mini|Rauchschwalbe (Hirundo rustica) Die Schwalben (Hirundinidae) sind eine artenreiche Familie der Ordnung Sperlingsvögel (Passeriformes), Unterordnung Singvögel (Passeres). Schwalben haben ein sensibles Gehör, sie kommunizieren ununterbrochen in einer großen Bandbreite an Lauten miteinander. Sie ernähren sich von Fluginsekten, in Mitteleuropa sind sie Zugvögel. Der typisch gegabelte Schwalbenschwanz war für andere Dinge (z. B. diesen Schmetterling oder diese Verbindungstechnik) namensgebend, ebenso wie der charakteristische Nestbau (z. B. für die Burgruine Schwalbennest oder die Schwalbennestorgel).
Die nach einem historischen Synonym der Schwalben benannten Schwalme (inklusive der Familie der Nachtschwalben), die mit diesen verwandten und äußerlich schwalbenähnlichen Segler sowie die so genannten, mit Möwen verwandten Seeschwalben sind nicht näher mit den Schwalben verwandt und auch keine Singvögel.
Merkmale Schwalben haben einen schlanken, stromlinienförmigen Körper, einen kurzen Hals und lange, spitze Flügel mit 10 Handschwingen, von denen die äußerste Schwinge extrem reduziert ist. Der Schnabel ist kurz mit breitem Schnabelspalt und kann weit geöffnet werden. Die Füße sind winzig und geeignet zum Greifen, wenig zum Gehen. Der bei vielen Arten lange Schwanz zählt 12 Steuerfedern und ist oft gegabelt. Die Bronchialringe des Stimmkopfes (Syrinx) sind mehr oder weniger komplett.
Die Geschlechter sind einander in Größe und Befiederung ähnlich, die äußeren Schwanzfedern der Weibchen können allerdings kürzer als die der Männchen sein. Jungvögel sind matter gefärbt mit kürzeren äußeren Schwanzfedern. Die Schwalbenarten sind sich recht ähnlich und unterscheiden sich oft nur wenig in Größe oder in Details der Befiederung.
Verhalten Ernährung und Flughöhe Charakteristisch für die Schwalben ist ihre Anpassung an den Nahrungserwerb in der Luft: Sie erbeuten vor allem Fluginsekten. Die Flughöhe dieser Insekten erhöht sich bei Hochdruck massiv. Daher kann man aus einer geringen Flughöhe der Schwalben auf die Flughöhe ihrer Beutetiere und damit auf Tiefdruck schließen. mini|Schwalben sammeln sich im Herbst auf Stromleitungen Da im Winter das Aufkommen an Fluginsekten in Nord- und Mitteleuropa vermindert ist, müssen Schwalben dann in ihre Winterquartiere ziehen. mini|Zwei junge Mehlschwalben im Nest, Schweriner Schloss
mini|Schwalbe im Wappen von Schorndorf-Miedelsbach
Nestbau Der Nestbau der Schwalben ist charakteristisch und wird primär an schlecht zugänglichen Stellen ausgeführt. Für den Bau sind besonders gut klebende Körpersekrete erforderlich, die im Schwalbenspeichel bereitgestellt werden. Die Evolution dieses Nestbauverhaltens und der dafür erforderlichen endogen erzeugten Stoffe erlaubt phylogenetische Rückschlüsse. mini|Jungvögel Koloniebildende Schwalben wie Hirundo pyrrhonota tendieren dazu, ihre Eier Nachbarn zum Bebrüten unterzuschieben (in Kolonien mit mehr als zehn Nestern).
