mini|Propolis an einer Bienenbeute mini|Propolis am Bein einer Biene mini|Geerntetes Rohpropolis

Die Propolis ( „vor“ und „Stadt“ – wegen des häufigen Vorkommens an den Fluglöchern von Bienenstöcken), auch Vorstoß, Stopfwachs, Bienenharz, Bienenleim, Bienenkittharz, Kittharz oder Kittwachs genannt, ist eine von Bienen hergestellte harzartige Masse mit antibiotischer, antiviraler und antimykotischer Wirkung. Propolis ist ein Gemisch aus vielen unterschiedlichen Stoffen, deren Zusammensetzung stark variieren kann.

Da die Insekten in einem Bienenstock auf engem Raum bei etwa 35 °C und hoher Luftfeuchtigkeit zusammenleben, herrschen dort ideale Bedingungen für die Ausbreitung von Krankheiten. Deshalb dient Propolis den Bienen zum Abdichten von kleinen Öffnungen, Spalten und Ritzen sowie gleichzeitig dazu, in den Stock eingeschleppte oder vorhandene Bakterien, Pilze und andere Mikroorganismen in ihrer Entwicklung zu hemmen oder abzutöten. Hierzu werden verschiedene Oberflächen, wie beispielsweise das Innere der Wabenzellen für die Brut, mit einem hauchdünnen Propolisfilm überzogen. Im Bienenstock vorhandene, von den Bienen nicht entfernbare Fremdkörper oder Unrat werden ebenfalls mit diesem Stoff abgekapselt.Shahin Gavanji, Behrouz Larki: Comparative effect of propolis of honey bee and some herbal extracts on Candida Albicans. In: Chinese Journal of Integrative Medicine. 2015, S. 1–7. doi:10.1007/s11655-015-2074-9.

Entstehung und Zusammensetzung Der Grundstoff wird von Honigbienen als harzige Substanz an Knospen und teilweise an Wunden verschiedener Bäume (in Europa hauptsächlich Birken, Buchen, Erlen, Fichten, Pappeln, Rosskastanien und Ulmen) gesammelt (etwa 55 % Naturharz und Pollenbalsam). Weiterverarbeitet, mit etwa 30 % Wachs, etwa 5 % Pollenanteilen, etwa 10 % ätherischen Ölen aus den Blütenknospen und Speichelsekret (Fermenten) angereichert, handelt es sich um ein bei Stocktemperatur klebriges Baumaterial, das oft noch mit Bienenteilen und kleinsten Holzstücken verunreinigt ist.

Harz und Pollenbalsam der Propolis sind reich an Flavonoiden wie beispielsweise Chrysin, Galangin, Pinocembrin, Pinobanksinacetat, Prenylflavonoid, Isonymphaeol-B, Nymphaeol-A, Nymphaeol-B und Nymphaeol-C.S. Kumazawa et al.: A new prenylated flavonoid from propolis collected in Okinawa, Japan. In: Bioscience, Biotechnology, and Biochemistry. Band 68, Nr. 1, Januar 2004, S. 260–262. PMID 14745198. Auch Gummi, Phenole (Zimtsäure, Cumarsäure, Kaffeesäure, Ferulasäure, Isoferulasäure) und deren Ester sowie PolysaccharideT. Dingermann, K. Hiller, G. Schneider, I. Zündorf: Schneider Arzneidrogen. 5. Auflage. Elsevier 2004, ISBN 3-8274-1481-4, S. 599. sind in Propolis enthalten.

Propolis wird am häufigsten im Herbst von den Bienen in den Bienenstock eingebracht; dies ist vom örtlichen Harzangebot des Baumbestandes abhängig. Ein Bienenvolk kann zwischen 50 und 500 g Propolis pro Jahr einbringen.Elke Langner: Phytochemische und mikrobiologische Untersuchungen von Propolis verschiedener Provenienzen als Beitrag zur Kenntnis der Wirkprinzipien in Propolis. Dissertation. Shaker Verlag (BoD), Berlin 1995.

Gewinnung Der Imker kann an verschiedenen Stellen des Bienenkastens (Magazin-Beute), wo von den Bienen Ritzen o. ä. verkittet wurden, die Propolis abkratzen. Gezielter kann Propolis durch das Auflegen eines speziellen feinmaschigen Kunststoffgitters gewonnen werden. Die Bienen verkitten diese störenden Zwischenräume. Das Gitter wird danach entnommen und in den Gefrierschrank gelegt. Bei diesen tiefen Temperaturen ist Propolis dann sehr spröde und springt beim leichten Biegen des Kunststoffgitters von diesem ab.

