mini|Neue Konzernzentrale in Wuppertal-Rauental (2025) Die Vorwerk SE & Co. KG, kurz Vorwerk, ist ein Konzern mit Sitz in Wuppertal. Kerngeschäft sind Produktion und Direktvertrieb von Haushaltsprodukten (Küchenmaschine Thermomix und Zubehör sowie Staubsauger Kobold).
Das Unternehmen Geschäftsbereiche (Auswahl) Die Vorwerk Gruppe ist in folgenden Geschäftsbereichen tätig (Stand: 2025):
Thermomix: Küchenmaschinen Kobold: Staubsauger akf-Gruppe: Finanzdienstleistungen zur Absatzfinanzierung und Kreditvergabe an Kunden und Vertriebspartner.„Das Kommanditkapital wird vollständig von der Vorwerk & Co Vermietungs GmbH, Wuppertal, gehalten.“ Quelle: akf leasing GmbH & Co KG: Konzernabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.01.2023 bis zum 31.12.2023. Publiziert im Bundesanzeiger am 30. September 2024.
Vertrieb Vorwerk verkauft seine Produkte überwiegend über internationale Vertriebsgesellschaften und selbstständigen Vertriebspartnern hauptsächlich im Direktvertrieb.
Kennzahlen und Engagement Im Geschäftsjahr 2025 erzielte die Vorwerk-Gruppe einen Gesamtumsatz von etwas mehr als 3,6 Milliarden Euro. Das Unternehmen beschäftigte im Jahresverlauf knapp über 7.900 Mitarbeiter und war in mehr als 60 Ländern aktiv.
Vorwerk ist über die Vorwerk-Stiftung sowie verschiedene weitere Initiativen in den Bereichen Bildung, Wissenschaft und soziale Projekte tätig.Nina Mützelburg: Unterstützung für die Wuppertaler Kurrende. Kulturelles und gesellschaftliches Engagement betreibt Vorwerk insbesondere in seiner Heimatstadt. In: Westdeutsche Zeitung (Ausgabe Mettmann-Ost), 8. Mai 2024, S. 22.
Unternehmensgeschichte Anfänge Vorwerk wurde 1883 in Wuppertal gegründet und begann mit dem Handel von Teppichreinigungsgeräten. Im 20. Jahrhundert erweiterte das Unternehmen seine Produktpalette um Haushaltsgeräte, darunter Staubsauger und Küchenmaschinen. Ab den 1960er Jahren erfolgte die internationale Expansion.Plate: Vorwerk & Co. KG, S. 425.
Im Ersten Weltkrieg stellte das Unternehmen Kriegsgeräte her, unter anderem Maschinengewehre und Granaten.
Kobold und Direktvertrieb links|mini|Ein Kobold-Staubsauger um 1950 Das Aufkommen des Hörfunks in den 1920er Jahren führte zu einem Umsatzeinbruch bei Grammophonen, von dem auch Vorwerk als Hersteller entsprechender Motoren betroffen war. In dieser Situation entwickelte Vorwerk-Chefingenieur Engelbert Gorissen aus dem Grammophonmotor einen elektrischen Handstaubsauger, den Kobold. Im Mai 1930 wurde das Patent für den Kobold „Modell 30“ erteilt. Der Absatz blieb zunächst gering, denn der relativ niedrige Preis des Geräts motivierte Einzelhändler nicht sonderlich zum Verkauf. Erst die Einführung des Direktvertriebs sorgte für den Durchbruch des erklärungsbedürftigen Produkts. Von 1930 bis 1935 wurden auf diese Weise 100.000 Exemplare des Kobold verkauft, 1937 eine halbe Million. 1938 gründete Vorwerk die erste Auslandsgesellschaft: Vorwerk Folletto in Italien.Plate: Vorwerk & Co. KG, S. 428. Zu den Hintergründen der Kobold-Erfindung und seines Vertriebs siehe auch Pross, Der Geist der Unternehmer, S. 37–41
Zweiter Weltkrieg und Einsatz von Zwangsarbeitern Während des Zweiten Weltkriegs stellte auch Vorwerk Rüstungsgüter für Hitlerdeutschland her.Pross, Der Geist der Unternehmer, S. 32 f. In der Produktion wurden Zivilarbeiter, Ostarbeiter und Zwangsarbeiter eingesetzt. Das galt sowohl für das Stammwerk in Wuppertal und das Werk in Wipperfürth als auch für die Zweigniederlassung in Litzmannstadt.Beate Battenfeld und Florian Speer: Die größte Qual der Zwangsarbeiterinnen bei Vorwerk in Litzmannstadt ist der ständige Hunger gewesen. Lebensmittelkarten und Zuteilungszwang erschwerten die Versorgung. Eine Studie über das Unternehmen und seine Arbeiter im Zweiten Weltkrieg. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 7. März 2000. Siehe hierzu auch Insgesamt arbeiteten 1944 im Schnitt 580 Zwangsarbeiter. Ende Mai 1943 beschädigten Bombenangriffe das Hauptwerk in Wuppertal-Barmen schwer. Bald darauf übernahmen die Söhne von August Mittelsten Scheid, Werner und Erich Mittelsten Scheid, die Leitung des Unternehmens. Von 1943 an pausierte der Direktvertrieb.M. L. Cohen, updated by Helga Schier: Vorwerk & Co. KG, S. 476.Pross, Der Geist der Unternehmer, S. 33.
