mini|hochkant=0.9|Wappen derer von Bieberstein Die Bieberstein (auch Biberstein, Biberštejn, Bibersztajn) waren ein von Burg Bieberstein in der Markgrafschaft Meißen stammendes, in Böhmen mit Friedland seit 1278, und in Schlesien und den Lausitzen reich begütertes Adelsgeschlecht.
Geschichte Der erste Vertreter des Biebersteiner Geschlechts ist der 1218 und 1228 auf dem Sächsischen Landding als Urkundenzeuge belegte Günther von Bieberstein.Tom Graber (Hrsg.): Urkundenbuch des Zisterzienserklosters Altzelle. Band 1: 1162–1249. (Codex diplomaticus Saxoniae, Hauptteil 2, Bd. 19). Hannover 2006, Nr. 54 u. 90. Bei dem angeblich von 1217 stammenden Stadtbrief von Löwenberg handelt es sich um eine Fälschung, vgl. Benedykt Zientara: Heinrich der Bärtige und seine Zeit. Politik und Gesellschaft im mittelalterlichen Schlesien. München 2002, S. 141f. Schlesisches Urkundenbuch Bd. 1, Nr. 166. Er saß – obwohl direkte Belege dafür fehlen – auf Burg Bieberstein nördlich von Freibergvgl. Gautsch: Die alten Burgen und Rittersitze um Freiberg. In: Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins 14 (1877) S. 1288ff. Die ersten belegten Besitzer sind 1305 die markgräflichen Ministerialen von Maltitz. Bereits 1289 saß auf Bieberstein Eberhard v. Mylau, vgl. Harald Schieckel: Regesten der Urkunden des sächsischen Landeshauptarchivs Dresden Bd. 1 948–1300. Berlin 1960, Nr. 1575. und gehörte offenbar dem reichsnahen pleißenländischen Adel an. Beredtes Zeugnis dafür ist seine Teilnahme (oder die seines gleichnamigen Sohnes) am Reichstag in Wien 1237.Eine in Znaim ausgestellte Urkunde Wenzels I. nennt ihn im Gefolge des Königs auf dem Weg nach Wien, Regesta Bohemiae et Moraviae, Bd. I, S. 422. Heinrich der Erlauchte befand sich 1237 auf einem Kreuzzug in Preußen. Später ist allerdings auch der Besitz wettinischer Lehen im Burgward Mochau belegt.Cupnitz und Theeschütz, die allerdings als Heiratsgut an Jutta von Bieberstein vergeben waren. Günther von Bieberstein verkauft diese Güter 1251 und entschädigte seine Frau mit dem Erbgut Oleswiz (wohl in Schlesien), vgl. Traugott Märcker: Das Burggrafthum Meissen. (Diplomatische Beiträge zur Geschichte und dem Staatsrechte von Sachsen 1). Leipzig 1842, S. 409f. Schlesisches Urkundenbuch Bd. 3, Nr. 69f. Beziehungen der Biebersteiner zum Adel des Altreichs lassen sich nicht herstellen,Die sich zeitweise auch nach der Burg Bieberstein bei Fulda nennenden Vasallen der Äbte von Fulda gehören dem Geschlecht von der Tann an, s. Codex Diplomaticus Fuldensis, Nr. 836 (online bei Bayerische Staatsbibliothek digital), Urkunde 1250, (Siegel!), Urkunde 1327. Der Burgenname Bieberstein ist ferner kein Traditionsname, sondern leitet sich vom Bach Bobricza, Bieberbach ab, vgl. Gautsch: Die alten Burgen und Rittersitze um Freiberg. In: Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins 14 (1877) S. 1287. so dass ihre soziale Herkunft aus edelfreiem oder ministerialem Stand unentschieden bleiben muss.Harald Schiekel: Herrschaftsbereich und Ministerialität der Markgrafen von Meissen im 12. und 13. Jahrhundert, Untersuchung über Stand und Stammort der Zeugen markgräflicher Urkunden. (Mitteldeutsche Forschungen 7). Köln/Graz 1956, S. 20, 101. Zu diesen wenigen biographischen Details seines Lebens kommt noch die mutmaßliche Teilnahme Günthers am Dritten Kreuzzug.Die Kreuzfahrt des Landgrafen Ludwigs des Frommen von Thüringen. (MGH Dt. Chroniken 4.2). Berlin 1923, S. 288. Die Annahme, es handele sich hier um seinen gleichnamigen Sohn, der von seiner angeblichen Teilnahme am Kreuzzug Friedrichs II. berichtet (vgl. Ebd. S. 200), setzt eine schwerwiegende Verwechslung voraus. Wahrscheinlicher ist, dass der Sohn Günthers die Geschichte seines Vaters am Hof Bolkos I. v. Schweidnitz tradierte, zumal der Dichter keine Zeitzeugenschaft seines Gewährsmannes behauptet.
