mini|Millard Tydings Millard Evelyn Tydings (* 6. April 1890 in Havre de Grace, Harford County, Maryland; † 9. Februar 1961 ebenda) war ein US-amerikanischer Ingenieur, Jurist, Autor und Politiker der Demokratischen Partei. Er saß von 1915 bis 1916, dann von 1919 bis 1921 im Abgeordnetenhaus von Maryland sowie von 1921 bis 1923 im Senat von Maryland. Vom 4. März 1923 bis zum 3. März 1927 war er Abgeordneter des 2. Kongresswahlbezirks von Maryland im Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten (68. und 69. Kongress) und vom 4. März 1927 bis zum 3. Januar 1951 war er Mitglied des US-Senats.
Frühe Jahre Millard Tydings wurde in Havre de Grace im Harford County als Sohn von Millard F. Tydings und dessen Ehefrau Mary B. (geb. O’Neill) geboren. Nach dem Besuch öffentlicher Schulen (public schools) im Harford County nahm er ein Ingenieur-Studium am Maryland Agricultural College (heute: University of Maryland, College Park) auf. 1910 schloss er sein Studium mit einem B.S. (Bachelor of Science / Scientae Baccalaureus) ab und arbeitete im Anschluss kurze Zeit für die Baltimore and Ohio Railroad Eisenbahngesellschaft, Baltimore (heute: CSX Transportation).
Er entschloss sich dann aber ein rechtswissenschaftliches Studium an der University of Maryland School of Law, Baltimore zu beginnen. 1913 schloss er sein Zweitstudium ab. Unmittelbar nach bestandener Prüfung wurde er als Anwalt zugelassen und arbeitete zwei Jahre lang in seiner Heimatstadt Havre de Grace als Rechtsanwalt. 1915 wurde er als Mitglied der Demokratischen Partei ins Abgeordnetenhaus von Maryland (Maryland House of Delegates) gewählt.
Nach Eintritt der USA in das Kriegsgeschehen des Ersten Weltkriegs meldete Tydings sich 1916 freiwillig zu den Streitkräften der Vereinigten Staaten und kam auf dem europäischen Kriegsschauplatz zum Einsatz. Er befehligte das 111th Machine Gun Battalion (Maschinengewehr-Bataillon) und wurde für seine herausragende Tapferkeit mit dem Distinguished Service Cross, dann der Distinguished Service Medal ausgezeichnet. Tydings kehrte aus dem Krieg im Rang eines Oberstleutnants (lieutenant colonel) zurück.
1919 wurde er erneut ins Repräsentantenhaus von Maryland (Maryland House of Delegates) gewählt, kurze Zeit später zum Speaker des Hauses ernannt und blieb in dieser Funktion bis 1921, als er in den Senat von Maryland gewählt wurde. Dieses Mandat bekleidete er bis 1923.
US-Repräsentantenhaus und US-Senat 1923 wurde er in den US-Kongress (US-Repräsentantenhaus) gewählt, 1926 in den US-Senat.
1932, 1938 und 1944 wiedergewählt gehörte er vom 4. März 1927 bis zum 3. Januar 1951 ununterbrochen dem US-Senat an.
Tydings Committee Am 9. Februar 1950 hielt der republikanische Senator von Wisconsin, Joseph McCarthy, eine Rede vor dem Ohio County Women’s Republican Club in Wheeling, West Virginia, in der er die amerikanische Regierung, insbesondere aber das amerikanische Außenministerium beschuldigte, von Spionen durchsetzt, von Kommunisten unterwandert zu sein.
McCarthy wedelte während seiner Rede mit einem Blatt Papier herum und erklärte:
„While I cannot take the time to name all the men in the State Department who have been named as members of the Communist Party and members of a spy ring, I have here in my hand a list of 205 individuals that were known to the secretary of state as being members of the Communist Party and who nevertheless are still working and shaping the policy of the State Department.“
(„Ich habe [jetzt] nicht die Zeit [dafür], alle Männer im Außenministerium namentlich aufzuzählen, die [man mir] als Mitglieder der Kommunistischen Partei und Mitglieder eines Spionagerings genannt hat. Hier in meiner Hand halte ich eine Liste von 205 Personen, von denen der Außenminister weiß, dass sie Mitglieder der Kommunistischen Partei sind, die aber dennoch weiterhin [im Außenministerium] arbeiten und die Politik des Außenministeriums bestimmen.“)
Am 20. Februar 1950 beschäftigte sich der US-Senat mit McCarthys Rede bzw. mit den darin erhobenen Anschuldigungen insbesondere gegen das Außenministerium. Und obwohl der demokratische Senator Scott W. Lucas (D-Illinois) McCarthy immer wieder aufforderte doch nun endlich die 205 Namen offenzulegen, nannte dieser keinen einzigen Namen.