Nachkriegszeit Nach Kriegsende baute das Unternehmen die Produktion und den Vertrieb zunächst in Deutschland, dann in Europa und in Übersee wieder auf. 1949 war der Millionste Kobold verkauft.Pross, Der Geist der Unternehmer, S. 43.Klaus Koch: Eine Million Kobolde bis 1949, Westdeutsche Zeitung, Ausgabe Wuppertal, 18. Mai 2009. In den 1950er Jahren wurde die Produktpalette um Haushaltsgeräte erweitert, darunter Staubsauger und Küchenmaschinen.
Ab den 1960er Jahren erfolgte die internationale Expansion, begleitet von der Gründung von Tochtergesellschaften wie der akf Bank zur Absatzfinanzierung. 1971 wurde der Thermomix eingeführtAngabe von Vorwerk im Zusammenhang mit den Geschäftsfeldern des Unternehmens, Abruf am 9. Dezember 2016. Ferner M. L. Cohen, updated by Helga Schier: Vorwerk & Co. KG, S. 477 sowie Plate: Vorwerk & Co. KG, S. 429. Siehe überdies: Peter Wagner: Profigeräte im Test: Kolosse der Küche (Teil 3). In: Manager Magazin, 17. Februar 2011, Abruf am 9. Dezember 2016. Claudia Panster: Hype des Jahres Thermomix. Plötzlich Prinzessin. In: Handelsblatt print, 11. Dezember 2015. Paz Álvarez: El clan del robot de cocina alemán. In: Cinco Dias (online), 31. Dezember 2015, Abruf am 9. Dezember 2016. Alexandra Genova: Is the $2,000 Thermomix a must-have kitchen appliance or just an expensive disaster waiting to happen? Owners suffer horrific burns after gadgets explode. In: Mail Online 16. März 2016, Abruf am 9. Dezember 2016). Raechal Johns: Increasing Value of a Tangible Product through Intangible Attributes: Value Co-Creation and Brand Building within Online Communities – Virtual Communities and Value. In: Rebecca English; Raechel Johns (Hrsg.): Gender Considerations in Online Consumption Behavior and Internet Use, IGI Global, Hershey 2016, S. 112–124, hier S. 117, ISBN 978-1-5225-0010-0., später kamen Einbauküchen und Beteiligungen an Fertighausgesellschaften hinzu.Pross, Der Geist der Unternehmer, S. 53. Das Unternehmen erreichte Ende der 1990er Jahre einen Umsatz von mehr als 2 Mrd. DMVorwerk will das Küchengeschäft vorantreiben, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29. Juni 1993. Vorwerk auf Nippons Spuren, Süddeutsche Zeitung, 29. Juni 1993. Staubsauger kriegen Gesellschaft. Frankfurter Rundschau, 29. Juni 1993. Anfang der 2000er Jahre expandierte Vorwerk in den Kosmetikmarkt und nach Asien, einschließlich eigener Produktionsstätten.M. L. Cohen, updated by Helga Schier: Vorwerk & Co. KG, S. 477. Seit 2006 wird das Unternehmen von familienfremden persönlich haftenden Gesellschaftern geleitet. In den 2010er Jahren wurden einzelne Produktsortimente eingestellt, während das Geschäft insgesamt wuchs und neue Unternehmensteile, wie Vorwerk Ventures, gegründet wurden.Porträt: Plate: Vorwerk & Co. KG, S. 430. Ein klares Bekenntnis zur Kontinuität. Nach 120 Jahren haben in dem Familienunternehmen Vorwerk erstmals Externe das Sagen. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27. Dezember 2005.Innovationen aufsaugen. Teil 88: Vorwerk Direct Selling Ventures, VentureCapital Magazin, Heft 10-2008, S. 32 f.
