mini|hochkant|Werner Best (1942) Karl Rudolf Werner Best (* 10. Juli 1903 in Darmstadt; † 23. Juni 1989 in Mülheim an der Ruhr) war ein deutscher Jurist, SS-Obergruppenführer und Politiker der NSDAP.

Als „Theoretiker, Organisator und Personalchef der Gestapo“Carsten Dams, Michael Stolle: Die Gestapo. Herrschaft und Terror im Dritten Reich. Beck, München 2008, S. 51. hatte er eine wichtige Funktion bei der Etablierung der Gestapo und der Gründung des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA). Die Konzeption und die erstmalige Aufstellung sogenannter Einsatzgruppen geht auf ihn zurück.Ulrich Herbert: Best. Biographische Studien über Radikalismus, Weltanschauung und Vernunft. 1903–1989. 3. Auflage. Dietz, Bonn 1996, S. 234ff. Innerhalb der SS galt er zeitweise als „führender Großraumtheoretiker“.Ulrich Herbert: Best. Biographische Studien über Radikalismus, Weltanschauung und Vernunft. 1903–1989. 3. Auflage. Dietz, Bonn 1996, S. 290. Bekannt wurde er als Planer eines nicht erfolgten Putsches der NSDAP (1931), später dann als Stellvertreter von Reinhard Heydrich in der Führung des SD (1934–1940) sowie als deutscher Statthalter im besetzten Dänemark (1942–1945). Weniger bekannt ist seine Tätigkeit als hoher Offizier der Wehrmacht in der deutschen Militärverwaltung des besetzten Frankreich (1940–1942).

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er in Dänemark als Kriegsverbrecher verurteilt. Nach seiner Entlassung spielte er eine wichtige Rolle bei dem erfolgreichen Versuch, durch verdeckte Einflussnahme auf Prozesse und Gesetzgebung in der Bundesrepublik die Strafverfolgung von NS-Tätern zu erschweren.Ulrich Herbert: Best. Biographische Studien über Radikalismus, Weltanschauung und Vernunft. 1903–1989. 3. Auflage. Dietz, Bonn 1996, S. 495ff. Einer Ahndung seiner eigenen Verbrechen konnte er sich weitestgehend entziehen. Er starb kurz vor der Eröffnung des Hauptverfahrens gegen ihn.

Herkunft und Prägung Werner Best wurde 1903 als ältester Sohn des Postinspektors Georg Konrad Best und dessen Frau Karoline, geborene Noll/Nohl, in Darmstadt geboren. Sein Bruder Walter Best folgte 1905. Die Eltern zogen 1905 von Darmstadt nach Liegnitz und 1912 nach Dortmund. Der Vater erlag als Oberleutnant zu Beginn des Ersten Weltkrieges in Frankreich einer Verwundung. Daraufhin zog die Mutter mit den beiden Kindern nach Gonsenheim bei Mainz. Best besuchte das neue humanistische Gymnasium bis zum Abitur 1921.

Werner heiratete 1930 in Mainz Hildegard Regner, die Tochter des Zahnarztes Josef Regner. Sie hatten fünf Kinder.Stiftung Deutsches Historisches Museum, Berlin: Biografie: Best Werner 1903–1989.

Jugend Best war seit frühester Jugend dem Lager des völkischen Nationalismus in Deutschland verbunden. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges gründete er in Mainz die erste Ortsgruppe des Deutschnationalen Jugendbundes und wurde in der Deutschnationalen Volkspartei aktiv. Noch als Gymnasiast auf dem Neuen Mainzer Gymnasium war er Gründungsmitglied der Mainzer Ortsgruppe des Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes.Uwe Lohalm: Völkischer Radikalismus. Die Geschichte des Deutschvölkischen Schutz- und Trutz-Bundes. 1919–1923. Leibniz, Hamburg 1970, ISBN 3-87473-000-X, S. 444.

Der frühe Verlust des Vaters durch den Krieg und das Erlebnis der alliierten Rheinlandbesetzung prägten den jungen Best entscheidend. Überregional bekannt wurde er erstmals, als er als Schüler einen Französischwettbewerb gewann und sich dann ausdrücklich weigerte, den Preis aus den Händen eines französischen Besatzungsoffiziers entgegenzunehmen.Ulrich Herbert: Best. Biographische Studien über Radikalismus, Weltanschauung und Vernunft. 1903–1989. 3. Auflage. Dietz, Bonn 1996, S. 50.

