mini|Lucas Cranach der Jüngere oder möglicherweise ein Selbstporträt: Lucas Cranach der Ältere, 1550, laut Inschrift im Alter von 77 Jahren, Uffizien, Florenz mini|Gemäldegalerie (Berlin), Saal III deutsche Malerei, Cranach Lucas Cranach der Ältere (* vermutlich um den 4. Oktober 1472 in Kronach, Oberfranken; † 16. Oktober 1553 in Weimar) war ein deutscher Maler, Grafiker und Buchdrucker der Renaissance. Er war ab 1505 Hofmaler am kursächsischen Hof unter Friedrich dem Weisen, Johann dem Beständigen und Johann Friedrich dem Großmütigen. Neben zahlreichen Altarwerken und allegorischen Gemälden fertigten er und seine Werkstatt vor allem auch eine große Zahl an Porträts seiner Dienstherren sowie der Reformatoren Martin Luther und Philipp Melanchthon. Die Cranach-Werkstatt, die zu den bedeutendsten Werkstätten ihrer Zeit gehörte, und mutmaßlich rund 5000 Gemälde hinterlassen hat, wurde von seinem gleichnamigen, am 4. Oktober 1515 geborenen Sohn Lucas Cranach dem Jüngeren fortgeführt.
Lebenslauf mini|Das Cranachhaus in Weimar (links), 1547–1549, 2009 mini|Das Grab von Lucas Cranach d.Ä. auf dem Jacobsfriedhof in Weimar 2013 Der Chronist Matthias Gunderam berichtete 1556, dass Cranach am 4. Oktober 1472 in Kronach geboren sei und bei seinem Vater, dem wohlhabenden Kronacher Bürger Hans Maler, die erste künstlerische Ausbildung erhalten habe, dessen Ehefrau Barbara war eine geborene Hübner. Urkundliche Belege zur Herkunft Cranachs und zu seinem Geburtsdatum gibt es nicht. Ausgehend von Gerichtsakten aus dem Jahr 1495, in denen es um das schlechte Betragen der Malerkinder geht, wird das Geburtsjahr 1472 von der jüngeren Forschung bezweifelt und nur noch vage auf „um 1475“ datiert.Elisabeth Schepers: Die Maler von Kronach; in: Lucas Cranach – Ein Maler-Unternehmer aus Franken. Katalog zur Landesausstellung Festung Rosenberg, Kronach, Augsburg 1994, S. 44–51.
Cranach hatte mindestens sechs Schwestern und zwei Brüder.Ingo Sandner (Hrsg.): Unsichtbare Meisterzeichnungen auf dem Malgrund: Cranach und seine Zeitgenossen. Schnell und Steiner 1998, ISBN 3-7954-1172-6, S. 11. Ihre Mutter Barbara verstarb um das Jahr 1491.Werner Schade: Die Malerfamilie Cranach. 1974 (Digitalisat), S. 12. Nach der ersten künstlerischen Ausbildung dürfte Lucas als Geselle auf Wanderschaft gegangen sein. Im Jahre 1502Cranach Digital Archive: Lucas Cranach der Ältere. kam er nach Wien und blieb dort bis 1504. Wien galt wegen des Kaiserhofs Maximilians I. als kulturelles Zentrum jener Zeit, an dem sich zudem Kontakte zu zahlreichen Fürsten als potentielle Auftrag- und Arbeitgeber boten. Seine aus dieser Zeit erhaltenen Gemälde zeigen deutliche Einflüsse der Donauschule. In Wien knüpfte er erste Kontakte zu führenden Humanisten. Während seines Wiener Aufenthalts begann Cranach, seine Bilder mit Lucas Cranach („Lucas [aus] Kronach“) zu signieren.
Um 1512/13 heiratete Cranach Barbara Brengbier († 1541), eine Tochter von Jobst Brengbier, dem Bürgermeister von Gotha.Schuchardt: Lucas Cranach des Altern Leben und Werke (Band 1), S. 48 (online). Sein ältester Sohn Hans wird geboren und 1515 Lucas, bis 1520 folgen drei Töchter.
Er starb am 16. Oktober 1553 in Weimar und fand seine letzte Ruhestätte auf dem Weimarer Jakobsfriedhof. Er liegt in der sogenannten Cranachgruft. Auf seinem Grabstein wird er als „der schnellste Maler“ bezeichnet. Den Grabstein schuf Cranachs Freund, der herzogliche Baumeister und gelernte Steinmetz Nikolaus Gromann. Die Grabplatte, die der heutige Besucher sieht, ist eine getreue Kopie der ursprünglichen. Die Originalgrabplatte wurde durch eine Kopie ersetzt und 1859 aus konservatorischen Gründen in die Stadtkirche Peter und Paul („Herderkirche“) links neben den Altar verbracht.