Verbreitung Schwalben kommen auf allen Kontinenten, abgesehen von der Antarktis, vor. Viele Arten sind auf engere Verbreitungsgebiete beschränkt, die Rauchschwalbe und die Uferschwalbe sind beiderseits des Atlantiks anzutreffende Zugvögel. In Mitteleuropa sind vier Arten heimisch: Felsenschwalbe (Ptyonoprogne rupestris) Mehlschwalbe (Delichon urbica) Rauchschwalbe (Hirundo rustica) Uferschwalbe (Riparia riparia)
Systematik Die Familie umfasst 2 Unterfamilien, 20 Gattungen und etwa 88 Arten. Die Einteilung berücksichtigt auch molekularbiologische Untersuchungen. mini| Sumpfschwalbe (Tachycineta bicolor), Alaska mini|Schwalben auf Nahrungssuche in Ystad 2025. Unterfamilie Pseudochelidoninae Pseudochelidon – 2 Arten Rotaugenschwalbe (Pseudochelidon eurystomina) Weißaugenschwalbe (Pseudochelidon sirintarae) Unterfamilie Hirundininae Psalidoprocne – 5 Arten Grünglanzschwalbe (Psalidoprocne nitens) Kamerunschwalbe (Psalidoprocne fuliginosa) Weißkopfschwalbe (Psalidoprocne albiceps) Erzschwalbe (Psalidoprocne pristoptera) Scherenschwanzschwalbe (Psalidoprocne obscura) Pseudhirundo Graubürzelschwalbe (Pseudhirundo griseopyga) Cheramoeca Weißrückenschwalbe (Cheramoeca leucosterna) Phedina – 2 Arten Maskarenenschwalbe (Phedina borbonica) Brazzaschwalbe (Phedina brazzae) Riparia – 6 Arten Braunkehl-Uferschwalbe (Riparia paludicola) Graukehl-Uferschwalbe (Riparia chinensis) Kongouferschwalbe (Riparia congica) Uferschwalbe (Riparia riparia) Fahluferschwalbe (Riparia diluta) Weißbrauen-Uferschwalbe (Riparia cincta) Tachycineta – 9 Arten Sumpfschwalbe (Tachycineta bicolor) Mangroveschwalbe (Tachycineta albilinea) Tumbesschwalbe (Tachycineta stolzmanni) Cayenneschwalbe (Tachycineta albiventer) Weißbürzelschwalbe (Tachycineta leucorrhoa) Chileschwalbe (Tachycineta leucopyga) Antillenschwalbe (Tachycineta euchrysea) Veilchenschwalbe (Tachycineta thalassina) Bahamaschwalbe (Tachycineta cyaneoviridis) Progne – 9 Arten Purpurschwalbe (Progne subis) Kubaschwalbe (Progne cryptoleuca) Karibikschwalbe (Progne dominicensis) Sinaloaschwalbe (Progne sinaloae) Graubrustschwalbe (Progne chalybea) Galapagosschwalbe (Progne modesta) Peruschwalbe (Progne murphyi) Blauschwalbe (Progne elegans) Braunbrustschwalbe (Progne tapera) Notiochelidon – 3 Arten Mausschwalbe (Notiochelidon murina) Blassfußschwalbe (Notiochelidon flavipes) Kappenschwalbe (Notiochelidon pileata) Pygochelidon – 2 Arten Schwarzsteißschwalbe (Pygochelidon cyanoleuca) Halsbandschwalbe (Pygochelidon melanoleuca) Haplochelidon Andenschwalbe (Haplochelidon andecola) Atticora Weißbandschwalbe (Atticora fasciata) Neochelidon Weißhosenschwalbe (Neochelidon tibialis) Stelgidopteryx – 2 Arten Graukehlschwalbe (Stelgidopteryx serripennis) Zimtkehlschwalbe (Stelgidopteryx ruficollis) Alopochelidon Fuchsschwalbe (Alopochelidon fucata) Hirundo – 15 Arten Rostbauchschwalbe (Hirundo nigrorufa) Stahlschwalbe (Hirundo atrocaerulea) Scheckflügelschwalbe (Hirundo leucosoma) Weißschwanzschwalbe (Hirundo megaensis) Perlbrustschwalbe (Hirundo dimidiata) Tahitischwalbe (Hirundo tahitica) Hügelschwalbe (Hirundo domicola) Südseeschwalbe (Hirundo javanica) Glücksschwalbe (Hirundo neoxena) Weißkehlschwalbe (Hirundo albigularis) Rotkappenschwalbe (Hirundo smithii) mini|Rotkappenschwalbe (Hirundo smithii) Medaillonschwalbe (Hirundo nigrita) Rauchschwalbe (Hirundo rustica) Angolaschwalbe (Hirundo angolensis) Singschwalbe (Hirundo lucida) Fahlkehlschwalbe (Hirundo aethiopica) Ptyonoprogne – 4 Arten Felsenschwalbe (Ptyonoprogne rupestris) Wüstenschwalbe (Ptyonoprogne obsoleta) Steinschwalbe (Ptyonoprogne fuligula) Einfarbschwalbe (Ptyonoprogne concolor) Delichon – 3 Arten Mehlschwalbe (Delichon urbicum) Kaschmirschwalbe (Delichon dasypus) Nepalschwalbe (Delichon nipalensis) Cecropis – 9 Arten Kaprötelschwalbe (Cecropis