Der oder die Echte Salbei (Salvia officinalis), auch Garten-Salbei (oft auch Gartensalbei), Küchensalbei oder Heilsalbei genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Salbei (Salvia). Diese immergrüne Gewürz- und Heilpflanze stammt aus dem Mittelmeerraum, ist aber mittlerweile in Kultur in ganz Europa verbreitet.
Beschreibung mini|links|Habitus mini|links|Behaarte Blattunterseite mini|Blütenstand mit zygomorphen Blüten
mini|Einzelblüte mini|Klausen
Erscheinungsbild und Blatt Der Echte Salbei wächst als Halbstrauch und erreicht Wuchshöhen von bis zu 80 Zentimetern. Alle seine Pflanzenteile besitzen einen starken aromatischen Geruch. Die in Bodennähe verholzten Stängel des Echten Salbei sind schwach vierkantig bis rundlich und in der Regel von unten an stark verzweigt. Sie steigen gerade oder bogig gekrümmt auf und sind besonders im oberen Teil dicht kraus behaart. Aus dem verholzten Stängelteil, aber auch aus den Achseln der unteren Blätter am Stängel, treiben häufig dicht beblätterte, sterile Zweige. Sie bilden also keinen Blütenstand.
Die Laubblätter stehen paarweise gegenständig am Stängel. Die unteren Laubblätter haben einen Stiel, der so lang wie die Blattspreite sein kann (bis etwa 9 Zentimeter). Die Länge der Blattstiele nimmt am Stängel nach oben hin ab; die oberen Blätter sind ungestielt (sitzend). Die einfachen Blattspreiten sind bei einer Länge von etwa 2 bis 9 Zentimetern und einer Breite von 0,5 bis zu 5 Zentimeter länglich-eiförmig bis schmal elliptisch. Die runzelige Blattoberfläche ist weißfilzig behaart und daher von graugrüner Farbe. Ältere Laubblätter verkahlen, besonders auf der Oberseite. Der Blattrand ist ringsum fein gekerbt bis fast ganzrandig.
Blütenstand, Blüten und Frucht Die Blütezeit reicht in Mitteleuropa von Mai bis Juli. Die Blüten stehen an kurzen Blütenstielen im oberen Stängelteil zu je vier bis zehn in fünf bis acht lockeren Scheinquirlen. Die zwittrigen Blüten sind zygomorph und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Der etwa 1 Zentimeter lange, meist rotbraune röhrig-glockige Blütenkelch ist deutlich in einen oberen Teil mit drei und einen unteren mit zwei Zipfeln gegliedert und auf den Nerven und am Rand flaumig behaart. Die Kelchröhre ist etwa 8 Millimeter lang. Die violetten, selten rosafarbenen oder weißen Blütenkronen haben die typische Form der Lippenblütengewächse und sind 2 bis 3 Zentimeter lang. Die Oberlippe ist fast gerade und vergleichsweise wenig gewölbt und in 2 kurze abgerundete Lappen geteilt. Die Unterlippe ist dreiteilig und hat einen ausgerandeten rundlichen Mittellappen. Von den 4 Staubblättern sind die hinteren 2 nur als Staminodien entwickelt. Der obere Griffelast ist kürzer als der untere. Die Klausenfrüchte zerfallen in vier schwarze etwa 2 bis 3 Millimeter große Klausen.
Chromosomensatz Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 14.
Vorkommen Der Echte Salbei ist eine traditionelle Pflanzenart der Bauerngärten. Als wärmeliebende Pflanze mediterraner Herkunft ist er in Mitteleuropa nur bedingt winterhart und benötigt in klimatisch rauen Lagen Winterschutz. Er ist daher wenig konkurrenzfähig zu Wildpflanzen und in Mitteleuropa nur selten verwildert anzutreffen. Der Echte Salbei gedeiht am besten auf kalkreichen, steinigen und trockenen Böden (beispielsweise in lückigen Xerothermrasen).Johannes Gottfried Mayer, Bernhard Uehleke, Kilian Saum: Das große Buch der Klosterheilkunde. Zabert Sandmann, München 2013, ISBN 978-3-89883-343-1, S. 155.
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 1+ (trocken), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).
mini|Habitus, Laubblätter und Blütenstände von Salvia officinalis subsp. lavandulifolia mini|Habitus und Laubblätter im Habitat von Salvia officinalis subsp. oxyodon mini|Panaschierte Laubblätter der Sorte ‘Tricolor’ Taxonomie, Systematik und Verbreitung Die Erstveröffentlichung von Salvia officinalis erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum Band 1 Seite 23. Viele Synonyme sind nur Kulturformen.
