mini|Ein Zug demonstrierender Mönche in Rangun. Manche schwenken die Internationale Buddhistische Flagge. Die Demonstrationen in Myanmar begannen am 19. August 2007. Sie richteten sich zu Beginn gegen drastische Preiserhöhungen und weiteten sich bald zum Protest gegen die seit 1962 herrschende Militärdiktatur aus. Geführt wurden die Proteste von buddhistischen Mönchen (Bhikkhu) und Nonnen (Bhikkhuni), denen sich bald Zehntausende weitere Zivilisten anschlossen. Weltweite Aufmerksamkeit erlangte die Bewegung durch ihre gewaltsame Niederschlagung mehr als einen Monat später, bei der auch Gewalt gegen Mönche verübt wurde. Die Angabe der Anzahl der getöteten Mönche und Demonstranten schwankt zwischen zehn Personen (Junta) und mehreren Tausend (Abtrünnige der Junta).

Von internationalen Medien wurde für die Vorgänge – in Anlehnung an andere sogenannte Farbrevolutionen – die Bezeichnung Safran-Revolution (englisch: Saffron Revolution) geprägt, obwohl die Roben der Mönche in Myanmar traditionell karminrot sind.

Verlauf Preiserhöhungen und erste Proteste mini|Karte von Myanmar mini|Protestierende Mönche am 24. September in der Shwedagon-Pagode. Am 15. August 2007 erhöhte die Regierungspartei Staatsrat für Frieden und Entwicklung (SPDC) die stark subventionierten Treibstoffpreise. Diese stiegen daraufhin um 66 bis 100 Prozent, komprimiertes Erdgas kostete plötzlich das Fünffache des vorherigen Preises.

Aus Protest gegen die verschlechterten Lebensverhältnisse formierte sich am 19. August 2007 ein Menschenzug durch Myanmars größte Stadt Rangun. Organisatoren waren die Studenten der '88er-Generation, eine Gruppierung von Menschenrechtsaktivisten, welche bereits 1988 einen Volksaufstand für Demokratie veranlasst hatte. Mehr als 400 Menschen nahmen an den Kundgebungen teil, die sich über drei Tage hin zogen. Die Regierung griff am 21. August ein und versuchte offensichtlich, durch gezielte Festnahmen einen größeren Volksaufstand zu verhindern. Neben gewöhnlichen Demonstranten wurden auch viele politische Gegner des Regimes und ein Großteil der Anführer der Studenten der '88er-Generation verhaftet, meist jedoch nach einem Tag wieder freigelassen.

Am 3. September 2007 verabschiedete die Nationalversammlung Myanmars eine neue Verfassung und gab an, die Demonstranten hätten durch ihre Handlungen versucht, den Abschluss der Verfassung zu verzögern und den von der Regierung aufgestellten Strategieplan zur Demokratie zu stören. Die Regierung beschuldigte die Protestierenden der „Sabotage der Nationalversammlung und des Versuchs, […] den Kontakt zu ausländischen terroristischen Organisationen zu suchen, um zerstörerische Handlungen durchzuführen.“ Insgesamt habe es 15 Verhaftungen zwecks Befragungen gegeben, ließ die Militärjunta verlauten.

Trotz des anhaltend harten Durchgreifens von Sicherheitskräften und Milizen gingen die Proteste weiter und dehnten sich in den folgenden zwei Wochen auf weitere Städte aus.

Mönche treten den Protesten bei Am 5. September 2007 demonstrierte erstmals eine Gruppe von annähernd 600 Mönchen in der Stadt Pakokku in der Magwe-Division gegen die schlechten Lebensverhältnisse. Durch die im Zuge der Preiserhöhungen gestiegenen Lebenserhaltungskosten waren die Almosen, die buddhistische Mönche von der Bevölkerung erhalten, ebenfalls spärlicher geworden. Tausende Zuschauer verfolgten den Protestzug und bejubelten die Mönche. Das Militär griff ebenfalls erstmals selbst in die Geschehnisse ein und feuerte mehrere Warnschüsse ab. Schließlich kam es zu zum Teil brutalen Übergriffen des Militärs. Mönche und Zivilisten wurden mit Bambusstöcken geschlagen, gefesselt und inhaftiert, um die Demonstration aufzulösen.

