mini|hochkant=1.3|Andy Kaufman beim Wrestling mit Debbie Harry (in blau) und Caitlin Clarke (in rot), 1983 Andrew Geoffrey „Andy“ Kaufman (* 17. Januar 1949 in New York City; † 16. Mai 1984 in Los Angeles) war ein US-amerikanischer Entertainer und Performance-Künstler. Er sah sich selbst nicht als traditionellen Komiker, sondern unterhielt stattdessen mit „Anti-Humor“ und „absurder Performance-Kunst“ und versuchte, seine Auftritte entgegen den Erwartungen der Zuschauer zu gestalten.

Jugend und Anfänge als Komiker Andrew Geoffrey Kaufman wurde am 17. Januar 1949 in New York City geboren. Im Alter von sieben Jahren begann er, im kleinen Rahmen aufzutreten. Er besuchte das Graham Junior College in Boston und schloss dieses 1971 ab. Danach widmete er sich seiner Karriere. Er trat zunächst in kleineren Clubs und Bars entlang der Ostküste als Stand-up-Komiker auf.

Kaufmans Rollen (Auswahl) Kaufman als „der Ausländer“ (Foreign Man) Für seine Auftritte erfand Kaufman die Figur des „Foreign Man“, einer fiktiven Person von der Insel „Caspia“, einer ebenfalls fiktiven Insel im Kaspischen Meer, die laut Kaufman im Meer versank. Die Figur des „Foreign Man“ war etwas unintelligent gehalten und sprach sehr schlechtes Englisch. Dazu bewegte Kaufman seine Augen wie eine Puppe und sprach mit einer sehr hohen Stimme, die einen starken Akzent aufwies. Er begann damit, absichtlich schlechte Parodien vorzutragen (z. B. von Richard Nixon und Archie Bunker, der Hauptperson von All in the Family). Ein weiterer Teil seiner Show war der Mighty-Mouse-Song, den er mittels Plattenspieler abspielte und nur eine einzige Zeile mit den Lippen synchronisierte („Here I come to save the day“).

Ein weiteres Beispiel ist seine Parodie des US-Präsidenten Jimmy Carter. Er erzählte dem Publikum, dass er eine Parodie von Jimmy Carter, dem Präsidenten der Vereinigten Staaten machen wolle. Daraufhin sagte er in der völlig gleichen Stimme: „Hallo, ich bin Jimmy Carter, der Präsident der Vereinigten Staaten.“ („Hello, I am Meester Carter, de President of de United States. Thenk you veddy much.“)

Nach dieser Parodie kündigte Kaufman an, als Nächstes eine Parodie von Elvis Presley zu machen. Kaufman drehte sich vom Publikum weg, zog seine Jacke aus, unter der sich ein Elvis-Kostüm verbarg, machte sich die Haare zurecht und ließ ein Elvis-Medley spielen. Kaufman imitierte Elvis dermaßen gut, dass selbst Elvis davon begeistert war.

Bei einer seiner Shows wurde er von George Shapiro entdeckt, der Andy von diesem Zeitpunkt an managte.

Talentsucher des Fernsehsenders ABC sahen Kaufmans Auftritt als „Foreign Man“ und wollten diese Rolle in eine ihrer Shows einbringen.

Latka Gravas ABC erfand für Kaufman die Rolle des Latka Gravas, die dem „Foreign Man“ Kaufmans entsprach. ABC gab Kaufman einen mehrjährigen Vertrag und band die Rolle in die Sitcom Taxi ein. Aus dem „Foreign Man“ wurde somit Latka Gravas, konzipiert als etwas unintelligenter ausländischer Automechaniker. Shapiro kostete es Einiges an Überredungskunst, Kaufman für diese Rolle zu begeistern, denn Kaufman selbst mochte weder die Serie noch die Rolle an sich. Er stimmte dem Vertrag schließlich widerwillig zu und knüpfte die Bedingung daran, dass Tony Clifton einige Gastauftritte in der Serie bekam. Die Rolle des Latka machte Kaufman landesweit populär. Eine weitere Bedingung von Kaufman war, dass Latka eine dissoziative Identitätsstörung haben sollte, sodass er so innerhalb der Rolle unterschiedliche Identitäten darstellen konnte, um sein schauspielerisches Potential zu entfalten. Latka durchlief vom unintelligenten Mechaniker bis zum Frauenschwarm fast jede Phase.

