Timișoara (, , ungarisch Temesvár)Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa. ist eine Stadt im westlichen Rumänien, die Hauptstadt des Kreises Timiș, Sitz der Planungsregion West und das historische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Temescher Banats. Sie ist mit über 250.000 Einwohnern gemäß der Volkszählung im Jahre 2021 die viertgrößte Stadt in Rumänien. Donauschwaben stellten bis zum Zweiten Weltkrieg die größte ethnische Gruppe der Stadt. Timișoara war 2023 Kulturhauptstadt Europas.

Geographie Timișoara liegt im Stadtzentrum auf einer Höhe von 84 (Intre Vii) bis 95 Meter (Ronaț) über dem Meeresspiegel am südöstlichen Rande der Banater Heide als Teil der Großen Ungarischen Tiefebene. Die Schwarzerde des Bodens und der relativ niedrige Grundwasserspiegel bestimmen die hohe Fruchtbarkeit der Felder im Umland.

Die Stadt liegt infolge der Flussbegradigungen aus dem 18. Jahrhundert nicht mehr am Fluss Temesch, sondern an der Bega. Sie liegt in seismisch aktivem Gebiet; hier verzeichnete Erdbeben erreichten eine Magnitude von 6 auf der Richterskala.PrimariaTM.ro, Bürgermeisteramt der Stadt Timișoara.

Die Stadt ist in Bezug auf die Bevölkerungszahl die viertgrößte Stadt Rumäniens. Nach Angaben von 2004 erstreckt sich das Stadtgebiet über eine Fläche von 12.927 ha, wovon 7903 ha landwirtschaftlich genutzt werden (7131 ha bebaubares Land, 426,57 ha Weiden, 223 ha Heuwiesen; 390 ha Weinberge, 84,02 ha Obstgärten). Die nicht landwirtschaftlich genutzte Fläche besteht aus 649 ha Wald, 317 ha Gewässern und Teichen, 2920 ha Gebäuden, 1063 ha Straßen und 75 ha unfruchtbarem Land.

Timișoara ist die Hauptstadt des Kreises Timiș. Die Nachbargemeinden sind Ghiroda im Osten, Dumbrăvița im Norden und Westen sowie Giroc im Süden. Die Stadt ist etwa 550 km von Bukarest, 170 km von Belgrad und 300 km von Budapest entfernt.

Namensvarianten der Stadt Im deutschen Sprachgebrauch sind die Bezeichnungen Temeswar, Temeschwar und Temeschburg bekannt., Eintrag in openthesaurus.de: Temeswar. Temeschburg wird in Urkunden aus dem 14. und 15. Jahrhundert vielfach erwähnt, erstmals 1396 anlässlich der Schlacht von Nikopolis unter Beteiligung von König Sigmund gegen die Türken.Gerhardt Hochstrasser: Historische und philologische Untersuchung des Ortsnamens: Castrum de Tymes – Castrum Temesiensis – Temeschburg – Temesvár (Temeswar) – Temišvar – Tamişvar – Timişoara. Herausgabe unterstützt vom Minderheitenrat der rumänischen Regierung und dem Demokratischen Forum der Deutschen im Banat, Eurobit-Verlag, Temeswar 2001, ISBN 978-973-8181-26-7, S. 31 f.

Nach dem Frieden von Passarowitz 1718 erhielt das Temescher Banat eine Sonderstellung als Kron- und Kammerdomäne der Habsburgermonarchie, die bereits bestehende geographische Bezeichnungen der dortigen Adeligen übernahm und seine Hauptstadt Temeswar nannte. So sind aus der Habsburger Zeit keine Belege für den Gebrauch der Namensvariante Temeschburg im Banat bekannt. In Leipzig erschienene Lexika von 1732 und aus den 1740er Jahren nannten jedoch Temeschburg als den geltenden deutschen Namen der Stadt.Gerhardt Hochstrasser: Historische und philologische Untersuchung des Ortsnamens: Castrum de Tymes – Castrum Temesiensis – Temeschburg – Temesvár (Temeswar) – Temišvar – Tamişvar – Timişoara. Herausgabe unterstützt vom Minderheitenrat der rumänischen Regierung und dem Demokratischen Forum der Deutschen im Banat, Eurobit-Verlag, Temeswar 2001, ISBN 978-973-8181-26-7, S. 33–35. Der Name Temeschwar hatte sich zu Zeiten der Habsburger in Anlehnung an die Aussprache des ungarischen Temesvár entwickeltSorin Forțui: Falsele Denumiri ale Orașului Timișoara. S. 2. und ist vorwiegend in Süddeutschland und Österreich gebräuchlich.

mini|Deutscher Name Temeswar auf einer Karte von 1769–1772

Im Verlauf des 18. und 19. Jahrhunderts wurde Temeswar in deutschsprachigen Texten in der Regel mit „w“ geschrieben. Mit dem „Erlass des Ortsnamengesetzes vom 5. Februar 1898“ des Budapester Innenministeriums musste dann die Stadt fortan mit „v“ geschrieben werden. Die im Jahre 1852 gegründete Temesvarer Zeitung schrieb sich schon mit „v“, obwohl seinerzeit Deutsch die Amtssprache im Banat war. Vár bedeutet auf Ungarisch „Burg“ oder „Festung“.

