mini|XO-1. Die „Hasenohren“ dienten als WLAN-Antennen und als Schutzabdeckung für die USB-Anschlüsse. Der XO-1 der Initiative One Laptop Per Child, deutsch „Ein Laptop pro Kind“, (kurz OLPC) war ein preisgünstiger, robuster und speziell an Kinderbedürfnisse angepasster Laptop, der für den Einsatz im Schulunterricht, insbesondere in Entwicklungs- und Schwellenländern, vorgesehen war. Er wurde auch als 100-Dollar-Laptop oder Children’s Machine bezeichnet.2B1: The Children’s Machine. OLPC-Wiki, übersichtliche Funktionsbeschreibung des Computers
Das Projekt bezeichnete sich als Ausbildungsprojekt, nicht als Laptopprojekt. Der Leitgedanke war, den Computer zu einem kindgerechten und vielseitigen Lernwerkzeug für die Schule zu machen und den Zugang zu aktuellem Wissen über digitale Medien aller Art und das Internet zu ermöglichen.Kurzbeschreibung und Ziele des Projekts 100-Dollar-Laptop. OLPC-Wiki Die Verwendung von freier Software wurde angestrebt. Gründer und Vorsitzender der Initiative war der MIT-Professor Nicholas Negroponte.
Überblick Der Einsatz als Schülerlaptop im Rahmen von E-Learning erforderte eine Umgestaltung des Laptopdesigns, weg von der bisherigen Konzeption als Bürogerät für Erwachsene hin zur Gestaltung als Lernwerkzeug. Dazu wurden sowohl die Hardware als auch die Software für die Anforderungen und Bedürfnisse von Schülern maßgeschneidert: Es wurde eine neue grafische Benutzeroberfläche namens Sugar konzipiert.
Der Lerncomputer sollte als Plattform für unterschiedliche Lernkonzepte und Unterrichtsmethoden dienen, wobei im Rahmen des Projektes die Konstruktivistische Didaktik nach Seymour Papert im Vordergrund stand. Nach diesem Konzept soll der Lehrer den Schülern selbständiges Lernen ermöglichen, kann aber daneben weiterhin auf klassische Unterrichtsmethoden bis hin zum Frontalunterricht zurückgreifen.
Der Laptop sollte nicht nur Unterrichts-, sondern auch Kommunikationsmedium sein. Er konnte zur Nutzung von Lernprogrammen, zum Lesen von E-Books oder für netzbasierte Videokonferenzen, Telefongespräche und Chats verwendet werden. Der Laptop ermöglichte die spontane Bildung von Lernteams (kollaboratives Lernen), indem sich die Computer auf Anforderung ihrer Nutzer selbständig miteinander vernetzten (Mesh-Netzwerk). Die mitgelieferten Anwendungen waren für Gruppenarbeit über das Netz (LAN und Internet) optimiert. Dieses aktive, situierte Lernen sollte eine neue Qualität des Wissenserwerbs ermöglichen.Constructivism and Playful Learning. OLPC-Wiki
Träger des Projekts war die Non-Profit-Organisation „One Laptop per Child“ unter Vorsitz des MIT-Professors Nicholas Negroponte. Sie wurde nach Abschluss eines Forschungsprojekts am MIT Media Lab gegründet. Als gemeinnützige Gesellschaft war OLPC nicht auf Gewinnmaximierung ausgerichtet; das Projekt verstand sich als gemeinwohlorientiertes Bildungsprojekt. Die im Rahmen des Projekts entwickelte Software stellte OLPC als Open-Source-Projekt der Allgemeinheit als freie Software uneingeschränkt und kostenlos zur Verfügung. Damit stand es jedem frei, die Software weiterzuentwickeln und an spezifische Bedürfnisse anzupassen.
Die Zielgruppe des Geräts waren Schüler vorwiegend aus Entwicklungs-, Schwellen-, aber auch aus Industrieländern. Die durch hohe Stückzahlen erhoffte Verringerung der Produktionskosten sollte unmittelbar an die Abnehmer weitergereicht werden.Ask OLPC a Question about Distribution. OLPC-Wiki Neben der Verbesserung der Schulausbildung zielte das Projekt darauf, die wachsende digitale Kluft zwischen Industrieländern sowie Entwicklungs- und Schwellenländern langfristig zu schließen. Durch seinen niedrigen Preis sollte der Laptop möglichst allen Bevölkerungsschichten den Zugang zum Internet und damit zu modernem Wissen erlauben und so Bildung ermöglichen. Daher unterstützten die Vereinten Nationen das Projekt.
