mini|hochkant=1.8|Die Bestandteile des DanewerksEine bessere Karte findet sich auf haithabu-danewerk.de in allen Artikeln zu Abschnitten und Orten, z. B. Krummwall oder Sperrwerk.1 Krummwall, 2 Hauptwall, 3 NordwallThyraburg: am nordöstlichen Ende des Hauptwalls (2)4 Verbindungswall zur Anbindung von Haithabu (rote Fläche)Halbkreiswall: rings um Haithabu, am östlichen Ende des Verbindungswalls5 Kograben6 Schlei-Seesperrwerk7 Osterwall als Verbindung zum Windebyer Noor
Weitere Wälle im Umfeld des DanewerksKurzer Kograben: südlich der Mitte des Kograbens (5)8 Stummes Werk9 Wälle im Waldgebiet Tiergarten mini|hochkant=1.8|Links: Lage des Danewerks im nördlichen Schleswig-Holstein.Rechts: derselbe Ausschnitt wie im oberen Bild. Die gelben Pfeile weisen auf den geringen Abstand zwischen den Wasserwegen Schlei und Rheider Au hin.
Das Danewerk (veraltet Dannewerk, , auch Danevirke, altdänisch danæwirchi; wörtlich „das Werk der Dänen“) ist ein komplexes System dänischer Grenzbefestigungen, das im Frühmittelalter zur Sicherung der dänischen Südgrenze geschaffen wurde und sich im heutigen nördlichen Schleswig-Holstein befindet. Es besteht hauptsächlich aus Wällen mit Wehrgräben und dem Schlei-Seesperrwerk. Die meisten Wälle wurden zwischen der Schlei im Osten, der Treene im Westen und der Rheider Au im Süden angelegt. Mit ihnen ließ sich die nur 17 Kilometer breite Schleswiger Landenge zwischen der Schlei und der Treene kontrollieren.
Das Danewerk wurde im Lauf von Jahrhunderten immer weiter ausgebaut. Zuerst wurde der Hauptwall angelegt. Spätestens um 700 folgte der Krummwall als Verlängerung nach Westen. Ab 737 entstanden innerhalb weniger Jahre der Nordwall, der Osterwall im Osten und das Schlei-Seesperrwerk. Im 10. Jahrhundert entstanden der Halbkreiswall der Handelssiedlung Haithabu und ein Verbindungswall dorthin sowie südlich davon der sogenannte Kograben. Der zuvor schon mehrmals ausgebaute Hauptwall wurde schließlich im 12. Jahrhundert, im Hochmittelalter, mit der Waldemarsmauer verstärkt.
Im 19. Jahrhundert erlangte das Danewerk eine besondere Bedeutung als nationales Symbol für Dänemark. Während der Schleswig-Holsteinischen Erhebung (1848–1851) wurde es militärisch genutzt. Anfang der 1860er Jahre, im Vorfeld des Deutsch-Dänischen Krieges (1864), wurde das Danewerk mit Schanzen ausgebaut. In dieser Zeit wurde es stark umgestaltet.
Die Wallzüge sind heute noch zu etwa 80 % der Strecken erhalten, zum Teil allerdings stark verschleift. Die Relikte des Danewerks gelten als das größte archäologische Denkmal Nordeuropas. Am 30. Juni 2018 wurde das Danewerk zusammen mit Haithabu als Archäologischer Grenzkomplex Haithabu und Danewerk zum UNESCO-Welterbe erklärt.
Bestandteile Hauptwall Der 5,5 Kilometer lange Hauptwall ist der zentrale Bestandteil der Wallanlagen. Er beginnt im Osten am ehemaligen Dannewerker See und verläuft von dort in südwestlicher Richtung bis in die Flussniederung der Rheider Au. Der Hauptwall war der erste Wall des Danewerks. Er wurde im Lauf von Jahrhunderten mehrmals ausgebaut und dabei immer größer dimensioniert. Auch die letzte große Bautätigkeit am Danewerk – die Errichtung der Waldemarsmauer – diente der Verstärkung des Hauptwalls und war mit einem gewaltigen Ausbau der ganzen Wallanlage verbunden. Die nachfolgende Einteilung in sechs Hauptwall-Bauphasen entspricht der Darstellung auf der Website zum UNESCO-Kulturerbe „Archäologischer Grenzkomplex Haithabu und Danewerk“.Hauptwall haithabu-danewerk.de, siehe Grafik zu den Bauphasen.
