mini|hochkant=1.2|Einfach gebrochene Wassertrense mini|hochkant=1.2|Doppelt gebrochene Wassertrense
Eine Trense ist ein Bestandteil des Zaumzeugs, das im Maul des Hauspferdes oder Hausesels angelegt wird. Sie besteht heute weitgehend aus dem Mundstück, auch Gebiss genannt, und seitlich außerhalb des Maules befindlichen Ringen zum Einschnallen der Zügel und Riemen. Darüber hinaus können seitlich auch noch weitere Bestandteile angebracht sein. In der prähistorischen Vergangenheit waren Trensen in der Regel mehrteilig mit dem Mundstück und seitlichen Schenkeln, die als Trensenknebel bezeichnet werden. Damals wie heute kann das Mundstück oder Gebiss ungebrochen sein und wird dann Stange oder Stangenmundstück genannt. Ebenso gibt es gebrochene Varianten, so dass das Mundstück ein oder zwei Gelenke aufweist. Die Trense entstand im Übergang vom 3. zum 2. Jahrtausend v. Chr. im Verbund mit der Entwicklung leichter zweirädriger Streitwagen mit Speichenrad. Eine Übertragung auf das Reiten fand erst später statt.
Etymologie Die Bezeichnung Trense stammt vom spanischen Wort trenza ab, was mit „Flechte“ oder „Seil“ übersetzbar ist. Es leitet sich wohl vom altspanischen treça für „Haarflechte“ her. Trense bezog sich somit ursprünglich auf eine leichte Schirrung ohne Mundstück. Von der Iberischen Halbinsel gelangte die Bezeichnung während der spanischen Besetzung im 16. Jahrhundert über die Niederlande in den deutschen Sprachgebrauch. In frühneuzeitlichen Texten findet sich die Bezeichnung „das Biss“ für die Pferdetrense, so etwa in einem mit Abbildungen und Erläuterungen verschiedener Trensen versehenem „pisbuech“ (Teil einer in der Mitte des 16. Jahrhunderts entstandenen Handschrift im Stadtarchiv Augsburg).
Geschichte Terminologie Eine Trense im archäologischen Sinne besteht in der Regel aus dem Mundstück (Gebiss) und den Seitenstücken, an denen das Mundstück befestigt ist. Die Seitenstücke, bei modernen Trensen als Schenkel bezeichnet, werden in der Archäologie unter dem Oberbegriff „Trensenknebel“ geführt. Diese bestanden häufig aus härteren organischen Materialien wie Knochen, Geweih, selten auch Elfenbein oder aber aus Metall und sind so zumeist die einzigen erhaltenen Bestandteile der Trense, da das Mundstück anfänglich weitgehend aus weicheren Stoffen wie Leder oder Bast gefertigt war. Ausnahmen bilden hier vollständig metallene Trensen. Die Trensenknebel besitzen mehrere Öffnungen in Form von Löchern oder Ösen, welche das Mundstück und die Riemen des Kopfgestells des Hauspferdes zuzüglich der Zügel aufnehmen. Diese Öffnungen werden „Durchzüge“ genannt. Die Gesamtheit aller Durchzüge bildet die sogenannte „Einrichtung“.
Aufbau der Trensen in der Bronze- und Eisenzeit mini|links|Ungebrochenes Stangengebiss, Bronze, Persien, um 2000 v. Chr. mini|Trense mit gebrochenem Mundstück, Bronze, Villanova, 8. Jh. v. Chr.
Anhand der metallenen Mundstücke lassen sich eine ungebrochene und eine gebrochene Version unterscheiden, ebenso treten glatte und tordierte Versionen auf. Die Verbindung der beiden Elemente einer Trense miteinander erfolgte auf unterschiedliche Weisen. In einer vor allem in der Bronzezeit und frühen Eisenzeit sehr weit verbreiteten Form wurden die Enden des Mundstücks durch den Hauptdurchzug des Trensenknebels geschoben, was als „α-Prinzip“ bekannt ist. Bei den Stangenknebeln entstand im weiteren Verlauf der eisenzeitlichen Entwicklung daraus das „β-Prinzip“, bei dem das Mundstück mittels eines organischen Bandes an den Knebel gebunden wurde. Dies ist typisch für Trensenknebel mit einer gleichlaufenden, also monoplanen Anordnung der Durchzüge und kann als Entwicklung der osteuropäischen Steppenvölker gesehen werden, welche sich dann auch nach Westen hin ausbreitete. Ein drittes, als „γ-Prinzip“ benanntes Verbindungssystem entstand in der Skythenzeit. Hierbei wurde der Trensenknebel in die äußere Öse des Mundstücks gesteckt.
