mini|hochkant=1.5|Unimog 404 S (1955 bis 1980). Heute gilt dieser Unimog als das bekannteste Modell. mini|Zweiwegefahrzeug zur Vegetations­bekämpfung auf Unimog-Fahrgestell mini|Unimog der aktuellen Modellreihe 405, Typenbezeichnung U529 Der Unimog (Akronym für Universal-Motor-Gerät) ist eine Fahrzeugmarke aus der Markenfamilie von Mercedes-Benz, des Herstellers Daimler Truck. Erfunden wurde er von Albert Friedrich. Konstruiert ist der Unimog als allradgetriebener Geräteträger und Klein-Lkw mit Portalachsen und wird vor allem in Land- und Forstwirtschaft, beim Militär und für kommunale Aufgaben in 160 Ländern eingesetzt. Einige Unimogmodelle sind klassische Dual-Use-Güter und werden auch für andere Aufgaben in unwegsamem Gelände, z. B. als Bohrfahrzeug oder bei der Katastrophenhilfe verwendet. Die Fahrzeuge sind als „Frontsitztraktor mit Allradantrieb“ klassifiziert.

Nachdem die ersten Prototypen ab 1945 bei Erhard & Söhne in Schwäbisch Gmünd entwickelt wurden, wechselte die Produktion aus Kapazitätsgründen 1948 zur Gebr. Boehringer GmbH nach Göppingen, wo 1949 die Serienfertigung anlief. Nach der Übernahme der Produktion durch den bisherigen Motorenlieferanten Daimler-Benz im Jahr 1950 wurde der Unimog ab 1951 im Werk Gaggenau gebaut, bevor 2002 die Produktion ins Mercedes-Benz-Werk Wörth wechselte. In Argentinien wurde der Unimog in Lizenz aus angelieferten Teilesätzen montiert. Das argentinische Unimog-Werk befand sich in González Catán am Stadtrand von Buenos Aires. Die ursprünglich für die argentinische Armee vorgesehene Produktion begann dort im Jahr 1968.

Der Name Unimog Der Ingenieur Hans Zabel vermerkte auf einer Zeichnung den Namen „Universal-Motor-Gerät“, der zum Akronym „Unimog“ zusammengezogen wurde. Offiziell erhielt das Fahrzeug den Namen am 20. November 1946. Seit 1950 ist Unimog eine eingetragene Wortmarke der Daimler AG.

Konzeption mini|Boehringer-Unimog 70200 mit Frontanbaugerät und Mähbalken. Weitere An- bzw. Aufbauräume bilden die Hilfsladefläche und der Heckkraftheber mini|Antriebsstrang eines Unimog 411 mini|Fahrgestell eines Unimog 404 demonstriert die Verwindungsfähigkeit des Leiterrahmens, die diese starke Achsverschränkung möglich macht. Die Kröpfung des Rahmens in der Mitte trägt maßgeblich zu dieser hohen Verwindungsfähigkeit bei. Der unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg konzipierte Unimog war ursprünglich als rein landwirtschaftliches Fahrzeug gedacht. Er sollte einem zweiachsigen Traktor ähneln, aber vier gleich große Räder, Allradantrieb mit Differenzialsperren, schraubengefederte Portalachsen, geschützte Antriebswellen in Schubrohren, Trommelbremsen an allen Rädern und einen Leiterrahmen haben. Darüber hinaus waren eine mittig angeordnete, 1,5 m² große Ladefläche für eine Nutzmasse von 1000 kg, ein wettergeschütztes zweisitziges Fahrerhaus, eine Schleppvorrichtung am Heck des Fahrzeuges sowie eine Riemenscheibe und die Möglichkeit, Anbaugeräte in drei Anbauräumen anzubringen und mit einer Zapfwelle anzutreiben, vorgesehen. Um den Unimog für Hackfruchtkulturen einsetzen zu können, wurde die Spurweite auf 1270 mm festgelegt, was zwei Kartoffelreihen entspricht. Der Motor sollte 25 PS (18,5 kW) leisten, sodass die Höchstgeschwindigkeit 50 km/h betragen würde. Als solches Fahrzeug kam der Unimog 1949 auf den Markt.