In der Zwischenkriegszeit bemühten sich deutschnationale Kreise der Namensvariante Temeschburg mehr Gewicht zu verleihen.Banaterra: Ansiedlung der Banater Schwaben. Mit dem Erstarken der nationalsozialistischen „Erneuerer“ im Königreich Rumänien gegen Ende der 1930er Jahre,Universität Klagenfurt: die von 1940 bis 1944 in der alleinigen, gleichgeschalteten Vertretung der Rumäniendeutschen durch die „Deutsche Volksgemeinschaft in Rumänien“ mündete, setzte sich diese Bezeichnung im offiziellen deutschen Sprachgebrauch dieser Zeit durch.Stephan Olaf Schüller: Für Glaube, Führer, Volk, Vater- oder Mutterland? (= Studien zur Geschichte, Kultur und Gesellschaft Südosteuropas.) Band 9. Lit, Berlin u. a. 2009, ISBN 978-3-8258-1910-1, S. 23, Fn. 2 (books.google.de). In der Nachkriegszeit behielt der Name seinen nationalsozialistischen Nachklang in der deutschsprachigen Diaspora Zitat aus: Temeswar/Timişoara In: Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, 4. Diskurse/Kontroversen.Hans-Heinrich Rieser: Temeswar/Timişoara In: Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, 4. Diskurse/Kontroversen. und galt als verpönt. Zwar war Temeschburg in Deutschland lange Zeit eine der offiziellen VariantenAnnemarie Weber (Hrsg.): Die Deutschen in Rumänien 1944–1953. Eine Quellensammlung. (= Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Band 35). Böhlau, Köln u. a. 2015, S. 47, Fn. 150.Peter Kottler: Ortsnamen des Banats im Wandel der Geschichte. In: Walter Engel (Hrsg.): Kulturraum Banat. Deutsche Kultur in einer europäischen Vielvölkerregion. Klartext, Essen 2007, ISBN 978-3-89861-722-2, S. 177–210. (so fand der Name bei der Geburtsortnennung in bundesdeutschen Ausweisen des Öfteren Anwendung), jedoch war Temesvar spätestens ab 1948 im öffentlichen rumäniendeutschen Sprachgebrauch die geltende Norm.

1972 wurden alle Namensformen in den Sprachen der Minderheiten der Sozialistischen Republik Rumänien verboten, die nicht die direkten Entsprechungen der rumänischen Sprache darstellten. Lokale deutschsprachige Medien, darunter auch die Neue Banater Zeitung, übernahmen so die Schreibweise Temeswar.Annemarie Weber: Rumäniendeutsche?: Diskurse zur Gruppenidentität einer Minderheit (1944–1971). Böhlau Verlag, Köln / Weimar 2010, ISBN 978-3-412-20538-6, S. 64.

Heute hat sich der Name Temeswar im öffentlichen rumäniendeutschen Sprachgebrauch durchgesetzt.Über die Frage, welcher der deutschen Namen der Stadt der „richtige“ sei, wird in der Literatur gestritten. Hans Diplich wies auf die vielfältigen Namensänderungen der Stadt im Laufe ihrer Geschichte hin und plädierte dafür, die Namensfrage nicht zur Glaubensfrage zu erheben.Zitat aus Hans Diplich: Temeswar und Temeschburg. In: Beiträge zur Kulturgeschichte der Donauschwaben. Homburg/Saar 1975, S. 27–29. Zitiert aus Schüller, S. 23.

In weiteren Sprachen heißt die Stadt , und .

Stadtgliederung Timișoara und seine zehn Stadtbezirke (Stand 1992):

Bezirk Fläche rumänischer Name deutscher Name ungarischer Name Eingemeindung I 480 ha Cetate Innere Stadt Belváros II 1017 ha Fabric Fabrikstadt Gyárváros 1782 III 668 ha Elisabetin Elisabethstadt Erzsébetváros 1890 IV 442 ha Iosefin Josefstadt Józsefváros 1744 V 205 ha Mehala Mehala Mehála 1910 VI 231 ha Fratelia Fratelia Újkissoda 1948 VII 156 ha Freidorf Freidorf Szabadfalu 1950 VIII 67 ha Plopi Kardos-Kolonie Kardostelep 1951 IX 72 ha Ghiroda Nouă Neu-Giroda Erzsébetpuszta 1951 X 102 ha Ciarda Roșie Rote Tscharda Vörös Csárda 1953

hochkant=1.2|mini|ohne|Stadtbezirke Die größeren Stadtbezirke sind wiederum in weitere Stadtteile ohne administrative Funktion unterteilt:

