Der Herr der Ringe (englischer Originaltitel: The Lord of the Rings) ist ein Roman von J. R. R. Tolkien. Er gehört zu den kommerziell erfolgreichsten Romanwerken des 20. Jahrhunderts, ist ein Klassiker der Fantasy-Literatur und gilt als grundlegendes Werk der High Fantasy. Im englischen Original wurden in den Jahren 1954/1955 drei Bände zu jeweils zwei Büchern plus Appendizes veröffentlicht. Die erste deutsche Übersetzung von Margaret Carroux erschien 1969/1970. Weltweit wurde Der Herr der Ringe etwa 150 Millionen Mal verkauft.
Das dreibändige Werk steht vor dem Hintergrund einer von Tolkien sein Leben lang entwickelten Fantasiewelt (Tolkiens Welt). Er erzählt die Geschichte eines Rings, mit dessen Vernichtung die böse Macht in Gestalt des dunklen Herrschers Sauron untergeht. Die Hauptfiguren sind vier Hobbits, die unfreiwillig in ein heroisches Abenteuer hineingezogen werden. Neben diesen spielen als Vertreter des Guten Elben, Menschen des Westens und des Nordens, Zwerge und Zauberer wichtige Rollen. Ihre Gegenspieler sind die Geschöpfe und Untertanen Saurons, die Orks, Trolle und von ihm verführte Menschen des Ostens und des Südens.
Der Roman diente als Vorlage für zahlreiche Adaptionen, darunter eine mit 17 Oscars prämierte Filmtrilogie (2001–2003).
Das Magazin Der Spiegel zählt den Roman zu den besten 100 zwischen 1925 und 2025.
Zum Werk Hintergründe J. R. R. Tolkien lehrte und forschte als Professor für Altenglisch an der University of Oxford. Als Sprach- und Literaturwissenschaftler war er zeitlebens mit den Stoffen der altenglischen Literatur verbunden. Insbesondere sein Kommentar Beowulf: The Monsters and the Critics ist in der Philologie noch heute ein wissenschaftlicher Meilenstein. Darüber hinaus war es Tolkiens Arbeitsalltag, vergleichende Forschungen mit anderen germanischen und außergermanischen Literaturen der früh- bis hochmittelalterlichen europäischen Literatur zu unternehmen, insbesondere mit den Quellen der altnordischen Literatur, der Islandsagas und den mythologischen Texten aus den eddischen Schriften sowie Motiven aus der deutschen Volkssage (beispielsweise die Entdeckung des Motivs zur Figur des Zauberers Gandalf bei einer Reise durch das Rheintal).
Nach eigenen Worten war es Tolkiens ursprüngliche Absicht, mit Blick auf die skandinavischen und deutschen Überlieferungen eine englische Mythologie zu entwerfen, angesichts dessen, dass kaum mythologische Motive oder greifbare Stoffe in der zumeist klerikalen altenglischen Literatur überliefert sind und keltische Stoffe nicht das Alter haben wie die nordischen. Die heidnische Phase der angelsächsischen Ansiedlung auf der britischen Hauptinsel, unter der die mitgebrachten Sagenstoffe tradiert und entwickelt werden konnten, dauerte nur 150 Jahre bis zur umfassenden Christianisierung der Angelsachsen und dem damit einhergehenden Verlust dieser mutmaßlich vorhandenen mythologischen Stoffe – bis auf die Ausnahme des Beowulfepos. Tolkien nahm daher bewusst Anleihen aus benachbarten germanischen, keltischen und europäischen Kulturen, Literaturen und Sprachen. Für die Entwicklung der Elbensprachen Sindarin und Quenya nahm Tolkien beispielsweise Anleihen bei den romanischen und finno-ugrischen Sprachen, hierbei besonders bei der finnischen Sprache.
Ein ganz bewusst genutztes Stilmittel Tolkiens in Anlehnung an die nordischen Quellen sind die häufigen Verstexte, die von den einzelnen Protagonisten in Liedform vorgetragen werden und auch so deutlich durch Tolkien vom Fließtext abgesetzt wurden.
