Die Technische Universität Bergakademie Freiberg (TU Bergakademie Freiberg, TUBAF) ist eine staatliche Technische Universität in Freiberg in Sachsen. Sie versteht sich als Ressourcenuniversität und widmet sich in Lehre und Forschung den Geo-, Ingenieur-, Natur- und Wirtschaftswissenschaften. Dabei spezialisiert sie sich auf die Energie- und Ressourcenwirtschaft.

Geschichte Allgemeines

Die Bergakademie ist die älteste noch bestehende montanwissenschaftliche Bildungseinrichtung der Welt, da die vier vor ihr gegründeten Akademien in Potosí (Bolivien, 1757 bis 1786), Kongsberg (Norwegen, 1757 bis 1814), Schemnitz (1762 bis 1919) und Prag (1762 bis 1772) nicht mehr existieren. Nach der 1747 gegründeten École des Ponts et Chaussées ist sie weltweit die älteste technische Bildungseinrichtung.

Vor 1765 Als Ausgangspunkt der Gründung der Bergakademie gilt die 1702 in Freiberg entstandene „besondere Stipendienkasse“, um die Ausbildung für Berg- und Hüttenbeamte auf eine stabile finanzielle und inhaltliche Grundlage zu stellen. 1710 regten dann Freiberger Bürger bei Kurfürst Friedrich August I. die Schaffung einer „Augustus-Universität“ an, der nicht stattgegeben wurde. Ab 1721 gab Johann Friedrich Henckel in seinem Wohnhaus und ab 1733 auch in dem eingerichteten chemischen Laboratorium Privatunterricht in Mineralogie und Metallurgie für angehende sächsische Berg- und Hüttenbeamte sowie ausländische Schüler wie Lomonossow. 1725 schlug Jacob Leupold zur Verbesserung des Maschinenwesens im sächsischen Bergbau die Errichtung eines „Gymnasiums Metallum-Mechanicum“ in Freiberg vor. Ein Jahr später, 1726, empfahl der Pfarrer Christian Ehrenfried Seyffert (1683–1729) die Einrichtung einer Bergwercks-Akademie im nahen Bräunsdorf. Ein erster systematischer Plan „Von der Beschaffenheit einer Bergakademie“ wurde 1746 vom Kommissionsrat Carl Friedrich Zimmermann veröffentlicht.

Trotz eines starken Wirtschaftswachstums nach der Thronbesteigung Friedrich Augusts I. war Sachsen am Ende des Siebenjährigen Kriegs (1756–1763) in einer wirtschaftlichen, politischen und sozialen Krise. 1762, also noch vor Ende des Kriegs, drängte Kurfürst Friedrich Christian auf die Einsetzung einer Restaurationskommission. Im Rahmen der Arbeit dieser Kommission wurde im Februar 1764 (nach Vorschlag im November 1763) der Bergbauexperte und braunschweigische Vizeberghauptmann Friedrich Anton von Heynitz auf die Bergratsstelle im Dresdener Kammer- und Bergratskollegium als Generalbergkomissar berufen. Nach dem plötzlichen Tod Christians übernahmen seine Mutter Maria Antonia von Bayern sowie sein Onkel Prinz Franz Xaver von Sachsen die Regentschaft im Kurfürstentum. Von Heynitz bekam aufgrund der geänderten politischen Linie nun nicht das Ansehen, das er sich von Friedrich Christian zuvor erhofft hatte.

Gründungsprozess Vorbereitungen Im September 1765 reichte von Heynitz in einem vertraulichen Bericht seinen Plan zur Gründung einer Lehranstalt dem Kabinettsminister Johann Georg Friedrich Graf von Einsiedel ein. Für den 12. und 13. November desselben Jahres wurden Maria Antonia, Franz Xaver, Adlige des Hauses Wettin sowie andere Gäste nach Freiberg geladen. Von Heynitz erreichte am 7. November Freiberg, um gemeinsam mit seinem Freund und Studienkollegen Friedrich Wilhelm von Oppel eine Inszenierung vorzubereiten. Oppel und Heynitz waren beide Studienkollegen bei Henckel in Freiberg und verfolgten seither den Traum einer Lehranstalt ebenda. Oppel selbst war seit 1763 Oberberghauptmann des Freiberger Oberbergamts.