mini|hochkant=1.5|Bauphasen des Hauptwalls (Schema, rechts ist Südosten)• I und II Erdwall• III Sodenwall• IV Palisadenwall (nicht dargestellt)• V mit Feldsteinmauer (= IV in der Grafik)• VI mit Waldemarsmauer.3D-Grafik: Willi Kramer
Phasen I bis II: Erdwälle Zwei Erdwälle von 1,8 bzw. 2,2 Meter Höhe und Breiten von um sechs Meter sind bisher nur im Hauptwallzug erkannt und an vier Stellen dokumentiert worden.Ausgrabung 1937: Jankuhn 1937, S. 130–136; Haseloff 1937, S. 111–113.Ausgrabung 1983: Kramer 1984.Ausgrabung 1990: Andersen 1998, S. 42–44, 51 f.Ausgrabung 2010–2014: Tummuscheit und Witte 2019, S. 121 f. Das Alter dieser frühen Erdwälle konnte nicht genau bestimmt werden, wahrscheinlich entstanden sie in der Völkerwanderungszeit. Das Danevirke Museum gibt als Baubeginn des Hauptwalls den Zeitraum 450 bis 500 n. Chr. an.Das Danewerk danevirkemuseum.de
Astrid Tummuscheit und Frauke Witte setzen aufgrund ihrer Ausgrabung eine einzige Bauphase an, in der ein Erdwall errichtet wurde, und nennen diese älteste Bauphase des Hauptwalls mit Bezug auf die traditionelle Einteilung „Phase 1/2“.Tummuscheit und Witte 2019, S. 121 f.
Phase III: Sodenwall In Phase III war der Hauptwall ein Sodenwall, ein Wall aus Gras-, Heide- und Torfsoden. Er war 18 Meter breit, etwa vier Meter hoch und hatte keinen Wehrgraben. Der Sodenwall ist im gesamten Hauptwallzug vorhanden.Haseloff 1937, S. 151–156.Jankuhn 1937, S. 124 ff.Andersen 1998, S. 91–95, 241–244, Pl. 8–9. Er geht im Westen in den Krummwall über, dessen Bauweise ähnlich ist.
C14-Datierungen von Hölzern wiesen zunächst auf eine Erstellung um 700 hin.Ältere Datierung des Sodenwalls: Im Jahr 1990 legte der dänische Archäologe H. Hellmuth Andersen an Schanze XVI einen Profilschnitt an (Andersen 1998, S. 51–77) und fand in der Schicht des Sodenwalls erhaltene Knüppelhölzer. Sechs dieser Hölzer liegen datiert vor. Bei zwei Proben war das Holz älter als bei den übrigen Proben. Der Bearbeiter der Proben, Helmut Erlenkeuser (C14-Labor in Kiel), vermutete, dass diese Stämme als Altholz aus den Niederungen der Rheider Au geborgen worden seien. Bei einer weiteren Probe konnte das Alter nicht sicher bestimmt werden. Bei den übrigen drei Proben bestimmte Erlenkeuser das Kalenderalter auf die Jahre 635–774, 646–867 und 650–806. Im gewichteten Mittel ergab dies den Zeitraum 646–768. Bei Schanze XIX und einem Wallabschnitt, der bereits dem Krummwall zuzuordnen ist, konnten ebenfalls Knüppelhölzer datiert werden. Bei zwei Proben wich das Alter deutlich ab. Bei den übrigen 14 Proben bestimmte Erlenkeuser als Mittelwert den Zeitraum 676–769 (Andersen 1998, S. 189–201, 243). Seitdem herrschte die Meinung vor, dass der Bau des Sodenwalls grob geschätzt um 700 begann. (Tummuscheit und Witte 2019, S. 122.) Im Jahr 2013 ergaben C14-Analysen anhand von Heidesoden jedoch eine wesentlich ältere Datierung.Die chinesische Mauer der Wikinger taz.de, 27. September 2013.Das Danewerk – älter als gedacht archaeologie-online.de, 4. Oktober 2013. Die neuere Datierung spricht für einen Baubeginn schon im 5. Jahrhundert.Neuere Datierung des Sodenwalls: Die Archäologinnen Astrid Tummuscheit und Frauke Witte entnahmen bei ihrer Ausgrabung des Jahres 2013 dem Sodenwall fünf Sedimentproben aus Heidesoden sowie eine Probe „aus verkohlten Resten der Heidepflanzen“. Vier Proben ergaben Radiokarbon-Kalenderalter für einen Zeitraum zwischen 382 und 570, die beiden weiteren Proben, darunter jene der Pflanzenreste, einen Zeitraum zwischen 130 und 333 bei einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent. Die Ausgräberinnen schlossen daraus, dass der Sodenwall „bis mindestens in die Zeit des 5./6. Jahrhunderts n. Chr. zurückreicht, jedoch auch weit älter sein könnte“. (Tummuscheit 2014, S. 73; Tummuscheit und Witte 2014, S. 157.) In einem vorläufigen Ausgrabungsbericht hielten Tummuscheit und Witte an ihrer Datierung der Bauzeit auf „ungefähr das 5. und 6. Jahrhundert“ fest. (Tummuscheit und Witte 2019, S. 122.)