Studium und Ruhrkampf Von 1921 bis 1925 studierte Best Rechtswissenschaften in Frankfurt am Main, Freiburg, Gießen und Heidelberg. In dieser Zeit wurde er auch Mitglied des stark antisemitischen Deutschen Hochschulringes, wo er erst in die Führung des Frankfurter Ringes aufstieg und dann in den „Führerrat“ des reichsweiten Gesamtverbandes.Ulrich Herbert: Best. Biographische Studien über Radikalismus, Weltanschauung und Vernunft. 1903–1989. 3. Auflage. Dietz, Bonn 1996, S. 67. Innerhalb des Verbandes gehörte er zur radikal „rassenbiologisch orientierten“ Richtung, die sich mit ihren Positionen – wie etwa in der Ablehnung von Juden als Mitgliedern – gegenüber den gemäßigteren Strömungen durchsetzte, die einzelne Ausnahmen zulassen wollten.Ulrich Herbert: Best. Biographische Studien über Radikalismus, Weltanschauung und Vernunft. 1903–1989. 3. Auflage. Dietz, Bonn 1996, S. 68.

Politische Aktivitäten im Ruhrkampf und kritische Distanz zur jungen NSDAP mini|Zivilist und französischer Soldat während des Ruhrkampfes (Propagandaaufnahme 1923)

Gegen die französisch-belgische Ruhrbesetzung 1923 engagierte sich Best parallel zu Studium und Verbandsarbeit öffentlich und im Untergrund. Dabei unterstützten staatliche Stellen wie die Reichszentrale für Heimatdienst des Reichsinnenministeriums ihn und seinen Verband durch lockere Koordinierung der Tätigkeit und unregelmäßige Geldleistungen.Ulrich Herbert: Best. Biographische Studien über Radikalismus, Weltanschauung und Vernunft. 1903–1989. 3. Auflage. Dietz, Bonn 1996, S. 70ff. Als Leiter des „Rheinlandamtes“ des Deutschen Hochschulringes organisierte Best Veranstaltungen, schrieb für die rechtsgerichtete Mainzer Tageszeitung, entwarf und veröffentlichte Denkschriften und reiste zu völkischen Jugendorganisationen an westdeutschen Universitäten, wodurch er weitverzweigte Kontakte knüpfte.Ulrich Herbert: Best. Biographische Studien über Radikalismus, Weltanschauung und Vernunft. 1903–1989. 3. Auflage. Dietz, Bonn 1996, S. 83f.

1923 meldete sich Best in den Wintersemesterferien als Zeitfreiwilliger zur Reichswehr, um an einem militärischen Schnellkursus teilzunehmen. Zwar nahm er nicht selbst an Sabotageakten teil, trat aber für den Übergang zum bewaffneten Kampf gegen die Franzosen ein. Einen neuen Krieg hätte er in Kauf genommen.Ulrich Herbert: Best. Biographische Studien über Radikalismus, Weltanschauung und Vernunft. 1903–1989. 3. Auflage. Dietz, Bonn 1996, S. 75f. Anlässlich einer Demonstration gegen den von Frankreich unterstützten rheinischen Separatismus vor dem Gebäude der Mainzer Notgelddruckerei wurde er verhaftet, für eine Woche inhaftiert und nach der Freilassung in Abwesenheit zu 25 Tagen Gefängnis verurteilt.Ulrich Herbert: Best. Biographische Studien über Radikalismus, Weltanschauung und Vernunft. 1903–1989. 3. Auflage. Dietz, Bonn 1996, S. 78.

Der im rechtsradikalen Lager langsam bekannter werdenden NSDAP stand Best zu dieser Zeit noch kritisch gegenüber, da Adolf Hitler den Ruhrkampf an der Seite der Reichsregierung aus taktischen Gründen ablehnte.

Verhaftung und Verurteilung durch die französischen Besatzungsbehörden 1924 wurde Best von den französischen Besatzungsbehörden erneut inhaftiert, entging durch Glück jedoch einer Anklage wegen Spionage und konspirativer Unterstützung von Sabotagetätigkeiten, die zur Todesstrafe hätte führen können. Er wurde lediglich wegen Mitgliedschaft im Hochschulring und Waffenbesitzes – er hatte einige Schlagwaffen für Straßenkämpfe beschafft – zu einer Strafe von drei Jahren Haft und Zahlung von 1000 Mark verurteilt.Ulrich Herbert: Best. Biographische Studien über Radikalismus, Weltanschauung und Vernunft. 1903–1989. 3. Auflage. Dietz, Bonn 1996, S. 85. Ein Gnadengesuch zu stellen hatte Best abgelehnt, was sein Ansehen im völkischen Lager steigerte. Da seine Mutter jedoch ein Gnadengesuch einreichte und die Reichsregierung während der Londoner Reparationsverhandlungen eine allgemeine Amnestie für die „Ruhrkämpfer“ zu erreichen suchte, wurde Best im September 1924 nach etwa sechs Monaten Haft entlassen.Ulrich Herbert: Best. Biographische Studien über Radikalismus, Weltanschauung und Vernunft. 1903–1989. 3. Auflage. Dietz, Bonn 1996, S. 86. Es enttäuschte ihn, dass die Reichsregierung den passiven Widerstand gegen die Besatzung aufgab.Ulrich Herbert: Best. Biographische Studien über Radikalismus, Weltanschauung und Vernunft. 1903–1989. 3. Auflage. Dietz, Bonn 1996, S. 87. Weder war es gelungen, die Ruhrbesetzung zu beenden, noch änderte sich etwas an der alliierten Rheinlandbesetzung.