Der entscheidende Tag Am Morgen des 12. November wurden die Gäste dann durch im Gala-Habit gekleideten Berg- und Hüttenbeamten unter Führung Heynitz‘ und Oppels empfangen und durch Freiberg geführt.Ausführliche Beschreibung im Dresdner Anzeiger vom 3. Dezember 1765 Zu ähnlichen Inszenierungen wurde der Adel am Folgetag nach Halsbrücke geleitet. Doch der erste Abend schien gereicht zu haben, so beauftragte Franz Xaver nach einem Vorschlag von Heynitz ebendiesen mit der Ausarbeitung eines Konzepts zur finanziellen Verbesserung des Stipendienbetriebs. In diesem Rahmen schlug Heynitz die Gründung eines Instituts für die Ausbildung von vier jungen Menschen unter Leitung des Mathematikers und Physikers Johann Friedrich Wilhelm von Charpentier und mit Unterstützung des Chemikers und Oberhüttenverwalters Christlieb Ehregott Gellert vor. Weiterhin sollten die Stipendiaten nur für eine Laufbahn im Bergbau oder Hüttenwesen ausgebildet werden. Zusätzlich sollten Universitätsstipendien für die Weiterbildung in benachbarten Wissenschaften und Reisestipendien für höhere Beamte aus dem Adelsstand etabliert werden. Abschließend brachten Heynitz und Oppel den Vorschlag an, ihr Mineralienkabinett dem Institut anzugliedern.

Erste Erwähnung der Bergakademie Am 21. November 1765 unterzeichnete Franz Xaver diese Vorschläge. Die neue Lehranstalt sollte leitende Bergbeamte in den Fächern Geometrie, Metallurgie und Chemie mit didaktischer Unterstützung einer Modell-, Stufen- und Büchersammlung ausbilden. Die bestehenden Einrichtungen der Stipendienkasse sollen parallel bestehen bleiben.Prinzregent Franz Xaver an das Kammer- und Bergkollegium Dresden, 21. November 1765. Hauptstaatsarchiv Dresden, Loc. 514 Nr. 1 Bl. 7–8. Heynitz und Oppel hegten Zweifel an dieser Parallelführung, wodurch am 8. Februar 1766 ein „Entwurf zu einer zu Freiberg zu errichtenden Berg-Akademie“ formuliert und am 15. März genehmigt wurde.Prinzregent Franz Xaver an das Kammer- und Bergkollegium Dresden, 15. März 1766. Hauptstaatsarchiv Dresden, Loc. 514 Nr. 1 Bl. 24–27. Nun wurde in der Finanzierung auch das Etat des Stipendienfonds mit einbezogen. Nach Ostern sollte die neue Lehranstalt mit Bibliothek und Sammlungen im Haus von Oppel untergebracht werden. Öffentlich bekannt gemacht wurde die Einrichtung erst am 27. April 1767.Avertissement vom 27. April 1767, Universitätsarchiv Freiberg, 236, Bl. 121–124.

Entwicklung der Lehre Beginn der Lehre Das Datum des tatsächlichen Beginns des Unterrichts ist bis heute strittig. Der erste Student der Bergakademie Friedrich Wilhelm Heinrich von Trebra sprach davon, in den ersten Tagen des Mai 1766 angekommen zu sein. In einem Bericht vom 3. Mai führt das Oberbergamt namentlich 18 als Hörer angemeldete Personen auf. Am 5. Juli meldete ein landesherrlicher Befehl die Zulassung von 16 Stipendiaten für den mathematischen Unterricht, jeweils drei für den chemischen Unterricht, das Zeichnen und das Markscheidewesen sowie zwei für den Unterricht im Probieren. Von Charpentier wurde zum Professor ernannt und übernahm die Ausbildungen für Mathematik, Physik, Mechanik und theoretische Markscheidekunst; die chemisch-metallurgische Ausbildung wurde von Gellert übernommen. Die praktische Ausbildung der Markscheide- und Probierkunde übernahmen der Markscheider Carl Ernst Richter und der Bergwardein Johann Andreas Klotzsch. Als erster Inspektor der Sammlungen wurde der ehemalige Stipendiat Christian Hieronymus Lommer ernannt. Für die metallurgische Chemie, das Markscheidewesen und die Probierkunst war eine jährliche Begrenzung auf ein bis drei Personen festgelegt. Die Lehre begann jährlich nach Ostern.

