Die Beziehungen zwischen Kuba und den Vereinigten Staaten sind von starken Spannungen geprägt. Diese Spannungen manifestieren sich insbesondere in einer misslungenen Invasion 1961 und im Handelsembargo, welches die USA 1962 während des Kalten Krieges gegen Kuba verhängten und das bis heute fortbesteht. mini|Gekreuzte Flaggen der USA und Kubas als Zeichen der exilkubanischen Gruppe Unidad Revolucionaria, 1960er-Jahre
Geschichte der Beziehungen zwischen den USA und Kuba Beginn der Handelsbeziehungen Nach der Einnahme und Besetzung Havannas durch die Briten im Jahre 1762 und der Aufhebung des spanischen Handelsmonopols wurde der freie Handel in Kuba etabliert. Erste Wirtschaftsbeziehungen zu den nordamerikanischen Kolonien wurden aufgebaut. Obwohl die spanische Krone Kuba 1763 im Frieden von Paris im Austausch gegen Florida zurückbekam, wurde das Handelsmonopol nicht wieder eingeführt. Nach und nach schwang sich Kuba zum führenden Zuckerlieferanten auf dem Weltmarkt auf und durch die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika wurde ein neuer Absatzmarkt erschlossen.
Monroe-Doktrin und Erster Unabhängigkeitskrieg 1868–1878 1823 meldeten die Amerikaner ihr Interesse an der Insel an und stellten „Die Theorie von der reifen Frucht“ auf, welche besagt, dass man diese verlockende, reife Frucht Kuba nicht auf dem Boden liegen lassen könne. Die Monroe-Doktrin, unter der Maxime „Amerika den Amerikanern“ aufgestellt, lieferte die gesetzliche und moralische Rechtfertigung für den Expansionsdrang des jungen Amerika. Einige kubanische Großgrundbesitzer und Sklavenhalter begrüßten die Idee des Anschlusses Kubas an die USA, bei der Mehrheit der kubanischen Bevölkerung wuchs jedoch der Wunsch nach Unabhängigkeit. Dies führte 1868 zum Ersten Unabhängigkeitskrieg der Sklaven gegen die spanischen Kolonialherren, welcher 1878 mit dem Frieden von Zanjón und dem Sieg der Spanier über die Aufständischen endete. Nachdem Spanien den Aufstand mühsam niedergerungen hatte und sich hauptsächlich um den Machterhalt kümmern musste, wurden viele Beschränkungen wie Steuern und Zölle gesenkt oder aufgehoben, der Handel ausgeweitet und der Markt weiter liberalisiert. Dies führte zu einer weiteren Öffnung gegenüber dem nordamerikanischen Markt und die Handelsbeziehungen zwischen den USA und Kuba wurden intensiver.
Zweiter Unabhängigkeitskrieg 1895–1898 mini|Angriff auf den Signalturm Colón während des kubanischen Krieges gegen Spanien 1868–1878 Der starke Wille zur Unabhängigkeit und der persönliche Einsatz von José Martí, der heute als kubanischer Volksheld gilt, führten schließlich zum Zweiten Unabhängigkeitskrieg. Obwohl Spanien seine militärische Macht auf Kuba konzentrierte, verlor es nach und nach immer mehr Land an die Aufständischen und bot ihnen schließlich einen Autonomiestatus an. Dieses Friedensangebot lehnten die Rebellen jedoch ab und kämpften weiter.
Nun sahen die USA den richtigen Zeitpunkt gekommen, sich das wirtschaftlich interessante Land zu sichern, und traten am 20. April 1898 ebenfalls in den Krieg gegen Spanien ein. Dies wurde durch die Explosion des Kriegsschiffes Maine im Hafen von Havanna ermöglicht, welche propagandistisch geschickt ausgenutzt wurde: „Remember the Maine, to hell with Spain!“ Die durch den zermürbenden Krieg mit den kubanischen Unabhängigkeitskämpfern geschwächte spanische Armee hatte der militärischen Übermacht der Amerikaner nicht mehr viel entgegenzusetzen. Etwa ein halbes Jahr später wurde Spanien in der entscheidenden Schlacht am San-Juan-Hügel bei Santiago de Cuba endgültig geschlagen. Damit bekamen die USA im Frieden von Paris am 10. Dezember 1898 neben Puerto Rico, Guam und den Philippinen endlich das zugeschlagen, was sie schon ein halbes Jahrhundert zuvor durch ein Kaufangebot an die Spanier zu erlangen versucht hatten: Kuba, die „Perle der Karibik“.