mini|links|Pferdefiguren der Sejma-Turbino-Kultur um 2000 v. Chr., links zwei Dolchgriffe aus Rostovka (1) und Sejma (2) mit geschirrten Pferden mini|hochkant|Skythische Ledersättel aus der Mitte des ersten Jahrtausends v. Chr. Über die Art der Einbindung der Trense in das Kopfgestell des Hauspferdes liegen aus vorgeschichtlicher Zeit nur wenige Informationen vor, da die zugehörigen Riemen und Zügel fast ausschließlich aus Leder oder ähnlichem bestanden. In einzelnen Fällen wurden knöcherne Riemenverteiler dokumentiert, die einen runden oder Y-förmigen Umriss haben und mehrere kreisförmige Öffnungen für die einzelnen Riemen aufweisen. Der größere Teil stammt aus dem Karpatenbecken, eventuell liegt mit einem Fund vom Buhuberg bei Waidendorf in Niederösterreich auch in Exemplar aus dem nordalpinen Bereich vor. Gelegentlich finden sich aus der frühen Zeit der Trensenentwicklung figürliche Darstellungen von geschirrten Pferden. Zu den ältesten Beispielen gehören Figuren auf den Knäufen von Dolchen aus Rostovka und Sejma in Westsibirien. Sie werden der Sejma-Turbino-Kultur um 2000 v. Chr. zugesprochen und zeigen Pferdeköpfe mit stark stilisiertem Kopfgestell. Deutlich jünger ist ein Beispiel eines bronzenen Pferdekopfaufsatz aus dem skythischen Großkurgan von Arschan in Südrussland, der verschiedene, aber vermutlich ebenfalls abstrahierte Riemen zeigt. Weitere Hinweise auf das Kopfgestell geben bildliche Darstellungen der mykenischen Zeit, so auf Stelen der Schachtgräber von Mykene selbst oder auf Fresken aus Tiryns. Ebenso sind mehrere Darstellungen ab der Zeit des Neuen Reiches im Alten Ägypten bekannt.
Ein nahezu vollständiges Kopfgestell wurde bei zwei Pferdebestattungen der Hallstattzeit aus Mailhac im südlichen Frankreich dokumentiert. Deren Riemensystem war ursprünglich prunkvoll mit Perlen besetzt gewesen, wodurch sich ein Kopfgestell bestehend aus den Backen- und Nackenriemen, dem Nasen- und Stirnriemen und zusätzlich einem Riemen längs über den Schädel zwischen den beiden letztgenannten rekonstruieren lässt. Ein nahezu vollständiges Zaumzeug, das sich aus einem Ledersattel, der Trense mit eisernem Mundstück und hölzernen Stangenknebeln sowie ledernen Riemen und Zügeln zusammensetzt, blieb in einem skythischen Grab bei Yanghai im nordwestlichen Altai erhalten. Das Grab datiert in den Zeitraum von 724 and 396 v. Chr., ermittelt mit der Radiokarbonmethode. Das Kopfgestell umfasste einen Backen- und Nackenriemen, der vollständig um den Kopf geschlungen wurde, sowie einen Nasen- und Kehlriemen.
Prähistorische Trensenfunde Im Vergleich zu den Trensenknebeln sind Mundstücke oder vollständige frühe Trensenfunde weitaus seltener. Beispielhaft für ein metallenes ungebrochenes Mundstück sei ein Objekt aus einem eisenzeitlichen Brangrab bei Königsbronn in Baden-Württemberg genannt. Eine der wenigen vollständigen Trensen aus organischem Material wurde in einer Pfahlbausiedlung bei Grandson am Neuenburgersee gefunden. Sie besteht aus zwei 16 cm langen Trensenknebeln aus Geweih sowie einem 7 cm langen Mundstück aus einem Röhrenknochen. Bei einem weiteren, rund 19 cm langen Trensenknebel der gleichen Fundstelle steckte in einem der Durchzüge noch der Rest eines Mundstückes aus Holz. Beide Objekte gehören der Urnenfelderzeit an. Deutlich häufiger sind metallene Trensen, die vermehrt für die spätere Bronzezeit und nachfolgende Eisenzeit des südlichen und südöstlichen Europas sowie des weiteren Mittelmeergebietes vermerkt werden können. Als sehr bekannte Exemplare dieser Region können hier die Trensen aus Mykene in Griechenland aus Amarna in Ägypten oder vom Tell el Ajjul in Israel genannt werden, die alle der zweiten Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr. angehören. Ein für das nordalpine Gebiet hervorragendes Beispiel ist die im Jahr 1916 gefundene bronzene Trense von Zürich-Enge-Alpenquai in der Schweiz aus dem 9. Jahrhundert v. Chr. Eine Besonderheit findet sich insofern darin, dass das Mundstück zwar gebrochen ist, die beiden Teile jedoch jeweils fest mit den Trensenknebeln verbunden waren, sie wurden also jeweils in einem Stück gegossen. Vergleichbar dazu ist eine bronzene Trense aus Belin in Rumänien. Weitere metallene Trensen aus dem nordalpinen Raum wurden unter anderem in Mörigen am Bielersee in der Schweiz sowie in Mengen und Unteruhldingen-Stollenwiesen in Baden-Württemberg gefunden, die jeweils eine vergleichbare zeitlich Stellung aufweisen.
