Die Wort-des-Glaubens-Bewegung (englisch Word of Faith) ist eine spezielle Richtung des Christentums, die in manchen Pfingstgemeinden und charismatischen Gemeinden Verbreitung gefunden hat. Sie stammt aus dem angelsächsischen Raum und ist in Deutschland vor allem durch die Bücher des US-Amerikaners Kenneth Hagin bekannt geworden. Sie ist auch bekannt unter dem Namen Glaubensbewegung. Aufgrund der Verbindung zu Fernsehpredigern und der Verkündung des Wohlstandsevangeliums ist die Wort-des-Glaubens-Bewegung umstritten.
Ursprünge Die Ursprünge der Bewegung gehen wahrscheinlich zurück bis ins 19. Jahrhundert. Kritiker dieser Bewegung behaupten esoterische Wurzeln. Als einer der ersten Vertreter der Bewegung kann der Baptist Essek William Kenyon (1867–1948) angesehen werden. Daniel Ray McConnell von der Oral Roberts University stellte die These der sogenannten „Kenyonverbindung“ (englisch: Kenyon Connection) auf. Diese besagt, dass Kenyon sich lediglich die Lehren der Neugeist-Bewegung angeeignet und sie unter einem anderen Namen verbreitet habe. McConnell zufolge ist die Word-of-Faith Bewegung also nichts anderes als ein Trojanisches Pferd.D. R. McConnell: The Kenyon Connection: A Theological and Historical Analysis of the Cultic Origins of the Faith Movement. Master's thesis, Oral Roberts University, Tulsa 1982. * - Introduction (PDF-Datei, 403 KB)- Chapter 1: The True Father of the Modern Faith Movement (PDF-Datei, 612 KB) * Kenneth Hagin (1917–2003), der oftmals als der „Vater der modernen Word-of-Faith-Bewegung“ genannt wird, wurde von Kenyon beeinflusst. McConnell hält es für möglich, dass der junge Pfingstpastor Hagin nach 1937 den alten Kenyon noch kennengelernt habe, oder aber um 1950 mit seinen Schriften in Kontakt gekommen und vertraut geworden sei. Jedenfalls habe er mehrfach und ausführlich Passagen aus seinen Schriften übernommen.Daniel Ray McConnell: A Different Gospel: A Historical and Biblical Analysis of the Modern Faith Movement, Hendrickson Publications, Tulsa 1988, S. 6–7Robert Jackson: Prosperity theology and the faith movement, Volume 15 - Issue 1, Website thegospelcoalition.org (englisch, abgerufen am 23. Mai 2026) arbeitete ähnlich dessen „Theologie des Bekennens“ eine viergliedrige Formel aus, die Bestandteil seiner Lehre wurde: Sag’ es; Tue es; Empfange es; Sag’ es weiter. (im englischen Original: Say it; do it; receive it; tell it.)“Weblog: Kenneth Hagin, ‘Word of Faith’ Preacher, Dies at 86”, auf christianitytoday.com
Viele Pfingstprediger wurden von Hagin beeinflusst, darunter Kenneth Copeland, Creflo Dollar, Joyce Meyer, Jerry Savelle, Bill Winston, Joel Osteen, Charles Nieman und Hobart Freeman, die vor allem in Nordamerika für ihr umstrittenes Wirken als Televangelisten bekannt sind.
Der baptistische Evangelist Justin Peters, der ein bekennender Kritiker dieser Bewegung ist und häufig im amerikanischen Fernsehen als Word-of-Faith-Experte aufgetreten ist, sieht die Wurzeln der Bewegung ebenfalls in den metaphysischen Kulten des 19. und 20. Jahrhunderts (z. B.: Aimee Semple McPhersons International Church of the Foursquare Gospel, Phineas Quimbys Neugeist-Bewegung, Mary Baker Eddys Christian Science).Predigt von Justin Peters: A Call for Discernment - A Biblical Critique of the Word of Faith (or the Health, Wealth & Prosperity) Movement, online frei verfügbar als mp3.
