Die (in Österreich, Bayern und Schwaben auch der) Zwiebel (Allium cepa), auch Zwiebellauch, Bolle, Zipolle, Speisezwiebel, Küchenzwiebel, Gartenzwiebel, Sommerzwiebel, Hauszwiebel oder Gemeine Zwiebel genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Lauch (Allium) und eine der ältesten Kulturpflanzen.
Begriffsbestimmung Der Ausdruck Zwiebel (lateinisch: cepa) bezeichnet sowohl die Pflanzenart als auch das typische Speicherorgan, das allerdings auch von anderen Pflanzenarten gebildet wird (siehe: Zwiebel als Pflanzenteil). In der Umgangssprache wird die genaue Bedeutung oft nicht beachtet. In der Botanik wird stets unterschieden, ob von der Art Allium cepa oder von einem Pflanzenorgan die Rede ist.
Die Küchenzwiebel ist eine Art mit vielen unterschiedlichen Zuchtformen und einer Reihe umgangssprachlicher Bezeichnungen. Dabei beziehen sich nicht alle Namen, die das Wort „Zwiebel“ enthalten, tatsächlich auf die Art Allium cepa.
Schalotten sind Sorten, die regelmäßig eine Anzahl von Tochterzwiebeln entwickeln. Sie wurden früher als eigenständige Art mit dem wissenschaftlichen Namen Allium ascalonicum angesehen, mittlerweile jedoch überwiegend als Varietät der Küchenzwiebel (Allium cepa var. aggregatum oder „Allium cepa Aggregatum Group“). Die sogenannte Graue Schalotte gehört dagegen zur Art Allium oschaninii. Der Name Winterzwiebel kann sowohl die dem Porree ähnliche Art Allium fistulosum als auch überwinternd kultivierte Sorten der Küchenzwiebel bezeichnen. Perlzwiebeln sind eine kultivierte Sortengruppe des Ackerlauchs (Allium ampeloprasum). Etagenzwiebeln entwickeln an der Spitze des Infloreszenzschaftes kaum oder keine Blüten, sondern Brutzwiebeln, die ihrerseits Schäfte mit Brutzwiebeln treiben, sodass die Pflanze, solange es ihre Stabilität zulässt, mehrere Etagen solcher „Luftzwiebeln“ aufweisen kann. Typischerweise handelt es sich um den Bastard Allium × proliferum aus Allium cepa und Allium fistulosum, jedoch existieren auch nichthybride Varietäten der Küchenzwiebel mit dieser Wuchsform. Gemüse- oder Metzgerzwiebeln nennt man Sorten mit sehr großen und mild schmeckenden Zwiebeln. Silberzwiebeln sind besonders kleine Sorten, denen die schützende Schale fehlt.
Weitere, regional gebräuchliche Bezeichnungen für die Zwiebel (in lateinischen Texten cepa, Plural cepae bzw. mittellateinischVgl. etwa Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 170 („Cepe – zwobeln […] cyppollen“). cepe) sind beispielsweise Bolle (Brandenburg), Bölle (Deutschschweiz), Bülle (Höri um Moos (am Bodensee)), Engnin (niederdeutsch), Nislauch, Oellig (Bayern, Eifel), Twiwel (Göttingen), Unlouch, Vich, Vick, Zibbel (Hessen, Ruhla), Zibele (westliche Deutschschweiz), Zibölle, Zipel (Ostfriesland, Göttingen, Waldeck), Zippeln (Hessen, Holstein), Zipolle (Altmark, Bremen, Hessen, Mecklenburg), Zweibel (Siebenbürgen), Zwibbel (Siebenbürgen). Mittelhochdeutsch sind zahlreiche Laut- und Schreibvarianten vertreten: Cibol, Cibüll, Cipolle, Czipell, Czwebeln, Czwifall, Czwipolle, Siebel, Sipolle, Sypolle, Syppolle, Tzibol, Tzipolle, Ulch, Ulk, Unlauch, Unleuch, Zuboell, Zubul, Zwibel, Zwiblon, Zwibol, Zwifel, Zwippull, Zwiwwel, Zwobelm, Zybel, Zybölle und Zypel. Mittelniederdeutsch kennt man etwa Olich, Oyllich.Zu diesen und weiteren Trivialnamen siehe Heinrich Marzell: Wörterbuch der deutschen Pflanzennamen, Band 1. Hirzel, Leipzig 1943, S. 198 f. sowie Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Cohen, Hannover 1882, S. 18, betreffend die schweizerdeutschen Ausdrücke auch Christoph Landolt: Zibele und Bölle. Wortgeschichte vom 25. November 2013, hrsg. von der Redaktion des Schweizerischen Idiotikons.
