mini|Traditioneller japanischer Tanz Nihon Buyō (jap. , dt. „japanischer Tanz“, kurz auch Nichibu oder Hōbu ) bezeichnet die traditionelle japanische Tanzkunst. Als Sammelbegriff bezeichnet Nihon Buyō im weiteren Sinne in der Geschichte teils weit zurückreichende Formen, die mit Musik und Gesang kombiniert waren. Man kann diese ersten Formen grob in eine mehr stilisierte Form etwa für die Darbietung am Hofe durch professionelle (Berufs)tänzer und eine volkstümlichere mehr im Alltagsleben verwurzelte Form einteilen. Im Vergleich ist die stilisierte Form meist abstrakter in der Darstellung und sparsamer in der Bewegung. Im engeren Sinn bezeichnet Nihon Buyō Tanzformen, die in der Regel auf der Bühne dargeboten werden. Diese etwa 400 Jahre alten Formen setzen mit der Entstehung des Nō-Theaters ein. Ihre Entwicklung ist geprägt von fünf großen Schulen und im Zusammenhang mit den japanischen Bühnenkünsten (neben dem Nō auch das Kabuki) zu sehen. Seit dem Zweiten Weltkrieg kommen neue Elemente hinzu, die zu einer Modernisierung der traditionalistischen Tanzformen des mai () und des odori () führen.
Übersicht Die Bezeichnung Buyō wurde erstmals in der Meiji-Zeit von Shōyō Tsubouchi und Gen'ichirō Fukuchi als Neologismus (Wortneuschöpfung) und Übersetzung des englischen Wortes dance geprägt. Als Kompositum ist es aus den beiden Begriffen mai und odoriMai und Odori bezeichnen eigenständige Tanzformen. Für das Kompositum Buyō wird die Onyomi-Lesung verwendet. Durch die Einführung dieses „Kunstbegriffs“ werden die beiden Tanzformen zunehmend weniger in ihrer Eigenständigkeit wahrgenommen., ähnlich dem Wort Liebe (, ren-ai), zusammengesetzt. Der Begriff wurde nicht zuletzt durch die weidliche Verwendung in Tsubouchis eigenem Werk Shingakugeki-ron (, dt. etwa „Abhandlung über das neue Musikdrama“) zum Allgemeingut. Da sich bald die Notwendigkeit ergab zwischen traditionellem japanischem Tanz und Tanzformen, die mit der Übersetzung des englischen Wortes gemeint waren, zu unterscheiden, setzte man zur Spezifizierung Nihon (, Japan)Nihon ist hier durchgängig adjektivisch als japanisch wiedergegeben. Denkbar ist aber auch eine genitivische Wiedergabe mit Tänze Japans, wobei der Genitivmarker no entfällt. hinzu.
Typische Requisiten des japanischen Tanzes sind der Kimono, Schirm und Fächer.
Tanzformen (Buyō im weiteren Sinne) mini|Tanzende Geisha Der traditionelle japanische Tanz kann grob in drei Formen unterteilt werden: mai, odori und furi ().
Mai Diese Tanzform wird mit Musik oder Gesang verbunden dargebracht. Sie zeichnet sich durch kreisende und ruhige Bewegungen aus. Feierliche Darbringung am kaiserlichen Hofe im Rahmen der Hofmusik Gagaku Bugaku () Aufführung bei volkstümlichen, religiösen Festen Kagura Dengaku () Formen, die Gesang und die Tanzform mai kombinieren Sarugaku () Shirabyōshi () Ennen () Kusemai () Kōwakamai () reine Bühnenkunst Nōgaku ()
Odori als Massenunterhaltung Nenbutsu odori () Bon odori () Awa odori () Gujō odori () Nishimonai odori ()
Furi Kleine FormKamigata bezeichnet die Region zwischen Kyōto und Osaka, die in der Edo-Zeit neben Edo ein Zentrum des Buyō war. Als Tokyo der Region den Rang als Kulturzentrum ablief, entwickelt sich in Kamigata eine kleine Form, die vornehmlich in kleinen Räumen mit Tatami Matten dargeboten wurde. – in kleinen Räumen mit Tatami-Matten und Wandschirm Kamigata mai () Bühnenformen Kabuki buyō () Shōsagoto (, pantomimischer Tanz im Kabuki), hierzu zählen auch das Jōruri, der Begleitgesang zum Puppenspiel, und das Nagauta, eine Ballade mit Shamisen-Begleitung.
Modern(isiert)e Formen an die japanischen Kampfkünste angelehnte Formen Hō no te () Kenbu () Shibu () Tanzformen der Gegenwart Shin buyō () Kayō buyō () Gin'ei kenshibu ()
Nihon Buyō im engeren Sinn Gegenwärtig existieren etwa 200 Schulen, die traditionelle japanische Tänze praktizieren. Darunter sind insbesondere die „fünf großen Schulen“ (, Godai ryūha): die „Hanayagi-Schule“ (), die „Fujima-Schule“ (), die „Kawayagi-Schule“ (), die „Nishikawa-Schule“ () und die „Bandō-Schule“ () zu nennen.
Während noch auf dem Spielplan von 1852 nur 14 Schulen zu finden waren, stieg die Zahl der Schulen in der Taishō-Zeit rapide an. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich die Entwicklung in zwei verschiedene Richtungen fort. 120 Schulen mit rund 6000 Tänzern traten der Nihon Buyō Kyōkai (, engl. „The Japanese Classical Dance Association“) bei. Schulen, die dem Verband bisher nicht beigetreten sind, und eine Vielzahl von Schulen, die Tanzformen modernisierten (, shinbuyōShinbuyō bedeutet wörtlich neuer Tanz. Es handelt sich hierbei meist um Schulen, die Elemente aus anderen Bereichen, wie den Kampfkünsten, aufnehmen. Insofern sind sie sowohl neu, als auch modernisierend. Nicht gemeint ist eine per se moderne Tanzform, die sich gänzlich vom traditionellen japanischen Tanz entfernt.) bilden parallel dazu eine eigene Entwicklungsrichtung.
Die fünf großen Schulen Die Hanayagi-Schule wurde 1849 von Jusuke Hanayagi () gegründet, der bei Senzō Nishikawa IV. (, 1797–1845) Tanz und Choreographie erlernte. Die Schule wird heute in der vierten Generation von Jusuke Hanayagi IV. geführt und ist mit 15 bis 20.000 Mitgliedern die größte der fünf Schulen. Die Fujima-Schule wurde 1704 von Kanbee Fujima () gegründet. Im 19. Jahrhundert entwickelten sich zwei Strömungen, eine unter der Leitung von Kanemon Fujima () aus der auch die Matsumoto-Schule hervorging, die andere unter Kanjurō Fujima (). Die Kawayagi-Schule wurde 1893 von Judō Wakayagi () gegründet. Markenzeichen dieser Schule ist der häufige Einsatz von Handbewegungen. Die Nishikawa-Schule wurde in der Genroku-Zeit um 1700 von Senzō Nishikawa III. gegründet, womit sie mit einer Tradition von mehr als 300 Jahren die älteste der fünf Schulen ist. Die Bandō-Schule wurde in der Bunka-Zeit um 1800 von Mitsugorō Bandō III. (), der als Meister des pantomimischen Tanzes im edozeitlichen Kabuki gilt, gegründet.
Siehe auch Liste traditioneller japanischer Tanzformen
Anmerkungen
Einzelnachweise
Weblinks
Kategorie:Japanischer Tanz