Der Name Mittelerde beispielsweise leitet sich von dem altnordischen Wort Midgard und dem althochdeutschen Mittilagart ab. Die nordische Entsprechung entstammt direkt der nordischen Mythologie, beziehungsweise der darin erzählten Kosmogonie; sie diente Tolkien als eine inspirierende Vorlage. Das Motiv des Einen Ringes und der anderen Zauberringe entnahm Tolkien aus der germanischen Mythologie anhand der Vorlage des Draupnir. Gleichfalls ist das Ringmotiv ein markanter Bestandteil in der hochmittelalterlichen Artusepik. Hartmann von Aue verwendete in seiner Artusbearbeitung Iwein das Motiv des unsichtbar machenden Ringes, ähnlich ist das Motiv der Tarnkappe aus dem Nibelungensagen- und Nibelungenliedkontext bekannt. Kennzeichnend sind ebenfalls die Namen der Zwerge, die Tolkien in großer Zahl aus der Dvergatal der Völuspá entnommen hat. Eine umfassende Mythologie Mittelerdes ist im Silmarillion zusammengestellt.
Experten des National Trust halten es für möglich, dass ein 1785 in Silchester gefundener römischer Goldring Tolkien zur Geschichte des einen Rings inspiriert hat. In diesen Ring, bekannt als „The Vyne“, wurde in spätrömischer Zeit der Name „Senicianus“ eingraviert. Hundert Jahre später fand man 130 Kilometer entfernt eine antike Bleitafel, auf der „Silvianus“ den Dieb des Ringes verflucht. 1929 gab Tolkien als Philologe ein Gutachten über diesen Fund abDunkler Ring. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Nr. 14, 7. April 2013, S. 57. Siehe auch mymiddleearth.com (englisch, mit Bild). Ring und Tafel sind detaillierter dargestellt in: John G. Gager: Curse Tablets and Binding Spells from the Ancient World. Nr. 99. – ein Jahr, bevor er die Arbeit an Der Hobbit begann.
Bei all den Bezügen zur nordischen Mythologie bleibt auch im Verständnis von Tolkien selbst dieser Roman ein christlich-religiöses Werk.
Den Vorwurf, dass darin keine Religion zu finden sei, weist er entschieden zurück.
Die Einzelbücher und ihre Titel Der Herr der Ringe ist in sechs Bücher untergliedert und besitzt einige Anhänge.J. R. R. Tolkien: The Lord of the Rings. Houghton Mifflin, New York 2004, S. xi. Anstatt in einer Gesamtausgabe wurde das Werk – gegen den Wunsch des Autors – von den Verlegern, insbesondere von Rayner Unwin, vor allem wegen der hohen Papierpreise im Nachkriegsengland zunächst in drei Bänden publiziert. Auch die Hoffnung, der niedrigere Preis der Einzelbände würde sich verkaufsfördernd auswirken, spielte eine Rolle. The Fellowship of the Ring erschien am 29. Juli 1954, The Two Towers am 11. November desselben Jahres und The Return of the King nach einer längeren Verzögerung, die den Arbeiten am Index geschuldet war, am 20. Oktober 1955.
Von der Sekundärliteratur wird der Roman oft als Trilogie bezeichnet.Carl Kevin Ahrens: J.R.R. Tolkiens Trilogie „The Lord of the Rings“ – eine moderne Mythologie Englands? Hamburg 2002; Annette Simonis: Grenzüberschreitungen in der phantastischen Literatur. S. 276, Winter 2005; Enzyklopädie des Märchens. Handwörterbuch zur historischen und vergleichenden Erzählforschung. Band 6, S. 122. De Gruyter, Berlin und New York 1990; Richard C. West: Tolkien Criticism. An Annotated Checklist. S. 136, Kent University Press 1981; Richard Mathews: Lightning from a Clear Sky: Tolkien, the Trilogy, and the Silmarillion. Borgo Press, 1981; John H. Timmerman: Other Worlds. The Fantasy Genre. S. 103, Bowling Green University Popular Press, 1983. Tolkien selbst hat dagegen mehrfach zum Ausdruck gebracht, einen einzigen Roman geschaffen zu haben. Ursprünglich sollten die sechs Bücher der Handlung eigenständige Titel tragen; nachdem die drei Bände mit Namen versehen waren, nahm man hiervon jedoch Abstand.
Die geplanten Titel waren: Der Ring wandert Der Ring geht nach Süden Isengarts Verrat – Im Original „Isengard“, der Name wurde später in „Isengart“ geändert Der Ring geht nach Osten Der Ringkrieg Das Ende des Dritten Zeitalters. In der siebenbändigen Ausgabe (mit Der Hobbit, aber ohne Index und Anhänge) wurden später auch diese Titel für die Einzelbände verwendet.