cucullata) Rötelschwalbe (Cecropis rufula) (nicht in Barthel) Strichelrötelschwalbe (Cecropis daurica), früher (Barthel) Rötelschwalbe (nicht mehr gültiger Name) (Cecropis striolata), früher (Barthel) „Strichelrötelschwalbe“ (nicht mehr gültiger Name), jetzt (Cecropis daurica striolata) Savannenrötelschwalbe (Cecropis melanocrissus) (nicht in Barthel) Weißbauch-Rötelschwalbe (Cecropis domicella) jetzt Cecropis melanocrissus domicella Rostbauch-Rötelschwalbe (Cecropis hyperythra) Thairötelschwalbe (Cecropis badia) Zwergrötelschwalbe (Cecropis abyssinica) Rostbrust-Rötelschwalbe (Cecropis semirufa) Senegalrötelschwalbe (Cecropis senegalensis) Petrochelidon – 11 Arten, z. B.: Rotkehlschwalbe (Petrochelidon rufigula) Rostschläfenschwalbe (Petrochelidon preussi) Rotmeerschwalbe (Petrochelidon perdita) Klippenschwalbe (Petrochelidon spilodera) Bronzeschwalbe (Petrochelidon fuliginosa) Braunscheitelschwalbe (Petrochelidon fluvicola) Arielschwalbe (Petrochelidon ariel) Baumschwalbe (Petrochelidon nigricans) Fahlstirnschwalbe (Petrochelidon pyrrhonota) Höhlenschwalbe (Petrochelidon fulva) Rotnackenschwalbe (Petrochelidon rufocollaris)
mini|Schwalbenkolonie in Pisciotta/Italien
Koexistenz mit dem Menschen Nestbau an Häusern Schwalben sind Insektenvertilger und daher schon lange in der Landwirtschaft willkommen. Ihre Nester an Gebäuden werden traditionell vom Menschen respektiert. Die an nicht landwirtschaftlich genutzten Wohnhäusern errichteten Nester der Mehlschwalben werden allerdings häufig wegen der Verschmutzung der Hauswände durch Nistbaumaterial und Kotausscheidungen der Schwalben von den Hausbewohnern beseitigt, obwohl dies nach dem deutschen Bundesnaturschutzgesetz verboten ist ( Abs. 1 BNatSchG).Andreas Lukas/Felicia Petersen: , Informationsdienst Umweltrecht, abgerufen am 13. Januar 2015 mini|Schwalbenhaus Durch Anbringen von Kotbrettern lässt sich die Verschmutzung verhindern.
Schwalbenhäuser Seit den 1990er Jahren werden Schwalbenhäuser als künstliche Nisthilfen für Schwalben eingerichtet. Durch die Aufgabe landwirtschaftlicher Betriebe gingen viele Nistplätze der Rauchschwalben in Ställen verloren. Schwalbenhäuser bieten den koloniebrütenden Vögeln eine neue Möglichkeit, Nachwuchs groß zu ziehen.
Volkskunde und andere Namen Schon im Altertum wurden Schwalben als heilig angesehen. Im Mittelalter wurden Schwalben als Glücksbringer und Frühlingsboten verehrt. Schwalben werden nach folgenden Bauernregeln auch „Muttergottesvögel“ genannt, im badischen Raum bekannt sind: „Am Tage von Maria Geburt fliegen die Schwalben furt.“ (8. September) „Marienverkündigung kommen sie wiederum.“ (25. März) „Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.“ (Äsop) „Wenn Schwalben niedrig fliegen, wird man Regenwetter kriegen. Fliegen sie bis in die Höh’n, bleibt das Wetter noch recht schön!“
Besonders im oberdeutschen Raum kennt man verschiedene Schwalbenarten unter dem Namen Spi(e)r oder Spi(e)re.Schweizerisches Idiotikon, Band X, Spalten 448–451, Lemma Spīr II mit Zusammensetzungen (Digitalisat).
Weblinks
Detaillierte Informationen zu Schwalben und Schwalbenhäusern Stiftung Warentest: Gerichtsurteil zu Schwalbennestern an Hauswänden in: test 04/2006 Ungeliebte Untermieter: Artikel über Schwalbenschutz an Gebäuden Rechtlicher Schutz von Schwalben und ihren Nestern
Einzelnachweise Angela Turner, Chris Rose: A Handbook to the Swallows and Martins of the World. Christopher Helm, 1989, ISBN 978-0-7136-4206-3 Handbook to the Swallows and Martins of the World, S. 1. Gerrit Stratmann: Warum kann man aus dem Schwalbenflug das Wetter ablesen?, DeutschlandRadio Berlin, 9. August 2004, abgerufen am 4. September 2014. zitiert aus ehemaliger Webseite des NABU: Aufzucht und Pflege junger Schwalben, von 2001.
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