Erneute Abhängigkeit unter den Vereinigten Staaten Kaum waren die Spanier auf Kuba besiegt, wurde den Kubanern klar, dass die Unabhängigkeit noch lange nicht erreicht war. Den Rebellen wurde der Zugang zur Stadt Santiago de Cuba verwehrt und die amerikanische Flagge anstelle der kubanischen gehisst. Im Dezember 1898 wurde Kuba durch den Pariser Vertrag unter die amerikanische Vormundschaft gestellt und okkupiert. Das Platt Amendment sicherte Kuba zwar formal die Unabhängigkeit zu, der Vertrag gab den Amerikanern jedoch das Recht, die Landwirtschaft, den Bergbau und die Zuckerproduktion Kubas zu kontrollieren und zu verwalten. Außerdem wurden die Rebellen entwaffnet und die revolutionäre Kubanische Partei aufgelöst. mini|Leonard Wood im Jahre 1903
Unter der Führung des Militärgouverneurs Leonard Wood wurde eine Verfassung für Kuba erarbeitet und 1901 umgesetzt. Teil der Verfassung war das Platt Amendment, welches den USA das Recht gab, jederzeit militärisch zu intervenieren, um die Unabhängigkeit Kubas zu sichern:
Nachdem diese Bedingungen – wenn auch unter Protest – akzeptiert worden waren, zog das amerikanische Militär seine Truppen ab und entließ Kuba in die formelle Unabhängigkeit. Allerdings gab Artikel VII. des Platt Amendments den USA das Recht, Land auf kubanischem Staatsgebiet zu kaufen oder zu mieten:
Auch der US-Flottenstützpunkt Guantánamo wurde zu dieser Zeit erbaut und ein Vertrag sicherte den Amerikanern das Recht zu, diesen 99 Jahre lang militärisch zu nutzen. Diese Frist wurde 1934 auf unbestimmte Zeit verlängert, sie wird jedoch seit der Machtergreifung Fidel Castros nicht mehr anerkannt. Es war deutlich, dass die kubanische Republik zwar formell unabhängig wurde, faktisch jedoch eine „abhängige oder neokoloniale Republik“Zeuske, Michael und Max Zeuske (1998): Kuba 1492–1902. Kolonialgeschichte, Unabhängigkeitskriege und erste Okkupation durch die USA. S. 417. darstellte und von den USA abhängig war.
Erste und Zweite Republik (1902–1958) mini|Fulgencio Batista 1952 1902 wurde in Kuba die erste Republik mit Präsident Tomás Estrada Palma an der Spitze ausgerufen. Nachdem es in der Folge der Wahl zu Palmas Nachfolger 1906 zu bewaffneten Aufständen gekommen war, übten die USA ihr Recht zur Intervention aus und besetzten Kuba erneut für drei Jahre. 1908 endete die Okkupation mit der Wahl von José Miguel Gómez zum 2. Präsidenten Kubas. Als 3. President wurde Mario García Menocal gewählt, vormals jüngster General des kubanischen Unabhängigkeitskrieges gegen die spanische Kolonialherrschaft, und Besitzer einer der größten Zuckermühlen in Oriente. Die Einführung der Revenue Act of 1913 der Vereinigten Staaten von Amerika schädigten derart das florierende Geschäft mit Tabak und Zucker, dass er dem Gesuch des Präsidenten der Vereinigung Tabakfabrikanten Theodore Garbade folgte, mit den Amerikanern hierfür eine Einigung zu finden. Unter seiner Regierung trat Kuba auf Seiten der Vereinigten Staaten 1917 in den Ersten Weltkrieg ein.
In der Nachkriegszeit kam es durch Zuckerexporte nach Europa zu einem Boom der kubanischen Wirtschaft. Dies führte jedoch zu einer Monokultur im Agrarbereich und bedingte, neben politischem Missmanagement und Einflussnahme durch die USA, die dramatischen Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise von 1929 auf die kubanische Ökonomie. Infolge der Unzufriedenheit des kubanischen Volkes mit der wirtschaftlichen Situation entstand die kommunistische Partei Kubas (PCC).