Je nach Autor gibt es von Salvia officinalis mehrere Unterarten: Salvia officinalis subsp. gallica (Syn.: Salvia lavandulifolia subsp. gallica, Salvia officinalis var. gallica ): Sie kommt von Südwestdeutschland bis Italien vor. Salvia officinalis subsp. lavandulifolia (Syn.: Salvia lavandulifolia , Salvia officinalis var. lavandulifolia , Salvia hispanorum , Salvia tenuior , Salvia rosmarinifolia , Salvia officinalis var. hispanica , Salvia officinalis var. hispanorum , Salvia approximata , Salvia lavandulifolia subsp. pyrenaeorum, Salvia lavandulifolia subsp. approximata , Salvia lavandulifolia var. adenostachys , Salvia lavandulifolia var. trichostachya , Salvia lavandulifolia var. approximata , Salvia lavandulifolia var. pyrenaeorum , Salvia officinalis subvar. adenostachys , Salvia officinalis var. adenostachys , Salvia officinalis var. approximata , Salvia officinalis var. trichostachya ): Sie kommt nur im zentralen und östlichen Spanien vor. Sie steigt in Spanien in Granada bis etwa 2000 Meter Meereshöhe auf. Salvia officinalis subsp. multiflora : Sie kommt auf der nordwestlichen Balkanhalbinsel vor. Salvia officinalis subsp. officinalis (Syn.: Oboskon cretica , Salvia cretica , Salvia hispanica , Salvia minor , Salvia digyna , Salvia chromatica , Salvia grandiflora nom. illeg., Salvia papillosa , Salvia crispa , Salvia clusii , Salvia tricolor , Salvia officinalis var. absynthiina , Salvia officinalis var. albiflora , Salvia officinalis var. crispa , Salvia officinalis var. icterina , Salvia officinalis var. latifolia , Salvia officinalis var. milleri , Salvia officinalis var. purpurascens , Salvia officinalis var. rubriflora , Salvia officinalis var. salicifolia , Salvia officinalis var. sturnina , Salvia officinalis var. tenuior , Salvia officinalis var. alba , Salvia officinalis var. variegata , Salvia officinalis var. frankei Salvia officinalis var. longiaristata ): Die Heimat ist Italien und die westliche Balkanhalbinsel. Salvia officinalis subsp. oxyodon (Syn.: Salvia oxyodon, Salvia lavandulifolia subsp. oxyodon , Salvia lavandulifolia var. lagascana , Salvia lavandulifolia var. spicata, Salvia aucheri var. aurasiaca , Salvia officinalis var. purpurascens nom. illeg., Salvia lavandulifolia var. aurasiaca , Salvia blancoana var. aurasiaca , Salvia blancoana var. lagascana ): Sie kommt nur im südöstlichen Spanien vor.
Inhaltsstoffe des Heilsalbeis Die Hauptwirkstoffe sind die ätherischen Öle mit den Inhaltsstoffen Thujon, Linalool und 1,8-Cineol, Gerbstoffe sowie Bitterstoffe. Salbei enthält darüber hinaus eine Vielzahl an Flavonoiden, wobei Rosmarinsäure gefolgt von Kaffeesäuren am häufigsten vorkommen. Bei Überdosierung ist das ätherische Öl durch seinen Gehalt an Thujonen giftig. Die Verwendung von Salbei für den Dauergebrauch als Kräutertee wird daher als bedenklich angesehen.
Verwendung In der Küche Die Verwendung von Salbei als Heilmittel hat eine lange Tradition. Als Gewürz hielt er erst im Mittelalter Einzug in unsere Küche. Salbei wird die Fähigkeit zugesprochen, das Ranzigwerden von Fetten zu verlangsamen.
Salbei riecht aromatisch und schmeckt würzig, bitter und ist adstringierend (d. h. zusammenziehend oder auch „pelziges“ Mundgefühl). Das Gewürz wird für Fleischgerichte, Wild, Geflügel, Würste, Fischgerichte und Kräuterkäse benutzt. Besonders zu fetten Speisen passt Salbei gut, denn er fördert die Bekömmlichkeit schwerer Kost.
Roh und fein gehackt sind Salbeiblätter geeignet für Fischgerichte und Geflügelfüllungen, zum Aromatisieren von Gemüse und Suppen wird Salbei ebenfalls verwendet.
Im 19. Jahrhundert waren Salbeiküchlein ein klassisches Gebäck für die Kirchweih oder Kirmes, was auf ihren angeblichen Schutz vor Rausch zurückgeht.
