Großheide (plattdeutsch Grootheid) ist eine Gemeinde im Landkreis Aurich in Ostfriesland (Niedersachsen). Sie grenzt im äußersten Südosten an die Kreisstadt Aurich und liegt etwa 15 km von deren Stadtzentrum entfernt sowie rund zehn km östlich der Stadt Norden.
Mit Einwohnern zählt sie zu den kleineren Einheitsgemeinden im Landkreis und auch zu den kleineren Einheitsgemeinden Ostfrieslands. Die Einwohner verteilen sich auf etwas mehr als 69 Quadratkilometer, was eine Einwohnerdichte von 123 pro Quadratkilometer ergibt. Damit liegt Großheide unter den Vergleichswerten für Ostfriesland (148), Niedersachsen (168) und der Bundesrepublik Deutschland (230).
Das Gemeindegebiet ist im äußersten Südosten vom Berumerfehner Moor geprägt, das in Teilen dem Naturschutzgebiet Ewiges Meer rund um den gleichnamigen größten Hochmoorsee Deutschlands angehört. Der namensgebende Ortsteil Berumerfehn ist die einzige Fehnsiedlung im Norderland und die nordwestlichste der Bundesrepublik. Zu den kulturellen Sehenswürdigkeiten gehört neben zwei historischen Windmühlen die um 1200 entstandene Bonifatius-Kirche im Ortsteil Arle.
Großheide ist kaum industrialisiert und verfügt insgesamt über wenig Gewerbe. Neben der Landwirtschaft spielt der Tourismus eine Rolle. Die Gemeinde ist in starkem Maße eine Auspendler-Gemeinde, vor allem in die Städte Norden, Aurich und Emden.
Geographie Lage und Ausdehnung { "type": "ExternalData", "service": "geoshape", "ids": "Q118862" }
Die in Nordseenähe gelegene Gemeinde liegt größtenteils auf dem ostfriesischen Geestrücken, auf dem ehemaligen Hochmoorgebiet an die Marsch grenzt. Noch immer zeugen Kanäle und zahlreiche Entwässerungsgräben an den Rändern der Weiden von der ehemaligen Moorlandschaft, die in Teilen heute noch erhalten ist.
Die größte Nord-Süd-Ausdehnung zwischen der Hofstelle Ostercoldinner Grashaus im Norden und dem Moorgebiet beim Königskeil im Süden beträgt etwa 14,5 Kilometer. In Ost-West-Richtung beträgt die Maximalausdehnung hingegen lediglich rund 7,6 Kilometer, zwischen Westermoordorf und der Grenze zur Nachbargemeinde Holtriem nahe Eversmeer.Die Entfernungen wurden ausgemessen mit Hilfe eines Tools auf den Seiten des Niedersächsischen Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie; abgerufen am 18. Januar 2012.
Geologie, Hydrologie und Böden Geologisch wird die Gemeinde Großheide wie ganz Ostfriesland oberflächlich von Sedimenten des Pleistozäns und des Holozäns gebildet. Pleistozäne Ablagerungen sind in den Geestgegenden zu finden, die den zentralen Teil des Gemeindegebiets um Arle und Menstede ausmachen. Teils werden die Geestsedimente von holozänen Moorböden überlagert. Die Böden der ostfriesischen Geest entstanden zumeist aus Decksanden und Geschiebelehm während des Drenthe-Stadiums der Saale-Kaltzeit.Eberhard Rack: Kleine Landeskunde Ostfriesland, Isensee Verlag, Oldenburg 1998, ISBN 3-89598-534-1, S. 24. Großheide liegt am nordwestlichen Ausläufer des oldenburgisch-ostfriesischen Geestrückens, der sich vom Oldenburger Raum nach Nordwesten bis in die Gegend von Norden zieht und in jener Richtung quer durch die ostfriesische Halbinsel verläuft.
Der äußerste Norden des Gemeindegebiets hat Anteil an den Kalkmarsch- und Kleimarschböden aus Ton und Schluff von hoher Ertragsfähigkeit, wie sie auch in den Nachbargemeinden Hagermarsch und Dornum zu finden sind. Südlich davon befinden sich kleinere Streifen mit Übergangsmarschböden.