Die Rolle des Latka brachte auch einige Nachteile für Kaufman. Bei seinen Auftritten wollten die Zuschauer plötzlich nur noch Latka sehen. Kaufman war darüber sehr aufgebracht und revanchierte sich beim Publikum, indem er aus dem Roman Der große Gatsby vorlas. Nach einigen Zeilen fragte er sein Publikum: „Wollt ihr, dass ich weiterlese, oder lieber einer Schallplatte lauschen?“ Das Publikum rief natürlich nach der Schallplatte, da sie das Mighty-Mouse-Lied erwarteten. Stattdessen war auf der Schallplatte eine von Kaufman gesprochene Version von Der große Gatsby zu hören. Kaufmans Lesungen – er las oft den gesamten Roman – dauerten oft bis zum Morgengrauen und waren nicht nur für sein Publikum, sondern auch für ihn selbst anstrengend.

Tony Clifton Um richtig Dampf ablassen zu können, erfand Kaufman die Rolle des Nachtklubsängers Tony Clifton. Clifton trat oft im Vorprogramm von Andy Kaufmans Show auf, hatte aber auch eigene Auftritte in den gesamten USA. Clifton schikanierte und beleidigte sein Publikum und sang zudem oftmals in den falschesten Tönen. Clifton pickte sich zumeist einen Zuschauer heraus, den er beleidigte und demütigte. Keiner vom restlichen Publikum wusste, dass dieser Zuschauer Kaufmans Freund und Co-Autor Bob Zmuda und dies alles nur inszeniert war. Lange Zeit wussten die Medien nicht, dass Tony Clifton von Kaufman gespielt wurde. Clifton wurde von den Medien im Rahmen der Kaufman-Shows immer wieder interviewt, als sie Andys Namen erwähnten, begann Clifton über ihn zu schimpfen und ihn zu verunglimpfen und behauptete zudem, dass er der eigentliche Star sei und Kaufman ihn nur benutze, um reich zu werden.

Gerüchte häuften sich, dass Kaufman und Clifton dieselbe Person waren. Viele Veranstalter buchten danach nur noch Clifton für ihre Shows, da dieser wesentlich billiger zu bekommen war als Kaufman und sie sich dachten, sowieso Kaufman zu bekommen. Ab diesem Zeitpunkt schlüpfte nicht mehr Kaufman, sondern Bob Zmuda oder Kaufmans jüngerer Bruder Michael in die Rolle von Tony Clifton. Kaufman trat zumeist als Gast in Cliftons Show auf und das Publikum reagierte verwundert, da es der Meinung war, Kaufman stehe als Tony Clifton auf der Bühne. Meist endete der Auftritt darin, dass Tony Andy von der Bühne jagte und behauptete, er zerstöre die Show.

ABC hatte Kaufman zugesichert, dass Clifton in der Fernsehserie „Taxi“ einen Gastauftritt absolvieren durfte. Da Clifton allerdings während der Dreharbeiten zu randalieren begann, musste er von mehreren Sicherheitskräften vom Studiogelände entfernt werden.

Wrestling Eine Zeit lang betrieb Kaufman Wrestling. Allerdings trat er nicht gegen Männer, sondern ausschließlich gegen Frauen an. Seine Kämpfe fanden immer in Memphis statt. Kaufman ging dabei immer wieder nach demselben Muster vor. Er stieg in den Ring und beleidigte die Frauen im Publikum mit frauenverachtenden Sprüchen. Er wollte das Publikum damit anheizen, wie er selbst sagte. Daraufhin bot er jener Frau, die fähig wäre, ihn zu besiegen, 1000 US-Dollar an. Da er keinen Kampf verlor, bezeichnete er sich selbst als Weltmeister des zwischengeschlechtlichen Wrestlings. Um das Publikum weiter gegen sich aufzubringen, begann er nach einigen Kämpfen, die gesamten Südstaatler zu beleidigen, was ihm noch mehr Ärger einbrachte und ihn ziemlich unbeliebt machte. Bei einem weiteren Kampf bot er an, die Frau, die ihn besiegen konnte, zu heiraten. Aus dem Publikum meldete sich Lynne Margulies, die gegen ihn kämpfen wollte. Da trat der professionelle Wrestler Jerry Lawler ihr entgegen, der behauptete, dass Margulies die Freundin Kaufmans und dieser Kampf nur inszeniert sei – was auch tatsächlich stimmte. Lawler wollte selbst gegen Kaufman kämpfen, da dieser Memphis, die Südstaaten und den gesamten Wrestling-Sport beleidigt hatte. Kaufman akzeptierte daraufhin den Kampf, der am 5. April 1982 stattfand. Dabei verletzte Lawler Kaufman so schwer, dass dieser bewusstlos in ein Krankenhaus gebracht werden musste. Zeitungsmeldungen sprachen sogar von einem Genickbruch.