Projektverlauf Erste Forschungsansätze mini|Kambodschanische Schulkinder nach Abschluss des Forschungsprojektes im Jahr 2001
Der MIT-Professor Seymour Papert hatte bereits in den 1970er Jahren in einem Forschungsprojekt Computertechnik in ein afrikanisches Dorf gebracht und beobachtet, dass Kinder, die vorher keinen Kontakt damit hatten, innerhalb kürzester Zeit lernten, den Computer zu bedienen und sich so neues Wissen anzueignen.
In der Folge kam am MIT Media Lab die Idee auf, einen preiswerten Laptop speziell für Entwicklungsländer zu konzipieren. Im Jahr 2001 wurde jedem Kind einer Dorfschule in Kambodscha ein damals moderner Laptop für den Schulunterricht zur Verfügung gestellt. Man testete, welche besonderen Anforderungen an ein solches Gerät im Rahmen des Schulunterrichts, insbesondere in einem infrastrukturell schwachen Gebiet gestellt werden, und zog daraus Schlussfolgerungen für das Design eines solchen Laptops.
Ausgliederung des Projektes One Laptop per Child Als sich abzeichnete, dass das Projekt den Rahmen eines reinen Forschungsprojektes sprengen würde, wurde zu dessen Umsetzung in die Praxis die Non-Profit-Organisation One Laptop per Child (kurz: OLPC) gegründet und organisatorisch von der Universität getrennt. Vorstandsmitglieder waren unter anderem Nicholas Negroponte (Vorsitzender), Antonio Battro (Chief Education Officer) und Walter Bender (Software and Content)
mini|Vorstellung des Projekts 100-Dollar-Laptop durch Mary Lou Jepsen, Alan Kay und Nicholas Negroponte auf der zweiten WSIS in Tunis, 16. November 2005
Projektstart Der Projektstart erfolgte im Januar 2005 auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos (Schweiz), als Nicholas Negroponte das Konzept zur Entwicklung eines Hundred-Dollar-Laptop-Project (HDLP) bekannt gab. Damals konnte als erster Partner AMD gewonnen werden. Noch im selben Monat folgten News Corporation und Google.Milestones. OLPC-Wiki Am 16. November 2005 stellte Nicholas Negroponte gemeinsam mit UN-Generalsekretär Kofi Annan auf dem zweiten Weltgipfel zur Informationsgesellschaft (WSIS) in Tunis erstmals öffentlich funktionsfähige Prototypen des 100-Dollar-Laptops vor.UN debut for $100 laptop. BBC News
Danach erhielt das Projekt von weiteren Partnern aus der Industrie wie etwa Marvell, Brightstar, Nortel, SES-Astra und Red Hat Unterstützung. In einer Pressemitteilung vom Dezember 2005 gab „One Laptop per Child“ bekannt, dass als Laptop-Hersteller das Unternehmen Quanta mit Sitz in Taiwan gewonnen werden konnte. Auf dem Weltwirtschaftsforum im Januar 2006 wurde schließlich die Zusammenarbeit von „One Laptop per Child“ mit dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen bekanntgegeben.
Entwicklung mini|Einsatz der B4-Prototypen in einer Projektschule in Galadima, Nigeria, im Sommer 2007 mini|OLPC-Projektschule in Ban Samkha, Thailand: Die Kinder dokumentieren mittels eingebauter Kamera (B4-Prototyp) einen Pflanzenfund während eines Schulausflugs. mini|Projektschule in der Mongolei im Januar 2008 (Verwendung des XO-Serienmodells)
Im April 2006 begann der „Alpha-Test“ mit der Hauptplatine für die Großproduktion und ihren integrierten Komponenten. Im Juni 2006 erhielten die beteiligten Entwickler ca. 500 Stück der Hauptplatine für weitere Tests.
Im Sommer 2006 begann die Beta-Testphase. Beim Beta-Test 1 im November 2006 wurden 875 Laptops mit allen relevanten Komponenten an die Entwickler sowie für praktische Tests in Schulklassen versendet. Anschließend wurden die verwendeten Laptops zusätzlichen mechanischen Belastungstests unterzogen, um weitere Erkenntnisse über die Stabilität und maximale Belastbarkeit von Konstruktion und Design zu erhalten. Mitte Februar 2007 begann der Beta-Test 2 zur weiteren Optimierung des Systems. Etwa 2500 Beta-2-Laptops wurden wieder an Entwickler und zum testweisen Praxiseinsatz in Schulklassen versandt.
Parallel dazu wurden verschiedene Tastatur-Layouts für weniger verbreitete Sprachen wie Kinyarwanda, Amharisch, Urdu, Nepali, Kasachisch, Mongolisch, Devanagari, Paschtu oder Darī entwickelt. Bislang war für einige dieser Sprachen keine Computertastatur verfügbar. Es wurden auch verfügbare Tastatur-Layouts für verbreitete Sprachen wie Libysch, Türkisch oder Englisch an die Bedürfnisse der Zielgruppe des XO-Laptops angepasst.