Während der folgenden Jahre gewann der von den USA unterstützte Fulgencio Batista an Einfluss. Mit seiner Hilfe kam Federico Laredo Brú an die Macht, welcher neben anderen Reformen das Platt Amendment abschaffte. Dies geschah einvernehmlich mit den USA während der Good Neighbor Policy unter Präsident Franklin D. Roosevelt.Staten, Clifford L. (2003): The History Of Cuba. S. 62. Von 1940 bis 1944 war Batista selbst Präsident und putschte sich 1952 erneut an die Macht. Im Dezember 1941 trat Kuba an der Seite der USA in den Zweiten Weltkrieg ein, auch wenn sich das tatsächliche militärische Engagement Kubas in Grenzen hielt. Kuba konnte erneut wirtschaftlich profitieren und erhielt finanzielle Hilfen für soziale und landwirtschaftliche Programme.Staten, Clifford L. (2003): The History Of Cuba. S. 64. So stimmte der US-Kongress beispielsweise 1948 dem Zuckergesetz zu, das für Importe aus Kuba einen Anteil von über 98 % der Zuckerversorgung des Landes vorsah. Das Gesetz wurde 1952 und 1956 um jeweils vier weitere Jahre verlängert.
Batistas systematische Unterdrückung der Opposition bereitete den Boden für die kubanische Revolution, deren Anhänger ab 1956 mit einer koordinierten Kombination aus städtischen Sabotageakten und ländlichem Guerillakrieg zum Erfolg kamen. Wegen des Bürgerkrieges zwischen Batistas Regierungstruppen und den Revolutionären verhängten die USA im März 1958 ein Waffen-Embargo. Im Verlauf der kubanischen Revolution entzogen die USA Batista also das Vertrauen. Angesichts des militärischen und politischen Kollapses seines Regimes trat er am frühen Morgen des 1. Januar 1959 vom Präsidentenamt zurück und floh gemeinsam mit zahlreichen Vertrauten ins Exil. Die Revolutionäre, deren charismatischster und populärster Anführer Fidel Castro war, übernahmen die Kontrolle im Land und kurz darauf die Regierung. Aus Castros zahlreichen öffentlichen Äußerungen war bis dahin keinerlei US-feindliche Haltung hervorgegangen. Ein historischer Brief, den er im Juni 1958 aus der Sierra Maestra an seine Vertraute Celia Sánchez geschrieben hatte, wurde allerdings erst viel später öffentlich. Auf US-produzierte Raketen Bezug nehmend, die Batistas Truppen auf Bauernhäuser abgeworfen hatten, schrieb Castro:
Kuba unter Fidel Castro im Kalten Krieg (1959–1989) mini|Fidel Castro im Jahr 1959 Zunächst sah es so aus, als würden sich die neue Regierung und die USA miteinander arrangieren. Zwar befürchteten die USA einen Angriff auf das Eigentum amerikanischer Unternehmen und Bürger in Kuba. Jedoch waren die wirtschaftlichen Beziehungen immer noch eng, und bisherige Erfahrungen hatten gezeigt, dass verbalradikale Revolutionäre ihre Positionen deutlich mäßigen, wenn sie Regierungschefs geworden sind, oder die Politik ihrer Vorgänger im Wesentlichen fortsetzen. Der „Spiegel“ schrieb im Januar 1959, dass Castro bereits „eingesehen habe“, dass „sein Regime auf die Dauer nicht ohne das Wohlwollen der Amerikaner gedeihen kann“. Und die in den USA einflussreiche, „New York Times“ lobte Castro als „Freiheits-Helden“ und schrieb „Kuba wird in den kommenden Monaten unsere Hilfe sehr brauchen. Sie sollte mit Großzügigkeit und Verständnis gewährt werden.“ Während seines offiziellen USA-Besuches als neuer Regierungschef im April 1959 stellte Castro gegenüber der Presse jedoch klar, nicht wegen Geldes gekommen zu sein. Seinen Delegationsmitgliedern hatte er sogar ausdrücklich untersagt, auf Gesprächsangebote zu möglicher wirtschaftlicher Unterstützung einzugehen.Augustin Souchy: Betrifft: Lateinamerika. Zwischen Generälen, Campesinos und Revolutionären, S. 169, Frankfurt: Edition Mega, 1974, ISBN 3-87979-003-5