In vielen Ländern, so z. B. in der Türkei, ist Salbeitee ein traditionelles Getränk (Siehe auch Türkische Kräutertees).
Salbei in der Kosmetik Die im Salbei enthaltenden Gerbstoffe lassen sich auch für kosmetische Zwecke im Bereich der Haare einsetzen. Angewendet wird Salbei dabei als Sud, der die Haare insgesamt dunkler macht. Salbei lässt sich ferner bei unreiner Haut anwenden.
Salbei als Bienenweide Die Blüten des Salbeis sind eine hervorragende Bienenweide, der mögliche Honigertrag pro Hektar Anbaufläche kann 600 kg im Jahr überschreiten und übertrifft damit noch deutlich als gute Bienenweide geltende Pflanzen wie den Raps.
In der Heilkunde mini|links|Echter Salbei in Form der Blattdroge (Salviae folium) Salbei, insbesondere Echter Salbei (Salvia officinalis) wird in der Heilkunde eingesetzt, wobei vor allem die Salbeiblätter Verwendung finden. Der Echte Salbei war bereits im Altertum bekannt. Im Mittelalter fanden auch dessen Blüten (lateinisch Lilifagus)salbeia. In: Etymologisches Wörterbuch des Althochdeutschen.Zu lilifagus (Echter Salbei oder Wiesensalbei) siehe auch Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 417 und 453–454 (zu saluey, und zu salbaiipletter: Blätter des Echten Salbei).Vgl. auch Bernhard Schnell: Der deutsche „Macer“: Vulgatfassung. Mit einem Abdruck des lateinischen Macer floridus ‘De viribus herbarum’ kritisch herausgegeben (= Texte und Textgeschichte. Würzburger Forschungen. Band 50). Niemeyer, Tübingen 2003, ISBN 3-484-36050-X, S. 392 (lelysfagus für Salbei bzw. Salvia officinalis L.)) Verwendung. Traditionell ist die antivirale, bakterien-, entzündungshemmende sowie adstringierende, d. h. zusammenziehende Wirkung des Echten Salbeis bekannt.Wabner / Beier: Aromatherapie. 2. Auflage. 2012, S. 271. Bei Entzündungen des Mund- und Rachenraumes werden handelsübliche wässrige oder alkoholische Auszüge zum Gurgeln eingesetzt. Salbeitee kann ebenfalls zum Gurgeln benutzt oder getrunken werden. Ihm wird eine schweißhemmende Wirkung zugesprochen. Die Inhaltsstoffe des Heilsalbeis sollen außerdem sekretionsfördernd wirken und die Funktion des Nervensystems unterstützen.Wabner / Beier: Aromatherapie 2. Aufl. 2012, S. 271.
Der Echte Salbei wirkt etwa bei Halsschmerzen als Kräutertee oder gegen übermäßiges Schwitzen. Neben der schweißhemmenden besitzt der Salbeitee auch eine verdauungsfördernde Wirkung. Beispielhaft erwähnt sei die Linderung von Magen- und Darmschmerzen nach einer Antibiotika-Therapie. Enthaltene trizyklische Diterpene wie Carnosol und Carnosolsäure besitzen eine antioxidative, antimikrobielle sowie chemoprotektive Wirkung gegen Karzinogene.
Salbeiöl Salbeiöl ist ein grünlich-gelbes ätherisches Öl, das mittels Wasserdampfdestillation aus den Blättern des Gartensalbeis gewonnen wird. Es besteht vor allem aus Eucalyptol, Kampfer und Thujonen und kommt besonders bei desinfizierend wirkenden pharmazeutischen Zubereitungen zum Einsatz.
Zierpflanze Der Echte Salbei ist seit spätestens dem 9. Jahrhundert in Kultur. Er wird zerstreut in Bauerngärten und Staudenbeeten gepflanzt. Es wurden einige Sorten gezüchtet, die sich zum Beispiel durch rosa oder weiße Blüten auszeichnen. Die Vermehrung kann über Aussaat und Stecklingen erfolgen. In strengen Wintern empfiehlt sich im Freiland Winterschutz in Form von Koniferenzweigen oder einer Laubpackung.Eckehart Jäger, Friedrich Ebel, Peter Hanelt, Gerd K. Müller (Hrsg.): Rothmaler Exkursionsflora von Deutschland. Band 5: Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Spektrum Akademischer Verlag, Berlin/Heidelberg 2008, ISBN 978-3-8274-0918-8, S. 512.mini|Modell einer Blüte von Salvia officinalis, Botanisches Museum Greifswald
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