mini|Jüdischer Gemeindekalender von 1831, Berlin

Der jüdische Kalender (, sinngemäß ‚der Hebräische Kalender‘) ist ein Lunisolarkalender, der im Jahr 3761 v. Chr. mit der Zählung beginnt. Die Monate sind wie bei einfachen Mondkalendern an den Mondphasen ausgerichtet, Rosch Chodesch, (). Neben einem Normaljahr mit 12 Mondmonaten (ordentlich 354 Tage lang) gibt es Schaltjahre mit 13 Mondmonaten (ordentlich 384 Tage lang) zur Angleichung an das Sonnenjahr. Die kalendarischen Ausnahmeregeln können zu einer Verlängerung oder Verkürzung der ordentlichen Jahreslängen um jeweils einen Tag führen.

Das jüdische Jahr beginnt heutzutage im Herbst mit dem Tischri, die Reihe der Monate dagegen im Frühjahr mit dem Nisan. In biblischer Zeit waren beide Monate als Jahresanfang gebräuchlich, wobei im wirtschaftlichen und zivilen Bereich der Tischri verwendet wurde (so begannen die Sabbatjahre mit dem Tischri), im religiösen Bereich aber der Nisan, der Monat, in dem das Volk Israel aus Ägypten auszog.

Die Monatsnamen sind chaldäisch und stammen aus dem babylonischen Exil. Sie wurden aus dem babylonischen Kalender übernommen.

Entstehung und Hintergründe Der jüdische Kalender wurde in seiner Entwicklung sowohl von eigenen, israelitischen Traditionen geprägt als auch von Elementen fremder Kulturen, besonders während des babylonischen Exils. Die Sumerer kannten bereits in der Mitte des dritten Jahrtausends Schaltregeln, mit denen bestimmt werden konnte, welche sieben Jahre innerhalb von den neunzehn Jahren eines Meton-Zyklus einen zusätzlichen dreizehnten Mondmonat eingeschaltet bekommen müssen, damit der Lunisolarkalender mit 235 synodischen beziehungsweise mit 254 siderischen Mondzyklen sowie 19 tropischen Sonnenzyklen synchron bleibt. Diese Tradition wurde von den Akkadiern übernommen, und im jüdischen Kalender wurden die akkadischen Bezeichnungen dieser Monate übernommen. mini|hochkant=1.2|Mondphasen als reflektierte Helligkeit. Bei Neumond 1 ist kein Anteil der sonnenbestrahlten Mondoberfläche sichtbar. Jeder hebräische Monat beginnt heute ungefähr bei Neumond. Seit babylonischer Zeit wurde der Monatsbeginn nach dem sichtbaren Beweis der „Geburt des Mondes“ durch Zeugen bestimmt; die Nachricht darüber wurde durch Signalfeuer und Gerichtsboten verbreitet, was bei schlechtem Wetter lange dauern konnte.Joseph Jacobs, Cyrus Adler: “Calendar, History of.” In: Jewish Encyclopedia. Die empirische Berechnung des Monatsbeginns entwickelte sich so bereits in der vorrömischen Zeit vor allem in der Diaspora zu einem Streitpunkt.Martin Goodman: Judaism in the Roman World. Leiden 2007, S. 40. Die jüdischen Gemeinden im antiken Griechenland und Makedonien rechneten ebenso wie die in Palästina in der frühen Römerzeit mit dem lunaren Kalender, während die Gemeinden in Kleinasien und Syrien den julianischen Kalender verwendeten. Die Juden in Alexandria wiederum verwendeten einen besonderen ägyptischen Mondkalender.

Die bis in das 4. Jahrhundert geradezu als Geheimnis gehütete Systematik und Berechnung des jüdischen Kalenders wurde im Wesentlichen erst durch den Patriarchen Hillel II. im Jahr 359 n. Chr. einheitlich festgelegt und veröffentlicht. Mit der Festlegung sollte auch verhindert werden, dass die Römer durch Behinderung der Rituale und Gerichte das jüdische Leben gefährdeten. Anhand dieses Kalenders wusste nun jeder im Voraus, welcher Monat 29 und welcher 30 Tage hat.„Under the reign of Constantius (337-361) the persecutions of the Jews reached such a height that all religious exercises, including the computation of the calendar, were forbidden under pain of severe punishment. The Sanhedrin was apparently prevented from inserting the intercalary month in the spring; it accordingly placed it after the month of Ab (July-August).“ – Joseph Jacobs, Cyrus Adler: Calendar, History of, in: Jewish Encyclopedia 1906

Durchgesetzt hat sich die von Hillel II. festgelegte Regelung jedoch – insbesondere was die Zählung der Jahre betrifft, deren Beginn ursprünglich auf den Anfang der Seleukiden-Ära 312 v. Chr. festgesetzt wurde – erst ab dem 11. Jahrhundert. Heute ist der Kalender im Kreis angeordnet. Er beginnt immer im September oder Oktober.

