mini|hochkant=1.2|Franz Schubert(Porträt von Wilhelm August Rieder, 1875, nach einer Aquarellvorlage von 1825) rahmenlos
Franz Peter Schubert (* 31. Jänner 1797 in der Gemeinde Himmelpfortgrund, heute im 9. Bezirk Wiens; † 19. November 1828 in Wieden, jetzt 4. Bezirk) war ein österreichischer Komponist.
Obwohl Franz Schubert schon im Alter von 31 Jahren starb, hinterließ er ein reiches und vielfältiges Werk. Er komponierte über 600 Lieder, weltliche und geistliche Chormusik, sieben vollständige und fünf unvollendete Sinfonien, Ouvertüren, Bühnenwerke, Klaviermusik und Kammermusik.
Schuberts Bedeutung als Komponist wurde erst nach seinem frühen Tod allgemein anerkannt; Mendelssohn, Schumann, Liszt, Brahms und andere Komponisten der Romantik entdeckten und rühmten das Werk ihres Vorgängers. Heute ist Schuberts Rang als herausragender Vertreter der frühen Romantik unbestritten. mini|Schuberts Brille
Leben Kindheit mini|Geburtshaus am Himmelpfortgrund, heute Nußdorfer Straße 54 mini|Ab 1801 wohnte Familie Schubert in der Säulengasse 3 in der Vorstadt Himmelpfortgrund mini|hochkant|In der Lichtentaler Pfarrkirche wurde Schubert getauft Franz Peter Schubert wurde als dreizehntes von zwanzig Kindern geboren. Von diesen erreichten nur neun das Erwachsenenalter.Heinz Schöny: Franz Schubert: Herkunft und Verwandtschaft. In: Studien zur Familien- und Wappenkunde, Jahrbuch der Heraldisch-Genealogischen Gesellschaft „Adler“. Wien 1978. Rita Steblin: Franz Schubert – das dreizehnte Kind. In: Wiener Geschichtsblätter 3, S. 245–265 (PDF auf academia.edu). Schuberts Vater Franz Theodor (* 1763 in Neudorf in Nordmähren, heute Vysoká; † 9. Juli 1830) war Lehrer und Schulleiter. Seine Mutter Elisabeth Vietz (* 1756 in Zuckmantel, Österreichisch-Schlesien, heute Zlaté Hory; † 28. Mai 1812W. Dürr, A. Feil: Franz Schubert. Musikführer. Reclam Leipzig 2002, S. 20.) war vor der Hochzeit Köchin in einer Wiener Familie.
Im Alter von fünf Jahren erhielt Schubert den ersten regelmäßigen musikalischen Unterricht. Sein Vater lehrte ihn, Violine zu spielen. Mit sechs Jahren ging er in der Wiener Vorstadt Lichtental in die Schule. Mit sieben Jahren bekam er von Michael Holzer, dem Kapellmeister der Lichtentaler Pfarrkirche, bereits Orgelunterricht.
Wegen seiner schönen Stimme wurde er im Oktober 1808 als Sängerknabe (1808–1812) in die Wiener Hofmusikkapelle und in das kaiserliche Konvikt aufgenommen. Schubert lernte dort viele seiner späteren langjährigen Freunde kennen – wie Joseph von Spaun, Albert Stadler und Anton Holzapfel. Er genoss im Konvikt neben dem Kompositionsunterricht von Wenzel Ruzicka und später Antonio Salieri vielfältige musikalische Anregung. Er wirkte nicht bloß als Solist im Gesang, sondern lernte auch die Instrumentalwerke Joseph Haydns und Wolfgang Amadeus Mozarts kennen, da er zweiter Violinist im Konviktorchester war.
Bald zeigte sich seine Begabung in der Komposition. Eine Klavierfantasie G-Dur zu vier Händen ist datiert 8. April–1. Mai 1810. Im nächsten Jahr folgten ein Streichquartett, eine weitere Fantasie in g-Moll, Lieder und andere Stücke. An Sonn- und Feiertagen wurden in der Familie regelmäßig Streichquartettabende veranstaltet, bei denen sein Vater Violoncello, er selbst Viola und seine Brüder Violine spielten.
Jugend mini|Der junge Schubert (Josef Abel) Waren seine schulischen Leistungen anfangs noch gut, so verschlechterte er sich im Laufe der Zeit besonders in Mathematik und Latein. Er schlug die Möglichkeit aus, seinen Stiftungsplatz zu verlängern, und kehrte im Oktober 1813 in das elterliche Haus zurück. Zu dieser Zeit komponierte er seine Sinfonie Nr. 1 D-Dur.
