mini|Stiftskirche und Schloss Die evangelische Stiftskirche St. Peter und Paul steht in der Stadt Öhringen im Hohenlohekreis von Baden-Württemberg. Die Kirchengemeinde gehörte bis 2024 zum Kirchenbezirk Öhringen und gehört seit 1. Januar 2025 zum Teilgebiet Öhringen im neuen Kirchenbezirk Hohenlohe der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Die Stiftskirche ist das weithin sichtbare Wahrzeichen der Stadt. Die spätgotische, dreischiffige Hallenkirche wurde von 1454 bis 1497 errichtet.

Geschichte des Stifts und seiner Kirche Hauptartikel: Chorherrenstift Öhringen mini|links|hochkant|Öhringer Stiftungsbrief, datiert auf das Jahr 1037 Die erste urkundliche Erwähnung einer Kirche in Öhringen erfolgte im Jahr 1037, als die damals bereits dort befindliche Pfarrkirche durch eine Stiftung Bischof Gebhardts III. von Regensburg und seiner Mutter Adelheid in ein Chorherrenstift umgewandelt wurde. Die Urkunde über diese Stiftung ist der Öhringer Stiftungsbrief.

An der Stelle der heutigen Stiftskirche befand sich ursprünglich wohl eine Holzkapelle oder -kirche, die eventuell schon vor der Stiftung 1037 durch einen einschiffigen Steinbau ersetzt worden war. Neben der Stiftskirche lag ursprünglich der Ortsfriedhof, der jedoch 1520 vor die Tore der Stadt verlegt wurde. Der Platz bei der Kirche wurde dann zum Marktplatz.

Eigenkirchherr der Stiftskirche war das Bistum Regensburg, die Kirche erhielt die Heiligen Petrus und Paulus als Patrone. Die Kirche war von Anfang an als Stifts- und Pfarrkirche konzipiert, das heißt, der östliche Teil war den Chorherren, der westliche den Laien vorbehalten. Das Chorherrenstift war ein der so genannten Aachener Form folgendes Stift ohne Gütergemeinschaft, das jedem der Stiftsherren einen eigenen Wohnsitz und Hausstand zugestand. Der Konvent der Stiftsherren wählte aus seiner Mitte einen Propst, der das Stift nach außen vertrat.Sönke Lorenz, Oliver Auge, Sigrid Hirbodian (Hrsg.): Handbuch der Stiftskirchen in Baden-Württemberg. Ostfildern 2019, aber oft nicht vor Ort wohnte: 1509 hatte seit hundert Jahren kein Propst mehr in Öhringen gelebt. Die Stiftsherren führten ursprünglich ihre gottesdienstlichen Pflichten – zu denen auch das Predigen gehörte – selbst aus, ließen sich später jedoch durch geringer besoldete Vikare vertreten. Schon seit dem Ende des 14. Jahrhunderts war in zunehmendem Maße auch die Anstellung eines besoldeten Predigers durch Stiftung einer Prädikatur üblich geworden. Dies geschah in Öhringen erst im Jahre 1506, nachdem nun im Neubau auch eine Kanzel vorhanden war.Matthias Figel: Der reformatorische Predigtgottesdienst. Eine liturgiegeschichtliche Untersuchung zu den Ursprüngen und Anfängen des evangelischen Gottesdienstes in Württemberg. Epfendorf/Neckar 2013, S. 189–195 (Liste: Die Prädikaturen in Württemberg vor der Reformation)

Baugeschichte mini|hochkant|Gründung des Chorherrenstifts 1037 Am 3. Januar 1453 erteilte Papst Nikolaus V. in einer in Rom ausgestellten Bleibulle der Stiftskirche Öhringen und all denen, die an Peter und Paul die Kirche besuchten und zu ihrer Erbauung eine Stiftung machten, einen Ablass. 1454 begann man die in schlechten Zustand geratene Kirche von Osten her zu erneuern. Die erste Baurechnung stammt aus dem Jahr 1453, eine Steininschrift am nördlichen Strebepfeiler nennt als Datum der Grundsteinlegung den 31. März 1454. 1457 waren bereits der Läutturm erbaut und drei Altäre in der Gruft aufgestellt, als der andere Turm an der Westseite nach einem Unwetter einstürzte und dabei einen Teil des Kirchenschiffs ruinierte, worauf die völlige Erneuerung der Kirche notwendig wurde. Der erste Bauabschnitt mit der Weihe des oberen Choraltars wurde 1467 abgeschlossen. Danach wurde der Bau der Kirche für fast 20 Jahre unterbrochen und erst ab 1486 fortgesetzt. Im Jahr 1494 konnten zehn Altäre im Langhaus geweiht werden, im Jahr 1497 dürfte mit der Einwölbung des Kirchenschiffes die bauliche Fertigstellung der Kirche erfolgt sein, die Ausstattung war im Jahr 1501 vollendet. Die Gesamtbaukosten beliefen sich auf 10.000 bis 12.000 Gulden. Der Baumeister des Chores ist unbekannt, als Baumeister der restlichen Anlage gelten Hans [Koch] von [Aurach] Urach und der Heilbronner Bernhard Sporer, ein Schüler Aberlin Jörgs, dessen Schule der gesamte Bau zugerechnet wird.