Nachkommen Cranach hatte mit seiner Frau Barbara sechs Kinder: Hans (* um 1512; † 1537), der ebenfalls Künstler wurde Lucas (* 1515; † 1586), genannt „der Jüngere“, übernahm 1550 (1552?) die Werkstatt des Vaters und wurde wie dieser auch Ratsmitglied und Bürgermeister in Wittenberg. 1541 heiratete er Barbara Brück, Tochter des sächsischen Kanzlers Gregor Brück.Dieter Koepplin, Tilman Falk: Lukas Cranach. Gemälde, Zeichnungen, Druckgraphik. Stuttgart/Basel 1974, Band 1, S. 26 (online) Der Enkel Augustin (1554–1595) und der Urenkel Lucas (1586–1645) führten die künstlerische Familientradition fort. Maria Cranach (um 1517; † um 1555), verheiratet mit dem Apotheker Lorenz Kreich zu Torgau.Diese vierte Tochter Cranachs wird nachgewiesen im DGB Band 214, sowie bei Rudolf W.L. Jacobs: Maria Cranach, eine vierte Tochter Lucas Cranachs d.Ä. Genealogie, Heft 9–10 (1994), S. 273–275 (Digitalisat). Anna (* 1520; † 30. Juni 1577),Ihr Taufpate 1520 war Martin Luther, Dieter Koepplin, Tilman Falk: Lukas Cranach. Gemälde, Zeichnungen, Druckgraphik. Stuttgart/Basel 1974, Band 1, S. 22 (online) verheiratet mit dem Wittenberger Apotheker und Bürgermeister Caspar Pfreund Barbara († 1601), seit 1541Dieter Koepplin, Tilman Falk: Lukas Cranach. Gemälde, Zeichnungen, Druckgraphik. Stuttgart/Basel 1974, Band 1, S. 22 (online)/1543 verheiratet mit dem sächsischen Kanzler Christian Brück, Sohn des Kanzlers Gregor Brück. Aus dieser Linie stammt die Mutter des Dichters Johann Wolfgang von Goethe, sodass Lucas Cranach ein Ururgroßvater von Goethe ist. Ursula (Lebensdaten unbekannt), erste Heirat am 3. Mai 1537 (Ehemann unbekannt), zweite Heirat 1544 mit dem Gothaer Bürgermeister Georg Dasch. Zu Cranachs Nachfahren gehörten der 1937 in Weißenstein geborene Kapellmeister, Pianist und GesangspädagogeWalter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 573. Peter Jacoby und der Kunsthistoriker und Kurator Joachim Jacoby (1956–2020).Vgl. Nachruf.
Hofmaler mini|hochkant|Albrecht Dürer, Lucas Cranach der Ältere, 1524, Musée Bonnat-Helleu 1505 bekam er eine Anstellung als Hofmaler beim Kurfürsten Friedrich dem Weisen von Sachsen in Wittenberg. Er übernahm die zuvor von Jacopo de’ Barbari geleitete Malerwerkstatt im Wittenberger Schloss, zu deren Aufgaben nicht nur die Ausstattung von Kirchen und Schlössern mit Gemälden, sondern auch die Anfertigung von Buchschmuck sowie triviale Anstreicharbeiten, Vergoldungen und Entwürfe von Festdekorationen und Zierrat gehörten. Beeindruckende Zeugnisse der Geburtsstunde der Medaillenkunst in Deutschland sind zum Beispiel die sogenannten Locumtenenstaler mit dem Konterfei Friedrich des Weisen, für die er den Entwurf lieferte.Landratsamt für Denkmalspflege und Archäologie in Sachsen-Anhalt …: „Martin Luther, Schätze der Reformation“, Sandsteinverlag, S. 62. Über Art und Umfang der Tätigkeiten geben zahlreiche erhaltene Abrechnungen Auskunft.
Als Hofmaler fertigte Cranach zahlreiche Porträts seines Brotherrn, erstmals 1507 für die Nürnberger Dominikanerkirche.
