mini|Influenza-Virus
Die Influenza (italienisch für „Einfluss“), auch (echte) Grippe oder Virusgrippe genannt, ist eine durch Viren der Familie Orthomyxoviridae und dabei überwiegend von den Gattungen Influenzavirus A oder B ausgelöste fieberhafte Infektionskrankheit bei Menschen. Die Grippe tritt meist epidemisch und unter Beteiligung der Atemwege auf. Von der Influenza ist die wegen teilweiser Symptomähnlichkeit verständliche umgangssprachliche Bezeichnung Grippaler Infekt für eine Erkältung klar abzugrenzen, da nach den Erkenntnissen der modernen Medizin die eine Erkältung verursachenden Viren zweifelsfrei keine Grippeviren sind. In der Tiermedizin werden durch Influenzaviren hervorgerufene Erkrankungen ebenfalls als Influenza bezeichnet und nach der betroffenen Tierart benannt (Aviäre Influenza, Pferdeinfluenza, Schweineinfluenza). Diese Erkrankungen können ebenfalls auf den Menschen übergehen und sind damit Zoonosen.
Vorkommen Die Influenzaviren und die durch sie ausgelösten Erkrankungen existieren weltweit, allerdings kommen im Gegensatz zu den anderen Virustypen (insbesondere A) die Influenza-C- und -D-Viren nur sehr selten als Erreger der Virusgrippe vor. Es handelt sich um eine auch „sporadisch“, also außerhalb von Epidemien und Pandemien, sehr häufige Infektion: Jährlich sind nach Schätzungen der World Health Organization (WHO) 10 bis 20 % der Weltbevölkerung betroffen. Bereits mit sechs Jahren haben nahezu alle Kinder beispielsweise in den Niederlanden Infektionen mit mindestens einem der Virus-Subtypen durchgemacht.R. Bodewes et al.: Prevalence of Antibodies against Seasonal Influenza A and B Viruses in Children in Netherlands. 5. Januar 2011, . In Deutschland wurden zu Ende der Saison 2017/2018, in der seit 2001 die höchsten Fallzahlen gemeldet wurden, insgesamt etwa 334.000 Fälle von ambulant Erkrankten mit Virus-Nachweis gemeldet.Silke Buda u. a.: Influenza-Wochenbericht – Kalenderwoche 14 (31.03. bis 06.04.2018). (PDF; 217 kB). Bericht zur Epidemiologie der Influenza in Deutschland Saison 2017/18. (PDF; 9,7 MB) Arbeitsgemeinschaft Influenza, S. 33, ISBN 978-3-89606-293-2, doi:10.17886/rkipubl-2018-003, abgerufen am 13. Juni 2019. Die Influenzaviren „zirkulieren“ auf der Nordhemisphäre meist von Anfang Oktober bis Mitte Mai.
Infolge der mit der COVID-19-Pandemie in Deutschland einhergehenden Basis-Hygienemaßnahmen lag die Zahl der in den Kalenderwochen 10 bis 32 registrierten Fälle saisonaler Influenza im Jahr 2020 im Mittel rund 54 Prozent unter den Werten der Vorjahre.
Arbeitsgemeinschaft Influenza Die in Deutschland beheimatete Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) wurde 1992 zunächst von vier pharmazeutischen Unternehmen und dem ebenfalls industrienahenDeutsches Grünes Kreuz – grünes Feigenblatt für Pharmamarketing. Auf: arznei-telegramm.de vom 12. Juni 2009. Deutschen Grünen Kreuz (DGK) gegründet.Darstellung der AGI auf der Website des RKI, Abruf am 26. Mai 2020. Nach dem Inkrafttreten des Infektionsschutzgesetzes (Anfang 2001) übernahm das Robert Koch-Institut (RKI) die wissenschaftliche Federführung der AGI unter Beibehaltung der bisherigen Sponsoren DGK, Aventis Pasteur MSD, Chiron Behring, Niddapharm, SmithKline Beecham Pharma und Solvay Arzneimittel.Arbeitsgemeinschaft Influenza: Infektionsprophylaxe gegen Influenza verstärken. In: Deutsche Apotheker Zeitung. Nr. 37/2001, S. 32, Online-Abruf am 26. Mai 2020. Als Reaktion auf die Frühphase Pandemie H1N1 2009/10 („Schweinegrippe“) ist das RKI seit dem Winter 2009/10 für die Arbeitsgemeinschaft Influenza alleinverantwortlich. Die AGI ist seitdem eine Gemeinschaft der Sentinel-Praxen und des RKI, deren Arbeit ausschließlich aus öffentlichen Mitteln finanziert wird. Auf seiner Website beschreibt das RKI die AGI wie folgt: „Die AGI ist ein Netzwerk von rund 700 Haus- und Kinderärzten, die zusammen etwa ein Prozent der Bevölkerung versorgen. Sie teilen dem Robert Koch-Institut das ganze Jahr über freiwillig und ehrenamtlich wöchentlich die Zahl der akuten Atemwegserkrankungen in ihrer Praxis mit. Auf dieser Grundlage ermitteln die Experten im RKI die Krankheitslast durch akute Atemwegsinfektionen in der Bevölkerung – speziell durch Influenza.“ Auf: rki.de vom 25. September 2019. Die AGI veröffentlicht u. a. Wochen- und Saisonberichte, in denen die jeweils erfassten Daten des Verlaufes der Erkrankung in Deutschland festgehalten sind und bewertet werden.Saisonberichte. (Ab Saison 1996/1997). Auf: rki.de, abgerufen am 26. Mai 2020.
