mini|hochkant=1.4|Hutabteilung im Centrum Warenhaus am Berliner Ostbahnhof (1981) Der Hut ist eine Kopfbedeckung, die sich durch die feste Form und die umlaufende Krempe von einer Mütze unterscheidet. Verläuft dieser Rand um den Hut nicht ganz um den Kopf, spricht man von einer Kappe. Unter der Bedeutung Hut gleich Schutz gibt es differenzierende Bezeichnungen wie Regenhut, Sommer- oder Sonnenhut, wobei der breite Rand den Träger vor dem Wetter schützt, kühlt oder wärmt, wie zum Beispiel beim Sombrero und beim Südwester. Neben seiner praktischen Funktion kann der Hut zur Unterstreichung und zum Ausdruck der Persönlichkeit seines Trägers dienen und die Zugehörigkeit des Trägers zu einer Gesellschaftsschicht, Berufsgruppe oder ähnlichen Gruppe symbolisieren.

Traditionelle Hersteller von Hüten sind Modisten und Hutmacher, deren Zulieferer ist der Hutformenbauer. Als Hutstumpen bezeichnet man ein Zwischenprodukt für die Herstellung der verschiedensten Hutformen. Die sprichwörtliche Hutschnur um die Hutkappe verhindert das Auseinandergehen des Hutes.

Herkunft des Wortes Das Wort Hut stammt von ab und bedeutete ursprünglich Decke oder Schutz (im Sinne von Obhut), wurde dann aber spezieller in der Bedeutung Kopfbedeckung verwendet. Es entstand aus einer indogermanischen Wurzel *kadh- oder *skad- („schützende Bedeckung“; so noch in Sanskrit chad) durch Verlust des eventuellen „s“-Anlautes und Lautverschiebung des an- und auslautenden Konsonanten.

Die generisch feminine Form (mhd. huote) bezeichnet dagegen Aufsicht, Fürsorge, Schutz im Allgemeinen, vgl. hüten. Diese wurde unter anderem in Bezug auf Lehnsverhältnisse, die Bewachung von Frauen (siehe huote-Exkurs in Tristan), aber auch militärische Wachen verwendet. Daraus entwickelte sich die Redensart „auf der Hut sein“.

Umgangssprachlich gab und gibt es verschiedene Bezeichnungen für einen Hut: Deckel, Dohle, Dunstkiepe, Zivilhelm, Resedatopf; sowie für den Zylinderhut, außer Angströhre auch Aalkasten, Wichskasten, Ofenrohr, Rußmütze, Gottesackerlaterne oder Fünfliterhut.Hans Stahlmann: Volkhafte Sprachkunde. 2. Auflage. Brandstetter, 1943, S. 141.

Material mini|Hutmachermaschine mit Tretantrieb Hüte können aus verschiedensten Materialien hergestellt werden, zum Beispiel aus Filzen von Schafwolle, Kaninchenhaar, Biberhaar und Kaschmirwolle sowie, heutzutage seltener, aus Nutriahaar,Bibliographisches Institut: Meyers Hand-Lexikon des allgemeinen Wissens in einem Band: Band 2, 1872, S. 1167.Brenda Grantland (Hrsg.): Hatatorium: An Essential Guide for Hat Collectors. 2011, ISBN 978-0-9847859-0-2. oder es werden den Filzen andere Tierhaare zugemischt, zum Beispiel vom Chinchilla oder Nerz, auf montecristihats.com, abgerufen am 15. März 2016. selten wird Guanaco, Rothirsch (Cervelt),Cervelt auf cervelt.com, abgerufen am 15. März 2016. Vikunja oder Mohair verwendet. Ein spezieller Wollfilz ist der „Antilopenfilz“, er besteht nicht aus Antilopenhaar, sondern bezeichnet eine besonders dichte Wollfilzart. auf muehlbauer.at, abgerufen am 15. März 2016. Man unterscheidet bei Filzen glatte Filzsorten, aufgeraute Peachbloom/Velours und langhaarige Melousine. auf kopka.de, abgerufen am 15. März 2016. In Amerika wird die Filzqualität auch mit dem sogenannten X-Wert angegeben. Dies ist jedoch keine eindeutig vergleichbare Angabe, da jeder Huthersteller seine eigenen Werte hat.Felt Quality Guide auf vintagehaberdashers.com, abgerufen am 15. März 2016.

Bei Filzhüten wird weiter unterschieden zwischen normalen (mit vorgepressten Formen) und sogenannten faltbaren und sogenannten rollbaren Qualitäten.

Außerdem können Hüte aus Baumwoll-, Leinen- und Hanfstoffen und verschiedenen Stroharten sowie Papierarten, Chemiefasern oder Leder bestehen. Ferner unterscheidet man bei Stoffhüten die Webart und bei Strohhüten die Flechtart eines Hutes. Eine spezielle Hutart ist der brasilianische „Tarp-Hut“, dieser besteht aus recyclierten LKW-Planen.Tarphut auf tarphat.de, abgerufen am 16. März 2016.