Phase IV: Palisadenwall Unter anderem laut Helmuth Andersen,Andersen 1998, S. 51–77. Andres S. Dobat sowie Astrid Tummuscheit und Frauke WitteTummuscheit und Witte 2019, S. 126. wurde der Sodenwall um 740 als Palisadenwall erneuert. Eine robuste Holzpalisade diente als Front eines neuen Sodenwalls. Andersen wie auch Tummuscheit und Witte verwiesen auf Ähnlichkeiten zu Nordwall und Osterwall. Bei diesen Palisadenwällen hatte man ebenfalls außerordentlich große Pfostengruben gefunden. Die Pfosten des Palisadenwalls wurden dann beim Bau der Feldsteinmauer wiederverwendet. Allerdings fehlen jegliche Nachweise einer entsprechenden Bauschicht im Wallgefüge, da die Feldsteinmauer in die Front des Sodenwalls eingebaut worden ist. Der Palisadenwall beruht demnach auf einem Analogieschluss ohne stratigraphischen Nachweis. Willi Kramer hält den Analogieschluss in mehrfacher Hinsicht für methodisch fehlerhaft und beurteilt den Palisadenwall als eine „Fiktion“. Andres S. Dobat hatte schon darauf hingewiesen, dass der Palisadenwall in der skandinavischen Archäologie durchaus umstritten ist („intense debates“).
Phase V: Feldsteinmauer mini|Lage der Feldsteinmauer im Hauptwall östlich des Ochsenwegs in Klein Dannewerk (Schema, Blick Richtung Nordosten). 3D-Grafik: Willi Kramer.
Die Feldsteinmauer im Hauptwallzug besteht aus einer in Lehm gesetzten Feldsteinmauer und einem dahinterliegenden, etwa 17 Meter breiten und 3,5 Meter hohem Erdwall. Die Mauer ist an der Basis 2,8 Meter breit und war ursprünglich etwa drei Meter hoch. Vor ihr lag eine 3–4 Meter breite Berme, die in einen Wehrgraben von fünf Meter Breite und bis zwei Meter Tiefe überging. Für die Mauer wurden bis zu 20 Millionen Feldsteine als Baumaterial verwendet, die von den Jungmoränenflächen abgesammelt und zu den Standorten in der Geest transportiert wurden. Der Holzverbrauch war enorm; alle 1,8 Meter ragten dicke Eichenbohlen durch die Mauer hindurch bis an deren Oberfläche, wo vermutlich waagerechte Planken angebracht waren.Willi Kramer: Die Datierung der Feldsteinmauer des Danewerks. Vorbericht einer neuen Ausgrabung am Danewerk. In: Archäologisches Korrespondenzblatt, Band 14, 1984, S. 343–350.
Bei der Ausgrabung durch Willi Kramer an der Kreuzung von Hauptwall und Ochsenweg in Klein Dannewerk (1983) war im Mauerprofil eine untere Lage mit großen Steinen zu sehen, darüber Schichten kleinerer Steine. Dazwischen gab es keine Trennschicht. Der verwendete Lehm war durchgehend vom gelben Typ. Im Innern der Mauer stellte Kramer in regelmäßigem Abständen angelegte, röhrenförmige Aussparungen im Mauergefüge fest. An der Mauerbasis zeigten sich in der Verlängerung der röhrenförmigen Formationen ungewöhnlich große Pfostengruben, die noch 1,1 Meter in die Tiefe reichten. Der obere Rand der Pfostengruben war mit Steinen umstellt (im Gegensatz zu den Pfostengruben des Nordwalls und des Osterwalls). An der Sohle der Pfostengruben und im Grundwasser waren Reste von Eichenbohlen erhalten. Die Eichenbohlen ragten ursprünglich durch die Aussparungen in der Mauer und ließen an deren Oberfläche eine Palisadenwand errichten.
Nur 50 Meter südwestlich der Ausgrabung von 1983 fanden 2010–2014 Ausgrabungen am Hauptwall statt. Dabei zeigte sich in der Feldsteinmauer wieder eine unterschiedliche Legungsweise der Steine. Die untere Lage unterschied sich in der Größe der Steine von den darüberliegenden Lagen. Unten wurde zudem grauer und darüber gelber Lehm verbaut. Die Ausgräberinnen Astrid Tummuscheit und Frauke Witte gehen wie schon Hellmuth Andersen davon aus, dass die Pfostengruben ursprünglich einem Palisadenwall zugehörig waren und später für die Feldsteinmauer wiederverwendet wurden.Tummuscheit und Witte 2019, S. 127.
In der Literatur finden sich verschiedene Angaben zur Datierung des Feldsteinmauer: Bei der Ausgrabung durch Willi Kramer (1983) erbrachten vier Blockbohlen, die von 220 bis 250 Jahre alten Bäumen stammten, eine Datierung um 740. Kramer erkannte die Bohlen als konstruktiv zur Mauer gehörig und datierte somit die Feldsteinmauer auf diese Zeit. Bis dahin hatte die Feldsteinmauer als ein Bauwerk des 12. Jahrhunderts gegolten. Bei Kramer ist von einer vorangehenden Bauphase „Palisadenwall“ nicht die Rede.