Treviso, [], ist eine italienische Gemeinde und Provinzhauptstadt der Provinz Treviso in der Region Venetien. Die Stadt hat Einwohner (Stand ) und liegt etwa 40 km nordöstlich von Padua und etwa 30 km nördlich von Venedig. Ihre Geschichte reicht bis in die Bronzezeit zurück.
Geografische Lage Treviso liegt am Zusammenfluss von Botteniga und Sile in der venezianischen Ebene. Die durchschnittliche Höhe beträgt etwa
Klima
Geschichte Altertum In prähistorischer Zeit befand sich an gleicher Stelle eine bronzezeitliche Siedlung. Die Stadt Tarvisium wurde 49 v. Chr. römisches municipium, ihre Bürger wurden rechtlich denjenigen Roms, bzw. der Landstädte tendenziell gleichgestellt. Im Jahre 396 wird erstmals die Existenz des Bischofssitzes erwähnt.
Ostgoten (ab etwa 490), Ostrom (539–540, dann bis 602(?)), Langobarden (ab 568/602) Unter den Goten und ab Herbst 568 den Langobarden, die Treviso zum (erstmals 602 belegten) Herzogtum machten, erlebte die Stadt eine erste Blütezeit. 539 gelang dem oströmischen Feldherrn Belisar die kurzzeitige Rückeroberung Trevisos im Zuge der Eroberung des Ostgotenreichs, doch bereits 540 eroberten sie die Goten erneut. Nach 568 wurde die Stadt, wohl kampflos,Neil Christie: From Constantinople to Charlemagne. An Archeology of Italy, AD 300–800, Aldershot 2006, S. 111. langobardisch, wie der überwiegende Teil Oberitaliens. Das Bistum konnte 602, nachdem die Langobarden Padua erobert hatten, seine Jurisdiktion ins Paduaner Gebiet ausdehnen. Der König der Langobarden, Alboin, hatte mit seiner Armee den Fluss Piave erreicht, wohin ihm der Bischof von Treviso entgegengezogen war. Der König bestätigte Bischof Felix I. seine Besitzungen („facultates“).Bei Paulus Diaconus heißt es in liber II, 12: „Cui rex, ut erat largissimus, omnes suae ecclesiae facultates postulanti concessit et per suum pracmaticum postulata firmavit.“ Von einer Übergabe der Stadt an die Langobarden ist dabei keine Rede. Erst Bischof Felix II. erklärte sich 591 als dem Langobardenreich zugehörig. So wurde vermutet, dass Treviso möglicherweise erst 588 langobardisch wurde, und das nur für einige Jahre. Denn um 600 kam es zu einem Aufstand gegen den langobardischen König Agilulf in Trevisanischen durch einen Dux Ulfari.Historia Langobardorum, liber IV, 3. In einem Brief Papst Gregors wird noch 599 ein „Gulfari“ genannt – möglicherweise ist er identisch mit jenem „Ulfari“ bei Paulus. Damit würde Treviso erst um 602 an die Langobarden gefallen sein, und zwar als Hauptstadt der Provinz Secunda Venetia.Giorgio Arnosti: Tarvisium capitale della Venetia romaica, in: Cenita Feliciter, L’epopea goto-romaico-longobarda nella Venetia tra VI e VIII sec. d.C., Vittorio Veneto 2017 (academia.edu).
Karolinger, Ungarn mini|Zur Zeit Karls des Großen in Treviso geprägte Silbermünze, ein Denar Unter den Karolingern wurde Treviso im 9. Jahrhundert zur Hauptstadt einer Mark mit eigener Münzzeche. 777 wurde Fortunatus Bischof, der sich auf die Seite der Franken stellte und den byzantinischen Einfluss bekämpfte. Fortunatus musste 820 ins Exil gehen. 815 wird in einer Urkunde Ludwigs des Frommen erstmals eine Grafschaft Treviso erwähnt. Die Stadt erhielt das Münzrecht und war Sitz der Grafschaft, die allerdings 828 verkleinert wurde.
Treviso wurde gegen 900 von Ungarn zerstört, am 9. Januar 905 erhielt der Bischof von Berengar I. das Recht, am Hafen Zölle und Abgaben zu erheben. Der Sitz der Grafschaft wurde von Berengar nach Verona verlegt.
