: Potsdam – DAB+ 7D Berlin, 12D Berlin-Brandenburg Pi Radio, Berlin – DAB+ 7D Berlin Radio Ginseng, Grünheide (Mark) – DAB+ 12D Berlin-Brandenburg Radio Słubfurt, Frankfurt Oder – DAB+ 12D Berlin-Brandenburg, Kabel 578 MHz (Kanal 667) Frankfurt (Oder), Seelow, Eisenhüttenstadt Radio Woltersdorf, Woltersdorf (bei Berlin) – DAB+ 12D Berlin-Brandenburg Studio Ansage, Berlin – DAB+ 7D Berlin
Hamburg Freies Sender Kombinat, Hamburg
Hessen Radar e. V. – Radio Darmstadt: Darmstadt – 103,4 MHz RundFunk Meißner (RFM): Eschwege – 99,7 MHz, Witzenhausen – 96,5 MHz Radio X: Frankfurt am Main – 91,8 MHz Freies Radio Kassel (FRK): Kassel – 105,8 MHz Radio Unerhört Marburg (RUM): Marburg – 90,1 MHz Radio Rüsselsheim: Rüsselsheim am Main – 90,9 MHz Radio RheinWelle 92,5: Wiesbaden – 92,5 MHz
Mecklenburg-Vorpommern LOHRO, Rostock
Niedersachsen radio flora, Hannover Seit März 2010 nur noch im Internet zu hören. Radio Ostfriesland, Emden Radio Tonkuhle, Hildesheim
Sachsen Radio T, Chemnitz coloRadio, Dresden Radio Blau, Leipzig Rundfunk-Kombinat Sachsen, Leipzig (landesweit) Radio Zett, Zittau
Sachsen-Anhalt Radio Corax, Halle (Saale)
Schleswig-Holstein Freies Radio Neumünster Freie RadioCooperative Husum Lokalrundfunk Lübeck Radio Fratz (Freies Radio -Initiative Flensburg e. V.)
Thüringen Radio F.R.E.I., Erfurt Radio LOTTE, Weimar
Siehe auch Liste der Hörfunksender Liste deutscher Hörfunksender#Freies Radio, Offene Kanäle, Bürgerfunk
Literatur Bürgermedien, Neue Medien, Medienalternativen. München 2009, ISBN 978-3-9805604-5-0. Ron Steinke, Stephen Rehmke: Äther für alle – Meinungsmacht und Gegenöffentlichkeit am Beispiel freier Radios. In: ForumRecht. 1/2006, S. 10–14.
Einzelnachweise
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