Speziell Wollfilzhüte, aber auch Hüte aus Stroh und anderen Materialien können gesteift oder unversteift ausgeführt sein. Um die Materialien Wollfilz, Stroh etc. steifer zu machen, werden verschiedene Versteifungsmittel beziehungsweise Festiger verwendet. Traditionell wurde Schellack (oft raffiniert, gebleicht) alleine oder in diversen Mischungen, mit zum Beispiel Borax, Kolophonium und Copal, benutzt. Es wurden auch Traganth, Kirschgummi und andere Gummiharze, sowie Gelatine als Festiger verwendet. Auch wurden Bienenwachs sowie diverse Tierfette beigemischt, um die Wasserbeständigkeit zu erhöhen.Jay Atkinson: Massacre on the Merrimack. Rowman & Littlefield, 2015, ISBN 978-1-4930-0322-8, S. 94. In moderner Zeit wurden dann synthetische Versteifungsmittel, wie Acryle, Polyurethane oder Polyvinylacetat, eingeführt. Diese modernen Festiger können sehr gut auf den jeweils gewünschten Steifegrad abgestimmt werden und sie haben eine längere Standzeit. Schellack wird heutzutage noch eingesetzt.The Mechanics’ Magazine. Band 18, London 1833, S. 310, .Hermann Haakh, Arthur Voss: Process of Stiffening Hats and the Hats thus produced. Alien Property Custodian, Patent Applications, Serial No. 337664, 1943, online (PDF; 47 kB), The New York Public Library, abgerufen am 30. Juni 2017.

Hutanatomie Hutbestandteile Nachdem der Hutstumpen in Form gebracht worden ist, werden die verschiedenen Hutstellen und Hutteile wie folgt unterschieden:Hat Glossary auf publiusforum.com, abgerufen am 15. März 2016.Hutanatomie auf pinterest.com, abgerufen am 17. März 2016.Chinstrap auf davidmorgan.com, abgerufen am 31. Oktober 2016.Cowboyhut auf southtexastack.com, abgerufen am 31. Oktober 2016. mini|Anatomie des Hutes Belüftungsösen Einfass oder Krempenrand, es sind verschiedene Vernäharten möglich: raw edge, over-, underwelt, bound edge (ein Stück Ripsband wird umgenäht) und cavanagh edge (ein speziell verpresster Krempenrand, dieser wird heutzutage nicht mehr hergestellt) Fangschnur oder Kordon, ursprünglich um die Kopfbedeckung eines Reiters festzuhalten, später als Zierelement; ein Ende kann z. B. im Knopfloch am Jackenaufschlag befestigt werden. Futterdach Garnitur oder Hutschmuck Hals oder Seitenband, die aufrecht stehenden Seiten des Kopfes Hutband Hutbandschlaufe bzw. Schleife Hutfutter Hutkrempe Hutschnur oder Hutkordel Hutschulter, dort wo die Krone in die Krempe übergeht. Kinnriemen oder Kinnband, auch Sturmriemen oder Sturmband, kann auch nachträglich angebracht werden es gibt dann verschiedene Varianten: Es gibt die Variante (stampede string) auf davidmorgan.biz, abgerufen am 6. März 2017. zum Durchstoßen durch die Schweißband-Naht mit Splinten. Es ist auch möglich seitlich zwei kleine Löcher durch die Krempe durchzustoßen, es können hier auch Metallösen einpresst werden, und dann die Riemen von beiden Seiten durchzuführen; mit einer Schlaufe durch die Löcher und dann jeweils über die Krone gezogen, so dient der obere Teil auch als Hutbanschlaufe. auf knot-a-tail.com, abgerufen am 8. Juli 2017. auch möglich ist die einfache Führung der Schnur und von unten durch ein Loch um die Rück- oder Vorderseite der Krone herum und durch das andere Loch zurück. auch möglich ist die doppelte Führung der Schnur und dann von oben durch die Löcher und der obere Teil jeweils um die Krone herum gelegt. es gibt auch Riemen mit einem verbreiterten Ende oder Haken, diese können dann durch die Löcher gesteckt werden oder man macht einfach ein Knopf, so dass die Riemen nicht durch das Loch rutschen. Dann gibt es solche, die mit Sicherheitsnadeln am Schweißband festgemacht werden oder mit vorinstallierten Haken, an denen man speziell dafür ausgelegte Riemen bei Bedarf einhängen kann. Weiter kann eine Kordel, Schnur durch etwaige, je zwei seitliche Belüftungsösen gezogen werden. Kniff, Delle auch Scheitelkniff, vorne oder seitlich; kleine Einbuchtungen am Kopfteil des Hutes zum Anfassen beim Aufsetzen und Abnehmen. Kranz, der Übergang vom Plattel zum HalsErnestine Hutter: Kein Stand ohne Hut. Schriftenreihe zu Kunstgewerbe und Volkskunde, Band 3, Katalog zur 175. Sonderausstellung, Salzburger Museum Carolino Augusteum, 1995, S. 96. Krone, Kopf auch Kalotte oder Gupf ist der Kopfteil des Hutes (über der Krempe) Kronendach auch Platte(l), Plattl, Oberseite, Deckplatte des Hutkopfes Mesheinsätze Perforationen, diese dienen ebenso wie die Mesheinsätze und die Belüftungsösen zur Verbesserung der Luftzirkulation. Schleife für das SchweißbandRajkishore Nayak, Rajiv Padhye: Garment Manufacturing Technology. Woodhead Publishing, 2015, ISBN 978-1-78242-232-7, S. 168. Die Schleife für das Schweißband war früher ein Zugband, mit dessen Hilfe sich ein Hut an die individuelle Kopfgröße anpassen ließ. Heutzutage dient sie nur noch zu dekorativen Zwecken. Schweißband, sitzt im Inneren der Krone, wo der Hut den Kopf berührt. Es kann aus Leder bestehen, dann auch Schweißleder oder Schweißlederband oder aus textilem Material. Spiegel, Deckel die glänzende Mitte auf dem Kopf beim Zylinderhut oder Spiegel auch für den Teil (Umschlag) der Krempe eines Glockenhutes der sich neigt, bevor die Krempe nach aufwärts strebt.