Übertragung Das Virus dringt über die Schleimhaut der Atemwege, des Mundes und der Augen in den Körper ein. Es erreicht diese Eintrittsorte durch Tröpfcheninfektion, also über den Kontakt der Schleimhaut mit Exspirationströpfchen, die beim Niesen, Husten, Sprechen oder Atmen von infizierten Personen entstehen. Die größeren infektiösen Tröpfchen sinken innerhalb von etwa zwei Metern nach unten und verkleben besonders fest an rauen Oberflächen. Wenn die Exspirationströpfchen jedoch bereits in der Luft trocknen, können die darin enthaltenen sehr kleinen Viren von ca. 0,1 µm Durchmesser als AerosolR. Tellier: Review of aerosol transmission of influenza A virus. In: Emerg Infect Dis. November 2006, Band 12, Nr. 11, S. 1657–1662. PMID 17283614. (auch Tröpfchenkerne oder airborne genannt) über weite Strecken in der Luft schweben und stundenlang infektiös bleiben.F. L, Schaffer, M. E. Soergel, D. C. Straube: Survival of airborne influenza virus: effects of propagating host, relative humidity, and composition of spray fluids. In: Arch Virol. 51, 1976, S. 263–273. Trockene Raumluft in geheizten Räumen und die niedrige absolute Luftfeuchtigkeit im Winter begünstigen Aerosole und könnten ein Grund für das Auftreten von Grippewellen im Winter sein.Jeffrey Shaman, Melvin Kohn: Absolute humidity modulates influenza survival, transmission, and seasonality. (PDF; 368 kB). In: PNAS. 3. März 2009, Band 106, Nr. 9, S. 3243–3248, doi:10.1073/pnas.0806852106.Jeffrey Shaman, Virginia E. Pitzer, Cécile Viboud, Bryan T. Grenfell, Marc Lipsitch: Absolute Humidity and the Seasonal Onset of Influenza in the Continental United States. In: Plos bilogy. abgedruckt: 23. Februar 2010, doi:10.1371/journal.pbio.1000316. Infizierte Personen können durch Tragen von Atemmasken den Tröpfchenausstoß stark vermindern, da die frischen Tröpfchen direkt vor deren Mund gut im Filtermaterial kleben bleiben. Gegen eine Infektion über das Aerosol kann man sich durch eine Gegenluftströmung schützen. Einfache Atemmasken über Mund und Nase halten die als Aerosol übertragenen Viren teilweise zurück, aber nicht zuverlässig, weil die Filtermaterialien Viren nicht vollständig zurückhalten können, die Masken nicht dicht genug anliegen und die Augen überhaupt nicht abdecken. Lüften kann das Infektionsrisiko durch Verdünnen der Aerosolkonzentration im Raum verringern, wenn dabei das Aerosol nicht in andere Wohnräume des Gebäudes gelangt.
über Kontaktinfektion oder Schmierinfektion mit Viren, die in Exspirationströpfchen oder durch verschmiertes Nasensekret oder Berührung von Infizierten auf Gegenstände gelangen und dort innerhalb von zwei Tagen besonders leicht von glatten Oberflächen über die Hände auf die eigenen Schleimhäute übertragen werden. durch Kotpartikel erkrankter Wirte und Vektoren durch Viren auf Hautschuppen, Haaren, Gefieder und Staub durch Kontakt mit Speichel erkrankter Personen Das Virus ist unempfindlich gegen Austrocknung und bleibt bei niedriger Temperatur und niedriger Luftfeuchtigkeit länger infektiös.