Der Titel Die zwei Türme war nach Auskunft Tolkiens eine Verlegenheitslösung, um die vielfältigen Handlungsstränge des Bandes zusammenzufassen. „Vermutlich“ seien damit zwei der fünf Türme Minas Morgul, Minas Tirith, Barad-dûr (Sitz Saurons), Orthanc (Sitz Sarumans) oder der Turm von Cirith Ungol gemeint. Tolkiens eigener Entwurf für den Bucheinband (der erst in den 1990er Jahren für eine britische Ausgabe tatsächlich genutzt wurde) gibt der Kombination Orthanc und Minas Morgul den Vorzug. Gemeint könnten jedoch auch die Zähne von Mordor sein, nämlich die beiden Türme am Morannon (‚Schwarzes Tor‘), da im Text nur hier die ausdrückliche Bezeichnung „die zwei Türme“ verwendet wird.
Den dritten Teil hätte der Autor lieber Der Ringkrieg genannt, da Die Rückkehr des Königs seiner Meinung nach zu viel über das Ende verrate. Der dritte Band enthielt in der Originalausgabe umfangreiche Anhänge. Diese finden sich in allen englischen Ausgaben, werden im Deutschen aber nur in einigen gebundenen Ausgaben eingeschlossen. Im Wesentlichen erläutern die Anhänge die Hintergründe und den Werdegang der wichtigsten Akteure der Ringgemeinschaft vor und nach den Ereignissen der sechs Bücher sowie einige Grundzüge der von den Akteuren verwendeten Sprachen und Schriften.
Ausgaben und Übersetzungen ins Deutsche Originalausgabe und US-amerikanische Taschenbuchausgabe Die erste, dreibändige Hardcoverausgabe des Werkes war wegen des recht hohen Preises nur mäßig erfolgreich, was auch auf die bei Houghton Mifflin publizierte US-Ausgabe zutraf. Der amerikanische Verleger Donald A. Wollheim brachte – vom Autor nicht autorisiert – eine Paperbackausgabe des Werkes heraus, weil Tolkien ihm auf seine Anfrage hin 1964 geantwortet hatte, er wünsche keine Ausgabe seines Werkes in derart „degenerierter“ Form. Diese Zurückweisung hatte Wollheim derart geärgert, dass er nach einem Schlupfloch in den Urheberrechten an dem Werk suchte. Tatsächlich waren die Taschenbuchrechte für die USA nicht eindeutig geregelt. Wollheim schloss daraus, die Rechte für die Staaten seien frei,Betsy Wollheim: The Family Trade in Locus Magazine. Juni 2006 (Auszug aus dem Interview) locusmag.com und legte mit dem, was später als Raubdruck bezeichnet wurde, die Grundlage für den immensen Erfolg des Buches in den USA. Der resultierende Rechtsstreit wurde später zuungunsten von Wollheim und seinem Verlag entschieden, auch wenn es erst die preiswertere Ausgabe war, die den weltweiten Erfolg begründete.
Ausgaben Das Buch fand lange keinen deutschen Verlag. Nachdem die namhaften Verlagshäuser abgelehnt hatten, entschied der Schulbuchverleger Michael Klett (Klett-Cotta Verlag), die deutschen Rechte zu kaufen. Diese Entscheidung sollte sich im Nachhinein als Glücksfall erweisen und das Unternehmen sanieren. Als Rechteinhaber des Herrn der Ringe in Deutschland legt Klett-Cotta momentan beide Übersetzungen in unterschiedlichen Fassungen auf, gebunden in einem Band, als Einzelbände (mit den Anhängen im Band Die Rückkehr des Königs bzw. in einem gesonderten vierten Band) sowie auch als gesonderte Taschenbücher (Krege-Fassung). Einer relativ hochpreisigen Edition der Carroux-Übersetzung aus dem Jahre 2002 mit drei gebundenen Bänden in einem Pappschuber hat der Verlag inzwischen einen Einzelband dieser älteren Übertragung ins Deutsche nachgeschoben; dies ist momentan die einzige einbändige Ausgabe des Buches in deutscher Sprache. Darüber hinaus gibt es verschiedene Sammlereditionen.
Übersetzung von Margaret Carroux mini|Titel-Schriftzug der ersten deutschen Ausgabe von 1969