mini|Johann Wadephul (CDU), Bundesminister des Auswärtigen

Das Auswärtige Amt (AA, vereinzelt auch AußenamtVgl. hierzu Eckart Conze: Das Auswärtige Amt. Vom Kaiserreich bis zur Gegenwart. C.H. Beck, München 2013, passim. oder Bundesministerium des AuswärtigenDeutscher Bundestag: So setzt sich die neue Bundesregierung zusammen, 8. Dezember 2021. genannt) ist eines der Ministerien der Bundesrepublik Deutschland und als solches eine oberste Bundesbehörde. Es hat seinen Hauptsitz in Berlin und einen Nebensitz in der Bundesstadt Bonn.

Es ist die Zentrale des Auswärtigen Dienstes und zuständig für die deutsche Außen- sowie Europapolitik. Seine Bezeichnung geht zurück auf den seit dem Norddeutschen Bund (1870) und dem Deutschen Kaiserreich (1871) traditionellen Namen für das deutsche Außenministerium. Leiter des Auswärtigen Amtes ist der Bundesminister des Auswärtigen; Amtsinhaber ist seit dem 6. Mai 2025 Johann Wadephul (CDU) im Kabinett Merz.

Aufgaben mini|Lage des Auswärtigen Amtes in Berlin mini|Neubau des Auswärtigen Amtes in Berlin, links davon das Haus am Werderschen Markt (Altbau) mini|Eingang zum Neubau am Werderschen Markt mini|Der Protokollhof zwischen Neu- und Altbau mini|Zweiter Dienstsitz des Auswärtigen Amtes in Bonn, Ansicht der Rheinfront

Das Auswärtige Amt bildet gemeinsam mit den Auslandsvertretungen des Bundes den sogenannten Auswärtigen Dienst ( Gesetz über den Auswärtigen Dienst); er nimmt die auswärtigen Angelegenheiten des Bundes wahr, indem er die Beziehungen der Bundesrepublik Deutschland zu auswärtigen Staaten sowie zwischenstaatlichen und überstaatlichen Einrichtungen, den Internationalen Organisationen, pflegt.Jörg Bogumil, Werner Jann: Verwaltung und Verwaltungswissenschaft in Deutschland: Einführung in die Verwaltungswissenschaft. 2. Aufl., VS Verlag, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-531-16172-3, S. 91. Das Gesetz über den Auswärtigen Dienst definiert die Aufgaben des Auswärtigen Amtes und der Auslandsvertretungen folgendermaßen (): Vertretung der Interessen der Bundesrepublik Deutschland im Ausland, Pflege und Förderung der auswärtigen Beziehungen, insbesondere auf politischem, wirtschaftlichem, entwicklungspolitischem, kulturellem, wissenschaftlichem, technologischem, umweltpolitischem und sozialem Gebiet, Unterrichtung der Bundesregierung über Verhältnisse und Entwicklungen im Ausland, Information über die Bundesrepublik Deutschland im Ausland, Hilfeleistung und Beistand für Deutsche im Ausland, Mitarbeit bei der Gestaltung der Beziehungen im internationalen Rechtswesen und bei der Entwicklung der internationalen Rechtsordnung, Koordination der außenpolitische Beziehungen betreffenden Tätigkeiten von staatlichen und anderen öffentlichen Einrichtungen der Bundesrepublik Deutschland im Ausland im Rahmen der Politik der Bundesregierung.

Der Auswärtige Dienst gilt als die „zentrale Schaltstelle der deutschen Diplomatie, in der außenpolitische Analysen und Konzeptionen sowie konkrete Handlungsanweisungen für die deutschen Auslandsvertretungen erarbeitet werden“. Das Auswärtige Amt veröffentlicht auf seiner offiziellen Website Informationen über die Außenpolitik Deutschlands sowie umfangreiche Informationen zu allen Staaten der Welt.

Das Auswärtige Amt arbeitet dem Bundespräsidialamt und dem Bundeskanzleramt in Fragen der Außenpolitik zu.

Organisation Dienstsitze mini|Weltsaal im Haus am Werderschen Markt mini|Foyer zu den Außenministersälen

Das Auswärtige Amt hat seinen Hauptsitz in Berlin (Werderscher Markt 1 in Friedrichswerder). Das dortige Hauptgebäude ist das Haus am Werderschen Markt, bis 1945 Sitz der Reichsbank und später des Zentralkomitees der SED (1959–1990). Hinzu kommen ein 1999 fertiggestellter Neubau auf dem nördlichen Nachbargrundstück und südöstlich angrenzend weitere Dienstgebäude im selben Straßenblock. In Berlin wird der Nachwuchs in der Akademie Auswärtiger Dienst ausgebildet, welche der Zentralabteilung untersteht.

