Der Schwarze Holunder (Sambucus nigra) ist ein Strauch oder kleiner Baum aus der Gattung Holunder (Sambucus), der im größten Teil Europas natürlich vorkommt. Für den Schwarzen Holunder gibt es im deutschen u. a. die Trivialnamen Holunder (mittel- und oberdeutsch), Holder(busch) (südwestdeutsch-schweizerisch), Holler (bairisch-österreichisch) und Flieder (niederdeutsch). Seine Blüten und Früchte finden vielfach Verwendung als pflanzliches Heilmittel, Lebensmittel und Farbstoff.

Beschreibung mini|Illustration aus dem Atlas des plantes de France Vegetative Merkmale Der Schwarze Holunder ist ein sommergrüner bis 7 Meter hoher, reichverzweigter Strauch oder bis 10 Meter hoher, breit ausladender, kleiner Baum mit überhängenden Zweigen. Die dickeren Äste sowie der Stamm haben eine längsrissige, graubraune Borke, die sich in Streifen ablöst. Die jüngeren Zweige sind zunächst grün, später graubraun und an ihrer Oberfläche von zahlreichen Korkporen übersät, die als graue Erhebungen ins Auge fallen. Die Zweige besitzen ein weiches, weißes Mark. Der Holunder ist ein Flachwurzler mit weitreichendem Wurzelwerk. Der Schwarze Holunder kann etwa 100 Jahre alt werden.

Die gegenständigen Laubblätter sind unpaarig gefiedert. Die einzelnen Fiederblätter sind bis zu 30 Zentimeter lang und bestehen aus meist fünf, seltener sieben Teilblättern, den sog. Fiederblättchen. Der Stiel des Fiederblatts ist 4–10 Zentimeter lang und oberseits rinnig. Die Fiederblättchen sind 10–15 Zentimeter lang, besitzen eine elliptische Form und sind lang zugespitzt. Ihr Blattrand ist grob gesägt. Das Endfiederblättchen ist deutlich gestielt, das obere Fiederblättchenpaar ist meist sitzend und das untere meist gestielt. Die Blattoberseite ist tief- bzw. dunkelgrün und kahl und die Blattunterseite ist heller, bläulich- graugrün, sowie anfangs behaart. Am Blattgrund befinden sich kleine, nebenblattartige Anhängsel, die eine Nektardrüse tragen. Die Laubblätter entwickeln sich sehr früh im Jahr, etwa im März bis April und lange vor den Blüten.

Generative Merkmale Ab Mai bis in den Juli erscheinen an den Zweigen endständige, aus vielen und dichtstehenden Einzelblüten bestehende, flache Schirmrispen mit einem Durchmesser von 10–15 Zentimeter. Ihr frischer, fruchtiger Duft ist unverwechselbar und typisch für den Holunder. Die zwittrigen Blüten sind fünfzählig und bestehen aus einer doppelten Blütenhülle mit einem unscheinbaren Kelch. Die flach ausgebreitete Krone ist weiß oder gelblichweiß und besitzt einen Durchmesser von 6–9 Millimeter. Die Krone besteht aus fünf miteinander verwachsene Kronblättern. Es sind fünf Staubblätter mit gelben Staubbeuteln vorhanden. Der Fruchtknoten ist halbunterständig, der Griffel ist kurz und die Narbe ist dreiteilig. Ein kleinerer Teil der Blüten ist jedoch auch vierzählig. Zerreibt man ein Blatt zwischen den Fingern, riecht es auch leicht nach den Blüten; so kann Holunder auch einfach erkannt werden, wenn er keine Blüten oder Früchte trägt.

Der Schwarze Holunder bildet Steinfrüchte, die häufig als „Beeren“ oder „Fliederbeeren“ bezeichnet werden. Sie reifen von August bis September und färben sich während des Reifens von anfangs grün über rot zu einer glänzenden, fast schwarzen Farbe. Sie sind saftreich, kugelig und besitzen einen Durchmesser von 5–6 Millimeter. Die Früchte enthalten meist drei Samen.

Während die Früchte reifen, färben sich auch die Stiele, an denen sie sitzen, rötlich.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 36.

Taxonomie und Unterarten Sambucus nigra wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum, Band 1, Seite 269–270 erstbeschrieben.

Neben dem Typ werden einige Unterarten geführt, die je nach Autor auch als eigenständige Arten beschrieben werden: Sambucus nigra subsp. canadensis als Kanadischer Holunder (Syn.: Sambucus canadensis ): Die Heimat ist das östliche Nordamerika. Sambucus nigra subsp. cerulea als Blauer Holunder (Sambucus cerulea ): Die Heimat ist das westliche Nordamerika. Sambucus nigra subsp. palmensis als Sambucus palmensis : Sie kommt endemisch in den Lorbeerwäldern der Kanarischen Inseln vor und ist vom Aussterben bedroht.