Gestalt Ein wesentliches Gestaltungsmerkmal ist die Kronenform. Bei einer C-Krone handelt es sich beispielsweise um einen Hut, dessen Krone an der Längsseite nach unten geknickt ist.C-Krone auf kuriose-feiertage.de, abgerufen am 17. März 2016. Eine weitere Eigenschaft ist die Seitenband-Neigung.Crown-Taper auf thefedoralounge.com, abgerufen am 31. Oktober 2016.

Eine Hutkrempe, die sich rundherum gleichmäßig einrollt, wird Roller genannt. Bei einer Locke handelt es sich um einen um- oder hochgebogenen Krempenrand.

Größe Siehe auch → Hutgrößentabelle

Die Konfektionsgröße für Hüte entspricht dem Kopfumfang in Zentimetern (cm), gemessen oberhalb der Ohren und über die Mitte der Stirn. In Großbritannien und den USA wird der Kopfdurchmesser in Zoll (inches) als Größenangabe verwendet, auf muehlbauer.at, abgerufen am 15. März 2016. wobei die englische und die amerikanische Hutgröße nicht dieselbe ist. auf hatlife.com, abgerufen am 15. März 2016. Es gibt auch noch eine französische, italienische Hutgröße, die in „Punti“ angegeben wird und sich durch eine spezielle Berechnungsmethode deutlich von den üblichen Hutgrößen unterscheidet. Sie wird aber heutzutage praktisch nicht mehr verwendet. Es werden auch Hüte nach Maß angefertigt, hier wird ein sogenannter KonformatorBeverly Chico: Hats and Headwear around the World: A Cultural Encyclopedia. ABC-Clio, 2013, ISBN 978-1-61069-062-1, S. 115, 259. verwendet, damit kann der Kopf exakt ausgemessen werden.Head Shape auf rosieboylan.com, abgerufen am 16. März 2016.

Funktion Die wichtigste Funktion des Hutes ist die Funktion als Kopfbedeckung zum Schutz gegen Kälte, Nässe oder Sonnenstrahlung. Heute werden an Stelle des Hutes oft auch Mützen, Kopftücher oder Kappen (Baseballcaps) verwendet. Bei offiziellen Anlässen wird teilweise auch heute noch von Frauen das Tragen eines Hutes erwartet.

Der Hut stellt in vielen Kulturen ein Symbol für einen sozialen Status oder die Gruppenzugehörigkeit dar. Das Bedecken oder Entblößen des Kopfes hat häufig symbolische Bedeutung.

Kulturgeschichte

Antike mini|Griechische Frau mit Sonnenhut und Fächer. Aus Tanagra (325–300 v. Chr.).

Die antiken Griechen gingen meist barhäuptig, nur der Handwerker setzte die runde Kappe, den Pileus, auf. Der vornehme Grieche trug auf Reisen oder bei der Jagd den breitrandigen Petasos oder die Kausia, die an einer Schnur hängend auch auf dem Rücken getragen werden konnte.

Runde und spitze Hüte waren im Römischen Reich vor allem bei Schauspielen, Festen und bei heiligen Riten gebräuchlich. Man erhob im Römischen Reich den Hut zum Symbol der Freiheit, weshalb freigelassene Sklaven bei ihrer Freilassung einen Hut erhielten.