Der zweite Dienstsitz des Auswärtigen Amtes befindet sich im ehemaligen Hauptsitz an der Adenauerallee in Bonn. Der Sitz in der Bundesstadt ist hauptsächlich für den Betrieb der Informationstechnik, weniger für Aufgaben im diplomatischen Bereich zuständig. Außerdem besteht dort ein Verbindungsbüro für die Internationalen Organisationen in Deutschland, insbesondere für die Organisationen der Vereinten Nationen in Bonn.

Leitung Der Bundesminister des Auswärtigen leitet das Auswärtige Amt. In Regierungsaufgaben wird der Bundesaußenminister durch Parlamentarische Staatssekretäre unterstützt, die die Bezeichnung Staatsminister im Auswärtigen Amt zu führen. Derzeit sind diese Positionen mit den Unions-Politikern Gunther Krichbaum (Staatsminister für Europa), Serap Güler und Florian Hahn besetzt.

Weiterhin gehören der Leitungsebene des Auswärtigen Amts zwei beamtete Staatssekretäre an, welche den Minister bei der Leitung des Auswärtigen Dienstes vertreten. Beamtete Staatssekretäre sind derzeit Bernhard Kotsch und Géza Andreas von Geyr.

Dem Bundesminister direkt unterstellt sind Koordinatoren und Beauftragte:

Beauftragter der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und humanitäre Hilfe; Beauftragter für die deutsch-französische Zusammenarbeit; Koordinator für die deutsch-polnische Zusammenarbeit; Koordinator für die transatlantische Zusammenarbeit; Beauftragter der Bundesregierung für Religions- und Weltanschauungsfreiheit; Sonderbeauftragte des Auswärtigen Amts für Beziehungen zu jüdischen Organisationen, Antisemitismusfragen, internationale Angelegenheiten der Sinti und Roma und Holocaust-Erinnerung.

Der Leitungsstab (L1) umfasst das Ministerbüro (L10), das Parlaments- und Kabinettsreferat (L11) sowie das Pressereferat (L12). Der Planungsstab mit Forschungskoordination trägt die Bezeichnung L2. Der Leitungsbereich umfasst ferner das Büro Staatssekretär (L30). die Krisenbeauftragte (L4) mit Krisenreaktionszentrum (L40), die Inspektion (L5) und die Interne Revision (L60).

Abteilungen Das Auswärtige Amt ist in elf Abteilungen untergliedert, die seit der Umstrukturierung vom Juni 2026 folgende Zuständigkeiten haben: Zentralabteilung (Z; vormals Abteilung 1) mit den Unterabteilungen für Personal (Z-V-1), Organisation, Haushalt, Sicherheit, Infrastruktur und Service (Z-V-2) sowie KI, Daten, Zukunftstechnologie (Z-V-3) und der Akademie Auswärtiger Dienst (Z-V-AK); Leitung: Peer Gebauer Sicherheitspolitische Abteilung (SR, vormals Abteilung 2 und teilweise OR) mit den Unterabteilungen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (SR-V-1), Rüstungspolitik und Ausfuhrkontrolle (SR-V-2) sowie Rüstungskontrolle, Nichtverbreitung, OSZE (SR-V-3); Leitung und Politischer Direktor Dominik Mutter Abteilung Globale Ordnung, VN und humanitäre Hilfe (GO, vormals Abteilungen S und teilweise OR) mit den Unterabteilungen Vereinte Nationen (GO-V-1), Humanitäre Hilfe und Stabilisierung (GO-V-2) sowie Menschenrechte, Terrorismusbekämpfung (GO-V-3); Leitung: Katharina Ahrendts Abteilung EU-Politik und Geoökonomie (EG, vormals Abteilungen 4 und teilweise E) mit den Unterabteilungen EU-Grundsatz und Koordinierung (EG-V-1), Außenwirtschaft und Wirtschaftssicherheit (EG-V-2) sowie Partnerschaften, Klima und Energie, Migration (EG-V-3); Leitung Christoph Wolfrum Abteilung Europa (EA, vormals teilweise Abteilung E) mit den Unterabteilungen Bilaterale Beziehungen zu EU-Staaten (EA-V-1), Westbalkan, Türkei, Großbritannien, EFTA, Arktispolitik, Europarat (EA-V-2) sowie Osteuropa, Schwarzmeerkooperation, Südkaukasus (EA-V-3); Leitung Christoph Israng Abteilung Amerikas (AM, vormals teilweise Abteilungen 2 und 3) mit der den Referaten übergeordneten Organisationseinheit Amerikas (AM-V); Leitung Susanne Riegraf Abteilung Nahost und Afrika (NA, vormals teilweise Abteilung 3) mit den Unterabteilungen Nahost (NA-V-1) und Afrika (NA-V-2); Leitung Kurt Georg Stoeckl-Stillfried Abteilung Asien und Pazifik (AP, unverändert) mit der den Referaten übergeordneten Organisationseinheit Asien und Pazifik (AP-V); Leitung Frank Hartmann Rechtsabteilung (R, vormals Abteilung 5) mit den Unterabteilungen Völkerrecht und internationales Strafrecht (R-V-1) sowie Rechts- und Konsularfragen, Aufenthaltsrecht (R-V-2); Leitung und Völkerrechtsberaterin Julia Monar Abteilung Kultur und Kommunikation (K, vormals Abteilung 6) mit den Unterabteilungen Kultur, Bildung, Wissenschaft (K-V-1) sowie Kommunikation (K-V-2); Leitung Christina Beinhoff Protokoll (Prot, vormals Abteilung 7) mit der den Referaten übergeordneten Organisationseinheit Protokoll (Prot-V); Leitung und Chefin des Protokolls Karin Marschall