Cetate Zona Calea Aradului Est, Zona Calea Aradului Vest, Zona Tipografilor Fabric Braytim, Calea Buziașului, Fabrica de Zahăr, Kun(c)z, Zona Banat, Zona Lunei, Zona Dorobanților und Zona Ion Ionescu de la Brad Elisabetin Complex Studențesc, Plăvăț, Zona Girocului Est, Zona Girocului Vest, Zona Odobescu und Zona Soarelui Iosefin Cartier Dâmbovița, Calea Șagului Vest I, Calea Șagului Vest II und Zona industrială Solventul Mehala Anheuer, Ronaț (deutsch: Ronatz oder Ronaz), Weisz, Zona Bucovinei, Zona Circumvalațiunii, Zona Blașcovici, Zona Matei Basarab und Zona Mircea cel Bătrân Fratelia Zona Steaua Freidorf Zona Ion Slavici, Neu-Freidorf

Klima Wie das ganze Banat hat die Stadt ein kontinentales Klima, mit kalten Wintern und heißen Sommern, der Frühling ist meistens kurz. Mittlere Lufttemperatur (Monatsmittel auf Jahrmittel)Anuarul statistic al României 2006. Monat Jan Feb Mar Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez jährlich 1901–2000 −1,5° 0,6° 5,7° 11,1° 16,3° 19,6° 21,5° 20,9° 16,8° 11,2° 5,7° 1,2° 10,7° 2005 0,0° −3,3° 3,4° 11,3° 16,9° 19,7° 22,1° 20,3° 17,3° 11,1° 4,6° 1,6° 10,4° Niederschlag (Monatsmittel auf Jahrmittel in mm) Monat Jan Feb Mar Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez jährlich 1901–2000 39,1 37,5 36,5 48,2 63,4 81,0 58,3 51,5 43,9 49,7 48,7 49,4 583,9 2006 30,3 41,7 49,3 78,8 50,2 87,8 50,4 98,0 24,6 17,4 31,3 21,3 581,1 Höchst- und Tiefsttemperaturen in den Jahren 1901–2000 Jahr 1926 1935 1938 1939 1946 1950 1952 1957 1979 1994 Maximum 27,1° 33,8° 38,4° 39,6° 39,7° 34,5° 41,0° 20,2° 17,4° 20,5° Jahr 1922 1927 1931 1932 1935 1949 1962 1963 1970 1971 Minimum −15,4° −24,8° −5,2° −20,0° −29,2° 5,0° 5,9° −35,3° −1,9° −6,8°

Weitere Daten:

Geschichte

Von der Stadtgründung bis zum Zweiten Weltkrieg mini|Temeswar nach Matthäus Seutter, (1678–1757) mini|Karte der Stadt und Festung Temeswar (um 1720) mini|Temeswar um 1890/1891, das ehemalige Festungsvorland war seinerzeit noch unverbaut

Von 553 herrschten die Awaren zweihundert Jahre lang über das Gebiet des heutigen Timișoara und errichteten auf den Ruinen des ehemaligen römischen Wehrbaus Zambara eine neue Siedlung namens Beguey,, Timișoara (englisch). strategisch gelegen zwischen den Flüssen Beghei Bega (Theiß) und Temesch.PrimariaTM.ro, Geschichte der Stadt Timișoara. Nach den Awaren zogen die Petschenegen ins Banat. Auch Kumanen, Bulgaren und Walachen waren hier ansässig, gefolgt von den Magyaren zum Ende des Jahrtausends. Es wird vermutet, dass die Festung Temeschburg schon im 10. Jahrhundert in awarischer Architektur errichtet wurde, Anton Zollner: Aus der Vorgeschichte der Temeschburger Festung. und sich, mit Wassergräben umgeben, an der Stelle des heutigen Nationaltheaters und Opernhauses Timișoara befand., Anton Zollner: Die Temeschburger Festung unter den Árpáden.

Im Jahr 1154 wurde Temeschburg erstmals durch den arabischen Geographen al-Idrisi urkundlich erwähnt. Nach der Zerstörung durch die Tataren im Jahre 1241 rief der ungarische König Béla IV. deutsche Siedler in das entvölkerte Land, welche die Stadt wieder aufbauten., „Klein Wien“ an der Bega – Temeswar. Unter Karl Robert I., der im Jahre 1311 den ungarischen Thron bestieg, war das damalige Temesvár schon eine bevölkerungsreiche und befestigte Stadt.F. S. Chrismar: Skizzen einer Reise durch Ungarn in die Türkei. Pest 1857; Kapitel Temeswár, S. 52–56. Dieser machte den Ort zu seiner Residenz und regierte zwischen 1316 und 1323 von hier aus für einige Jahre das Ungarische Reich., Temeswar. 1443 durch ein Erdbeben erneut zerstört, wurde Temeswar 1552 von den Osmanen eingenommen und blieb für 164 Jahre Teil des Osmanischen Reichs.