Schon bald wurde das Konzept des Unimogs überdacht, da sich der Einsatzbereich von der Landwirtschaft hin zu vielfältigeren Bereichen erweiterte. Früh wurde sein Potenzial als Militärfahrzeug erkannt, schon im September 1950 beschaffte die Schweizer Armee den Boehringer Unimog 70200. Die Unimog-Baureihe 404 wurde Anfang der 1950er-Jahre als erster Unimog speziell als militärisches Fahrzeug entwickelt. Aber auch Zusatzgerätehersteller und insbesondere landwirtschaftliche Kunden wünschten sich von Daimler-Benz eine schwere Unimog-Baureihe, da der ursprüngliche Unimog, inzwischen mit 34 PS (25 kW) Motorleistung, den Anforderungen nicht mehr genügte. Daimler-Benz entwickelte deshalb die seinerzeit schwere und aus heutiger Sicht mittelschwere Baureihe 406 mit größeren Abmessungen und leistungsstarkem Motor, von der eine ganze Modellfamilie mit leichten bis mittelschweren Modellen unterschiedlicher Radstände und Motorleistungen abgeleitet wurde, die bis 1994 in Produktion blieb. Die Baureihe 406 gilt heute als beste Verkörperung des Unimogs.

1974 führte Daimler-Benz die schwere Unimog-Reihe mit komplett neuem Erscheinungsbild ein, die das Unimogprogramm nach oben abrunden sollte. Heute werden die vormals schweren Unimog als Unimog hochgeländegängig bezeichnet und sind im Wesentlichen unverändert geblieben; das charakteristische kantige Fahrerhaus wurde bis heute beibehalten. Kennzeichen dieser Unimog ist, dass sie Böschungen mit Neigungen von bis zu 44° befahren können, eine Wattiefe von 800 mm ohne bzw. 1200 mm mit Schnorchel haben und die Achsverschränkung bis zu 30° beträgt. Mit Ausnahme der nun hochgeländegängigen Baureihe wurden alle anderen Unimog im Jahr 2000 von der Baureihe 405 abgelöst, die primär Geräteträger ist. Heute stellt Daimler nur mehr die hochgeländegängige Baureihe sowie den Geräteträger her.

Konstruktion und Technik Wichtigstes Konstruktionsmerkmal ist das Fahrgestell des Unimog: Der Unimog hat einen Leiterrahmen, der sich auf an Schubrohren und Querlenkern geführte Portalachsen stützt, die mit Schraubenfedern abgefedert werden. Diese Konstruktion erlaubt eine sehr große Achsverschränkung, wodurch der Unimog sehr geländegängig wird. Durch die Vorgelege an den Radnaben kann die Drehfrequenz des Antriebsstranges erhöht werden, wodurch zum Übertragen derselben Leistung weniger Drehmoment benötigt wird, was eine einfachere Konstruktion des Antriebsstranges ermöglicht. Die vier Räder sind gleich groß. Die Portalachsen ermöglichen trotz der geringen Raddurchmesser eine hohe Bodenfreiheit.

Eine wichtige Entwicklung war der gekröpfte Leiterrahmen des Unimog (siehe Bild rechts), der eher zufällig entstand: Weil das französische Militär nicht wollte, dass das Reserverad des Unimog 404 Platz auf der Ladefläche einnähme, wurde der Leiterrahmen in der Fahrzeugmitte gekröpft, sodass das Reserverad unter der Ladefläche montiert werden konnte. Ursprünglich war der Unimog mit einem ebenen Leiterrahmen konstruiert, doch bietet der gekröpfte Leiterrahmen neben dem neuen Platz für das Reserverad auch bessere Verwindungseigenschaften, sodass der Unimog noch geländegängiger wurde.

Angetrieben wird der Unimog von einem längs eingebauten Dieselmotor. Ursprünglich wurde ein Pkw-Motor (Typ OM 636) eingesetzt, seit den 1960er-Jahren werden Industriemotoren eingebaut. Eine Ausnahme bildet der Unimog 404, der aufgrund militärischer Anforderungen mit einem Ottomotor ausgerüstet ist. Das Getriebe ist mittig im Unimog eingebaut und hat keinen Rückwärtsgang, stattdessen hat der Unimog ein Wendegetriebe, die Fahrtrichtung wird mit einem separaten Hebel gewählt. An das Getriebe kann bei einigen Unimog auch ein Nebenantrieb angeflanscht werden.