Geschichte mini|Wiener Dioskurides 6. Jahrhundert
Die Küchenzwiebel ist eine der ältesten Kulturpflanzen der Menschheit und wird schon seit mehr als 5.000 Jahren als Heil-, Gewürz- und Gemüsepflanze kultiviert, wobei sie sowohl im Chinesischen Altertum als auch im alten Ägypten verbreitet war.Gregor Delvaux de Fenffe: Pflanzen; Zwiebelgewächse. Planet Wissen, abgerufen am 10. April 2026
Im alten Ägypten wurden Zwiebeln den Göttern als Opfergabe gereicht, da sie sowohl ein Symbol für das ewige Leben als auch eine hoch geschätzte Heilpflanze waren. Dass Zwiebeln sogar als Grabbeigabe bzw. Wegzehrung für die Reise ins Jenseits genutzt wurden, belegen Zwiebelreste, die im Grab des Tutanchamun gefunden wurden.Warum die Zwiebel gesund ist: Fakten und Beispiele. BKK mkk, abgerufen am 10. April 2026
Eine Inschrift auf einer der Pyramiden von Gizeh besagt, dass den Arbeitern beim Bau der Pyramiden Rationen von Knoblauch und Zwiebeln zugeteilt wurden, um ihre körperliche Kraft zu erhalten und sie vor Infektionskrankheiten zu schützen.
Eine über 4.000 Jahre alte sumerische Keilschrifttafel enthält bereits Informationen zum damaligen Ackerbau, einschließlich Angaben zu Gurken- und Zwiebelfeldern. Im babylonischen Codex Hammurapi wurden monatliche Brot- und Zwiebelrationen für Mittellose festgelegt.Feldfrüchte. Laaer Zwiebel. Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft, Österreich, abgerufen am 10. April 2026
Bei den Römern zählten Zwiebeln zu den Grundnahrungsmitteln vor allem der einfachen Bevölkerung. Römische Legionäre brachten die Gemüsezwiebel später nach Mitteleuropa, was sich in der Benennung widerspiegelt. Aus dem lateinischen Wort „cēpula“ entstanden (durch volksetymologische Umdeutung) der althochdeutsche Begriff zwibollo, das mittelhochdeutsche Wort zwibolle („zweifache Bolle“) und das deutsche Wort „Zwiebel“.Kluge. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Bearbeitung Elmar Seebold. 25. Auflage. De Gruyter, Berlin/Boston 2011, S. 1020.)Vgl. Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 165 („Bulbus – eyn cyppolle“, dort als „Radix Narcissi“ in Bezug auf Narcissus-Arten sowie Liliaceen). in Mitteleuropa verbreiteten. Hier wurden sie zu einer der am meisten verbreiteten Gemüsearten, durften auf keiner Tafel fehlen und dienten auch zusammen mit Theriak zur Bereitung eines Öls, welches durch Anregung der Schweißabsonderung vor der Pest schützen sollte.Conrad Gessner …: Der ander Theil des köstlichen und theuren Schatzes … Zürich 1583, S. 157: Ein öle auß Zwibeln vnnd Theriac zubereiten (Digitalisat)
Historische Zwiebeldarstellungen
Herkunft und Verbreitung Die Küchenzwiebel existiert, von gelegentlichen Verwilderungen abgesehen, nur noch als reine Kulturpflanze. Es sind weder Wildformen bekannt noch konnte bisher eine rezente wildlebende Allium-Art als direkter Vorfahre identifiziert werden. Die geographische Herkunft der Küchenzwiebel kann daher nicht genau bestimmt werden, wobei häufig „Mittelasien“ oder „Afghanistan“ als mögliche Herkunftsregion benannt werden. Die derzeit als nächstverwandt angesehene Art Allium vavilovii ist in Turkmenistan und dem Iran beheimatet.R. M. Fritsch, N. Friesen: Evolution, Domestication and Taxonomy. PDF-Datei, englisch
Beschreibung mini|Verschiedene Zwiebelsorten
Die Küchenzwiebel ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die in der Kultur jedoch meist nur ein- oder zweijährig gehalten und dann geerntet wird. Ihre Sprossachse bleibt bis zur Blütenbildung zu einem flachen scheibenförmigen Gebilde gestaucht, das Zwiebelscheibe oder Zwiebelkuchen genannt wird. Das Apikalmeristem auf der Oberseite der Zwiebelscheibe bringt an seinem Rand, abwechselnd gegenüberliegend und daher scheinbar zweizeilig (nach botanischer Terminologie aber grundständig), etwa 10 bis 15 ungestielte, deutlich in Unter- und Oberblatt gegliederte Laubblätter hervor. Die Unterblätter sind von weißlicher Farbe mit grüner Aderung, ähnlich wie Blattscheiden geformt, und umgreifen einander straff, sodass sie in ihrem oberen Teil einen mehrere Zentimeter langen Scheinspross bilden, im unteren Teil fleischig verdickt die bekannte „Zwiebel“ als Speicherorgan. Die rein grünen Oberblätter verwachsen zu Röhren mit geschlossener Spitze, die hohl und im Querschnitt annähernd oval sind. Ihre Zellanordnung ist die eines bifazialen Blattes, die Außenseite der Röhre entspricht der Oberseite.