(Später stellte sich heraus, dass er dazu auch gar nicht in der Lage gewesen wäre, da es eine solche Liste überhaupt nicht gab).
Daraufhin beschloss der US-Senat, bzw. das/der United States Senate Committee on Foreign Relations – Ausschuss für Auswärtige Angelegenheiten des US-Senats – einen Unterausschuss einzusetzen, der die von McCarthy erhobenen Anschuldigungen auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüfen sollte.
Den Vorsitz dieses „Subcommittee on the Investigation of Loyalty of State Department Employees“ („Unterausschuss für die Überprüfung der Loyalität/Staatstreue der Beschäftigten des Außenministeriums“) übertrug man Millard Tydings.United States of America Congressional Record, von 2004, Seite 14345
Nach ihm wurde der Ausschuss später auch – vereinfachend – Tydings Committee – Tydings Ausschuss – genannt. Weitere Mitglieder des Ausschusses waren: Brien McMahon (Demokratische Partei, Senator von Connecticut), Theodore F. Green (Demokratische Partei, Senator von Rhode Island), Bourke Hickenlooper (Republikanische Partei, Senator von Iowa) und Henry Cabot Lodge, Jr. (Republikanische Partei, Senator von Massachusetts). (vgl. Richard M. Fried, Nightmare in Red, S. 125)
Der Auftrag des Tydings Committees lautete:
„…to conduct a full and complete study and investigation as to whether persons who are disloyal to the United States are, or have been, employed by the Department of State.“ (Senats Resolution 231, 81. Kongress – 1950).
(„…eine umfassende Untersuchung durchzuführen, ob es [tatsächlich] Personen gibt, die sich gegenwärtig oder in der Vergangenheit gegenüber den Vereinigten Staaten nicht loyal verhalten haben, und die beim Außenministerium beschäftigt waren oder sind.“).
Die Hearings des Tydings Committees wurden vom 8. März 1950 (1. Sitzung) bis zum 17. Juli 1950 (Veröffentlichungen des Abschlussberichts) durchgeführt.
Auch während der Hearings zeigte sich McCarthy nicht in der Lage 205 Namen offenzulegen. Schließlich wich er von seiner ursprünglichen (und tatsächlich nicht vorhandenen) Namensliste vollständig ab, nutzte dann aber die Hearings des Unterausschusses um Anschuldigungen gegen 10 Personen vorzubringen und sie der Spionagetätigkeit zu beschuldigen. Diesmal nannte er auch Namen:
Dorothy Kenyon, Esther und Stephen Brunauer, Gustavo Duran, Haldore Hanson, Harlow Shapley, Frederick Schuman, Philip Jessup, Owen Lattimore und John Stewart Service. (s. Richard M. Fried, Nightmare in Red, S. 125)
Teilweise hatten die nun tatsächlich Genannten noch nie im Außenministerium gearbeitet, oder aber sie befanden sich seit geraumer Zeit nicht mehr im Dienst des Außenministeriums.
Einige der Genannten waren aber bereits zuvor auf die eine oder andere Weise Opfer der antikommunistischer Hetzkampagnen geworden (wie etwa John Stewart Service im Zusammenhang der so genannten Amerasia-Affäre).