Das Dachwerk des Chors wurde 1462, das der Vierung 1469 aufgerichtet. Das Dachwerk des Langhauses wurde 1489 aufgerichtet, wie dendrochronologische Untersuchungen ergaben. Bemerkenswert am Dachstuhl der Stiftskirche ist, dass er nahezu identisch ist mit der alten Konstruktion des Dachstuhls der Stuttgarter Stiftskirche.Hermann Berkenhoff: Bauzustand und Sanierungsmaßnahmen. In: 950 Jahre Stift Öhringen (s. Literatur). S. 71f. Der komplette Dachstuhl wurde in den Jahren 1985 bis 1987 umfassend saniert.

In den Jahren 1502 bis 1507 wurde die Kirche von Baumeister Sporer um das Stiftsgebäude und den dreiflügeligen Kreuzgang ergänzt. Dieser wurde vermutlich an Stelle eines romanischen Vorgängers errichtet. Das Äußere des Stiftsgebäudes erscheint gegen Westen, zum Marktplatz hin, als Giebelhaus mit einem spitzbogigen Portal zum Kreuzgang und einem Torbogen zum Stiftshof. Das heute nicht mehr bestehende, nördlich anschließende Fruchthaus wurde 1589 im Renaissance-Stil erbaut.

Das unmittelbar an die Kirche anschließende, zum Marktplatz zeigende Kornhaus gehörte nicht zum Gebäudeensemble des Stifts. Es wurde 1568 erstmals als Ratstrinkstube erwähnt und diente daneben als Brot- und Kornhaus.

Der Stuttgarter Architekt und Baudirektor Theodor von Landauer stattete 1888 die Stiftskirche neugotisch aus. Die Kirchenrenovierung 1955 besorgte jedoch die Rückführung auf spätgotische Gestalt.

Das Ende des Chorherrenstifts Bereits im späten 15. Jahrhundert erlebte das Stift einen finanziellen und moralischen Niedergang. Die Verweltlichung der Sitten im Stift führte zu „ärgerlichen Ausschreitungen“ und „sorgenlosem Genuss“. 1514 verkaufte das Stift aus Geldnot Altbesitz in Eichach, Pfahlbach und Ernsbach an Graf Kraft VI. von Hohenlohe. Mit der Reformation wurde die Stiftsverwaltung samt Stiftskirche im Jahr 1556 dann komplett vom Haus Hohenlohe übernommen. Die Stiftspersonen durften noch bis an ihr Lebensende im Chor die katholische Messe halten, wofür bis 1581 eine Mauer Chor und Kirchenschiff trennte. Nach der Mediatisierung wurde das Stiftsvermögen von Württemberg eingezogen, so dass sich die Stiftskirche bis heute im Besitz des Landes Baden-Württemberg befindet.

Gymnasium mini|links|Stiftskirche 1823 Die früheste Schule in Öhringen im 16. Jahrhundert geht auf das Chorherrenstift zurück. Im Stiftsgebäude war noch bis 1956 das Öhringer Gymnasium untergebracht, das nach der Auflösung des Chorherrenstifts in ein Landesgymnasium umgewandelt worden war. Im Stiftsgebäude befinden sich unter anderem Veranstaltungsräume der evangelischen Kirchengemeinde (Weizsäcker-Saal) sowie die Diakonische Bezirksstelle.