Abteilungsübergreifend bestehen Koordinierungsstäbe. Im Juli 2026 waren dies der Koordinierungsstab Schlüsselstaaten und der Koordinierungsstab Ukraine (UKR).

Auslandsvertretungen

Neben der AA-Zentrale gibt es deutsche Auslandsvertretungen in den meisten Hauptstädten der Welt sowie in größeren Städten der Länder. Die Auslandsvertretungen – Botschaften, Generalkonsulate und Konsulate sowie ständige Vertretungen bei zwischenstaatlichen und überstaatlichen Organisationen ( Abs. 1 GAD) – werden als „Augen, Ohren und Stimme“ der Bundesregierung bezeichnet. Sie bilden zusammen mit der Zentrale eine einheitliche oberste Bundesbehörde.

Das Auswärtige Amt unterhält derzeit (Stand 2025) 225 Auslandsvertretungen, darunter 154 Botschaften, 50 Generalkonsulate und sieben Konsulate, zwölf Multilaterale Vertretungen (bei Internationalen Organisationen wie der Europäischen Union (EU) oder den Vereinten Nationen), ein Vertretungsbüro und ein deutsches Institut. Des Weiteren werden Informationszentren unter der Bezeichnung „German Information Center (GIC)“ mit der Aufgabe, sprach- und regionalspezifische Informationen über Deutschland zu vermitteln, unterhalten in Kairo, Pretoria, Dakar, Mexiko und Singapur.

Gegenwärtig (Stand 2025) sind in den Auslandsvertretungen etwa 3000 Mitglieder des Auswärtigen Dienstes tätig. Unterstützt werden sie von ca. 5600 sogenannten Ortskräften und Mitarbeitern aus anderen Ressorts der Bundesregierung, den Bundesländern, der Wirtschaft und anderen Institutionen. Zusätzlich sind (Stand 2026) rund 330 Honorarkonsuln ehrenamtlich im Auftrag des Auswärtigen Amts tätig.

Die Auslandsvertretungen und die Honorarkonsuln erheben Gebühren nach der Besonderen Gebührenverordnung des Auswärtigen Amtes für individuell zurechenbare Leistungen nach dem Konsulargesetz, welches seit dem 1. Oktober 2021 gültig ist und das Auslandskostengesetz und die Auslandskostenverordnung ersetzte. Die Besondere Gebührenverordnung wurde mit Unterstützung des Statistischen Bundesamtes erstellt und orientiert sich an den Vorgaben des Bundesgebührengesetzes.

Nachgeordneter Bereich In Brandenburg an der Havel besteht das Bundesamt für Auswärtige Angelegenheiten, das ebenso wie das Deutsche Archäologische Institut in Berlin zum Geschäftsbereich des Auswärtigen Amts gehört.

Geschichte Deutsches Reich der Revolutionszeit (1848/49) Während der Revolution von 1848/1849 wurde eine Reichsregierung eingesetzt, die Provisorische Zentralgewalt. Je nach Standpunkt übte sie die Funktionen des Bundestages aus oder amtierte für ein entstehendes Deutsches Reich.

Am 12. Juli 1848 ernannte Reichsverweser Johann, der vorläufige „Ersatzmonarch“, eine Regierung. Sein Vertrauter Anton von Schmerling wurde Reichsminister für die inneren wie auch die auswärtigen Angelegenheiten. Schmerling hatte bis zum 20. Dezember 1849 mehrere Nachfolger als Reichsaußenminister. Damals endete die Zentralgewalt zugunsten der Bundeszentralkommission.

Norddeutscher Bund