Bützow [] ist eine norddeutsche Kleinstadt, ehemalige Bischofsresidenz und Universitätsstadt an der Warnow im Landkreis Rostock im Mittleren Mecklenburg. Sie ist Verwaltungssitz des Amtes Bützow-Land, dem weitere elf Gemeinden angehören. Zudem bildet die Stadt ein Grundzentrum für die Umgebung.Regionales Raumentwicklungsprogramm Mittleres Mecklenburg/Rostock 2011 - Zentralorte und perspektivische Entwicklung, Planungsregion MMR, abgerufen am 12. Juli 2015
Geografie Geografische Lage Die Stadt liegt im Norden von Mecklenburg-Vorpommern. Das von Grundmoränen und Moränen flankierte breite Tal der Warnow teilt Bützow in einen nordwestlichen und einen südöstlichen Bereich. Im Norden liegen der Bützower See und die Mündung der Nebel in die Warnow.
Stadtgliederung Die Stadt Bützow besteht aus den Ortsteilen Bützow, Horst, Parkow und Wolken. Siedlungen in dem Stadtgebiet Bützow sind Dreibergen Eichhof (Nebeltal) und Vierburg.
Geschichte Name der Stadt Ab 1171 wurde der Ort Butissowe bzw. Butessowe genannt und ab 1229 hieß es dann verkürzt Buszowe oder Butzow. Nach Erkenntnissen der vergleichenden Sprachwissenschaft ist der Ortsname von der polabischen Kurzform des Personennamens Butiš, Budiš oder Bytiš abgeleitet, die zu einem Vollnamen Budizlaw gehört, der auch bei den Sorben, Tschechen und Polen gebräuchlich war. Damit wäre Bützow der Ort des Budiš oder Budizlaw.
Mittelalter 1171 wurde die slawische Fürstenburg am Hopfenwall (castrum Butissowe) im Land Bützow (Terra Butissowe) erwähnt. Um 1180 wurde Bützow erstmals unter Bischof Berno bischöfliche Residenz und von 1229 stammt eine erste Urkunde des Bischofs. Vermutlich ab 1229 erfolgte die planmäßige Anlage als deutsche Stadt, die 1236 das Stadtrecht erhielt. Sie befand sich im Besitz der Bischöfe von Schwerin. 1239 war sie Hauptresidenz des Bistums Schwerin. 1248 wurde das Kollegiatstift der Stadtkirche St. Elisabeth gegründet. Die Stiftslandtage fanden in Bützow statt. 1252 begann die Befestigung der Stadt Bützow und der Bau der Bischofsburg. Ab 1270 ist hier ein Archidiakonat. 1468 wurde das Kloster Bethlehem für die Schwestern vom gemeinsamen Leben vor dem Rostocker Tor gegründet, dieses erhielt 1469 durch den Bischof Werner eine Ordnung. Nach der Reformation hat die Gemahlin des Herzog Ulrich, Elisabeth, dasselbe 1567 zum fürstlichen Armenhaus und Hospital umgewandelt. 1540 wurde das Hochstift Schwerin säkularisiert."Bistum Schwerin" bei Lexikon des Mittelalters. Bützow gelangte an die Herzöge zu Mecklenburg. 1556 wurde der Neubau des Schlosses Bützow vollendet. 1586 genehmigte Herzog Ulrich als Administrator des Bistums Schwerin - Bützow den Bau der herzoglichen Papiermühle in Bützow. 1588 beschloss der Magistrat und die Ratsherren der Stadt Bützow, den Bau eines städtischen Ratsarmenhauses zur Unterbringung des dürftigen Bürgertums.
17. bis 19. Jahrhundert mini|Stadtgrundriss von Bützow im Jahr 1692 Im Jahr 1648 wurde die Stiftshauptstadt Bützow zusammen mit dem Hochstift Schwerin an Mecklenburg übertragen und trat fortan als Landstadt dem Landesteil Mecklenburg-Schwerin bei, zu dem auch das sogenannte „Stiftsland“ zählte.
Zwischen 1699 und 1703 ließen sich Hugenottenfamilien in der Stadt nieder, die sich der Wollverarbeitung und dem Tabakanbau widmeten. Nach dem Tod von Herzog Friedrich Wilhelm I. zog seine Witwe, Sophie Charlotte, Herzogin zu Mecklenburg, von 1713 bis 1749 mit ihrem Hofstaat ins Bützower Schloss. Unter den herzoglichen Untertanen befand sich die 1709 in Hessen gegründete reformierte „Teutsche“ Hofgemeinde, aus der die Deutsch-reformierte Gemeinde zu Bützow hervorging. Herzogin Sophie übernahm zudem die Schutzherrschaft über die 1703 in Bützow gegründete Französisch-reformierte Gemeinde. Beide Gemeinden errichteten die für Nordostdeutschland einzigartige Reformierte Kirche. Aus ihnen entstand 1778 die Französisch-Deutsche Gemeinde und 1786 die Reformierte Gemeinde zu Bützow, die alle Reformierten des Landes Mecklenburg umfasste.