Nachdem er eine Lehrerbildungsanstalt besucht hatte, wurde er Ende 1814 Schulgehilfe seines Vaters, ein Amt, das er zwei Jahre hindurch und Ende 1817, Anfang 1818 noch einmal für kurze Zeit versah. Daneben erhielt er noch bis 1816 Unterricht bei Antonio Salieri und komponierte produktiv: Seine erste Oper Des Teufels Lustschloß und seine Messe Nr. 1 in F-Dur (die Uraufführung am 25. September 1814 in der Lichtentaler Pfarrkirche war die erste öffentliche Aufführung eines seiner Werke) stammen beide aus dem Jahr 1814, ebenso mehrere Streichquartette, kürzere Instrumentalwerke, der erste Satz seiner Sinfonie Nr. 2 B-Dur und mehr als zwanzig Lieder, darunter Meisterwerke wie Gretchen am Spinnrade (aus Goethes Faust) und interessante Experimente wie die Ballade Der Taucher (nach Schiller).
Eine noch größere Zahl an Werken komponierte er im Jahre 1815. Trotz seiner Arbeit als Lehrer beendete er zwei Sinfonien (Nr. 2 B-Dur, Nr. 3 D-Dur), zwei Messen (Nr. 2 G-Dur, Nr. 3 B-Dur), die Opern Der vierjährige Posten, Fernando und Claudine von Villa Bella sowie zwei weitere unvollendete. Dazu kamen das Streichquartett g-Moll, vier Sonaten und einige weitere Kompositionen für Klavier sowie fast 150 Lieder von teilweise beträchtlicher Länge, von denen er manchmal mehrere pro Tag schrieb.
Angesichts der zunehmenden Unvereinbarkeit seiner Lehrerstelle mit dem Komponieren unternahm Schubert zahlreiche Versuche, sich als Komponist zu etablieren. Aber die Verlage lehnten die Publikation seiner Werke ab. Im Frühjahr 1816 bewarb er sich erfolglos um den Posten eines Kapellmeisters in Laibach/Ljubljana. Über seinen Freund Joseph von Spaun kam er in Wien in Kontakt mit Franz von Schober. Auf dessen Vorschlag hin verließ Schubert seine Lehrerstelle und zog für acht Monate in Schobers Wohnung, um mehr Zeit mit der Komposition zu verbringen. Von den Kompositionen aus diesem Jahr seien nur die Goetheballade Erlkönig, die Prometheus-Kantate, die beiden Sinfonien Nr. 4 c-Moll (die „Tragische“) und Nr. 5 B-Dur sowie die Messe Nr. 4 C-Dur erwähnt.
Während dieser ganzen Zeit weitete sich sein Freundeskreis ständig aus. Der Dichter Johann Mayrhofer, den er im Dezember 1814 kennengelernt hatte, schrieb ihm zwei Libretti. Schober machte ihn mit dem Bariton Johann Michael Vogl bekannt, einem der wichtigsten Sänger an der Wiener Hofoper, der seine Lieder bald in den literarischen Salons sang und ihn damit der Öffentlichkeit vorstellte. Der Pianist Josef von Gahy spielte seine Sonaten und Fantasien. Die musikalische Bürgerfamilie Sonnleithner, insbesondere deren ältester Sohn, Leopold von Sonnleithner, organisierte zu seinen Ehren musikalische Zusammenkünfte, die ab 1821 als Schubertiaden bezeichnet wurden und in ähnlicher oder anders organisierter Form noch immer stattfinden.
mini|zentriert|500px|Schubertiade, bekannt unter dem Titel Ein Schubert-Abend bei Joseph von Spaun, mit Franz Schubert am Klavier (Sepia-Zeichnung von Moritz von Schwind, 1868, Wien Museum, Wien) mini|Schubert und Leopold Kupelwieser in der Unsinnsgesellschaft. Karikatur von Leopold Kupelwieser (16. Juli 1818)
mini|Silvesterfeier der Unsinnsgesellschaft 1817: Der Unsinniade 4. Gesang. Aquarell von Ernst Welker (31. Dezember 1817)
Mit Mayrhofer und Johann Chrysostomus Senn gehörte Schubert um 1818/1819 auch dem Wiener burschenschaftlichen Kreis („Sennscher Kreis“) an, der 1820 von der Polizei aufgelöst wurde.Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band II: Künstler. Winter, Heidelberg 2018, ISBN 978-3-8253-6813-5, S. 624–628.