Theologie Glauben Kernpunkt der Theologie der Wort-des-Glaubens-Bewegung ist Kapitel des Hebräerbriefs aus dem Neuen Testament. Darin wird Glaube als etwas definiert, das den empirischen Bereich übersteigt. Festhalten an biblischen Verheißungen trotz gegenteiliger Erfahrungen ist für die Wort-des-Glaubens-Lehre zentral. Man bleibt also in einem Zustand der Erwartung und der Gespanntheit auf die Dinge, die Gott einem verheißen hat. Wichtig dafür ist auch die Lehre, dass der gläubige Christ, insofern er an der Erlösungstat Jesu festhält, bereits vollkommen sei. Es liegt also dieser Theologie grundlegend eine Spaltung der Wirklichkeit in unsichtbare Realität und sichtbare, noch nicht verwirklichte Realität zugrunde. Gott habe sich laut Glaubensbewegung festgelegt, immer gemäß den biblischen Verheißungen und Prinzipien (ein beliebtes Wort in der Bewegung) zu handeln. Glauben habe jetzt damit zu tun, diese Prinzipien auf sein Leben anzuwenden.
Der Glaubensbegriff habe also weniger die Dimension der Gottesbeziehung und mehr den Charakter von Inanspruchnahme bestimmter Verheißungen. Deswegen ist eine häufige Redewendung in diesen Kreisen, dass man „für etwas“ glaubt, also „Glauben hat“, bestimmte Dinge zu erlangen.
Offenbarung Die Wort-des-Glaubens-Bewegung unterscheidet zwischen zwei Arten von Lehre: Logos und Rhema: Logos sei die vernünftige Rede, das geschriebene Wort der Bibel, theologische Reflexion und Lehre. Rhema hingegen sei das Wort Gottes, das sich „ereignet“. Es bezeichne einen bestimmten ekstatischen Zustand, in dem einem das Wort Gottes bewusst wird. Man erfahre biblische Wahrheiten existentiell, spüre, wie sie für das eigene Leben Bedeutung haben. Dies sei der Zustand, der eigentlich dem Glauben (wie oben definiert) vorausgehe. Recht plötzlich erhalte man einen tieferen oder gar korrigierten Einblick in biblische Zusammenhänge, und es steige der Mut in einem auf, diese auf sein Leben zu beziehen.
Das Objekt des Glaubens Es gibt einige wiederkehrende Themen in der Glaubensbewegung. Das wichtigste ist die neue Identität in Christus. Man lehrt aufgrund des Römerbriefs (), dass der Gläubige nun eine neue, gottähnliche Natur habe. Da Gott möchte, dass es seinen Kindern gut gehe, müsste man ihm trotz widriger Umstände Vertrauen schenken und nicht daran zweifeln, dass der verheißene Segen eintrifft. Dazu gehöre – und hier gibt es durchaus Unterschiede in der Akzentuierung – auch materieller Reichtum und Gesundheit. Es wird auch von einem Anspruch der Gläubigen gesprochen. Gott habe sich entschieden, außerhalb seiner Verheißungen, die mit Glauben empfangen werden müssen, nicht oder kaum zu handeln.
Das Bekennen Der Glauben allein genüge noch nicht. In Anlehnung an („Wer im Herzen glaubt und mit dem Munde bekennt, der wird gerettet.“) sei es wichtig, die durch Offenbarungserkenntnis erlangten Einsichten über den Segen, der den Gläubigen zustehe, auch auszusprechen. Das Wort werde durch Aussprechen wirksam – gemäß : „Wenn jemand zu diesem Berg spricht: Hebe Dich und wirf Dich ins Meer! und in seinem Herzen nicht zweifelt, sondern glaubt, dass das, was er sagt, geschieht, so wird ihm zuteil werden, was immer er sagt.“Kenneth E. Hagin. Biblischer Glaube – Ein Studienkurs. 8. Auflage 2007. Durchbruch Verlag, ISBN 3-924054-50-9, S. 55.
Praxis Akzentuierungen und Verbreitung Verschiedene Gemeinden und Prediger, die sich zur Glaubensbewegung zählen, heben durchaus unterschiedliche Dogmen aus diesem Lehrgebäude hervor. Zum einen wird von manchen besonders stark die neue Identität in Christus betont. Diese Lehre stößt als Gegenmodell eines krampfhaften Heiligungsbestrebens bis in nichtcharismatische evangelikale Kreise vor. Ein Anknüpfungspunkt an klassisch pfingstliche Vorstellungen ist die Betonung von (Heilungs-)Wundern. Eine andere Richtung ist die Wohlstandstheologie. Typischerweise wird hier als eines der „Prinzipien, nach denen Gott arbeitet“, das von „Aussaat und Ernte“ angesehen. Es gibt auch die Betonung, vor allem seiner Gemeinde zu geben. Im Unterschied zu calvinistischen Vorstellungen gilt solcher Reichtum weniger als die Bestätigung der Erwählung des Gläubigen (Wort-des-Glaubens-Gemeinden sind in der Regel nicht calvinistisch), sondern mehr als missionarisches Zeichen, wie gut es Anhängern des christlichen Gottes geht.