Mit Wirkung vom 6. Januar 1508 wurde Cranach von seinem Dienstherrn ein Emblem (mit geflügelter Schlange mit Rubinring im Maul) als Familienwappen verliehen. Im selben Jahr wurde er vom Kurfürsten in diplomatischem Auftrag in die Niederlande (nach Mechelen) gesandt, wo er – neben anderen Mitgliedern der Familie – von Kaiser Maximilian I. und von dem späteren Kaiser Karl V. Porträts anfertigte. In den Jahren 1515 bis 1520 erstellt er erste Druckgrafiken (Holzschnitte etc.), die er teilweise – ähnlich wie Albrecht Dürer – selbst frei vertrieb. 1524 traf er Albrecht Dürer in Nürnberg; bei dieser Gelegenheit fertigte Dürer ein Silberstiftporträt Cranachs an.
mini|Martin Luther, 1521–22, Weimarer Stadtschloss In Wittenberg schloss er Freundschaft mit Philipp Melanchthon und Martin Luther. Zusammen mit seiner Ehefrau war er 1525 Trauzeuge bei dessen Heirat mit Katharina von Bora (luther2017.de) abgerufen am 4. März 2013. und war Taufpate von Luthers ältestem Sohn Johannes. Die zweite Ehefrau seines Sohnes Lucas, Magdalena Schurff, war eine Nichte Philipp Melanchthons.
Nach dem Tod Friedrichs des Weisen wurde Cranach von dessen Nachfolgern Johann dem Beständigen und Johann Friedrich dem Großmütigen weiter als Hofmaler beschäftigt. Im Jahr 1547 unterlag sein dritter Dienstherr Herzog Johann Friedrich der Großmütige in der Schlacht bei Mühlberg den kaiserlichen Truppen und wurde gefangen gesetzt. Auf die Aufforderung Johann Friedrichs folgte ihm Cranach drei Jahre später in die Gefangenschaft nach Augsburg, dann nach Innsbruck. Auch dort war er für den Herzog und dessen Besucher tätig – seine Wittenberger Werkstatt hatte er inzwischen seinem Sohn Lucas übergeben. In Augsburg machte er die Bekanntschaft Tizians. 1552 ging Lucas Cranach der Ältere mit dem Herzog in dessen neue Residenz nach Weimar. Dort wohnte er im Haus seiner Tochter Barbara Cranach (dem „Cranachhaus“).
Unternehmungen in Wittenberg mini|Gedenktafel an der Apotheke Wittenberg aus dem Jahr 1872 für Lucas Cranach
Im Jahr 1510 sind in Urkunden der Stadt Wittenberg erstmals Sonderzahlungen von Lucas Moler erwähnt. Außerdem erwarb er in jenem Jahr diverse Baumaterialien. Daraus wird geschlossen, dass er in jenem Jahr mitsamt der Werkstatt vom Schloss in die Stadt zog. Um 1513 fand die Eröffnung eines Weinausschankes statt.
1520 konnte er sich in Wittenberg eine Apotheke kaufen, wenige Jahre später ist er auch als Buchhändler, PapierhändlerSiehe auch Geschichte der Papierherstellung in der Neuzeit. und Verleger nachgewiesen. Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner, dem Goldschmied Christian Döring, betreute er unter anderem 1522 verlegerisch die Herausgabe von Martin Luthers Septembertestament. Er wurde – auch als Grundeigentümer und Verleger – in seiner neuen Heimat eine angesehene und einflussreiche Persönlichkeit. Cranach gelangte erstmals in der Amtsperiode 1519/1520 in den Ratsstuhl von Wittenberg als Kämmerer und übte dieses Amt in der Folgezeit bis 1535 wiederholt aus. Des Weiteren gehörte er dem Rat als Mitglied in der Amtsperiode 1528/1529 an.
mini|Hexenverbrennung in Wittenberg vom 29. Juni 1540, dargestellt von Lucas Cranach d. J.
Von 1537 bis 1544 stand Lucas Cranach wiederholt als Bürgermeister an der Spitze des Wittenberger Gemeinwesens und übte auch das Amt des Beisitzers eines Bürgermeisters als Altbürgermeister mehrfach aus. Mit dem Stadtrat trat Cranach für die Hinrichtung von Prista Frühbottin, ihrem Sohn Dictus und zwei weiteren Personen wegen Hexerei ein; sie wurden geschmaucht.Willi Winkler: Luther: Ein deutscher Rebell.Rowohlt Verlag, Hamburg 2016, ISBN 978-3-644-12381-6. Das Urteil fällte der Stadtrichter Ambrosius Reuther und Lucas Cranach d.Ä. bestätigte als Bürgermeister das Urteil. Am Dienstag, den 29. Juni 1540 wurden die alte Frau und die Mit-Delinquenten hingerichtet.Hartmut Hegeler: 1540 Hexenprozess in Wittenberg. S. 1–12, abgerufen am 24. Januar 2018 (anton-praetorius.de). Über die Hexenverbrennung in Wittenberg 1540 schuf Lucas Cranach d. J. einen Holzschnitt.
Werk Leistung mini|Klage unter dem Kreuz, Öl auf Tannenholz, 1503 (Alte Pinakothek, München) mini|Rekonstruktion des Magdalenenaltars, Festtagsseite, 1520–25 mini|Venus mit Amor als Honigdieb, Wittenberg um 1537, Germanisches Nationalmuseum