Am darauffolgenden Tag setzten Mönche des Maha-Visutarama-Klosters (auch Mahavithutarama-Kloster) in Pakokku vorübergehend eine Gruppe von etwa zwanzig Regierungsbeamten fest und steckten vier ihrer Fahrzeuge in Brand. Die Beamten, darunter der Vorsitzende des Peace and Development Council für Pakkoku und ein Vertreter von Magwes Abteilung für Religiöse Angelegenheiten, waren angeblich geschickt worden, um sich für die gewalttätigen Übergriffe des Vortags zu entschuldigen. Verschiedene Quellen besagen, dass die Gruppe am Nachmittag desselben Tags entweder auf Bitten des Klostervorstehers freigelassen wurde oder selbstständig durch eine Hintertür entkommen sei. In der Nacht verwüsteten aufgebrachte Mönche ein Wohn- und ein Geschäftshaus von Regierungsanhängern. Ein Angebot des Staats auf finanzielle Wiedergutmachung wiesen die Mönche in Pakokku am 9. September zurück. Sie beklagten stattdessen die bewusst falsche Darstellung der Vorfälle des 5. September in den Medien und verlangten eine förmliche Entschuldigung der Regierung. In der Staatszeitung The New Light of Myanmar, welche täglich vom Informationsministerium der Regierung herausgegeben wird, hatte es unter anderem geheißen, die Mönche hätten sich den Anweisungen der Behörden und eines religiösen Führers grob widersetzt. Die Soldaten hätten darin eine Gefahr für die umstehenden Passanten gesehen und die Mönche erst durch drei Warnschüsse zerstreuen können. Von den Verhaftungen und Übergriffen wurde nicht berichtet.

Eine Gruppierung mit dem Namen All Burma Monks’ Alliance (Allianz aller birmanischer Mönche) forderte am 12. September das Militärregime ultimativ auf, bis zum 17. September eine Entschuldigung für das Vorgehen gegen die Mönche in Pakokku abzugeben. Anderenfalls werde man von Militärangehörigen keine Almosen mehr annehmen. Durch das Verteilen von Almosen versucht ein Buddhist, gutes Karma zu erzeugen, um irgendwann dem Zyklus der Wiedergeburt zu entrinnen und ins Nirwana zu gelangen. Im streng religiösen Myanmar ist die Verweigerung der Almosenannahme daher eine ernst zu nehmende Drohung. Als bis zum 17. September die geforderte offizielle Entschuldigung der Militärregierung ausblieb, formierten sich über 700 Mönche in der Kleinstadt Kyaukpadaung zu einem neuerlichen Protestzug. Kyaukpadaung in der Mandalay-Division, unweit des Mount Popa, ist der Sitz von 40 buddhistischen Klöstern mit mehr als 1000 Mönchen. Dieser Protestzug markierte den Beginn einer Welle von Demonstrationen überall im Land.

Am 22. September gelang es einem Demonstrationszug von etwa 500 Mönchen in Rangun, nach Verhandlungen mit Sicherheitsbeamten zum Haus der Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi vorzudringen. Der Zugang zu ihrem Anwesen war für gewöhnlich versperrt. Aung San Suu Kyi, die dort seit Ende Mai 2003 unter Hausarrest stand, erschien für einige Minuten am Tor des Anwesens und betete mit den Demonstranten.

Bis zum 24. September hatten sich die Proteste auf das ganze Land ausgeweitet. Während in der Stadt Shwebo in der Sagaing-Division noch Züge von rund hundert Mönchen durch die Straßen wanderten und Metta-Sutta rezitierten, verlangte die All Burma Monks’ Alliance nationale Aussöhnung, die Freilassung aller politischen Gefangenen und die Linderung des täglichen Elends. In Rangun gingen zwischen 100.000 und 130.000 Menschen auf die Straße. Viele Mönche riefen Studenten und Zivilisten dazu auf, an den Demonstrationen teilzunehmen. Birmanische Prominente und Oppositionelle sicherten den Protestanten ihre Hilfe zu. Essenspakete, Wasser und Medikamente wurden an die demonstrierenden Mönche verteilt. Während Vertreter verschiedener ethnischer Minderheiten ihre Unterstützung für die Mönche erklärten, war es für andere ein Kampf zwischen Bamar und Bamar, der sie selbst nicht betreffe. Aufgrund der Ausschreitungen schloss die Verwaltung Ranguns einige Mittel- und Oberschulen der Stadt. Die Sicherheitskräfte und das Militär hielten sich bislang zurück und ließen die Menschenmassen unbehelligt ziehen. Augenzeugen berichteten, es habe wenig bis gar keine Polizeipräsenz gegeben. Der aus dem Exil agierende Webdienst Mizzima News gab an, die Regierung habe versucht, die Demonstrationen mittels Tränengas aufzulösen. Durch den anhaltenden Regen an jenem Tag sei dieser Versuch jedoch erfolglos geblieben.

