mini|hochkant|Otto Dix um 1933 (Fotografie von Hugo Erfurth) Wilhelm Heinrich Otto Dix (* 2. Dezember 1891 in Untermhaus, heute Stadtteil von Gera; † 25. Juli 1969 in Singen am Hohentwiel) war ein deutscher Maler und Grafiker des 20. Jahrhunderts.
Otto Dix’ Werk ist von stilistischer Vielfalt geprägt, bleibt jedoch in seiner künstlerischen Grundhaltung dem Realismus verpflichtet. Am bekanntesten sind diejenigen seiner Gemälde, die der Neuen Sachlichkeit (Verismus) zugerechnet werden.
Leben Kindheit und Jugend mini|Otto-Dix-Haus in Gera: Geburtshaus des Malers, seit 1991 Museum Otto Dix wurde in der Gemeinde Untermhaus bei Gera als Sohn von Ernst Franz Dix (* 1862; † 27. Juli 1943) und dessen Frau Pauline Louise Dix geb. Amann (* 1864; † 26. August 1953) geboren. Sein Vater war in einer Eisengießerei als Former tätig. Die Mutter, eine Näherin, war musisch und künstlerisch interessiert. Sie war eine Cousine des Malers Fritz Amann. Als er diesem als Kind Modell saß, kam bei Dix der Wunsch auf, Maler zu werden. So wuchs Otto Dix, der sich selbst immer als Arbeiterkind sah, in zwar einfachen, jedoch nicht mittellosen und keineswegs ungebildeten Verhältnissen auf.
Nachdem ihn während seiner Schulzeit der Zeichenlehrer Ernst Schunke sehr gefördert hatte, absolvierte Dix von 1905 bis 1909 eine Lehre bei dem Geraer Dekorationsmaler Carl Senff. Ein Stipendium des Fürsten von Reuß ermöglichte ihm das Studium an der Kunstgewerbeschule Dresden (1910–1914) unter anderem bei Johann Nikolaus Türk und Richard Guhr. Er setzte sich mit der Geschichte der Malerei auseinander und studierte die Alten Meister in der Dresdner Gemäldegalerie; parallel dazu entstanden spätimpressionistische und expressionistische Werke. Schon vor dem Ersten Weltkrieg wandte er sich der Avantgarde zu und experimentierte mit kubistischen und futuristischen Formen.
Erster Weltkrieg und Weimarer Republik Dix wurde im August 1914 als (ungedienter) Ersatz-Reservist eingezogen und zunächst im Feldartillerie-Regiment 48, Dresden, einexerziert. Er war bei der Feldartillerie und als Maschinengewehr-Schütze an der West- und Ostfront eingesetzt. Sein zuletzt erreichter Dienstgrad war Vizefeldwebel. Während des Kriegs entstanden futuristische Zeichnungen und Gouachen, die Aspekte des Kriegsgeschehens thematisieren.
Nach der Rückkehr nach Dresden nahm er ein Studium an der Akademie der bildenden Künste auf, nicht zuletzt aus pragmatischen und finanziellen Gründen; als Meisterschüler von Otto Gussmann konnte er im Sommer 1919 ein Freiatelier im Gebäude der ehemaligen Polytechnischen Schule am Antonsplatz beziehen. Parallel dazu agierte er als freischaffender Künstler: Als Gründungsmitglied der Dresdner Sezession Gruppe 1919 beteiligte er sich an den Gruppenausstellungen in Dresden und deutschlandweit. Seit 1919 stand er in Kontakt mit den Berliner Dadaisten. 1919/1920 schuf er Dada-Gemälde mit Collage-Elementen, bewegliche Bilder und Dada-Puppen; 1920 nahm er an der Ersten Internationalen Dada-Messe teil. In den folgenden Jahren entstand sein Hauptwerk Schützengraben, das bedeutendste Kriegs- bzw. Anti-Kriegsbild seiner Zeit.
Im Herbst 1922, nach dem turnusgemäßen Verlust seines Dresdner Freiateliers, zog Dix nach Düsseldorf, wo er an der dortigen Kunstakademie von Heinrich Nauen ein Meisterschüler-Atelier erhielt. Der Werkstattleiter Wilhelm Herberholz unterrichtete Dix in grafischen Techniken. Am 1. Februar 1923 heiratete er die vier Jahre jüngere Martha Koch geb. Lindner (1895–1985), die er 1921 kennengelernt hatte. Sie war von dem Urologen Hans Koch geschieden und hatte zwei Kinder.
Dix bewegte sich im Umfeld der Galeristin Johanna Ey und trat der Künstlervereinigung Das Junge Rheinland bei, dann der Rheingruppe. Für das Wallraf-Richartz-Museum kaufte Hans Friedrich Secker 1923 den Schützengraben an, der zur Sensation der neueröffneten Neuen Galerie wurde. Heftige Diskussionen über dessen politische Tendenz beherrschten nun die Feuilletons. Im Jahr 1924 – anlässlich des Antikriegsjahres – wurde das Gemälde in der Preußischen Akademie der Künste ausgestellt. Aus gleichem Anlass gab der Kunsthändler Karl Nierendorf Dix’ Grafikmappe Der Krieg mit fünfzig Radierungen heraus.