Examina und rechtsintellektuelle Vertiefung In der folgenden Konsolidierungsphase der Weimarer Republik konzentrierte Best sich neben seiner politischen Arbeit nun vermehrt auf sein Studium, das er als „fleißiger und ehrgeiziger Student“ 1925 erfolgreich mit dem Examen abschloss.Ulrich Herbert: Best. Biographische Studien über Radikalismus, Weltanschauung und Vernunft. 1903–1989. 3. Auflage. Dietz, Bonn 1996, S. 89. 1927 wurde er mit einer Dissertation Zur Frage der gewollten Tarifunfähigkeit zum Dr. jur. promoviert. Sein Referendariat absolvierte er an hessischen Gerichten, auf Verwaltungsstellen und in Rechtsanwaltskanzleien mit sehr positiven Benotungen als einer der „besten Studenten seines Prüfungsjahrganges“.

Daneben versuchte Best, seine publizistische Arbeit von reiner Propaganda zunehmend zu theoretischer Arbeit zu vertiefen, um sich im rechten Lager auch als ernsthafter Autor zu etablieren. Er knüpfte freundschaftliche Gesprächskontakte zu Intellektuellen wie Ernst Jünger und Edgar Julius Jung und veröffentlichte verschiedene Aufsätze in völkischen Zeitschriften. Für den von Ernst Jünger herausgegebenen Sammelband Krieg und Krieger verfasste er einen völkerrechtlich orientierten Aufsatz mit dem Titel Der Krieg und das Recht, in dem er gegen die aus seiner Sicht westlich utopistische Ablehnung des Krieges den Krieg als nicht zu ändernde und zu bejahende Naturgegebenheit verteidigte. Best nannte seine diesbezügliche Grundhaltung „heroisch-realistisch“, eine Formulierung, die Jünger aufgriff und in seinem Kreis weiterverwendete.Ulrich Herbert: Best. Biographische Studien über Radikalismus, Weltanschauung und Vernunft. 1903–1989. 3. Auflage. Dietz, Bonn 1996, S. 96f.

Politische Karriere im Volksstaat Hessen Berufliche Etablierung und Aufstieg in der NSDAP 1929 wurde Best Gerichtsassessor am Amtsgericht in Gernsheim. 1930 heiratete er in Mainz Hildegard Regner, mit der er fünf Kinder hatte. Das Ehepaar zog nach Darmstadt und Best trat noch zum 1. November 1930 in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 341.338).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/2760214Norbert Podewin (Hrsg.): „Braunbuch“. Kriegs- und Naziverbrecher in der Bundesrepublik und in West-Berlin. Staat, Wirtschaft, Verwaltung, Armee, Justiz, Wissenschaft. Edition Ost, Berlin 2002, ISBN 3-360-01033-7 (Reprint der 3. Auflage von 1968), Seite 89 Dieser Schritt erschien ihm nun folgerichtig, da ihm zwar nach eigenem Bekunden die „Massenwerbung der NSDAP und ihr ganzer Stil“ nicht gefielen, aber ihr Erfolg bei Wahlen die politische „Möglichkeit aufzeigte, dass auf diesem Weg etwas erreicht werden konnte“.Werner Best, Aussage zur Person, HStAD (= Hauptstaatsarchiv Düsseldorf), Rep.242 (= Verfahren gegen Best u. a. wg. Mordes 1 Js 12/65 RSHA), Pld-2, 53-71, hier 68; zitiert nach Ulrich Herbert: Best. Biographische Studien über Radikalismus, Weltanschauung und Vernunft. 1903–1989. 3. Auflage. Dietz, Bonn 1996, S. 103. Hinzu kam, dass das Parteiprogramm der NSDAP „praktisch mit allen Programmen in der nationalen oder völkischen Bewegung übereinstimmte“. Es war eine Entscheidung für eine neue Kampfform, nicht für ein neues Kampfziel.