Günther (I.) hatte drei Söhne, Günther (II.), Rudolf und Ulrich. „Gvntherus et Rudolfus fratres de Biberstein“ werden erstmals 1241 in der Oberlausitzer Grenzurkunde unter den Zeugen genannt. 1245 werden alle drei Brüder zusammen erwähnt.Schlesisches Urkundenbuch 2. Bd., Nr. 300 Ulrich (gest. 13. August 1248/50) – wohl als Ältester – erbte das väterliche Gut Bieberstein. Er ist nur ein einziges Mal als Urkundenzeuge in Schlesien genannt; anders als seine Brüder betraute er nicht das Kloster Kamenz, sondern Altzelle mit seiner Memoria.Nekrolog des Klosters Altzelle, vgl. Julius Helbig: Urkundliche Beiträge zur Geschichte der edlen Herren von Biberstein und ihrer Güter. Reichenberg 1911, Nr. 17. Seine Güter werden nach seinem Tod von seinen Brüdern offenbar relativ schnell veräußert. Das betrifft die Orte Cupnitz und Theeschütz und die Stammburg ebenso wie Zinse im Burgward Mochau; 1290 wird mit dem Patronatsrecht über die Kirche in Mochau der letzte Rest biebersteinschen Besitzes in Sachsen veräußert.Eduard Beyer: Das Cistercienser-Stift und Kloster Alt-Zelle in dem Bisthum Meißen. Dresden 1855, S. 550. Julius Helbig: Urkundliche Beiträge zur Geschichte der edlen Herren von Biberstein und ihrer Güter. Reichenberg 1911, Nr. 69. Günther und Rudolf hingegen suchten wie viele sächsische Adlige nach Aufstiegsmöglichkeiten an den Höfen der schlesischen HerzögeTomasz Jurek: Bibersteinowie i średniowieczne wędrówki niemieckich rycerzy na śląsk. In: Tomasz Jaworski (Hrsg.): Bibersteinowie w dziejach pogranicza śląsko-łużyckiego. Zielona Góra 2006, S. 21–29. und waren dabei überaus erfolgreich. Bereits 1241 sind sie u. a. mit Heinrich von Liebental Zeugen der Oberlausitzer Grenzurkunde,Urkunden des Hochstifts Meissen I, 962–1356. (Codex diplomaticus Saxoniae, Hauptteil 2, Bd. 1). Leipzig 1882, Nr. 121. Im gleichen Jahr zeugt ferner Günther für König Wenzel I. in einer Urkunde für das Kloster Marienthal, vgl. Richard Döhler: Diplomatarium Vallis St. Mariae. In: Neues Lausitzisches Magazin 78 (1902), S. 15f. ein Engagement, dass sich wohl durch die Grenzlage ihrer Güter erklärt. Im Folgenden ist vor allem Günther häufig in Urkunden der Herzöge Boleslaw II. von Schlesien-Liegnitz und Heinrich III. von Schlesien-Breslau genannt. Im Dienste des ersteren ist er vielleicht schon 1243 Kastellan von Glogau, 1247 Kämmerer in Liegnitz, seit 1250 wird ihm gelegentlich der Titel eines „Grafen“ beigelegt.Schlesisches Urkundenbuch Bd. 2, Nr. 252 (1243) Guntherus castellanus de Glogov, Nr. 331 Guntheri de Bibirstein et camerarii de Legniz, Rudolfi fratris eius und Nr. 339 Gunthero camerario de Legniz, Nr. 391 comes Guntherus de Bebirsteyn, Nr. 413 comite Guntero de Beursten, Bd. 3, Nr. 11, Nr. 69f, 104. Zur Bedeutung des Grafentitels in Schlesien vgl. Ambrozy Bogucki, Komes w polskich źródłach średniowiecznych [Comes in polnischen Quellen des Mittelalters], Toruń 1972, S. 52, 109. Für Günther von Biberstein und seine Nachkommen kommt neben der eindeutig belegten Funktion als Burggraf bzw. Kastellan und als hoher fürstlicher Amtmann auch die Möglichkeit in Betracht, dass der Grafentitel aufgrund einer Exemtion ihrer Güter aus dem Landgericht beigelegt wurde. Bei Frankenstein besitzen die Biebersteiner spätestens 1266 das Dorf Stolz und geraten darüber in Streit um Pfarreirechte mit dem Pfarrer in Zadel.Schlesisches Urkundenbuch Bd. 3, Nr. 545. Bereits 1243 bezeugt Günther (II.) eine Schenkung an das nahegelegene Kloster Heinrichau für Herzog Boleslaw II. Schlesisches Urkundenbuch Bd. 2, Nr. 241. Zum Streit mit dem Pfarrer in Zadel vgl. Johannes Anathasius Kopietz: Kirchengeschichte des Fürstentums Münsterberg und des Weichbildes Frankenstein. Frankenstein 1885, S. 9ff. Stolz wird im Folgenden zum Stammsitz einer Linie der Biebersteiner, die sich durch ihre Memorialstiftung im Kloster Kamenz über drei Generationen verfolgen lässt. Ihr gehören die Söhne Günthers (II.) und Juttas, Otto mit seiner Frau Elisabeth und Rudolf (Kanoniker in Breslau) an, sowie der gleichnamige Sohn Ottos.Wilhelm Wattenbach: Schlesische Nekrologien. In: Zeitschrift für Geschichte Schlesiens 4 (1862), S. 319, 321, 332–334.