Aufstieg lokaler Familien In Treviso war die Familie Collalto dominierend, die sich auf langobardische Wurzeln zurückführte. Doch die feudale Zersplitterung der Herrschaft führte dazu, dass andere Adelsfamilien, wie die Da Romano ihre Vorherrschaft im Gebiet zwischen Brenta, Musone und Valdobbiadene durchsetzen konnte. Schließlich errangen die Da Romano und die Camposampiero neben dem Bischof und dem Kapitel die Dominanz in der Stadt und ihrem Umland. Unterhalb dieser Schicht etablierte sich zunehmend ein Dienstadel, der in Treviso vor allem als Avogadro auftrat. Zunächst stiegen die dei Tempesta auf, doch starb die Familie aus. Schließlich setzten die Azzoni sich an die Spitze des Amtes, das längst erblich war und auf Lebenszeit verliehen wurde. Die Adelsfamilien fränkischer, langobardischer und provinzialrömischer Abstammung vermischten sich im Hochmittelalter zunehmend. Dabei stiegen die Valvassoren gegen die Capitani, die neueren Familien gegen die alten auf.
Kaiser Otto III. traf 999 neben zahlreichen Bischöfen und sonstigen Großen des Reichs, unter ihnen Graf Raimbald von Treviso, zusammen. Otto lehnte ihre Forderungen gegenüber Venedig ab und wies Bischof Rozo von Treviso an, sein Verhalten zu ändern. Damit erkannte das Bistum den Anspruch Venedigs auf Heracliana an.
Papst Eugen III. versuchte in einer Bulle, den Besitz des Bistums festzuschreiben und eine klarere Verwaltung zu dekretieren. So entstanden die vier Verwaltungseinheiten Cornuda, Mestre, Quinto und Godego, die Erzpriestern unterstanden. Treviso wurde im Jahr 1164 von Friedrich Barbarossa als freie Kommune anerkannt.
Kommune, Lombardenbund Doch im selben Jahr schloss sich die Stadt dem Lombardenbund an und kämpfte in der Schlacht von Legnano gegen den Kaiser.
mini|Loggia dei Cavalieri Zwischen den Kämpfen um geistliche und weltliche Herrschaft, zwischen alten und neuen Adelsgruppen, behauptete sich die Kommune bereits im 12. Jahrhundert. Sie wurde von etwa 1150 bis 1216 von Ratsherrn (it. Consoli) geführt, ab 1176 kam ein Podestà hinzu, der meist aus dem Ausland geholt wurde. Die interne Verwaltung und Machtbeteiligung basierte auf vier Quartieren (Oltrecagnan, Riva, Mezzò, Dom), die wiederum in Gemeinden aufgegliedert waren. Diese bestanden aus regole. Um 1250 wurden die Kommunalstatuten aufgezeichnet.Gregor Husmann: Sviluppo istituzionale e tecniche elettive negli uffici comunali a Treviso: dai „giuramenti d’ufficio“ agli statuti. In: Daniela Rando, Gian Maria Varanini (Hrsg.): Storia di Treviso, Band 2: Il Medioevo. Marsilio, Venezia 1991, ISBN 88-317-5460-2, S. 103–134. Es entstand die Nova Domus Communis, der Ratspalast sowie die Loggia dei Cavalieri, dazu wurde die Stadtmauer wesentlich erweitert. Auch siedelten sich in den 20er und 30er Jahren des 13. Jahrhunderts Franziskaner und Dominikaner in der Stadt an.
1214 verbündete sich Treviso mit Padua gegen Venedig und es begann der Krieg um das Castello d’amore, den Venedig gewann.Riccardo Predelli: Documenti relativi alla guerra pel fatto del Castello di amore, in: Archivio Veneto, n.s. Jg. 15, Bd. 30,2 (1885) 421–447. Tiefere Ursache war die Forderung der Republik Venedig nach größerer Handelsfreiheit und Durchlässigkeit des Territoriums von Treviso und Padua.
Ezzelino III. da Romano wurde Podestà der Stadt, er verbündete sich 1232 mit Friedrich II. Doch 1235 vertrieben die Trevisaner die Kaiserlichen. Ab 1237 geriet die Stadt unter ständig wechselnde Fremdherrschaft. Die da Romano führten auch weiterhin für die Ghibellinen Kämpfe, doch fanden mehrfach Parteiwechsel statt. Erst die vereinigten Armeen von Venedig, Treviso, Vicenza, Verona, Mantua und Truppen Papst Alexanders IV. besiegten sie 1259 bei Cassano d’Adda. Alberico da Romano geriet 1260 in Gefangenschaft und wurde auf dem Marktplatz von Treviso verbrannt. Die Burgen der Ezzelini wurden niedergebrannt.