Das Gemeindegebiet besteht im zentralen Teil im Raum Arle/Menstede/Westerende/Großheide aus Podsolböden auf Orterde oder Ortstein in trockenerer Lage. Diese Böden erlaubten nur geringe landwirtschaftliche Erträge. Durch Plaggendüngung, die bis zum Auftreten des Kunstdüngers am Ende des 19. Jahrhunderts jahrhundertelang vorgenommen wurde, gibt es besonders in der Umgebung der alten Geestdörfer auch Plaggeneschböden. Durch den ständigen Neubodenauftrag liegt der Esch, in Ostfriesland (die) Gaste genannt, heute höher als die Dorfkerne. Durch diese Form der Düngung wurde die Bodenwertzahl deutlich gesteigert, wenn sie auch immer noch klar hinter fruchtbaren Böden wie jenen in der Marsch zurückblieb.Günter Roeschmann: Die Böden Ostfrieslands. In: Karl-Heinz Sindowski et al.: Geologie, Böden und Besiedlung Ostfrieslands (Ostfriesland im Schutze des Deiches, Band 1). Deichacht Krummhörn (Hrsg.). Selbstverlag, Pewsum 1969, S. 51–106, hier S. 96 sowie kartografische Beilage.
An diesen zentralen Teil schließen sich südlich Podsolböden in feuchterer Lage, ebenfalls mit Orterde oder Ortstein und häufig mit Plaggeneschauflage, sowie örtlich Anmoorflächen und abgetorfte Flächen mit stark humosem Oberboden an. An diese Geestareale im zentralen Gemeindegebiet schließt sich südlich ein in Ost-West-Richtung verlaufender Streifen Niedermoorflächen an, die örtlich nach Torfabbau rekultiviert wurden. mini|See im Königskeil. Das Gewässer ging aus einer Baugrube hervor, mit der Ton und Lehm für die Waldwege gewonnen wurden. Auf dem Areal des Königskeils wurde bis 2013 Torfabbau betrieben. Teile des Geländes werden seit 1974 aufgeforstet. Der dabei entstandene, heute etwa 3,5 Quadratkilometer große Wald ist vollständig Teil des Landschaftsschutzgebietes Berumerfehner – Meerhusener Moor.
Im äußersten Süden des Gemeindegebietes sind Hochmoorflächen zu finden. Sie sind Teil des großen Moorgebietes nordwestlich der Stadt Aurich, das sich über die Stadt, die Gemeinde Südbrookmerland, die Gemeinde Großheide und die Samtgemeinde Holtriem erstreckt. Dabei handelt es sich teilweise um randlich abgetorfte Hochmoore.
Die kleinen Wasserläufe des Großheider Gemeindegebiets entwässerten ursprünglich direkt in die Nordsee. Das durch Arle fließende Flüsschen Rendel setzte sich vor dem Bau der ersten Deiche im Mittelalter im Norden als Priel oder Seegatt im Wattenmeer fort. Um 1600 gab es in der Nähe des heutigen Ortes Neßmersiel noch regen Schiffsverkehr. Um 1700 wurde das hölzerne Siel angelegt, in der Regierungszeit Friedrichs des Großen 1779 durch ein steinernes ersetzt. Die Entwässerung des Großheider Gebietes erfolgte über das Harketief (auch: Helmer Tief) und dieses Siel. Dies änderte sich 1951, als das Siel geschlossen wurde. Seither fließt das Wasser aus den höher gelegenen Geestgegenden Großheides zwar zunächst weiterhin nach Norden, in Höhe von Terhalle allerdings nun durch den Kleinen Rendel nach Westen zum Blandorfer Tief, das weiter westlich seinen Namen in Norder Tief ändert. Recht genau auf der Grenze zwischen der Samtgemeinde Hage und Großheide fließt dem Blandorfer Tief zudem die (Blandorfer) Ehe zu, die auch Teile des westlichen Gemeindegebietes entwässert.Theodor Janssen: Gewässerkunde Ostfrieslands. Verlag Ostfriesische Landschaft, Aurich 1967, S. 130 ff. Nach 1951 entwässerte das Großheider Gebiet über das Norder Tief durch das Leybuchtsiel in die Leybucht. Durch Anlegung des Speicherbeckens Leyhörn 1991 und des Störtebekertiefs zum dortigen neuen Leysiel wird seither über letzteres entwässert. Zuständig hierfür ist der Entwässerungsverband Norden.entwaesserungsverband-norden.de: ; abgerufen am 8. Oktober 2013.