Eine weitere Verarbeitung des so gewonnenen Rohstoffs kann dann durch das Auflösen in hochprozentigem Alkohol und anschließendes Herausfiltern von Verunreinigungen erfolgen.

Analytik Aufgrund der komplexen Zusammensetzung werden für die qualitative und quantitative Analytik Verfahren der hochauflösenden HPLC in Kopplung mit der Massenspektrometrie eingesetzt.M. I. Stavropoulou, A. Termentzi, K. M. Kasiotis, A. Cheilari, K. Stathopoulou, K. Machera, N. Aligiannis: Untargeted Ultrahigh-Performance Liquid Chromatography-Hybrid Quadrupole-Orbitrap Mass Spectrometry (UHPLC-HRMS) Metabolomics Reveals Propolis Markers of Greek and Chinese Origin. In: Molecules. Band 26, Nr. 2, 16. Jan 2021, S. 456. PMID 33467182 Auch die Gaschromatographie mit Massenspektrometrie-Kopplung kommt nach angemessener Probenvorbereitung zum Einsatz zur Bestimmung der Propolisinhaltsstoffe.H. Afrouzan, A. Tahghighi, S. Zakeri, Es-haghi A: Chemical Composition and Antimicrobial Activities of Iranian Propolis. In: Iranian Biomedical Journal. Band 22, Nr. 1, 1. Januar 2018, S. 50–65, PMID 28558440.K. Georgieva, M. Popova, L. Dimitrova, B. Trusheva, L. N. Thanh, D. T. L. Phuong, N. T. P. Lien, H. Najdenski, V. Bankova: Phytochemical analysis of Vietnamese propolis produced by the stingless bee Lisotrigona cacciae. In: PLoS One. Band 14, Nr. 4, 24. April 2019, Artikel e0216074, PMID 31017965. Die genannten Verfahren können ebenfalls zur Bestimmung von Pestiziden in Propolisprodukten eingesetzt werden.R. Tomšič, D. Heath, E. Heath, J. Markelj, A. Kandolf Borovšak, H. Prosen: Determination of Neonicotinoid Pesticides in Propolis with Liquid Chromatography Coupled to Tandem Mass Spectrometry. In: Molecules. Band 25, Nr. 24, 11. Dez 2020, S. 5870, PMID 33322588.

Eigenschaften Propolis ist eine braungelbe, harzartige Masse mit aromatischem Geruch. Sie löst sich nur teilweise in Wasser und in Ethanol. Als Naturstoffgemisch hat Propolis vielfältige Wirkungen.

Antioxidative Wirkung Propolis soll oxidativem Stress entgegenwirken. Im Tierversuch wurde an Ratten die Bindung reaktiver Sauerstoffspezies („Radikalfänger“) durch Propolis gezeigt.Gokhan Eraslan, Murat Kanbur, Sibel Silici: Evaluation of propolis effects on some biochemical parameters in rats treated with sodium fluoride. In: Pesticide Biochemistry and Physiology. Band 88, Nr. 3, Juli 2007, S. 273–283.R. Padmavathi et al.: Therapeutic effect of paclitaxel and propolis on lipid peroxidation and antioxidant system in 7,12 dimethyl benz(a)anthracene-induced breast cancer in female Sprague Dawley rats. In: Life Sciences. Band 78, Nr. 24, 8. Mai 2006, S. 2820–2825. PMID 16375927. Hierfür werden antioxidativ wirksame prenylierte Flavonoide verantwortlich gemacht.

Antimikrobielle und virostatische Wirkung Die antibiotischen Wirkungen von wässrigen und alkoholischen Propolis-Extrakten sowie einzelner Propolis-Inhaltsstoffe wurden im Agardilutionstest und Agardiffusionstest gegenüber grampositiven und gramnegativen Keimen nachgewiesen. Darüber hinaus wurde eine antivirale Wirkung gegenüber Rhinoviren und Herpesviren im Plaque-Reduktionstest festgestellt. Propolis wirkt wachstumshemmend auf Candida albicans und Hautpilze (Dermatophyten).

Propolis zeigte im Tierversuch an Mäusen bakterizide, antimykotische und virostatische Wirkung.T. Shimizu et al.: Anti-influenza virus activity of propolis in vitro and its efficacy against influenza infection in mice. In: Antiviral chemistry & chemotherapy. Band 19, Nr. 1, 2008, S. 7–13. PMID 18610553. Einige der Wirkungen werden mit denen der Flavonoide für vergleichbar gehalten.I. Kosalec et al.: Flavonoid analysis and antimicrobial activity of commercially available propolis products. In: Acta Pharmaceutica. Band 55, Nr. 4, Dezember 2005, S. 423–430. PMID 16375832.T. P. Cushnie, A. J. Lamb: Antimicrobial activity of flavonoids. In: International Journal of Antimicrobial Agents. Band 26, Nr. 5, November 2005, S. 343–356. PMID 16323269; Erratum. In: Int J Antimicrob Agents. Band 27, Nr. 2, Februar 2006, S. 181. Die antibakterielle Wirkung wird Pinocembrin und Galangin, die antimykotische und virostatische Wirkung Pinocembrin und Kaffeesäure-estern – vor allem dem Kaffeesäure-2-phenylethylester  – zugeschrieben.E. Teuscher: Biogene Arzneimittel. 5. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 1997, ISBN 3-8047-1482-X, S. 199.