Tageszählung Der jüdische Kalender rechnet den Tag vom Abend zum Abend (, Gen. 1,5). Der Tag endete im früheren jüdischen Kalender, wenn mindestens drei „mittlere“ Sterne sichtbar wurden, die zu einem Himmelsdreieck verbunden werden konnten, wobei sich die Bezeichnung „mittlere“ auf Sterne erster und zweiter Größe bezieht.

Der zweite Feiertag Trafen die Boten des Gerichts in Jerusalem nicht rechtzeitig bei den in der Diaspora lebenden Juden ein, um ihnen das genaue Datum des Monatsbeginns mitzuteilen, feierten diese zur Sicherheit jedes in der Tora erwähnte Fest zwei Tage lang anstelle von nur einem, denn sie wussten ja nicht, ob der vorherige Monat 29 oder 30 Tage gehabt hatte. Um einem Irrtum vorzubeugen und um das Fest nicht zu entweihen, führten sie diesen Feiertag ein. Dieses ist der „zweite Feiertag in der Diaspora“ geworden, ein Brauch, der sich bis heute erhalten hat.

Nur der Versöhnungstag wird an einem einzigen Tag begangen, da man berücksichtigte, dass es dem Menschen schwerfällt, hintereinander 48 Stunden zu fasten. Das Neujahrsfest dauert auch im Land Israel zwei Tage, weil man selbst dort nicht immer wusste, ob der Monat Tischri nach 29 oder 30 Tagen beginnen würde. Zur Sicherheit hörte das Volk am Ende des 29. Elul auf zu arbeiten und „tat heilig“ wie an einem gewöhnlichen Feiertag. Um irgendwelche Irrtümer von vornherein auszuschließen, ordneten die jüdischen Gelehrten schließlich die zweitägige Dauer des Festes an. Trotz des später exakt bestimmten Kalenders feiert man in der Diaspora immer noch den „zweiten Feiertag“, mit der Begründung, es sei „Brauch der Vorfahren“.

Aufbau des Kalenders mini|Kalender für das Jahr 1840/41. Gedruckt bei I. Lehrberger u. Comp., Rödelheim. In der Sammlung des Jüdischen Museums der Schweiz. Der jüdische Kalender gliedert sich in Jahre, Monate und Tage. Dieser Kalender ist ein Lunisolarkalender (Mond-Sonnen-Kalender), der sich also sowohl am Mondjahr wie auch am Sonnenjahr orientiert.

Die Monate werden durch die Mondphasen bestimmt. Da zwölf Mondmonate aber nur 354 und nicht die 365 Tage eines Sonnenjahrs ergeben, würden diese bei reinen Mondkalendern durch das Sonnenjahr wandern. Da die jüdischen Feste aber eng mit der Jahreszeit verbunden sind und Naturereignisse oder landwirtschaftliche Bräuche zum Inhalt haben, die jedem Fest seinen besonderen Charakter verleihen, benötigt der jüdische Kalender eine Schaltregulierung zum Ausgleich.

Um diesen Ausgleich zu dem um 11 Tage längeren Sonnenjahr zu schaffen, wird in einem Zyklus von 19 Jahren siebenmal ein dreißigtägiger Schaltmonat vor dem eigentlichen Adar hinzugefügt. Als Schaltjahre sind das 3., 6., 8., 11., 14., 17. und 19. Jahr bestimmt.Eli Barnavi (Hg.): Universalgeschichte der Juden. Von den Ursprüngen bis zur Gegenwart, Verlag Christian Brandstätter, Wien 1993, S. 72.

Das Jahr mini|Der Zyklus des jüdischen Jahres mit den Monaten im Vergleich und Korrespondenz zum Gregorianischen Kalender. Der jüdische Kalender zählt die Jahre ab dem Zeitpunkt der biblischen Schöpfung der Welt,Der Brockhaus multimedial 2009 die Hillel II. auf das Jahr 3761 v. Chr. berechnete. Dadurch befindet sich der jüdische Kalender bereits im sechsten Jahrtausend. Gelegentlich werden jüdische Jahreszahlen aber nur dreistellig angegeben, hier wird das jüdische Jahrtausend als bekannt vorausgesetzt. In der Umschrift wird diese Schreibweise gelegentlich mit dem Zusatz „nach der kleinen Zählung“ (n. d. k. Z. – לפ״ק) kenntlich gemacht.