Verbreitung mini|Europäisches Verbreitungsgebiet (grün) von Sambucus nigra Der Schwarze Holunder ist eine der häufigsten Straucharten in Mitteleuropa. Ebenfalls anzutreffen ist er im restlichen Europa, in Westsibirien, im nördlichen Indien, dem Kaukasus, Kleinasien und in Nordafrika.[ Taxon: Sambucus nigra L. mit Verbreitungsangaben bei GRIN.] Von Vorteil dafür ist sicher seine Robustheit und Anspruchslosigkeit. Holunder ist ausgesprochen frosthart und gedeiht gut im Halbschatten auf Unkraut- und Ruderalfluren, Waldlichtungen oder an Wegrändern, schätzt jedoch insbesondere mittelschwere bis sandige, stickstoffreiche und frische, schwach saure Lehmböden. Als Stickstoffzeiger findet man ihn konzentriert an übermäßig stickstoff-reichen Standorten. In den Alpen ist er bis in die mittlere Gebirgslage von etwa anzutreffen.

In Österreich kommt der Holunder in allen Bundesländern sehr häufig vor.

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3+w (feucht aber mäßig wechselnd), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 3+ (unter-montan bis ober-kollin), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).

Neben wilden Vorkommen findet er sich auch in Kultur, seit Mitte der 1980er Jahre in wieder zunehmender Zahl. Ein Anbaugebiet für Holunder ist die Oststeiermark. Es existieren einige Sorten, die zu unterschiedlichen Zwecken selektiert wurden.

Ökologie Bei den Blüten des Schwarzen Holunders handelt es sich um Pollenblumen, die den Bestäubern reichlich Pollen, aber auch Nektar bieten. Die Blüten werden von kurzrüsseligen Bienen, Schwebfliegen, Käfern und Fliegen bestäubt. Häufiger als Bestäubung durch Insekten erfolgt allerdings Selbstbestäubung.

Die Früchte werden durch Vögel, wie beispielsweise Amseln, Drosseln, Stare und Mönchsgrasmücken, aber auch durch Säugetiere verbreitet.

Inhaltsstoffe Holunderblüten (Sambuci flos), bestehend aus den getrockneten Blüten des Schwarzen Holunders: Flavonoide (0,7–3,5 %): Quercetin, Kämpferol, Isorhamnetin und deren Glycoside mit Rutin als Hauptkomponente (2,9 %) Hydroxyzimtsäure-Derivate (ca. 5 %): u. a. Chlorogensäure (ca. 2,5–3 %) N-Phenylpropenoyl-L-aminosäureamide (0,1–1,0 mg/100 g) N,N-Diphenylpropenoylspermidine Ätherisches Öl (0,03–0,14 %)

Holunderbeeren (Sambuci fructus), bestehend aus den getrockneten, reifen Früchten des Schwarzen Holunders: Flavonolglycoside: Rutin, Isoquercitrin und Hyperosid Methoxylierte Flavonoide Anthocyane (0,2–1,3 %): Cyanidin-3-O-glucosid (Chrysanthemin) und Cyanidin-3-O-sambubiosid (Sambicyanin) als Hauptverbindungen. Daneben Cyanidin-3-O-rhamnoglucosid (Sambucin), Cyanidin-3-O-sambubiosid-5-O-glucosid und Cyanidin-3-O-glucosid-5-O-glucosid Ätherisches Öl (ca. 0,01 %) Cyanogene Glycoside in den Samen: Sambunigrin, Prunasin, Zierin, Holocalin Zucker (etwa 7,5 %): Glucose, Fructose

Giftigkeit In den Blättern, der Rinde, unreifen Beeren und auch in den Samen reifer Beeren sind ein oder mehrere cyanogene Glycoside, darunter hauptsächlich Sambunigrin,H. Morck, Drogenkunde (S. 108), 6. Auflage 2003, WVG Stuttgart, ISBN 3-8047-1930-9 Prunasin, Holocalin und Zierin, enthalten. Darüber hinaus enthält die Pflanze Lektine, vor allem Nigrin b, die Verdauungsstörungen verursachen. Über die Giftigkeit beim Menschen gibt es unterschiedliche Angaben. Sie reichen von ungiftigLutz Roth, Max Daunderer, Kurt Kormann: Giftpflanzen – Pflanzengifte: Vorkommen, Wirkung, Therapie; allergische und phototoxische Reaktionen. Ecomed, Landsberg, 4., überarbeitete und wesentlich erweiterte Auflage 1994, S. 633, ISBN 3-609-64810-4. bis „zu vermeiden“.Dietrich Frohne, Hans Jürgen Pfänder: Giftpflanzen: Ein Handbuch für Ärzte, Apotheker, Toxikologen und Biologen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, 4., neu bearbeitete und erweiterte Auflage 1997, S. 127 f., ISBN 3-8047-1466-8. Bei Kindern und sensiblen Personen kann der Verzehr zu Symptomen von Erbrechen und leichten Krämpfen bis hin zu starkem Durchfall oder Magenbeschwerden führen. Bei Schweinen, Hunden, Hasen, Kaninchen, Meerschweinchen und Hamstern kommt es zu Erbrechen, Durchfall und Atembeschwerden. Vögel zeigen bei Aufnahme unreifer Beeren und anderer Pflanzenteile Verdauungsstörungen und Erbrechen, bei ihnen kann die Aufnahme großer Mengen sogar zum Tod führen.