Im Mai 2007 wurden für den Beta-Test 3 ca. 100 Stück produziert, Ende Juni 2007 ca. 2000 Stück des Prototyps der 4. Generation. Ende Juli 2007 wurde eine kleine Auflage an „pre-production test systems“ hergestellt (ca. 300 Stück), der sogenannte CTest-1, gefolgt von einem CTest-2. Diese Prototypen waren weitgehend identisch mit dem Endprodukt.
Produktion und Preis Die Serienproduktion des XO-Laptops startete im November 2007. Er wurde durch den Auftragsfertiger Quanta Computer Inc. mit Sitz in Taiwan hergestellt, die Auslieferung begann im Dezember 2007. Bis Mitte 2010 wurden etwa 2 Millionen Laptops produziert, die hauptsächlich in Uruguay, Peru, Mexiko, Ruanda, Haiti und in den USA eingesetzt werden. Der Laptop wurde beim Start der Großproduktion zu einem Preis von ca. 188 US-Dollar (umgerechnet etwa 135 Euro) angeboten. Die ursprünglich geplante Preissenkung auf 100 Dollar 2009 und 50 Dollar 2010100-Dollar-Notebook wird ausgeliefert. Onlinekosten.de konnte nie verwirklicht werden; der Preis blieb bei 190 Dollar (Stand Ende 2009).OLPC: Kleinschreibung und kein XO-2. Golem.de, 3. November 2009, abgerufen am 26. Juni 2011. OLPC gab für die Total Cost of Ownership (TCO), also die Fixkosten, die Wartung und den Internetzugang insgesamt 1 Dollar pro Woche an (Stand Ende 2009).
Vertrieb und Finanzierung mini|hochkant|Der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva mit einem 100-$-Laptop (November 2006) Der Vertrieb erfolgte nur über die am Projekt teilnehmenden Länder, welche die Laptops in großen Stückzahlen abnehmen und über die Schulen an die Schüler weiterleiten sollten.Rollout, Marketing & Sales. OLPC-Wiki Die Auslieferung der Bestellungen sollte dabei über mehrere Monate oder wenige Jahre verteilt werden, um vorhandene Transportkapazitäten in die Abnehmerländer mitzunutzen und damit die Transportkosten gering zu halten.
Ursprünglich war als Voraussetzung für den Produktionsstart die vorherige Bezahlung der Laptops durch die Teilnehmerländer vorgesehen; dies ließ sich jedoch nicht realisieren. Daher wurden zur weiteren Finanzierung Spendenaktionen initiiert. In Nordamerika konnten Endverbraucher seit Ende September 2007 einen Laptop für 400 US-Dollar erwerben und damit gleichzeitig eine Spende für die am Projekt teilnehmenden Entwicklungs- und Schwellenländer tätigen. Daneben waren auch Einzelspenden über eine Internetseite möglich.
Zudem fand vom 12. November bis 31. Dezember 2007 erstmals eine Kampagne namens Give 1 Get 1 (G1G1) in den USA und Kanada statt. Bei dieser Aktion bekam ein bedürftiges Kind einen XO-Laptop, einen zweiten Laptop erhielt der Besteller Mitte Dezember, also kurz vor Weihnachten, geliefert. Im Rahmen dieser Aktion wurden ca. 150.000 XO-Laptops bestellt, so dass weitere 150.000 XO-Laptops als Spende an die teilnehmenden Projektländer gingen.
Am 17. November 2008 wurde eine erneute Give One Get One Aktion gestartet, die es auch Privatpersonen aus Ländern der EU sowie der Schweiz, Russland und der Türkei erlaubte, je einen XO-Laptop zu erwerben und zu verschenken. Der Vertrieb wurde durch Amazon UK abgewickelt. OLPC Deutschland bewarb dieses Projekt auch unter dem Arbeitstitel Dir1Mir1. Die Aktion endete im Dezember 2008.OLPC schaltet Werbung für den Bildungsrechner XO. Golem.de, 17. November 2008; abgerufen am 28. August 2010.
Aufgrund dieser Spenden konnten Projekte in weiteren Ländern gestartet werden. Während die Teilnehmer der Give One Get One Aktion keinen Einfluss darauf hatten, in welchem Land der gespendete Laptop zum Einsatz kam, bot die OLPC-Stiftung bei Spenden von mehr als 100 Laptops (etwa durch Unternehmen) dem Spender die Möglichkeit, den Einsatzort selbst zu wählen.
Weiterentwicklung und Varianten