Die ersten 60 Jahre 1816 wurden an der Bergakademie 12 fundirte Lehrcurse angeboten.Friedrich Wilhelm Heinrich von Treba: Bergakademisches Examen den 12. Juli 1816, In: Universitätsarchiv Freiberg 275, Bl. 40–46. Außerdem standen nun die Bibliothek, verschiedene Sammlungen, eine Mineralienniederlage und das 1796/97 eingerichtete chemische Laboratorium zur Verfügung. Diese Ausstattung verdankte Freiberg vor allem Abraham Gottlob Werner, der 1755 als Inspektor und Lehrer der Bergbaukunst an die Bergakademie berufen wurde. Er selbst kritisierte eine nur aus Vorlesungen bestehende Bildung und forderte praktische Lehrinhalte.Handschriftlicher Nachlass von Werner, Bd. 44, Bl. 10 im Altbestand der Universitätsbibliothek Freiberg. Seine neue Didaktik fand breiten Anklang, weshalb viele namhafte Wissenschaftler für seine Lehren Freiberg besuchten. Zwischen 1787 und 1790 führte Christlieb Ehregott Gellert das brennstoffsparende Verfahren der Fässeramalgamation von Silbererz ein. 1794 wurde Wilhelm August Lampadius nach Freiberg berufen, der 1797 im ersten eigenen metallurgisch-chemischen Laboratorium die Lavoisiersche Sauerstoffchemie einführte und die Studenten zum eigenständigen analytischen und präparativen Arbeiten anleitete. Außerdem gelang ihm die Koksherstellung durch Entgasung von Steinkohle und Torf. Dies leitete der Übergang von der Jahrhunderte alten Verwendung von Holzkohle zur effizienteren industriellen Koks-Technologie ein.

Regulativ von 1829 Aufgrund sinkender Studentenzahlen, der Konkurrenz in anderen Ländern und sich verändernden Anforderungen an ein technisches Studium wurde 1829 das Regulativ für die bei der Königl. Sächsischen Bergakademie zu Freiberg zu beobachtenden Grundsätze und dieserhalb zu treffenden Einrichtungen erlassen.Vgl. das Regulativ von 1829 in: Universitätsarchiv Freiberg, Oberbergamt 15, Bl. 114 ff. Es verkürzte die Lehre von drei auf vier Studienjahre (Divisionen) mit fest vorgeschriebenen Lehrveranstaltungen. An französischen Strukturen orientierend, bildeten nun alle aufgenommenen Studenten ein der Gerichtsbarkeit des Oberbergamts unterstehendes Corps. Jede Division war bei offiziellen Anlässen zum Tragen einer Uniform verpflichtet. Für die erste bzw. zweite Division (Studenten des vierten bzw. dritten Studienjahrs) bestand diese aus bergmännischem Kittel mit liegendem, rothen Kragen, Leder, Schachthut und Steigerhäkchen sowie zwei (erste Division) bzw. eine (zweite Division) goldene oder silberne Litze auf dem Stehkragen des Bergkittels. Die dritte Division (zweites Studienjahr) trug lediglich einen farbigen Aufschlag und Kragen mit Tressen. Die vierte Division waren nicht zum Tragen besonderer Kleidung berechtigt. Zudem wurden Aufnahmeprüfungen eingeführt und das erste Jahr als Probejahr eingerichtet. Dieses legte in den Fächern Mathematik, allgemeine Chemie, Oryktognosie, Geognosie, Zeichenkunst, Französisch sowie allgemeine praktische berg- und hüttenmännische Beschäftigungen die Grundlagen für die folgenden Jahre. Wer das Probejahr erfolgreich abschloss, wurde in das akademische Corps aufgenommen.

Trotz sinkender Studentenzahlen wurde die Zahl der auf Staatskosten studierenden Akademisten auf 28 beschränkt, weshalb nur acht neue Studenten pro Jahr aufgenommen werden durften. Alle anderen mussten die Ausbildung privat bezahlen. Hierdurch stieg jedoch die Anzahl sogenannter Extraneer. Hierbei handelt es sich um Studenten anderer Hochschulen, die gegen Bezahlung einzelne Lehrveranstaltungen hörten. Um eine Ausbildung dieser Extraneer zu Berg- und Hüttenleuten zu verhindern, wurden 1845 Abgangszeugnisse eingeführt, 1850 ausführliche Gutachten der Lehrer zur Beurteilung der Prüflinge und 1853 die Notwendigkeit zur Genehmigung von privaten Prüfungen und Zeugnissen seitens der Lehrer.

Regulativ von 1860 Bis 1860 galt das als provisorisch gedachte Regulativ von 1829 weiter. Das in diesem Jahr neu veröffentlichte Regulativ für den Besuch der Königlichen Bergakademie zu Freiberg sowie die gleichzeitige Einführung von Staatsprüfungen für den sächsischen Bergwerks- und Hüttendienst ermöglichten bisher unbekannte Freiheiten für die Studenten in der Wahl ihrer Vorlesungen.Vgl. Regulativ von 1860, in: Universitätsarchiv Freiberg Zudem wurden nun für die Ausgabe von Stipendien erstmals Vorkenntnisse gefordert. Diese Vorgaben orientierten sich an der Entwicklung im höheren technischen Schulwesen in Deutschland und an den Kriterien und Anforderungen des 1856 gegründeten Vereins Deutscher Ingenieure (VDI). Zudem gab es nun Staatsprüfungen in vier Fachrichtungen: Bergbau, Markscheidewesen, Maschinenwesen und Hüttenwesen.