Angriffe auf die China Hands Allein vier der von McCarthy nun Genannten – Haldore Hanson, Philip Jessup, John Stewart Service und Owen Lattimore – waren ausgewiesene Ostasien-Experten (so genannte China Hands). Ihre Nennung verdeutlichte, dass McCarthy inzwischen massive Unterstützung von der so genannten China Lobby erfuhr, sich zugleich für deren Ziele instrumentalisieren ließ. In der China Lobby hatten sich rechts-konservative Politiker (wie der ehemalige amerikanische Botschafter in China, Patrick J. Hurley, die Senatoren Pat McCarran, William F. Knowland, Styles Bridges, der Abgeordnete im Repräsentantenhaus Walter Henry Judd) zusammengefunden. Bis zuletzt hatten sie sich, in völliger Fehleinschätzung der Entwicklungen, für eine massive finanzielle und militärische Unterstützung des abgewirtschafteten Kuomintang-Regimes Chiang Kai-sheks starkgemacht. Nach der Ausrufung der Volksrepublik China am 1. Oktober 1949 begannen sie nach Schuldigen für den von ihnen bejammerten Loss of China (‚Verlust Chinas‘) zu suchen. Unfähig die tatsächlichen Ursachen für den Loss of China zu begreifen, konnten sie sich die Niederlage des in jeder Hinsicht bankrotten Kuomintang-Regimes ausschließlich durch „Verrat in den eigenen Reihen“ erklären. In den China Hands des Außenministeriums glaubte man die „wahren Schuldigen“ gefunden zu haben. Man unterstellte ihnen, insgeheim mit den chinesischen Kommunisten kooperiert, die amerikanische Außenpolitik in deren Sinne beeinflusst, gesteuert zu haben. In einer Rede vor dem US-Senat hatte McCarthy die gesamte Fernost-Abteilung des Außenministeriums diffamiert, als die
„...home base of individuals who are loyal to the ideals and designs of Communism rather than those of the free, God-fearing half of the world.“
(„...Heimat von Personen sich gegenüber den Idealen und den Plänen des Kommunismus loyaler verhalten, als gegenüber der freien, gottesfürchtigen [anderen] Hälfte der Welt.“) (zit. nach New York Times vom 24. Dezember 1999)
In den Berichten der China Hands über den unaufhaltsamen Niedergang des Kuomintang-Regimes und den gleichzeitigen Aufstieg der chinesischen Kommunisten vermochten die Mitglieder der China Lobby in ihrer beschränkten Sichtweise keine objektive Beschreibung der politischen Realitäten zu erkennen, sondern bewerteten die realistischen Schilderungen ausschließlich als Sympathiebekundungen für die kommunistische Bewegung. Sie vertraten die Meinung
„...that the Foreign Service officers planned to slowly choke to death and destroy the government of the Republic of China and build up the Chinese Communists for postwar success.“
(„...dass die Diplomaten des Auswärtigen Amtes die nationalchinesische Regierung [Chiang Kai-sheks] langsam zu Tode strangulieren, zerstören wollten und [gleichzeitig] die chinesischen Kommunisten für die Nachkriegszeit aufbauen wollten.“) (zit. nach: Time, 6. Oktober 1975: Unwarranted Ordeal)
Haldore Hanson, John Stewart Service, Philip Jessup und Owen Lattimore waren allerdings nur die ersten Ostasien-Experten des amerikanischen Außenministeriums, die von McCarthy und seinen Anhängern angeschuldigt wurden. Zahlreiche weitere „China Hands“ sollten sich schon bald vor den verschiedenen Untersuchungsausschüssen, insbesondere vor dem Judiciary Committee’s Internal Security Subcommittee (Unterausschuss für Innere Sicherheit des Justizausschusses – vereinfachend nach dem Vorsitzenden Senator Pat McCarran auch McCarran Committee genannt) gegen falsche Anschuldigungen verteidigen müssen.
Owen Lattimore McCarthy versteifte sich schließlich auf eine Person – Owen Lattimore, den er als den „top Soviet agent in the United States“ („Top-Agent der Sowjetunion in den Vereinigten Staaten“) identifiziert zu haben glaubte. Lattimore war für McCarthy der „chief architect of a United States foreign policy that resulted in the Communist party’s conquest of mainland China“. („...maßgebliche Architekt einer US-Außenpolitik, die zum Ergebnis hatte, dass die kommunistische Partei [Chinas] das [gesamte] chinesische Festland eroberte“.)
Abschlussbericht des Tydings Committees Nach 5 Monaten intensiver Untersuchungen veröffentlichte das Tydings Committee am 17. Juli 1950 einen 313 Seiten umfassenden Abschlussbericht, der allerdings nur von – der der Demokratischen Partei angehörenden – Mehrheit des Ausschusses abgezeichnet worden war.
Am 20. Juli 1950 legte Tydings den Bericht offiziell dem US-Senat vor.
In seiner Rede stellte er heraus, dass sämtliche Personen, die von McCarthy genannt worden waren, weder Kommunisten seien noch die Rede davon sein könne, dass sie mit dem Kommunismus sympathisierten, und dass die bisher schon durchgeführten Sicherheitsüberprüfungen für Mitarbeiter des Außenministeriums völlig hinreichend seien. Tydings kennzeichnete die von Joseph McCarthy in die Welt gesetzten haltlosen Anschuldigungen als