Reinhardt Jünemann (* 9. August 1936 in Thaldorf bei Eisleben; † 5. Juli 2024) war ein deutscher Ingenieur und Professor für Förder- und Lagerwesen. Er war Experte für Logistik und Materialfluss und gilt als der Begründer der industriellen Logistik in Deutschland.ident.de
Mit dem Aufbau neuartiger Forschungs- und Sachgebiete wie der Kreislaufwirtschaft und der Entsorgungslogistik prägte er die Logistik in drei Jahrzehnten. Sein wohl bekanntester Lehrsatz lautet: „Der logistische Auftrag besteht darin: Die richtige Menge der richtigen Objekte als Gegenstände der Logistik, am richtigen Ort, in der richtigen Qualität, zum richtigen Zeitpunkt, zu den richtigen Kosten zur Verfügung zu stellen.“,Reinhardt Jünemann: Materialfluß und Logistik. Systemtechnische Grundlagen mit Praxisbeispielen. Springer, Berlin 1989, ISBN 3-540-51225-X, Kap 1.3, S. 18 eine passende Adaption der Lasswell-Formel aus den Kommunikationswissenschaften.
Leben Nach dem Maschinenbaustudium an der TH Dresden arbeitete Jünemann im VEB-Walzwerk Hettstedt, bevor er sich in die Bundesrepublik Deutschland absetzte. Dort war er sieben bzw. sechs Jahre für die Bayer AG und Rheinstahl in Mülheim an der Ruhr tätig. Im Jahr 1970 wurde Jünemann an der TU Berlin zum Dr.-Ing. promoviert. Zwei Jahre später folgte er der Berufung zum Professor an die Abteilung Fertigungstechnik (heute Fakultät Maschinenbau) an der Universität Dortmund und übernahm den Lehrstuhl für Förder- und Lagerwesen.
In Dortmund gründete er 1973 die Deutsche Gesellschaft für Logistik (DGfL), deren Vorsitz er einnahm. Im Jahr 2000 schlossen sich die Bundesvereinigung Logistik e. V. (BVL) und die DGfL zusammen. 1978 übernahm Jünemann das Amt des Prorektors für Bau- und Raumfragen an der Universität Dortmund. Im Jahr 1980 holte er den Sonderforschungsbereich Materialflusssysteme an die Dortmunder Hochschule. Im darauf folgenden Jahr begann er mit dem Aufbau des Fraunhofer-Instituts für Transporttechnik und Warendistribution (seit 1989 Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML), dessen Geschäftsführung er bis 2000 innehatte.
1982 wurde Jünemann zum Dekan der Fakultät Maschinenbau gewählt und initiierte im gleichen Jahr die „Dortmunder Gespräche“, die mittlerweile älteste deutsche Logistikveranstaltung. Kurze Zeit später regte er den Bau einer autonom und führerlos fahrenden Hänge-Bahn, der H-Bahn, an, die seit 1984 die nördlichen und südlichen Campusteile in Dortmund verbindet. Ebenfalls seit 1984 existiert an der Universität Dortmund der Technologiepark, als dessen Vater Reinhardt Jünemann gilt.
Seit dem Jahr 1987 wurde Reinhardt Jünemann mehrfach geehrt. So wurde ihm am 1. Dezember 1995 der Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen als „Begründer der Industriellen Logistik“ und für seine „friedvolle Definition der Logistik“ verliehen.
Durch seine Initiative wurde 1988 an seiner Fakultät der Zweitstudiengang für Kaufleute der Logistik neu geschaffen. Zehn Jahre später wurde der neue Diplom-Studiengang Logistik an der Dortmunder Universität eingerichtet. Im Jahr 2000 übernahm Jünemann die Geschäftsführung der Projekt Ruhr GmbH. Ein Jahr später wurde er mit 65 Jahren emeritiert. 2001 wählte man ihn zum Ehrenkurator im Wirtschaftskuratorium des Lehrstuhls Förder- und Lagerwesen der Universität Dortmund. Jünemann gab den Anstoß zur Gründung der privaten SRH Hochschule für Logistik und Wirtschaft in Hamm, die den bundesweit ersten Bachelor-Studiengang Logistik anbietet und als deren Gründungsrektor er fungierte. Mit der staatlichen Anerkennung der Fachhochschule durch das Wirtschaftsministerium NRW im September 2005 wurde Hamm zur Hochschulstadt. Für diese Verdienste verlieh ihm der Oberbürgermeister am 11. August 2006 die silberne Ehrenplakette der Stadt Hamm. Bis April 2007 blieb Jünemann Rektor der Einrichtung.
Sein Grab befindet sich auf dem evangelischen Friedhof in Dortmund-Kirchhörde.
Ehrungen
1987: Bundesverdienstkreuz am Bande 1988: Ehrenprofessur der Beijing University of Science and Technology 1990: VDI-Ehrenzeichen 1990: Ehrendoktorwürde von Miskolc 1993: Ehrendoktorwürde der TU Dresden 1995: Ehrenmitgliedschaft der Ungarischen Akademie der Wissenschaften 1995: Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen 2006: Silberne Ehrenplakette der Stadt Hamm
Publikationen (Auswahl)
Literatur Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 589.
Einzelnachweise
Kategorie:Logistikwissenschaftler Kategorie:Maschinenbauingenieur Kategorie:Rektor einer Hochschule in Deutschland Kategorie:Prorektor einer Universität in Deutschland Kategorie:Hochschullehrer (Technische Universität Dortmund) Kategorie:Hochschullehrer (Hamm) Kategorie:Institutsleiter der Fraunhofer-Gesellschaft Kategorie:Träger des Staatspreises des Landes Nordrhein-Westfalen Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande Kategorie:Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Ehrendoktor der Universität Miskolc Kategorie:Ehrendoktor der Technischen Universität Dresden Kategorie:Mitglied der Logistics Hall of Fame Kategorie:DDR-Bürger Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1936 Kategorie:Gestorben 2024 Kategorie:Mann