Flächennutzung + Flächennutzung 2021Quelle: Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, direkter Link auf die Seite nicht möglich. Vorgehensweise: Anklicken von „Direkt zur Datenbank“, Auswählen „3 - Wohnen, Umwelt, Flächennutzung“ und „33 - Flächennutzung“ dann „33111 - Flächenerhebung nach Art der tatsächlichen Nutzung“ und schließlich „Katasterfläche nach Nutzungsarten (16) der tatsächlichen Nutzung (ALKIS) (Gemeinde; Zeitreihe ab 2011)“, Anklicken „Einheits/Samtgemeinde“, Auswählen von Großheide (dazu recht weit herunterscrollen), Anklicken von „Tabelle erstellen und anzeigen“, abgerufen am 16. März 2021. Nutzung Fläche in ha Siedlung 723 davon Wohnbaufläche 449 davon Gewerbe- und Industrieflächen 53 davon Sport-, Freizeit- und Erholungsfläche 63 Verkehrsflächen 305 davon Straßenverkehr 196 Vegetation 5782 davon Landwirtschaftsfläche 4743 davon Wald 533 davon Heide 0 davon Moor 251 davon Unland, vegetationslose Fläche 13 Gewässer 123 davon stehende Gewässer (See/Teich) 43 nachr. Siedlungs- u.Verkehrsfläche (o.Berg-/Tagebau) 992 Gesamtfläche 6932
Die Flächennutzungstabelle rechtsQuelle: Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, direkter Link auf die Seite nicht möglich. Vorgehensweise: Anklicken von „Regionaldatenbank“, ohne Anmelden „Weiter“, als Gast „Weiter“, Auswählen „Flächenerhebung“ und „Zeit und Region festlegen“, Anklicken „Einheits/Samtgemeinde“, Auswählen von Großheide (lfd. Nr. 452007), Anklicken von „Tabelle erstellen und anzeigen“; abgerufen am 27. Dezember 2011. macht den überragenden Anteil der Landwirtschaftsflächen in Großheide deutlich: Er beträgt rund 68,5 Prozent, liegt damit aber unter dem ostfriesischen Durchschnitt von rund 75 Prozent,Eberhard Rack: Kleine Landeskunde Ostfriesland. Isensee Verlag, Oldenburg 1998, ISBN 3-89598-534-1, S. 115 jedoch deutlich über dem bundesrepublikanischen Durchschnitt von 52,3 Prozent. Mit 7,68 Prozent Waldflächenanteil liegt Großheide deutlich über dem ostfriesischen Durchschnitt von rund zwei Prozent, jedoch klar unter demjenigen der Bundesrepublik: In Deutschland sind etwa 29,5 Prozent der Staatsfläche bewaldet.Flächennutzung ; abgerufen am 15. April 2018. 251 Hektar des Gemeindegebiets, im äußersten Südosten gelegen, sind noch von Mooren bedeckt, das entspricht einem Flächenanteil von etwa 3,6 Prozent.
Nachbargemeinden Großheide grenzt an gleich drei Samtgemeinden und hat daher eine größere Zahl von Nachbargemeinden, nämlich zehn. Östlich von Großheide liegen die Gemeinden Nenndorf und Eversmeer (beide Samtgemeinde Holtriem im Landkreis Wittmund). Südöstlich von Großheide befindet sich die Kreisstadt Aurich. Jenes menschenleere Großheider Gebiet, das an die Auricher Stadtteile Tannenhausen und Georgsfeld angrenzt, besteht jedoch aus aufgeforsteten, ehemaligen Hochmoorflächen sowie nach Torfabbau verheideten Flächen, so dass es keine direkte Straßenverbindung nach Aurich gibt. Im Süden grenzt Großheide an die Gemeinde Südbrookmerland, im Südwesten an die Gemeinden Rechtsupweg und Leezdorf (beide Samtgemeinde Brookmerland) sowie im Westen an die Gemeinden Halbemond, Berumbur und den Flecken Hage (alle Samtgemeinde Hage). Nördlich von Großheide befindet sich die Gemeinde Dornum. Diese Kommunen liegen allesamt im Landkreis Aurich. Wird die Zahl der Nachbarkommunen auf Samtgemeindeebene gezählt, so ergeben sich sechs Nachbarn.
Gemeindegliederung Die Gemeinde Großheide besteht heute aus den zehn Ortsteilen Arle, Berumerfehn, Coldinne, Großheide, Menstede, Ostermoordorf, Südarle, Südcoldinne, Westerende und Westermoordorf.Die Gemeinde Großheide (Hinweis: die Ortsteile werden in den Unterabschnitten aufgezählt.); abgerufen am 15. April 2018.
Klima Großheide liegt in der gemäßigten Klimazone, hauptsächlich im direkten Einfluss der Nordsee. Im Sommer sind die Tagestemperaturen tiefer, im Winter häufig höher als im weiteren Inland. Das Klima ist insgesamt von der mitteleuropäischen Westwindzone geprägt. Nach der effektiven Klimaklassifikation von Köppen befindet sich Großheide in der Einteilung Cfb. C steht für ein warm-gemäßigtes Klima, Cf für ein feucht-gemäßigtes Klima mit warmen Sommern b.