Das Militär greift ein mini|Flagge der Nationalen Liga für Demokratie mit einem kämpfenden (manchmal auch als tanzend interpretierten) Pfau. Durch die stark gestiegene Zahl der Demonstranten fürchtete die Regierung wohl den Kontrollverlust, weshalb sie am Abend des 24. September 2007 eine TV-Ausstrahlung in einem staatlichen Kanal veranlasste. Darin verurteilte der Religionsminister Brigadegeneral Thura Myint Maung die Proteste als Werk interner und externer Störenfriede. Das Militär werde die Angelegenheit selbst in die Hand nehmen, wenn sie nicht innerhalb der Sangha-Gemeinschaft beigelegt werden würde. Religiöse Führer des staatlich kontrollierten Sangha Maha Nayaka Committee (Koordinationskomitee für Mönche) verboten den Mönchen die Teilnahme an weiteren Protestaktionen.

Während die hohen buddhistischen Würdenträger regierungstreu blieben, trotzten die untergebenen Mönche und Novizen der Weisung. Obwohl die Regierung über Lautsprecherwagen davor gewarnt hatte, sich weiter an den Demonstrationen zu beteiligen, gingen am 25. September erneut bis zu 100.000 Menschen alleine in Rangun auf die Straße. Einige Demonstranten schwenkten die in Myanmar verbotene Flagge mit dem kämpfenden Pfau, dem traditionellen Symbol der studentischen Widerstandsbewegung. Die Nationalliga für Demokratie (NLD), die oppositionelle Partei von Aung San Suu Kyi, gab eine Erklärung heraus, in der sie die Demonstrationen unterstützte und die Machthaber zum Dialog aufforderte.

Das Militär zeigte zunehmend Präsenz. So wurden um das Rathaus Militärfahrzeuge postiert. Am Abend verhängte die Regierung eine nächtliche Ausgangssperre für die Städte Rangun und Mandalay von 21:00 bis 5:00 Uhr und erneuerte das seit langem bestehende Versammlungsverbot. Noch in derselben Nacht wurden zwei Prominente in ihren Häusern verhaftet: der selbsternannte Nationalist Amyotheryei Win Naing und der Schauspieler Zarganar. Beide hatten die protestierenden Mönche mit Lebensmittelgaben unterstützt.

Die Eskalation in Rangun 26. September mini|Ein Demonstrationszug aus Zivilisten und Mönchen in Rangun. mini|Der südliche Eingang zur Shwedagon-Pagode. Am 26. September 2007 spitzte sich die Lage zu. Trotz der Warnungen widersetzten sich die Demonstranten dem Versammlungsverbot und gingen erneut zu Tausenden auf die Straße. Das Militär, die Polizei und mehrere zum Teil zivile Milizen-Truppen versuchten, die Proteste zu unterbinden. Die Hauptstraßen wurden mit Sperren aus Stacheldraht blockiert und die wichtigsten Versammlungsorte der Protestierenden vorsorglich abgeriegelt. Dabei entfachten die Sicherheitskräfte vielfach den Zorn der Bevölkerung, da sie religiös verehrte Orte wie die Shwedagon-Pagode mit Schuhen betraten und somit entweihten.

Ein Bericht des Verbands Human Rights Watch schildert anhand von Zeugenaussagen die Vorgänge im Zentrum Ranguns. An der Shwedagon-Pagode, am Thakin-Mya-Park und vor der Sule-Pagode hat es an diesem Tag am meisten Todesopfer und Verletzte gegeben.