1716 verwüstete ein Stadtbrand das Rathaus und große Teile von Bützow. Bereits im Jahr 1738 entstand hier, als eine der ersten Städte Mecklenburgs, eine jüdische Neuansiedlung, zu der unter anderem auch Aaron Isaak zählte. Von 1760 bis 1789 diente das Schloss als Sitz des Pädagogiums Bützow und der von Herzog Friedrich gegründeten Friedrichs-Universität, die der Universität Rostock Konkurrenz bieten sollte, insbesondere aufgrund theologischer Differenzen.
Die sozialen und politischen Spannungen, die durch die Französische Revolution ausgelöst wurden, führten in Bützow ebenfalls zu Unruhen. Der sogenannte Gänsekrieg von 1794 stellte einen Ausdruck der Unzufriedenheit zwischen den Bürgern und dem Stadtrat dar.Der Bützower Gänsekrieg auf YouTube Wilhelm Raabe verweist in seiner Novelle „Die Gänse von Bützow“ auf dieses Ereignis. Zwischen 1812 und 1879 war das Großherzogliche Criminal-Collegium im Bützower Schloss untergebracht. In dieser Zeit entstand mit den Neubauten auch eine zweite Strafanstalt, das Centralgefängnis. 1839 wurde die Großherzoglich Mecklenburg-Schwerinsche Landesstrafanstalt zu Dreibergen, die heutige JVA Bützow, eröffnet.
Im Jahr 1850 erhielt Bützow einen Eisenbahnanschluss nach Rostock, Schwerin und Güstrow, und ein erstes Empfangsgebäude wurde errichtet. 1879 folgte die Gründung des Amtsgerichts Bützow. 1894 entstand das technische Denkmal der Industriearchitektur, die Großherzogliche Wassermühle zu Bützow. Von 1898 bis 1914 fand in der Stadt während der Karnevalszeit der Bützower Hoftag statt.
20. Jahrhundert Das ursprüngliche Renaissanceschloss in Bützow wurde zwischen 1910 und 1911 unter der Leitung des Oberlandbaumeisters Adolph Prahst umgebaut und in einen schlichten, dreigeschossigen Putzbau umgestaltet.Fritz Hoßmann: Setzte bauliche Akzente in der Stadt. Landbaumeister Adolf Prahst hinterließ an vielen Stellen in Bützow seine Spuren. Alle Häuser tragen seine spezielle Handschrift. In: Schweriner Volkszeitung, Bützower Zeitung vom 4. Juni 2011. Im selben Jahr wurde im Waldgebiet Zepeliner Holz das erste Zeppelin-Denkmal Deutschlands eingeweiht, das dem Grafen Ferdinand von Zeppelin gewidmet ist. Bis zum Jahr 1918 war Bützow als Teil des Mecklenburgischen Kreises im Landtag vertreten.Grosherzoglich Meklenburg-Schwerinscher Staats-Kalender 1852, Schwerin in Mecklenburg: Hofbuchdruckerei, 1851, S. 282. Im Jahr 1920 manifestierte sich auch in Bützow der Generalstreik im Zuge des Kapp-Putsches, bei dem der Arbeiter Ernst Mundt ums Leben kam.
Im NS-Staat von 1933 bis 1945 erlangte der Nationalsozialismus in Bützow, ähnlich wie in vielen anderen Städten Deutschlands, zunehmend Einfluss. Besonders verheerend war die Schändung des jüdischen Friedhofs an der Landstraße nach Kröpelin; nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde dieser jedoch auf Befehl des sowjetischen Stadtkommandanten wiederhergestellt. Nach den Novemberpogromen von 1938 war nur noch ein betagtes jüdisches EhepaarJulius Israel Horwitz und Margarete Sara Horwitz, geborene Frisch von der einstigen jüdischen Gemeinde in Bützow übrig geblieben. Im November 1942 wurde es in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, wo beide Eheleute 1943 starben.Bernd Kasten: Verfolgung und Deportation der Juden in Mecklenburg 1938–1945. Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.), Schwerin 2008, S. 27, ISBN 978-3-940207-16-6
Die Stadt spielte aufgrund ihrer Zuchthäuser eine besondere Rolle im nationalsozialistischen Justizsystem. Während des Zweiten Weltkriegs waren sowohl Frauen und Männer aus Polen, die in Baracken (gegenüber dem Waldhof in der Vierburg) untergebracht waren, als auch sowjetische Kriegsgefangene, die in Baracken (Bahnübergang Bützow/Wolken) untergebracht wurden, gezwungen, rüstungswichtige Zwangsarbeit zu leisten. Von 1933 bis 1945 war das Zuchthaus und Strafgefängnis Dreibergen-Bützow mit durchschnittlich 900 Gefangenen belegt; 1944 stieg die Zahl auf 3.000. Im Jahr 1942 wurden 16 Gefangene und 1945 insgesamt 70 Gefangene durch das NS-Regime hingerichtet, darunter viele ohne vorheriges Gerichtsurteil. Insgesamt starben aufgrund der katastrophalen Haftbedingungen 771 Insassen, die in vier Massengräbern auf dem Friedhof verscharrt wurden.