Das jüdische neue Jahr (mit der jeweils nächsthöheren Jahreszahl) beginnt im Herbst mit dem ersten Tag des siebten Monats Tischri, der Rosch ha-Schana („Haupt des Jahres“) genannt wird. Dieser Tag kann nur auf einen Montag, Dienstag, Donnerstag oder Samstag fallen. Als erster Monat des Jahres wird hingegen der Frühlingsmonat Nissan nach biblischer Tradition mit dem Auszug der Israeliten aus Ägypten nummeriert (Ex 12,2). Nach Meinung von Historikern geht diese ungewöhnliche Anordnung auf die Übernahme der babylonischen Monatsnamen durch die Israeliten zurück. Im babylonischen Kalender war der Nisannu der erste Monat. Die Diskrepanz zwischen der Monatszählung und dem Jahresbeginn folgt aus der Verbindung zwischen diesen fremden und den eigenen Traditionen Israels. Dies würde erklären, warum die Samaritaner bis auf den heutigen Tag Neujahr mit Beginn des ersten Monats feiern.Der Jüdische Kalender und die Zuordnung der Festtage JuedischesJahr.jpg; pic_WILAT_Fest_1.jpg

Schemitah Das , auch Schmita, eingedeutscht Schabbatjahr, ist gemäß der Tora ein Ruhejahr für das Ackerland und sonstigen landwirtschaftlichen Anbau in Israel. Nach sechs Jahren der Bewirtschaftung wird das Land – in Analogie zum Schabbat als Ruhetag – ein Jahr brach liegen gelassen.(; ) Das bisher letzte Schemittah-Jahr war das Jahr 5782, das vom 7. September 2021 bis zum 25. September 2022 dauerte.

Hebräischer Monat Hebräische Schreibweise Monate im gregorianischen Kalender landwirtschaftliche Aktivität (exemplarisch) klimatische Bedingungen Tischri תִּשְׁרֵי September/Oktober Oliven einsammeln, Winterfeigen Übergang zur Frühregenzeit Cheschwan חֶשְׁוָן Oktober/November Winterfeigen Frühregenzeit Kislew כִּסְלֵו November/Dezember Aussaat von Korn Regenzeit Tevet טֵבֵת Dezember/Januar Aussaat von Korn Regenzeit Schevat שְׁבָט Januar/Februar Spätsaat Spätregenzeit Adar אֲדָר Februar/März Spätsaat Spätregenzeit Nissan נִיסָן März/April Flachsschneiden, PessachDem jahreszeitlichen Rhythmus des Pessachfestes liegt nach Ernst Axel Knauf und Hermann Michael Niemann (Geschichte Israels und Judas im Altertum. De Gruyter, Berlin / Boston 2021, S. 36.) die Transhumanz (Wanderweidewirtschaft) zugrunde. Übergangszeit in das Frühjahr Ijjar אִיָּר April/Mai Gerstenernte Beginn der Sommerzeit Siwan סִיוָן Mai/Juni Frühfeigen, Weizenernte, Schavuot Sommer Tammuz תַּמּוּז Juni/Juli Weinlese Hochsommer Av אָב Juli/August Weinlese, Olivenernte Spätsommer Elul אֱלוּל August/September Sommerobst, Sommerfeigen, Datteln SpätsommerAus Abbildung 146 von Ernst Brückelmann, modifiziert aus Dieter Vieweger: Archäologie der biblischen Welt. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2012, ISBN 978-3-579-08131-1, S. 171

Mondjahr Die Länge eines Mondzyklus – die durchschnittliche Zeit von einem Neumond zum nächsten – dauert genau 29 Tage, 12 Stunden, 44 Minuten und 3 1/3 Sekunden (nach der jüdischen Zeitzählung 29 Tage, 12 Schaʿa und 793 Halakim – siehe Abschnitt Der Tag). Mit dieser Monatsdauer zwischen 29 und 30 Tagen hat ein Mondjahr 354 Tage, wenn die Monate abwechselnd 30 und 29 Tage dauern. Ein solches Jahr wird „reguläres Jahr“ genannt. Es ist jedoch gegenüber dem Lunarjahr (12 Mondzyklen) um 8 Stunden, 48 Minuten und 40 Sekunden (acht Shaʿa 870 chalakim) zu kurz. Daher wird ungefähr alle drei Jahre dem Monat Cheschwan ein Tag hinzugefügt, das betreffende Jahr hat dann 355 Tage und wird „übermäßig“ genannt. Ferner wird in anderen Jahren dem Monat Kislew ein Tag abgezogen, so dass er nur 29 Tage zählt. Ein solches Jahr wird „vermindert“ genannt. Durch diese Maßnahmen, die durch Listen von Sonnen- und Mondfinsternissen ermittelt wurden, ergeben sich im Durchschnitt lediglich Abweichungen von 0,42 Sekunden gegenüber der tatsächlichen Monatsdauer.

Sonnenjahr