Die reifen Beeren enthalten nur geringe Mengen cyanogener Glycoside. In einer Untersuchung wurden nur 0,06 mg cyanogene Glycoside/g Trockenmasse Früchte, dies entspricht 0,0054 mg Blausäure-Äquivalente/g, an einem Strauch festgestellt. Bei etwa 20 mg Trockengewicht einer Beere enthält eine reife Beere also 0,0001 mg Blausäure-Äquivalent. Der menschliche Körper kann Blausäureverbindungen zum Teil abbauen. Als unbedenklich für den Verzehr gelten bis zu 0,02 mg Blausäure-Äquivalente/kg Körpergewicht; Bei Aufnahme größerer Mengen an Früchten kann Erbrechen und Diarrhöe auftreten. Der Genuss roher Früchte sollte daher vermieden werden. Durch Erhitzen zerfallen die cyanogenen Glycoside und der Gehalt an cyanogenen Glycosiden in den Beeren wird stark verringert.

Wirkungen auf die Schleimhäute: Obwohl die Sambucus-Arten insektenblütig sind, gehören ihre Pollen zu den Erregern des Heuschnupfens.Giftpflanzen – Pflanzengifte – Roth / Daunderer / Kormann, Nikol-Verlagsgesellschaft, 4. Auflage 1994, S. 634 Gefährdet sind die Betroffenen jedoch nur, wenn sie sich in der Nähe blühender Holunderbüsche aufhalten.

Verwendung Holunder findet in der Pflanzenheilkunde sowie als Lebensmittel und Färberpflanze vielfache Verwendung.

Verwendung als Heilpflanze mini|Schwarzer Holunder in Form der Blütendroge (Sambuci flos) Vom Schwarzen Holunder können Blüten, Früchte, Blätter und Rinde arzneilich genutzt werden. Heutzutage werden hauptsächlich die Blüten und Früchte genutzt. Der Schwarze Holunder wurde vom Verein NHV Theophrastus zur Heilpflanze des Jahres 2024 gekürt.Verein NHV Theophrastus: Holunder ist Heilpflanze des Jahres 2024. Abgerufen am 16. Juni 2023. In der Begründung heißt es, den Schwarzen Holunder nutzen „viele als Beerensaft oder Blütentee bei Erkältungskrankheiten“.

Holunderblüten Die Holunderblüten besitzen eine schweißtreibende, die Bronchialsekretion vermehrende, schleimlösende, immunstimulierende, entzündungshemmende, harntreibende und antioxidative Wirkung.

Ihr Hauptanwendungsgebiet ist der sehr warm getrunkene Schwitztee bei fieberhaften Erkältungskrankheiten. Weniger stark aufgebrüht und nur lauwarm getrunken wird der Holunderblüten-Tee auch als Mittel gegen Erkältungskrankheiten und Grippe genutzt. Ein weiteres Anwendungsgebiet sind Katarrhe der Atemwege und trockener Reizhusten. Für diese Erkrankungen der Atemwege kann es die dabei auftretenden Symptome lindern. Volksmedizinische Anwendungsgebiete sind zudem Hautunreinheiten, Rheuma und Gicht sowie die Nutzung als harntreibendes und blutreinigendes Mittel. Die Drogenbezeichnung für die getrockneten und abgerebelten Holunderblüten ist Sambuci flos (früher Flores sambuci).

Für die Anwendung bei Erkältungskrankheiten liegt eine Positiv-Monograpie der Kommission E von 1986 vor. Zur Linderung der frühen Symptome einer Erkältung wird diese als Traditionelles pflanzliches Arzneimittel durch die EMA anerkannt. Die Grundlage für diese Bewertung beruht auf einer langjährigen Anwendungserfahrung, jedoch nicht auf Wirksamkeitsnachweisen in Form klinischer Studien.

Holunderbeeren