In der Show von Andys Freund David Letterman (worin Andy mit Halskrause auftrat, die er seit dem Match ständig trug.) entschuldigte sich Andy bei Lawler und sagte, dass er den „bösen Wrestler“ nur gespielt habe. Lawler und Andy begannen vor laufender Kamera abermals zu streiten und Lawler streckte Kaufman zu Boden. Daraufhin rannte Kaufman aus dem Studio, kam kurze Zeit später fluchend wieder zurück und warf Lawler die derbsten Schimpfwörter an den Kopf. Zum Abschluss übergoss er Lawler mit heißem Kaffee und rannte davon. Dies führte zu einer Reihe von Rematches Kaufmans gegen Lawler in Memphis, teilweise mit Lawlers Ex-Manager Jimmy Hart als Partner. Andy, der  den arroganten  Hollywoodstar spielte und in legendären Promos den Menschen in Memphis erklärte, was Klopapier ist und wie man Deo benutzt, war in Memphis so verhasst, dass es zu Bombendrohungen gegen den Fernsehsender kam, um die Ausstrahlung von Andys Promos zu verhindern.

Erst 1995 stellte sich heraus, dass auch die Auftritte von Andy und Jerry Lawler nur inszeniert waren, und die beiden gute Freunde waren. Andy war damals nichts passiert und er selbst bestand noch im Ring darauf im Krankenwagen abtransportiert zu werden und bezahlte alles aus eigener Tasche. Auch der Streit bei Letterman war nur inszeniert. Jerry Lawler bestätigte dies in seiner 2002 erschienenen Biographie It’s good to be the king… sometimes. Lawler und Kaufman hatten das Publikum viele Jahre hinters Licht geführt. Die Verletzung, die sich Kaufman im Kampf gegen Lawler zugezogen hatte, erwies sich nach Angaben der zuständigen Ärzte des St. Francis Hospitals allerdings als echt. Später fand man in Andys Nachlass die Schecks, die er für seine Auftritte erhalten hatte, uneingelöst. Andy, ein riesiger Wrestlingfan, hat sich mit den Auftritten einfach nur einen riesigen Traum erfüllt und er war so gut, dass er bis heute als der beste Promi, der jemals im Wrestling mitwirkte, gilt, und die Lawler - Kaufmann Fehde als der Prototyp des modernen Wrestlings gilt.

Bekannte Shows von Kaufman Milch und Kekse Kaufmans größter Traum war es, in der Carnegie Hall aufzutreten. Diesen Traum verwirklichte er 1979. Zu Beginn der Show stellte er dem Publikum seine Großmutter vor, welche die Show ebenfalls verfolgte. Erst gegen Ende der Show stand die Großmutter auf, riss sich die Maske vom Gesicht und entpuppte sich als der Komiker Robin Williams. Für Aufsehen sorgte auch der Auftritt von Eleanor Cody Gould, die auf der Bühne einen Herzinfarkt und ihren Tod vortäuschte. Ein Arzt aus dem Publikum konnte ihr nicht helfen. Da kam Kaufman als Indianer verkleidet auf die Bühne, führte einen Tanz auf und Gould erwachte wieder zum Leben. Die Show hatte zahlreiche Gaststars aufzubieten, selbst der Weihnachtsmann hatte dort einen Auftritt.

Gegen Ende der Show lud Kaufman seine Gäste zu Milch und Keksen ein. Er hatte eigens Busse auffahren lassen, welche die Besucher damit versorgten.

Andy’s Funhouse Im Deal mit ABC eingeschlossen war eine eigene Show für Kaufman. Andy’s Funhouse war eine Gemeinschaftsproduktion von Kaufman, Bob Zmuda und Mel Shearer. Zudem gab es zahlreiche Musikstücke zu hören, die Kaufman komponiert hatte. Obwohl das Special schon 1977 produziert wurde, ging es erst 1979 auf Sendung. Eingebunden wurden auch die besten Auftritte von Latka sowie seine Elvis-Imitation. Kaufman trat zudem auch als Howdy Doody auf.

Die Show sorgte jedoch für reichlich Verstimmung bei ABC: Da Kaufman die vertikale Bildstabilität des Fernsehbildes verändert hatte, war ein Flimmern auf den Bildschirmen zu sehen, so dass viele Zuschauer glaubten, ihr Fernseher sei kaputt.

Die Andy Kaufman Show Anfang der 1980er Jahre, nach seinen Wrestling-Auftritten, erhielt Kaufman eine eigene Fernsehshow. In dieser versuchte er, die Technik und Innovationen zu nutzen; Hauptbestandteile waren Tätigkeiten, die mit seiner „Magischen Wand“ (der BlueWall) zu tun hatten. So rannte er minutenlang Treppen auf und ab (die man nicht sehen konnte, da der ganze Raum schwarz war) und er wies sein Publikum an, aus der Küche gewisse Gegenstände zu holen, um mit ihm zusammen Spaß haben zu können. Tony Clifton hatte als Puppe ebenfalls Auftritte.