Wundheilung fördernde Wirkung Propolis soll die Wundheilung fördern. Für die Granulationsförderung werden Apigenin und Luteolin verantwortlich gemacht.

Zytotoxische Eigenschaften Propolis hat eine zytotoxische Wirkung.M. N. Draganova-Filipova et al.: Effects of propolis and CAPE on proliferation and apoptosis of McCoy-Plovdiv cell line. In: Folia medica (Plovdiv). Band 50, Nr. 1, 2008, S. 53–59. PMID 18543789.M. S. Weng: Propolin H from Taiwanese propolis induces G1 arrest in human lung carcinoma cells. In: Journal of Agricultural and Food Chemistry. Band 27, Nr. 55 (13), Juni 2007, S. 5289–5298. PMID 17530771.C. N. Chen, C. L. Wu, J. K. Lin: Apoptosis of human melanoma cells induced by the novel compounds propolin A and propolin B from Taiwenese propolis. In: Cancer Letters. Band 245, Nr. 1–2, 8. Jan 2007, S. 218–231. PMID 16516378.Y. Aliyazicioglu et al.: Effects of Turkish pollen and propolis extracts on respiratory burst for K-562 cell lines. In: International Immunopharmacology. Band 5, Nr. 11, Oktober 2005, S. 1652–1657. PMID 16039555. So konnte es etwa im Tierversuch an Mäusen das Wachstum von eingepflanzten Krebstumoren hemmen.Nada Oršolić et al.: Honey-bee products in prevention and/or therapy of murine transplantable tumours. In: Journal of the Science of Food and Agriculture. Band 85, Nr. 3, 2005, S. 363, doi:10.1002/jsfa.2041.

Allergenität Durch verschiedene enthaltene Kaffeesäure-Derivate (Kaffeesäure-(1,1-dimethylallylester) sowie weitere Kaffeesäure-Ester), Benzylcinnamat und Benzylsalicylat wirkt Propolis als Kontaktallergen. Sowohl bei Anwendung als Arzneimittel als auch bei äußerlicher Anwendung in kosmetischen Mitteln wurden in Zusammenhang mit Propolis (kontakt)allergische Reaktionen beschrieben. Auch über vereinzelte Verdachtsfälle allergischer Reaktionen nach oraler Zufuhr wurde berichtet.

Verwendung Haltbarmachung Im Alten Ägypten wurde Propolis bei der Einbalsamierung von Mumien verwendet.

Oberflächenbeschichtung Propolis kann zur Herstellung von Holzlasur verwendet werden. Auch zur Herstellung von Geigenlack für Cremoneser ViolinenErwin von Grüner: Gitarre und Klangfarbe. Der Weg zu einer neuen Konzeption der Gitarre. In: Gitarre & Laute. Band 3, Nr. 5, 1981, S. 12. wurde Propolis verwendet.

Gesundheitsbezogene Verwendung Propolis wurde und wird in einem breiten Spektrum von Anwendungsgebieten therapeutisch genutzt,Werner Golder: Propolis – das Kittharz der Bienen im Schrifttum der Antike. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 23, 2004, S. 139–143. wozu verschiedene Darreichungsformen wie etwa Tinkturen, Salben, Mundwässer, Lutschtabletten, Nasensprays und Kapseln zum Einsatz kommen.

Äußerlich wird Propolis vorbeugend und therapeutisch bei Irritationen, Entzündungen und Verletzungen der Haut (Sonnenbrand, kleinere Schnitt- oder Schürfwunden, Ekzeme, medizinische Fußpflege) und Schleimhaut (medizinische Zahn- und Mundhygiene, kleinere Verletzungen im Mundraum, Aphthen, Entzündungen der Analschleimhaut) verwendet. Ethanolische Sprays und Lutschpastillen werden zum Schutz vor Infektionen und zur unterstützenden Behandlung bei leichten Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenraum angewendet. Auch in Pflegeprodukten für Haut und Haare wird Propolis verwendet. Lokal wird Propolis in Einreibungen und Salben zur Linderung rheumatischer Beschwerden benutzt.