Nach dem Einmarsch der Roten Armee am 3. Mai 1945 wurde das Zuchthaus Dreibergen zunächst als Repatriierungslager genutzt. Ein Gebäudetrakt des ehemaligen Centralgefängnisses am Schlossplatz diente der Unterbringung politischer Häftlinge. Am 1. Januar 1951 übernahm die Volkspolizei das Zuchthaus, und Bützow wurde zu einem Haftort für Hunderte von Gegnern des SED-Regimes. Besonders erschreckend war der Prozess von 1953 im Rahmen der Aktion Rose, bei dem 447 inhaftierte Gaststätten- und Hotelbesitzer vor Gericht standen.A. Kaminsky (Hrsg.): Orte des Erinnerns, Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR. Bonn 2007, S. 241–243 Der Name „Zuchthaus Bützow“ wurde zum Synonym für die harte Repression politischer Gegner im Norden der DDR, vergleichbar mit der Justizvollzugsanstalt Bautzen.
Im April und Mai 1946 wurden in Bützow zehn Jugendliche (ab 15 Jahren) sowie ein Erwachsener vom sowjetischen Geheimdienst NKWD verhaftet und unter Folter zu Aussagen gezwungen, die besagten, sie hätten im Kriegsfall gegen die Rote Armee kämpfen wollen. Der Erwachsene wurde erschossen, während drei der verurteilten Jugendlichen im Lager ums Leben kamen.Centralgefängnis Bützow#Nachkriegszeit Die gesamte Gruppe wurde 1993 von der Generalstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation rehabilitiert.Benno Prieß: Erschossen im Morgengrauen. Eigenverlag, Calw 2002. Mitherausgeber: Landesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der DDR, ISBN 3-926802-36-7, S. 191–202
Auf dem Gelände der 1586 errichteten Papierfabrik Bützow, die 1945 im Rahmen von Reparationsleistungen demontiert wurde, entstand 1949 ein volkseigener Betrieb für Bau- und Möbeltischlerei. Dieser entwickelte sich zu den VEB Möbelwerken „Ernst Mundt“ Bützow, die bis Anfang der 1990er Jahre existierten.
Am 1. Juli 1950 wurden die bis dahin eigenständigen Gemeinden Horst und Wolken in die Stadt eingegliedert. Im Jahr 1952 wurde das Amtsgericht aufgelöst und durch das Kreisgericht Bützow ersetzt, das für seine willkürlichen Urteile im Rahmen der Aktion Rose bekannt war. Nach der Wende wurde das Amtsgericht Bützow neu eingerichtet; zunächst 1997 in eine Zweigstelle des Amtsgerichts Güstrow umgewandelt, wurde es schließlich 1999 geschlossen. Von 1952 bis 1994 war Bützow Kreisstadt des gleichnamigen Kreises, zunächst im Bezirk Schwerin und ab 1990 in Mecklenburg-Vorpommern. Von 1994 bis 2011 gehörte die Stadt zum Landkreis Güstrow, seitdem liegt sie im Landkreis Rostock. Nach der Wende wurde der historische Stadtkern, einschließlich des Rathauses, im Rahmen der Städtebauförderung umfassend saniert. Am 1. Januar 1999 wurde die Gemeinde Parkow eingemeindet.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999
21. Jahrhundert Am 23. September 2008 erhielt die Stadt den von der Bundesregierung verliehenen Titel Ort der Vielfalt.
Tornado im Mai 2015
Am 5. Mai 2015 verursachte ein Tornado der Stärke F3 schwere Schäden an Gebäuden in und um die Altstadt. Es wurde Katastrophenalarm ausgelöst. Bis 2017 waren die meisten der Schäden, die sich auf rund 40 Millionen Euro beliefen, behoben.
Bevölkerung Jahr Einwohner 1857 5.600 1867 4.800 1890 5.256 1900 5.549 1910 5.835 1925 5.889 Jahr Einwohner 1990 10.368 1995 9.479 2000 8.772 2005 7.965 2010 7.681 2015 7.848 Jahr Einwohner 2020 7.829 2021 7.970 2022 7.708 2023 7.698 2024 7.745
ab 1990: Stand: 31. Dezember des jeweiligen JahresStatistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern: Statistischer Bericht. Bevölkerungsstand. Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Religion Evangelische Glaubensgemeinschaften