mini|Blütenstände der Zwiebel: links geöffnet, rechts geschlossen mini|Zwiebelblüte, zum Teil geöffnet mini|Aufgeblühter Blütenstand Sind die biologischen Voraussetzungen für eine Blütenbildung gegeben, gewöhnlich erst ab der zweiten Vegetationsperiode, streckt sich die Zwiebelscheibe zu einem 20 bis 120 cm langen, unbeblätterten, röhrig-hohlen, im Querschnitt kreisförmigen Infloreszenzschaft, der im unteren Teil bauchig aufgetrieben erscheint. Das Apikalmeristem verbleibt an seiner Spitze und bildet keine neuen Laubblätter mehr. Der Blütenstand ist eine fast kugelförmige Scheindolde aus 20 bis mehr als 100 Einzelblüten, die vor dem Aufblühen noch von einem Hochblatt umhüllt sind. Die Blüten sind 20 bis 40 mm lang gestielt, ihre Blütenhüllblätter sind weißlich mit grünem Mittelnerv.
Die Blütenbildung setzt voraus, dass die Pflanze zunächst eine gewisse Zahl von Blättern entwickelt hat und außerdem gegen Ende der vorigen Vegetationsperiode oder in der Ruheperiode für gewisse Zeit niedrigen Temperaturen ausgesetzt war. Im Pflanzenbau nennt man derartige Vorgänge Vernalisation. Die nötige Temperatur und deren Einwirkungsdauer sind von der Sorte und von der Trockenmasse der einzelnen Zwiebel abhängig. Bei handelsüblichen mitteleuropäischen Sorten rechnet man mit ungefähr 6 °C über mindestens zwei Wochen. Relativ hohe Temperaturen während der Ruheperiode können einen bereits initiierten Blütenansatz wieder vernichten. Davon wird im Ertragsanbau Gebrauch gemacht, wenn eine Blütenbildung unerwünscht ist.
Die Nährstoffspeicherung und damit die Ausbildung des Speicherorgans wird von der Photoperiode bestimmt, d. h., sie kommt nur bei einem bestimmten Verhältnis von Tag- und Nachtlänge in Gang. In Anpassung an die entsprechenden Gegebenheiten verschiedener geographischer Breiten hat die Züchtung zur Differenzierung in sogenannte Langtag- und Kurztagsorten geführt. Diese Bezeichnungen sind nicht gleichzusetzen mit den sogenannten Langtag- und Kurztagpflanzen der biologischen Terminologie, bei denen es ausschließlich um die Blütenbildung geht. Wenn die Belichtungsansprüche der jeweiligen Sorte nicht erfüllt sind, kann die Zwiebelpflanze zwar Blätter, Blüten und Samen bilden, aber keine oder nur eine unterentwickelte Zwiebel.
Das Speicherorgan wird von der Botanik als Schalenzwiebel eingestuft, weil sie aus Teilen normaler Laubblätter entsteht, im Unterschied zu Schuppenzwiebeln, die aus Niederblättern hervorgehen. Neben den voll ausgebildeten Laubblättern kommen bei der Küchenzwiebel jedoch auch solche vor, die nur aus dem Unterblatt bestehen. Dadurch ist die Zahl der in einer Zwiebel anzutreffenden Schalen meist größer als die der zuvor ohne weiteres sichtbaren Blätter. Zwischen den Blatt- bzw. Schalenansätzen, d. h. achselständig, werden auf der Oberfläche der Zwiebelscheibe außerdem eine oder mehrere Knospen angelegt, die das Wachstum in der nächstfolgenden Vegetationsperiode fortsetzen und dabei die in den vorjährigen Schalen gespeicherten Nährstoffe aufbrauchen. Die ausgezehrten Schalen vertrocknen zu papierdünnen Häuten, die eine schützende Hülle um die neue Zwiebel bilden.
Die Züchtung ist in der Regel darauf ausgerichtet, dass die „gewöhnliche“ Küchenzwiebel möglichst nur eine einzige Erneuerungsknospe und damit eine einfache Zwiebel bildet. Bei den als Schalotten bezeichneten Sorten ist dagegen die Bildung mehrerer Knospen (als Tochterzwiebeln) erwünscht, da sie zur vegetativen Vermehrung benötigt werden.
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 16.Tropicos. tropicos.org
Anbau und Ernte mini|Zwiebelfeld um 1862 in Idaho, USA