Neben den unbekannten Dörfern Oleswitz (1253)Schlesisches Urkundenbuch Bd. 3, Nr. 69. und Cadce (1273)villam nomine Cadce et aliam que dicitur Parva villa als Heiratsgut der Jaroslawa, Enkelin des ehemaligen Kastellans von Lebus, gehen in Besitz von Rudolfs Sohn Günther (III.), Kodeks Dyplomatyczny Wielkopolski I, Nr. 451. werden nun auch weitere Besitzungen erkennbar: 1259 zeigt eine Stiftung an das Magdalenenkloster in Naumburg, das Günther (II.) Besitz in Neudorf am Queis hatte; wahrscheinlich gehörte zu diesem auch Siegersdorf und Bienitz, sowie vielleicht auch schon Günthersdorf (Godzieszów).Schlesisches Urkundenbuch Bd. 3, Nr. 282 Neudorf und Bienitz sind später als Pertinenzorte von Siegersdorf belegt, vgl. Hermann Knothe: Geschichte des Oberlausitzer Adels und seiner Güter. Leipzig 1879, S. 640. Das nahegelegene Günthersdorf tritt 1381 unvermittelt als biebersteinscher Besitz entgegen. Es ist erstmals, allerdings als Zubehör zur Landeskrone, im Friedländer Urbar genannt, s. Hermann Hallwich: Friedland vor fünfhundert Jahren. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen, Band 43 (1905), S. 402. Zur Datierung vgl. Zittauer Urkundenbuch, Nr. 465. In Hundfeld besaß sein Sohn Otto ein 1274 durch eine Schenke erweitertes Gut, das er 1281 an Breslauer Bürger verkaufte.Schlesisches Urkundenbuch Bd. 3, Nr. 259, 430. Der Zoll in Lauban, den Johann von Bieberstein 1306 aufhebt, geht eventuell auf älteren gemeinsamen Familienbesitz zurück, da nicht nur seine Brüder, sondern auch Onkel bzw. Vettern beteiligt waren.Codex Diplomaticus Lusatiae Superioris Bd. 1, Nr. 121
1278 erwirbt Rulco von Bieberstein für 800 Mark die Herrschaft Friedland von König Ottokar II. Přemysl und verpflichtet sich zur Heerfolge in dem im selben Jahr beginnenden Krieg gegen König Rudolf von Habsburg.Regesta Bohemiae et Moraviae, Bd. II, Nr. 1111 Damit kämpfen in diesem Jahr offenbar Biebersteiner auf beiden Seiten dieses Konfliktes, denn 1277 hatte bereits Otto von Bieberstein durch Vermittlung Rudolfs die Belehnung durch König Ladislaus von Ungarn mit Gütern erwirkt, die er inzwischen im Norden Ungarns erworben hatte.Monumenta hungariae historica, Nr. 111
Bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts bekleideten verschiedene Biebersteins bedeutende Ämter am Hof in Prag und in verschiedenen Ländern der Krone Böhmens, zuerst 1385/1400 Johann von Bieberstein als Rat König Wenzels.vgl. Ivan Hlavácek: Das Urkunden- und Kanzleiwesen des böhmischen und römischen Königs Wenzel (IV.) 1376–1419. Ein Beitrag zur spätmittelalterlichen Diplomatik. Stuttgart 1970, S. 477. Dann sank der Stern des Friedländer Hauses. Ihren letzten Zweig besaßen die Herrschaften in Forst und Pförten in der Niederlausitz. Seit 1667 sind sie im Mannesstamm erloschen. Die zu Stolz bei Frankenstein in Schlesien gesessene Linie scheint sich weiter nach Oberschlesien und in den Krakauer Bereich verbreitet zu haben.
Mit dem seit 1196 urkundlich belegten Geschlecht der Marschälle von Bieberstein, das seit 1399 auf Burg Bieberstein saß und sich entsprechend benannte, besteht ebenso wenig eine verwandtschaftliche Beziehung wie zu den Rogalla von Bieberstein.
Siehe auch: Sächsische Münzgeschichte#Dynastenbrakteaten
Persönlichkeiten Johann von Bieberstein (1290–1306), auf Friedland Friedrich von Bieberstein (vor 1306?–1360), auf Friedland und Sorau, Gefolgsmann von Kaiser Karl IV. Heinrich von Bieberstein (1341/42) Johann von Bieberstein (* 1342; † 3. Februar 1424 in Sorau), er erbte zusammen mit seinem Bruder Ulrich von B. 1360 die Herrschaften Friedland, und Hammerstein mit Reichenberg (Liberec) in Nordböhmen, sowie mehrere Herrschaften in Schlesien, der Ober- und Niederlausitz, unter diesen: Landskrone, Tauchritz, Sorau, Beeskow u. Storkow Ulrich von Bieberstein (1360–1406) Ulrich von Bieberstein (1428/54), auf Friedland und Forst Wenzel von Bieberstein (1428/54), dessen Bruder, auf Friedland und Forst Friedrich von Bieberstein (1428/54), dessen Bruder, auf Friedland und Forst