Temperatur Luftfeuchtigkeit Umgebung Zeit Quelle (°C) (%rF) aktiv kontakt-infektiös <0 im Eis unbegrenztMedizinische Mikrobiologie: Orthomyxoviridae. in de.wikibooks.org. 0 >30 d? glatte Oberflächen wie Edelstahl oder Plastik 24–48 h <24 hB. Bean, B. M. Moore, B. Sterner, L. R. Peterson, D. N. Gerding, H. H. Balfour Jr.: Survival of influenza viruses on environmental surfaces. In: The Journal of Infectious Diseases. Juli 1982, Band 146, Nr. 1, S. 47–51, PMID 6282993.? Textilien, Papier, Papiertaschentücher 8–12 h <15 min? Geldscheine 1–17 dY. Thomas, G. Vogel, W. Wunderli, P. Suter, M. Witschi, D. Koch, C. Tapparel, L. Kaiser: Survival of influenza virus on banknotes. In: Applied and Environmental Microbiology. (AEM), Mai 2008, Band 74, Nr. 10, S. 3002–3007; Epub: 21. März 2008, PMID 18359825. 20 auf Oberflächen an Luft 2–8 h21 20als Aerosol in Luft > 60 min 40 = 56 min 70 = 28 min 22 im Wasser >4 d 34 auf Händen <5 min 56 <3 h 60 <30 min >70 wenige Sekunden t½ = Halbwertszeit
Die Inkubationszeit beträgt je nach Untersuchung, Methode oder Virus-Subtyp 1,2 bis 4 Tage.Ira M. Longini Jr., Azhar Nizam, Shufu Xuet u. a.: Containing Pandemic Influenza at the Source. In: Science, Band 309, Nr. 5737, 2005, S. 1083–1087, doi:10.1126/science.1115717, medicalecology.org (PDF; 194 kB) oder N. M. Ferguson, D. A. Cummings, C. Fraser u. a.: Strategies for mitigating an influenza pandemic. In: Nature, Band 442, 2006, S. 448–452, doi:10.1038/nature04795 erwähnt in: Bundesaerztekammer/Mitteilungen: Empfehlungen zum Einsatz antiviraler Arzneimittel für die Postexpositions- und Langzeitprophylaxe während einer Influenzapandemie. Stand: 14. November 2007. In: Deutsches Ärzteblatt, Jahrgang 104, Heft 51–52, 24. Dezember 2007, bundesaerztekammer.de (PDF; 110 kB).
Krankheitsverlauf/Symptome Als Faustregel kann gelten, dass es bei etwa einem Drittel der Influenza-Infektionen zu einem fieberhaften, einem weiteren Drittel zu einem leichteren und dem letzten Drittel zu einem Verlauf ohne merkliche Krankheitszeichen kommt. Bei Weitem nicht alle Influenza-Infizierten erkranken also, noch weniger erkranken mit typischer Symptomatik.Klinische Symptomatik nach Influenza-Infektion. Robert Koch-Institut, 19. Januar 2018; abgerufen am 17. Juni 2019. Wenn überhaupt, dann treten erste Symptome nach einer Inkubationszeit von wenigen Stunden bis Tagen auf, jedoch können die Viren bereits zwei Tage vor dem Auftreten der ersten Symptome auf andere übertragen werden. Sofern die Krankheitsanzeichen eher unspezifisch sind, kann die Influenza mit anderen akuten Atemwegserkrankungen verwechselt werden, auch mit der Krankheit COVID-19 (Corona). Eine Tabelle zur Differenzierung zwischen Influenza und Erkältung findet sich unter Erkältung. Die wichtigsten Symptome der Influenza sind: plötzlicher Krankheitsbeginn ausgeprägtes Krankheitsgefühl im ganzen Körper Fieber von über 40 °C, auch mit Schüttelfrost ausgeprägtes Krankheitsgefühl mit Kopfschmerzen und Gliederschmerzen trockener Husten
Möglich, aber weniger kennzeichnend für eine Influenza sind: Augentränen trockene Kehle angeschwollene Nasenschleimhaut Tracheobronchitis bei schwerer GrippeKarl Wurm, A. M. Walter: Infektionskrankheiten. In: Ludwig Heilmeyer (Hrsg.): Lehrbuch der Inneren Medizin. 1961, S. 131. Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall
In der Regel dauern die Symptome 7 bis 14 Tage an. Es können jedoch ein allgemeines Schwächegefühl und Appetitlosigkeit noch einige Wochen darüber hinaus auftreten.
Komplikationen