Gemeindeleben In vielen Punkten gleicht das Gemeindeleben dem einer typisch charismatischen Freikirche. Man verfolgt ein attraktionistisches Modell von Mission, in dem Nichtgläubige durch Erfolg und Wohlergehen der Gläubigen und durch eigenes Erleben von Vorteilen und Segnungen zum Glauben kommen. Folglich sind die zentralen missionarischen Veranstaltungen auch Heilungsgottesdienste.
Unter den bekanntesten Predigern der Bewegung außerhalb Amerikas sind heute in Nigeria Enoch Adeboye und David Oyedepo zu nennen, in Südkorea David Yonggi Cho, und in Deutschland John Angelina (Gospel Life Center), Peter Wenz (Gospel Forum), Helmut Bauer (Wort und Geist) und Wolfhard Margies (Gemeinde auf dem Weg).„Wort des Lebens-Gemeinden“ und die „Wort des Glaubens-Lehre“ auf religio.de.
Kritik und Kontroversen Das Wirken der Fernsehprediger Prominenten Personen der Wort-des-Glaubens-Bewegung, darunter Joyce MeyerInterview mit Jürgen Werth (Evangeliumsrundfunk) auf der Seite der Evangelischen Allianz: Die „Mediengemeinde“ wächst vom 22. Oktober 2009. Abgerufen am 3. November 2009, Kenneth Copeland und der brasilianische Medienunternehmer und selbsternannte „Bischof“ Edir Macedo,Süddeutsche Zeitung: Spenden veruntreut - Teurer Weg ins Paradies aufgerufen 4. August 2011 wird ein verschwenderischer Lebenswandel sowie die Veruntreuung von Spendengeldern für private Zwecke vorgeworfen. Creflo Dollar ging sogar so weit, dass er seine Anhänger explizit dazu aufforderte, direkt für den Kauf eines 65 Millionen Dollar teuren Luxus-Jets zu spenden.Televangelist Creflo Dollar Needs 200,000 People to Donate $300 Each So He Can Buy $65M Ministry Plane, Bericht der Christian Post vom 12. März 2015, abgerufen am 1. Mai 2015
Verehrung von Donald Trump Kenneth Copeland forderte 2016 seine Zuschauer in einer Fernsehübertragung dazu auf, bei der damals bevorstehenden Präsidentschaftswahl für Trump zu stimmen; anderenfalls wären sie – hinsichtlich der liberalen Abtreibungspolitik Hillary Clintons – des Mordes schuldig. Nach einem Dinner im Weißen Haus behauptete Copeland, dass Trump "durch den Geist Gottes gelenkt" sei. Er hoffe, dass die Ernennung konservativer Richter am Supreme Court zu einer „religiösen Wende“ in den USA führe. Anfang November 2020 sorgte die Televangelistin Paula White mit einem bizarren Auftritt für Aufmerksamkeit, als sie von „hohen dämonischen Leveln“ und „dämonischen Netzwerken“ gegen Trump sprach, während sie ekstatisch für dessen Wiederwahl betete.Sie betet für Trump - und das immer wilder: TV-Predigerin Paula White
Falschinformationen über das Coronavirus Trotz der COVID-19-Pandemie wurde die Gefahr von prominenten Vertretern der Bewegung ignoriert, so wurden weiterhin Massengottesdienste gefeiert und Versammlungen abgehalten. Einige Fernsehprediger behaupteten gar, sie könnten Erkrankte durch Gebete heilen oder sie durch Gottes Segen immun machen. Kenneth Copeland sorgte mit einem bizarren Auftritt für Aufmerksamkeit, als er in einer am 30. März 2020 im Fernsehen übertragenen Predigt eine „Urteilsvollstreckung“ („execute judgement“) am SARS-CoV-2-Virus verkündete, woraufhin er die Pandemie für beendet erklärte. In einer Sendung von Anfang April 2020 versuchte Copeland, mit Gottes Hilfe eine Hitzewelle zur Zerstörung des Virus hervorzurufen. So pustete er in die Kamera und erklärte, damit den Wind Gottes auf COVID-19 geblasen zu haben, um das Virus endgültig zu zerstören. Kritiker warfen ihm daraufhin die Verbreitung eines möglicherweise gefährlichen Aerosols vor.
Angebliche Wunderheilungen