1925 zog Dix nach Berlin; in diesem Jahr nahm er auch an der Wanderausstellung Neue Sachlichkeit teil, die den neuen realistischen Tendenzen in der Malerei ihren Titel gab. Sein Werk sollte die Kunstrichtung entscheidend prägen. Das Jahr 1926 brachte zwei wichtige Einzelausstellungen: in der Galerie Neumann-Nierendorf in Berlin und in der Galerie Thannhauser in München. Er war auch prominent an der Internationalen Kunstausstellung in Dresden vertreten, einer Vorläuferausstellung der documenta in Kassel. Nach einer Begegnung mit dem Bildhauer Arno Breker bei dessen Kunsthändler Alfred Flechtheim in Berlin 1926 gestaltete Breker eine Porträtbüste von Dix.
mini|hochkant|Otto Dix um 1929 (Fotografie von Hugo Erfurth) Von 1927 an bis 1933 hatte Dix eine Professur an der Kunstakademie Dresden als Nachfolger von Otto Gussmann (1869–1926) inne, mittlerweile gehörte er auch zum erweiterten Vorstand des Deutschen Künstlerbunds. Nach einer Serie großformatiger Porträts entstand 1927/1928 das Triptychon Großstadt, 1932 vollendete er das Triptychon Der Krieg. 1931 wurde Dix Mitglied der Preußischen Akademie der Künste.
Zeit des Nationalsozialismus Nach der Machtergreifung des NS-Regimes im Januar 1933 war Dix einer der ersten Kunstprofessoren, die entlassen wurden. Sein Kollege Georg Lührig übernahm zunächst den Unterricht seiner Meisterschüler im Zeichnen, wurde aber selbst im Jahr darauf entlassen. Die erst kürzlich zuvor auf Dix eingetragene Immobilie in Düsseldorf-Unterbilk wurde zwangsversteigert.Zwangsversteigerungssachen am 20. Februar 1934, Gerichtsstelle Mühlenstraße 34: 3. Eingetragener Eigentümer am 3. November 1933 Otto Dix, Maler zu Düsseldorf, a) Wohnhaus, b) Werkstätte, c) Hintergebäude, Konkordiastraße 94 a/b in Öffentlicher Anzeiger Nr. 1, Düsseldorf, Samstag den 6. Januar 1934. Dix versuchte anfangs, sich als freischaffender Maler in Dresden zu halten; dort entstand beispielsweise noch das an die Alten Meister erinnernde Gemälde Die sieben Todsünden. Er zog sich im Herbst 1933 vor den Diffamierungen nationalsozialistischer Künstler nach Süddeutschland zurück.
Dort wohnte er zuerst im Schloss Randegg, das sich im Besitz von Hans Koch befand, und ab 1936 in einem eigenen Haus in Hemmenhofen am Bodensee. Er zeichnete und malte die Landschaft des Hegau und die Uferlandschaft des Untersees auf der Halbinsel Höri.
Bis 1936 blieb er in der deutschen Kunstszene präsent, stellte sogar in Berlin sowie auf der letzten Jahresausstellung des anschließend verbotenen Deutschen Künstlerbundes im Juli 1936 im Hamburger Kunstverein aus1936 verbotene Bilder, Ausstellungskatalog zur 34. Jahresausstellung des DKB in Bonn, Deutscher Künstlerbund, Berlin 1986 (S. 38/39: Otto Dix)., verfiel dann aber gänzlich der Verfemung als „entartet“.
1937 wurde im Rahmen der deutschlandweiten konzertierten Aktion „Entartete Kunst“ aus Museen und öffentlichen Sammlungen eine große Zahl seiner Werke beschlagnahmt. Arbeiten wurden in der Propaganda-Ausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt und unter anderem als „gemalte Wehrsabotage“ diffamiert. Dix durfte von nun an nicht mehr ausgestellt werden.
Dix gehörte zu den 18 Künstlern, die in der im Juni 1939 erstellten geheimen Materialsammlung des Reichssicherheitshauptamts Erfassung führender Männer der Systemzeit aufgeführt sind. Im November 1939, zwei Wochen nach dem Attentat auf Hitler im Münchner Bürgerbräukeller, inhaftierte die Gestapo Otto Dix vorübergehend. Dix zog sich danach in die innere Emigration zurück, erhielt aber weiterhin Privataufträge. So malte er für den Besitzer der Köstritzer Schwarzbierbrauerei im altmeisterlichen Stil eine Darstellung des Heiligen Christophorus. Häufig war Dix in dieser Zeit in Chemnitz zu Gast, wo ihn die Familie des Zahnarztes Köhler und die Margarinefabrikanten Max und Fritz Niescher mit Einladungen, Auftragswerken und dem Ankauf von Werken unterstützten.