Unimogreihen, -baureihen, -familien und -modelle Im Laufe der Zeit entwickelten sich aus dem Boehringer-Unimog eine Vielzahl an Baureihen. Sie werden in mehrere Reihen eingeteilt. Dabei war die Einteilung der Reihen nie ganz einheitlich und ist im Laufe der Zeit geändert worden. Die Baureihe ist jedoch eindeutig aus der Fahrgestellnummer eines jeden Unimog abzulesen. Innerhalb einer Baureihe wiederum gibt es verschiedene Baumuster, die sich vor allem durch Radstand, Fahrerhaustyp und Motorisierung unterscheiden. Seit dem Unimog 401 geben die ersten drei Ziffern der Fahrgestellnummer die Baureihe an und die ersten sechs Ziffern das Baumuster. Die Baureihe beginnt seither immer mit einer 4. Die Modellbezeichnung (auch Verkaufs- oder Handelsbezeichnung) lässt bei den meisten Modellen auf die (gerundete) Motorleistung in PS schließen. Im Gegensatz zu Baureihe und -muster wurden die Modellbezeichnungen mehrmals verwendet und sind somit für eine eindeutige Zuordnung ungeeignet. Aus der Baureihe 406 entstanden mehrere sehr ähnliche Baureihen, weshalb diese als Modellfamilie bzw. Fahrzeugfamilie zusammengefasst werden. Siehe hierzu: Modellfamilie 406

Reihen Der Boehringer-Unimog 70200 und seine sehr ähnlichen Mercedes-Benz-Nachfolger Unimog 2010, Unimog 401, Unimog 402 und Unimog 411 werden als Ur-Unimog bezeichnet. Aus ihnen entstand die LBU, die Leichte Baureihe Unimog, zu der später der Unimog 421, Unimog 407 und Unimog 408 zählten. Oberhalb dieser Reihe wurde 1963 der Unimog 406 platziert. Ursprünglich wurde er als schwere Baureihe bezeichnet. Nachdem 1975 mit dem neuentwickelten Unimog 425 sowie den kurz darauf folgenden Unimog 424 und Unimog 435 eine noch größere Reihe auf den Markt gebracht wurde, die als SBU, also Schwere Baureihe Unimog, bezeichnet wurde, wurde die Reihe der Modellfamilie 406 und ihrer Nachfolger Unimog 417 sowie Unimog 418 zur Mittleren Baureihe Unimog, kurz MBU. Die Baureihen der MBU waren, wie die der LBU, Weiterentwicklungen des Ur-Unimogs. Signifikanter Unterschied zwischen LBU und MBU ist, neben den höheren Leistungsdaten, der Motor und die Konstruktion des Rahmens. Während bei der LBU bis zum Unimog 407 der kostengünstige gerade Leiterrahmen des Ur-Unimog beibehalten wurde, war der Rahmen der MBU nach Vorbild des Unimog 404 in der Mitte gekröpft ausgeführt. Die LBU wurde mit einem Pkw-Vorkammer-Dieselmotor ausgerüstet, während die MBU, mit Ausnahme der ersten Fahrzeuge der Baureihe 406, mit einem Direkteinspritzungs-Diesel-Industriemotor ausgerüstet wurde.

Der 1955 eingeführte Unimog 404 (auch Unimog S) nimmt gemeinsam mit dem von ihm abgeleiteten Unimog 405.110 (auch Unimog SH und Unimog T) eine Sonderstellung ein. Er wurde zu keiner der oben genannten Reihen gezählt und war ausschließlich als hochgeländegängiger Lkw beziehungsweise als Militärfahrzeug entwickelt, während die restlichen Unimogbaureihen zu dieser Zeit vor allem als universelle Zug- und Arbeitsmaschine insbesondere als landwirtschaftliche Zugmaschine (Traktor) konzipiert waren. Der Unimog 405.110 birgt außerdem die Besonderheit, dass diese Baureihe und dieses Baumuster als einziges doppelt vergeben wurde und somit nicht eindeutig ist. Die moderne Geräteträgerbaureihe Unimog 405, von der es auch ein Baumuster 405.110 gibt, hat nichts mit dem Unimog SH beziehungweise Unimog T gemeinsam.

Mitte der 1990er Jahre kam es zu einer strategischen Neuausrichtung des Produkts Unimog. Während der Unimog bisher, wie erwähnt, als Allzweckfahrzeug für den Ganzjahreseinsatz und vor allem für die Landwirtschaft konzipiert war und die Baureihen sich vor allem in Leistung, Größe und Gewicht unterschieden, wird seither auf zwei Produktlinien gesetzt, die sich nach Einsatzzweck unterschieden. Den hochgeländegängigen Unimog und den Unimog-Geräteträger. Der hochgeländegängige Unimog 437.4 entstand aus der SBU, er wurde jedoch für den Geländeeinsatz spezialisiert. Merkmale für den Einsatz als Traktor oder Arbeitsmaschine wie Front- und Heckkraftheber und die Zapfwellen vorn und hinten wurden gestrichen. Er trat somit in die Fußstapfen des Unimog 404. Für den Einsatz als Arbeitsmaschine beziehungsweise Geräteträger wird seither der neuentwickelte Unimog 405 angeboten.

Baureihen und Baumuster