Schubert hatte kein eigentliches Einkommen, denn seine Lehrerstelle hatte er aufgegeben, öffentliche Auftritte brachten nichts ein, die Verleger interessierten sich noch nicht für seine Musik. Für sein Auskommen mussten teils seine Freunde sorgen. In einer sogenannten Unsinnsgesellschaft junger Künstler pflegte er enge Kontakte zu den Brüdern Kupelwieser, seinem späteren Librettisten Joseph Kupelwieser und dem Maler Leopold Kupelwieser, der – als einer von wenigen – authentische zeitgenössische Porträts von Schubert gemalt hat, neben Wilhelm August Rieder (Aquarell 1825) und Anton Depauly (dessen PorträtElmar Worgull: Schubert ohne Brille. Schuberts Gesichtsmaske als Vorbild für das Gemälde in der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. In: Schubert durch die Brille. Mitteilungen./Internationales Franz-Schubert-Institut Wien. Hans Schneider, Tutzing. 20 (1998), S. 133–149. von 1828 ursprünglich und irrtümlich Joseph Willibrord Mähler oder Franz Eybl zugeschrieben wurde). Als Schubert 1817 zum ersten Mal vom Lehrerdienst befreit war, widmete er sich insbesondere der Klaviersonate (a-Moll D 537, As-Dur D 557, e-Moll D 566, Des-Dur D 567, fis-Moll D 570, H-Dur D 575). Auch die Entstehung einiger seiner bekanntesten Lieder fiel in diese Zeit (etwa Ganymed, Der Tod und das Mädchen und Die Forelle).
Im Jänner 1818 erschien mit dem Lied Erlafsee (D 586), nach einem Gedicht von Mayrhofer, Schuberts erste Komposition im Druck (als Beilage zur von Franz Sartori herausgegebenen Anthologie „Mahlerisches Taschenbuch für Freunde interessanter Gegenden. Natur- und Kunst-Merkwürdigkeiten der Österreichischen Monarchie“).Walther Dürr, Andreas Krause (Hrsg.): Schubert Handbuch, Bärenreiter/Metzler, Kassel u. a. bzw. Stuttgart u. a., 2. Aufl. 2007, ISBN 978-3-7618-2041-4, S. 68
mini|Landsitz der Familie Esterházy in Zselíz Von Anfang Juli bis Mitte November 1818Dietmar Grieser: Der Onkel aus Preßburg. Auf österreichischen Spuren durch die Slowakei. Amalthea, Wien 2009, ISBN 978-3-85002-684-0, S. 184. (und auch im Sommer 1824) war er von der Familie des Grafen Johann Carl Esterházy, die er schon in dessen Stadtpalais in Wien musikalisch betreut hatte, als Sing- und Klaviermeister auf deren Gut in Zselíz / Zelis in Ungarn (heute Slowakei) engagiert. Für die Komtessen Marie und Caroline, die Töchter des Grafen, schrieb er vierhändige Stücke und Lieder. Im selben Jahr schuf er seine Sinfonie Nr. 6 in C-Dur.
Bei seiner Rückkehr nach Wien im Spätherbst 1818 kam Schubert nicht mehr bei Schober unter und wohnte nun zwei Jahre mit Johann Mayrhofer in dessen Zimmer zusammen. Sein Leben ging nun wieder den alten Gang. Jeden Morgen begann er nach dem Aufstehen mit dem Komponieren, aß um zwei Uhr, ging spazieren und wandte sich dann erneut der Komposition zu oder besuchte Freunde. Seine Entscheidung gegen den Lehrerberuf war nun endgültig.
Seinen ersten Auftritt als Liedkomponist hatte er am 28. Februar 1819 im Saal des Hotels „Zum römischen Kaiser“ (Freyung 145, heute Renngasse 1) mit Schäfers Klagelied. Im Sommer des gleichen Jahres ging er mit Vogl auf Urlaub in Oberösterreich. Im Herbst schickte er drei seiner Lieder an Goethe, aber – soweit bekannt – ohne Erfolg.
Reifejahre In den folgenden Jahren ging Schuberts Schaffen quantitativ zurück, dafür zeigen die Kompositionen des Jahres 1820 eine Weiterentwicklung seines Stils. Im Februar begann er mit dem unvollendet gebliebenen Oratorium Lazarus, später schrieb er neben kleineren Stücken eine Vertonung des 23. Psalms für Chor mit Klavierbegleitung, den Gesang der Geister und den Quartettsatz in c-Moll.
mini|hochkant|Franz Schubert im Freundeskreis, Zeichnung von Ferdinand Georg Waldmüller, Albertina Wien.s. hierzu Elmar_Worgull: Ferdinand Georg Waldmüller skizziert Franz Schubert im Freundeskreis im Literaturverzeichnis und Schubert 200 Jahre: [anlässlich der Ausstellung Schubert 200 im Schloss Achberg und im Stadtmuseum Lindau, 3. Mai bis 7. September 1997]: Illja Dürhammer, Gerrit Waidelich (Wissenschaftl. Bearbeitung). Hrsg.: Landratsamt Ravensburg, Kulturamt der Stadt Lindau: Ausstellungskatalog. Edition Braus, Heidelberg 1997. ISBN 3-89466-193-3. S. 159 ff.