1945 wurde Dix zum Volkssturm eingezogen und geriet in französische Kriegsgefangenschaft. Er kam in ein Lager in Colmar im Elsass, in dem von 6000 Häftlingen viele starben. Als seine Identität festgestellt wurde, durfte Dix im Lager als Künstler arbeiten. Er kehrte im Februar 1946 nach Hemmenhofen zurück.Mirko Krüger: Der Meister des Todes. In: Thüringische Landeszeitung vom 9. Februar 2017.
Nachkriegszeit und Tod mini|Otto Nagel gratuliert Otto Dix (rechts) zu der Ernennung zum Korrespondierenden Mitglied der Deutschen Akademie der Künste, 1957 1945 wandte sich Dix von der altmeisterlichen Lasurmalerei wieder der modernen Alla-Prima-Malerei zu und kehrte zum expressionistischen Malstil seiner Frühzeit zurück. Nach 1945 blieb Dix ein Außenseiter in den zwei sich auch künstlerisch mehr und mehr voneinander entfremdenden deutschen Staaten: Er konnte sich weder mit dem Sozialistischen Realismus der DDR noch mit der abstrakten Nachkriegskunst der BRD identifizieren. Dennoch erfuhr er in beiden Staaten hohe Anerkennung und zahlreiche Ehrungen. Viele Arbeiten des Spätwerks sind von christlicher Thematik geprägt.
Nach dem Krieg hielt sich Dix regelmäßig zu Arbeitsaufenthalten in Dresden auf. Dort hatte er ein Atelier, in der Siebdruckerei für Bildende Künste ließ er seine Lithografien drucken. Einen Großteil dieser in Dresden entstandenen Werke ließ er über die Kunsthandlung NOVA seines Freundes Horst Kempe vertreiben, der auch den Ankauf von Bildern Dix’ durch Dresdner Museen vermittelte. In Dresden hatte er auch seine „Zweitfamilie“, Käthe König und ihre gemeinsame Tochter Katharina (* 1939).Birgit Jooss: Süßer Schatz und süßes Schätzchen. Otto Dix’ Briefe an Käte und Katharina Koenig in Dresden. In: Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums 2014. (hrsg. von G. Ulrich Großmann) Nürnberg 2015, S. 127–144. Seine Frau Martha wohnte weiterhin mit den drei Kindern im großen Haus in Hemmenhofen. Als im Jahr 1949 in Zusammenhang der Wiederbesetzung einer vakanten Malereiprofessur an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart von Willi Baumeister der Name Otto Dix in Vorschlag gebracht wurde und der Akademiesenat die Vorlage von Arbeitsproben verlangte, lehnte Dix entschieden ab.Wolfgang Kermer: Daten und Bilder zur Geschichte der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Edition Cantz, Stuttgart 1988. (= verbesserter Sonderdruck aus: Die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Eine Selbstdarstellung. Edition Cantz, Stuttgart 1988), o. P. . Die Stelle bekam Manfred Henninger.
1959 erhielt er das Große Bundesverdienstkreuz und den Cornelius-Preis der Stadt Düsseldorf.Cornelius-Preis 1959: Prof. Otto Dix (Maler), Hemmenhofen; Prof. Ludwig Gies (Bildhauer), Köln, in Verwaltungsbericht der Landeshauptstadt Düsseldorf vom 1. April 1959 bis zum 31. Dezember 1960, S. 154. Für den Nationalpreis der DDR war er 1950 erfolglos vom Geraer Kulturbund vorgeschlagen worden.
mini|Max Frisch und Otto Dix in der Werkstatt für künstlerische Lithografie von Erker-Presse St. Gallen mit der Lithografie Max Frisch II, Foto: Jack Metzger, Comet Photo, Bildarchiv der ETH-Bibliothek, Zürich, 1967 In den 1960er Jahren veranstaltete Dix zahlreiche Ausstellungen und erhielt Ehrungen und Preise in beiden Teilen Deutschlands. Anlässlich seines 75. Geburtstags verlieh ihm die Stadt Gera 1966 die Ehrenbürgerwürde, 1967 wurde er mit dem Lichtwark-Preis in Hamburg und der Martin-Andersen-Nexö-Kunstpreis in Dresden ausgezeichnet. 1967 erhielt er außerdem den Hans-Thoma-Preis und 1968 den Rembrandt-Preis der Goethe-Stiftung in Salzburg.
Dix starb am 25. Juli 1969 nach einem zweiten Schlaganfall in Singen am Hohentwiel. Sein Grab befindet sich in Hemmenhofen am Bodensee.Grabstätte Otto Dix auf dem Friedhof in Hemmenhofen.
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