Ursprung der Trense Die Domestizierung des Hauspferdes aus wildlebenden Vorfahren begann möglicherweise schon im 4. Jahrtausend v. Chr. Um rund 3500 v. Chr. zähmten die Träger der kupferzeitlichen Botai-Kultur aus Kasachstan Wildpferde und begründeten teilweise ihre gesamte Lebensweise auf diesen Tieren. So erbrachte der für die Kultur namensgebende Fundort etwa 300.000 Pferdeknochen. Die Frage, ob die Tiere außer als Nahrungs- und Rohstofflieferanten anderweitig eingesetzt wurden, unterliegt in der Wissenschaft aber einer intensiven Debatte. Überlegungen zufolge hätte das Reiten den Völkern der Steppe eine deutlich höhere Mobilität beschert. Einige Forscher interpretieren daher auffällige Zahnabnutzungsmuster als Hinweise auf Trensennutzung, was jedoch auch in Kritik steht. Die Pferdezucht der Botai-Kultur war insgesamt nicht von Dauer, so dass die Tiere wohl anschließend wieder verwilderten. Genetischen Untersuchungen zufolge sind die Botai-Pferde die nächsten Verwandten des Przewalski-Pferdes und stehen nicht in der Linie des Hauspferdes.
mini|Kupfermodell eines Streitwagens mit Vollrädern vom Tell Agreb, gezogen von vier Equiden, die beiden mittleren sind über ein Joch eingespannt, die beiden äußeren jeweils nur über Leinen, etwa 2600 bis 2370 v. Chr. Das heutige Hauspferd wurde einige hundert Jahre später wahrscheinlich in der Schwarzmeerregion domestiziert. Spätestes zum Ende des 3. Jahrtausends v. Chr. breitete es sich als Begleiter des Menschen über weite Teile Eurasiens aus. Unklar ist hierbei, ob diese frühen Pferdezüchter vergleichbar zu den Trägern der Botai-Kultur die Hauspferde auch anderweitig denn als Nahrungs- und Rohstofflieferanten nutzten. Bei einzelnen menschlichen Skeletten der wiederum kupferzeitlichen Jamnaja-Kultur beobachtete anatomische Veränderungen werden als Reiterfazetten gedeutet. Die großen und schweren Wagen mit Vollrädern, die unter anderem für die Majkop- und Jamnaja-Kultur sowie andere archäologische Komplexe der südrussischen Steppe belegt sind, wurden allerdings höchstwahrscheinlich von Hausrindern gezogen. Das Reiten eines Pferdes selbst benötigt nicht zwangsläufig eine Trense, da der Reiter seine Kommandos auch über anderweitige Signale (Druck, Körpergewichtsverlagerung und ähnliches) an das Tier übermitteln kann. Spätestens mit der Ausbreitung des Hauspferdes Ende des 3. Jahrtausends v. Chr. erreichte dieses unter anderem Mesopotamien und Vorderasien allgemein. Dort traf es auf den Hausesel, der um 3000 v. Chr. im Vorderen Orient in den Hausstand eingeführt worden war. Er diente vorwiegend als Last- und Zugtier. Analog zu den Befunden der Botai-Kultur verweisen abgenutzte Zähne an Skeletten aus Tell eṣ-Ṣâfi in Israel aus der Zeit um 2800 bis 2700 v. Chr. auf einen möglichen Einsatz von Trensen beim Hausesel, ohne dass es hierfür materielle Belege gibt. Anhand einzelner mesopotamischer Steinreliefs etwa aus der Stadt Ur oder kupferner Modelle wie aus Tell Agrab wird ersichtlich, dass die Bewohner Mesopotamiens Equiden zum Ziehen von Wagen mit Vollrädern einspannten. Dabei kam überwiegend ein Joch zum Einsatz, wie es beim Hausrind üblich ist. Gelegentlich wurden wohl auch Kappzäume verwendet.
mini|Zweirädriger Streitwagen mit Speichenrädern von Ramses II. in Abu Simbel; das Pferde-Doppelgespann besitzt hier ein Trensen-Kopfgestell, um 1265 v. Chr.