Entwicklungen seit 2010 Ab 2011 erweiterte Vorwerk sein Vertriebsmodell durch Flagship-Stores und einen Onlineshop sowie organisatorische Anpassungen im Facility-Management. In den folgenden Jahren wuchs der Umsatz des Thermomix deutlich, während einzelne Produktlinien wie Twercs und Lux Asia Pacific eingestellt oder verkauft wurden. Zukäufe, darunter Neato Robotics, und neue Geschäftsfelder wie Temial wurden aufgebaut; einige wurden später wieder beendet. Im Jahr 2021 wurde die Unternehmensform in Vorwerk SE & Co. KG geändert.Walter Muyres: Der Vorwerk-Chef will die Marke verjüngen, Handelsblatt, 5. Dezember 2011. Store eröffnet, Handelsjournal, Heft 1-2012, S. 11. Vorwerk ist seit 2023 Sponsor der Deutschen Fußballnationalmannschaft der Frauen.
Rezeption „Loriot setzte Vorwerk in den siebziger Jahren mit dem Sketch Vertreterbesuch ein filmisches Denkmal.“ Der Außendienst-Mitarbeiter und das Staubsauger-Modell „Heinzelmann“ stehen hier als Synonym für Vorwerk und sein Produkt.
1978 erschien eine Dissertation über Penisverletzungen bei Masturbation mit Staubsaugern, in der ausdrücklich auf den damaligen Kobold Bezug genommen wurde.Theimuras Michael Alschibaja: Penisverletzungen bei Masturbation mit Staubsaugern, 1978, (Dissertation TU München, Fakultät für Medizin 1978, Volltext online). 1985 prozessierte Vorwerk gegen den Chaos Computer Club (CCC), der auf seiner Btx-Seite Auszüge daraus veröffentlicht hatte. Vorwerk fürchtete um seinen Ruf und reichte eine Unterlassungsklage ein, konnte jedoch von der Seriosität der akademischen Schrift überzeugt werden und zog diese zurück. Ab 2004 rezitierten Charlotte Roche und Christoph Maria Herbst die akademische Schrift in Lesungen. Einige Auftritte absolvierte Roche auch mit Heinz Strunk.Bericht über die Lesung vom 2. August 2004, Abruf am 22. Dezember 2016. Notiz in der taz Nord, Bremen aktuell, vom 26. April 2007, Abruf am 22. Dezember 2016.
Der seit 1930 praktizierte Kobold-Direktvertrieb ist Gegenstand des 1998 erschienenen Dokumentarfilms Die Blume der Hausfrau. Diese Produktion lief unter anderem in deutschen Programmkinos.
Kritik Der Oberste Gerichtshof Österreichs verurteilte Vorwerk Austria 2008 zur Unterlassung unlauterer Vertriebsmethoden.Aktenzeichen: 38 Cg 102/07 h, 4 Ob 142/08 y. Vorwerk-Berater hatten wahrheitswidrige Angaben zu den Notwendigkeiten, Möglichkeiten und Kosten der Reparatur gebrauchter Staubsauger gemacht, um Kobold-Neugeräte verkaufen zu können. Sie behaupteten, eine Reparatur sei nötig, obwohl das Gerät noch einwandfrei funktionierte, oder sie empfahlen einen Neukauf, obwohl eine Reparatur nachweislich zu geringen Kosten möglich war.Unlautere Methoden: OGH verurteilt Vorwerk, Meldung auf ORF.at, 5. Dezember 2008, Abruf am 22. Dezember 2016.
Literatur
Jörg Mittelsten Scheid: Die diversifizierte Familien-Holding: Familienunternehmen wandeln sich – und mit ihnen die Beiräte. In: Christoph Achenbach, Frederik Gottschalck (Hrsg.): Der Beirat im Mittelstand. Erfahrungsberichte aus der Praxis. Fachverlag der Verlagsgruppe Handelsblatt, Düsseldorf 2012, ISBN 978-3-942543-28-6, S. 39–48. Markus Plate: Vorwerk & Co. KG. In: Markus Plate, Torsten Groth, Volker Ackermann, Arist von Schlippe: Große deutsche Familienunternehmen. Generationenfolge, Familienstrategie und Unternehmensentwicklung. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2011, ISBN 978-3-525-40338-9, S. 423–434. M. L. Cohen, updated by Helga Schier: Vorwerk & Co. KG. In: International Directory of Company Histories, Vol. 112. St. James Press, Detroit/New York [u. a.] 2010, S. 475–479. Helge Pross: Der Geist der Unternehmer. 100 Jahre Vorwerk & Co. Claassen, Düsseldorf 1983, ISBN 3-546-47589-5.
Weblinks
vorwerk-group.com
Einzelnachweise
Kategorie:Haushaltsgerätehersteller Kategorie:Unternehmen mit Direktmarketing Kategorie:Produzierendes Unternehmen (Wuppertal) Kategorie:Unternehmensgründung 1883