mini|Palazzo dei Trecento Doch die internen Konflikte waren damit nicht beendet. 1268 ermordete Gherardo de’ Castelli seinen Gegner Brancaleone de’ Ricchi. Am 15. November 1283 konnten die da Camino unter Führung von Gherardo da Camino die Castelli verbannen. Gherardo wurde vom Großen Rat zum Capitano generale ernannt. Er bekämpfte das Patriarchat von Aquileia von 1292 bis 1296. Als Gherardo 1306 starb, folgte ihm sein Sohn Rizzardo, der von Heinrich VII. den Titel Kaiserlicher Vikar erhielt. Gegen die uneingeschränkte Macht Rizzardos erhoben sich 1312 die Collalto und die Azzoni in einer Verschwörung. Rizzardo kam dabei ums Leben, sein Bruder Guecellone konnte sich nur noch kurze Zeit halten.
Zunächst schien es zu einer Wiedergeburt der Kommune zu kommen, wie sie im 13. Jahrhundert bestanden hatte. 1318 konnte die Stadt einen Angriff von Cangrande I. della Scala abwehren. 1328 verschärften sich die Fraktionskämpfe und Guecello Tempesta errichtete eine Diktatur, die jedoch durch die Eroberung durch Cangrande I. kurz vor dessen Tod im Juli 1329 ihr Ende fand.
Della Scala, Besetzung durch Venedig (1339–1797), Carrara 1336 verbündete sich Venedig mit Florenz gegen Mastino II. della Scala. Im darauf folgenden bis 1339 dauernden Krieg wurde das kurze Intermezzo der Scaligerherrschaft beendet und Treviso von venezianischen Truppen besetzt.Gian Maria Varanini: Istituzioni, politica e società nel Veneto (1329–1403), in: Andrea Castagnetti, Gian Maria Varanini (Hrsg.): Il Veneto nel medioevo. Le signorie trecentesche. Banca Popolare di Verona, Verona 1995, S. 8. 1344 übergab der Rat der Stadt auch formal die Macht an die Republik Venedig. Die erste venezianische Herrschaft in Treviso dauerte bis 1381. mini|Porta San Tomaso Francesco da Carrara von Padua belagerte als Verbündeter König Ludwigs I. von Ungarn 1356 Treviso im Kampf gegen Venedig. Mehrere Dogen waren in diesen Jahren Podestaten von Treviso, bevor sie in ihr Amt gewählt wurden. 1358 unterlag Venedig in der Schlacht bei Nervesa, Venedig verlor Dalmatien an Ungarn. Auch die Verhandlungen mit Karl IV. um die Markgrafschaft Treviso gingen zuungunsten Venedigs aus. 1392 bemühten sich die Scaligeri, Treviso und andere Städte zurückzugewinnen, ebenso wie die Stadt im Chioggia-Krieg in Mitleidenschaft gezogen wurde. 1381 sah sich Venedig, das von Genua bedrängt wurde, gezwungen, Treviso als Pfand an Leopold III. von Habsburg zu geben, um militärische Unterstützung zu gewinnen. Drei Jahre später kauften die Carrara Treviso. Mittels eines Aufstands gelang es Venedig 1388, die Carrara zu vertreiben und Treviso erneut zu gewinnen; es fiel jedoch 1392 erneut kurzzeitig an die Carrara.
Vier Jahrhunderte lang blieb die Stadt nun venezianisch. Im 14. und 15. Jahrhundert nahm in Treviso und seinem Territorium die ökonomische Abhängigkeit von Venedig zu, insbesondere aufgrund der Aufkäufe von Großgrundbesitz durch venezianische Patrizier.
Neuzeit Die Zugehörigkeit Trevisos zum Herrschaftsgebiet Venedigs bedeutete auch, dass es in die Kriege gegen die verschiedenen Bündnisse gezogen wurde, die sich gegen Venedig bildeten, wie etwa die Liga von Cambrai. Im Zuge der Italienischen Kriege marschierte Maximilian I. im August 1509 in Italien ein und belagerte Padua und Treviso 40 Tage lang. Anführer der Verteidiger in Treviso war Renzo degli Anguillara da Ceri. Nachdem der mit dem Habsburger verbündete französische König am 15. Oktober abgezogen war, beendeten auch die kaiserlichen Truppen die Belagerung.Michael Edward Mallett, Christine Shaw: The Italian Wars 1494–1559. War, State and Society in Early Modern Europe. Routledge, London 2014, S. 102–103.