Besondere Bedeutung kam dem Türmer zu. Die älteste Urkunde, die einen Türmer auf dem Blasturm erwähnt, datiert aus dem Jahr 1521. Seit dem Ende des 16. Jahrhunderts sind die Türmer nahezu lückenlos belegt. Bis zum Tod des letzten Türmers 1902 war die Stelle besetzt. Der Türmer wachte über die Stadt. Er musste die Zeit „anblasen“ (bis zur Einrichtung einer mechanischen Turmuhr im 18. Jahrhundert) und bei Feuer die Feuerglocke läuten. Die Reformation bezog den Türmer immer stärker auch als Musiker in der Kirche ein. Aus dem vormaligen Stadtpfeifer wurde mehr und mehr ein „Stadt-Musicus“, der zusammen mit seinen Gesellen für die Musik zu den verschiedensten Anlässen sorgte. Daraus entwickelte sich über die Jahrhunderte die heutige Stadtkapelle Öhringen, deren Dirigent auch heute noch bei der Stadt Öhringen angestellt ist. Blechbläser der Stadtkapelle versehen bis heute den Dienst, nach dem sonntäglichen Gottesdienst auf dem Blasturm einige Choräle zu spielen. Die Türmerwohnung wurde im Zweiten Weltkrieg als Beobachterstellung für die Flugabwehr und nach Kriegsende als Notwohnung für Vertriebene und Flüchtlinge genutzt. 1991 wurde sie zum Museum umgestaltet.

Beschreibung Blasturm und Läutturm mini|links|hochkant|Stiftskirche mit Blasturm und Läutturm mini|hochkant|Läutturm Die Stiftskirche hat zwei Türme, den im Westen gelegenen Blasturm mit Türmerwohnung und den Läutturm genannten Glockenturm im Osten. Der Blasturm ist 56,16 Meter hoch. Er wurde 1494 mit dem Neubau der Kirche fertiggestellt. An den Turm wurde im Jahr 1498 ein „Almosenhäuschen“ angebaut, das heute nicht mehr besteht. Die erste bauliche Veränderung am Blasturm wurde 1614 vorgenommen, als das farbige Ziegeldach durch ein Schieferdach ersetzt wurde. Der steinerne Umgang des Turms in 32 Metern Höhe wurde im Jahr 1727 mit einem eisernen Geländer versehen.

Der Blasturm besteht aus sieben Stockwerken und dem Dachstuhl. Über dem Haupteingang zur Stiftskirche, das sich im unteren Teil des Turms befindet, sind die Statuen der Patrone Petrus und Paulus angebracht. Der Turm ist mit einer Turmuhr ausgestattet, die auf allen vier Turmseiten ein Zifferblatt aufweist. In den Stockwerken befinden sich neben zwei Archiven der hohe Uhrenraum mit einem alten Uhrwerk, die Musikkammer, der sogenannte „Verschlooch“ (Verschlag, Schlafkammer des Türmergehilfen) und die Türmerwohnung mit Umgang im siebten Stock. Der Umgang ermöglicht den Sichtkontakt zu allen Türmen der Öhringer Stadtmauer.

Seit dem Beginn des 16. Jahrhunderts befand sich im zweiten und dritten Stock des Blasturms das Gemeinschaftliche Hausarchiv des Hauses Hohenlohe (gegründet 1511) sowie das Gemeinschaftliche Archiv der Hohenloher-Neuensteiner Linie (gegründet 1609).Internetpräsenz Landesarchiv Baden-Württemberg Mit der Renovierung des Turms 1956 wurde der Archivstandort aufgegeben. Die beiden Archive befinden sich seitdem im Hohenlohe-Zentralarchiv im Schloss Neuenstein, wo alle anderen hohenlohischen Archive verwahrt werden und benutzbar sind.

Der 54,56 Meter hohe, im Osten gelegene Läutturm beherbergt vier Glocken: Gloriosa (1961), Dominica (1416, gegossen von Glockengießer Seitz aus Nürnberg), Kreuzglocke (1951, „Zum Gedächtnis unserer Gefallenen und Vermissten“) und Morgenglocke (1428).

Kirchenschiff mini|Blick nach Osten zum Altar mini|Blick nach Westen zur Empore Die Stiftskirche ist eine dreischiffige Hallenkirche der späten Gotik. Jedes der nach Osten zum fünfseitigen Chor hin offenen Schiffe hat Kreuzgewölbe. Das Gewölbe ruht auf Pfeilern, so dass der Eindruck einer weiten Pfeilerhalle entsteht. An der westlichen Stirnseite des Mittelschiffs ist eine Empore eingezogen, auf der sich die Orgel befindet.

Von einem Vorgängerbauwerk enthält das heutige Kirchengebäude nur noch wenige Reste, beispielsweise kann das ehemalige Querschiff einschließlich der Vierung in den großen östlichen Jochen der heutigen Kirche erkannt werden.

Kanzel und Kanzelträger