mini|300px|Luftbild von Meckenbeuren mit Blick auf den Bodensee Meckenbeuren (bis 1897 Untermeckenbeuren) ist eine Gemeinde im Bodenseekreis in Baden-Württemberg. Mit über 13.500 Einwohnern ist Meckenbeuren die größte ländliche Gemeinde in Oberschwaben.

Geographie Lage Meckenbeuren liegt etwa acht Kilometer nördlich von Friedrichshafen und zehn Kilometer südlich von Ravensburg im unteren Schussental im Bodensee-Hinterland.

Gemeindegliederung Zur Gemeinde Meckenbeuren gehören neben dem Kernort der Ortsteil Obermeckenbeuren (seit 1810), die 1937 eingemeindeten ehemaligen Gemeinden und heutigen Ortsteile Brochenzell und Liebenau (mit den Weilern Brugg, Hegenberg, Hirschach, Knellesberg, Langentrog, Schwarzenbach, Senglingen und Weiler, den Höfen Berg, Buch, Furt, Hasenwinkel, Hohenreute, Holzbauer, Hungersberg, Kratzerach, Laufenen, Lohner, Madenreute, Mühlebach, Ottmarsreute, Rebholz, Regler, Reuter, Sandgrub, Stengele, Straß, Untertennenmoos und die Häuser Habacht) sowie die 1972 eingemeindete Ortschaft Kehlen (mit den Dörfern Kehlen und Reute, den Weilern Buch, Gerbertshaus, Gunzenhaus, Holzreute, Lochbrücke, Sammletshofen, Sassen, Schürten, Schuppenwies, Sibratshaus und Siglishofen, den Höfen Großbuch, Hechelfurt und Schindelhof sowie den Häusern Schübelbeer).

Geschichte mini|Auf de schwäbsche Eisebahne – Skulptur in Meckenbeuren Mittelalter Die Gemeinde wurde als solche erstmals im Jahr 1496 urkundlich erwähnt, doch schon 879 verzeichnet ein Dokument des Klosters St. Gallen einen hier ansässigen Siedler namens Megi. Ob der Name Meckenbeuren auf diesen zurückgeführt werden kann, ist umstritten. Als gesichert kann jedoch das Datum 4. August 1278 für die erste urkundliche Erwähnung des Namens „Meckenburron“ betrachtet werden. Im Hauptstaatsarchiv Stuttgart befindet sich die entsprechende Urkunde. Diese ist ausgestellt von Papst Nikolaus III. und wurde vom damaligen Abt des Klosters Weingarten, Hermann von Bichtenweiler, in Rom erbeten, um die Besitzungen des Klosters abzusichern. Sicher handelt es sich bei „Meckenburron“ um das heutige Meckenbeuren. Wahrscheinlich ab 1094 gehörte das Gebiet zum Kloster Weingarten. 1530 wurde es für 3100 Gulden an den Grafen Haug von Montfort verkauft und damit Teil der Grafschaft Montfort.

Neuzeit 1780 musste das verschuldete Haus Montfort seine Güter an die österreichischen Vorlande abtreten. Unter Napoleon fiel die Gemeinde 1806 an Bayern, das sie 1810 im entsprechenden Grenzvertrag an Württemberg abtrat. Bei der Umsetzung der neuen Verwaltungsgliederung wurde der Ort dem Oberamt Tettnang zugeordnet. Einen entscheidenden Wachstumsschub brachte der Gemeinde die Eisenbahn. Der Bahnhof an der Bahnstrecke Ulm–Friedrichshafen (Südbahn) im Jahr 1847 stellte den Anschluss an das noch junge Streckennetz der Württembergischen Staatsbahnen her. Das Volkslied „Auf de schwäbsche Eisebahne“ erwähnt im Refrain auch Meckenbeuren. Die inzwischen stillgelegte Bahnstrecke Meckenbeuren–Tettnang war 1895 die erste elektrisch betriebene Vollbahn Deutschlands.

1897 erfolgte auf Geheiß von König Wilhelm II. von Württemberg die Umbenennung von Untermeckenbeuren auf Meckenbeuren, dem heutigen Ortsnamen.

NS-Zeit mini|6. Juni 1941, eine junge Frau wird durch Meckenbeuren getrieben. Meckenbeuren, Oberteuringen, Brochenzell und Madenreute waren Schauplatz einer ganzen Reihe von NS-Verbrechen und Menschenrechtsverletzungen.Ermittlungsakte Mußgay 1959–1960 im Landesarchiv Baden-Württemberg. Unter Initiative des damaligen Bürgermeisters Bernhard Sporer und dem Ortsgruppenführer Paul Bruckmann wurden im August 1940 mehrere junge Frauen verhaftet. Ihnen wurde „Rassenschande“ im Verkehr mit polnischen Zwangsarbeitern vorgeworfen. Die Frauen und die Zwangsarbeiter wurden inhaftiert. Drei Frauen wurden an den Bahnhof vor die versammelte Bürgerschaft getrieben, vom örtlichen Friseur geschoren und unter Schlägen zurück durch den Ort geprügelt. Den jungen Polen Józef Musiał hat man kurz zuvor in Madenreute an aussichtsreichster Stelle vor allen Zwangsarbeitern und Schaulustigen aufgehängt.Liste der Toten im Gräberfeld X in Tübingen.Zwangsarbeitermorde in Oberschwaben und Linzgau. Die Exekution Musiałs reihte sich ein in eine ganze Reihe weiterer Exekutionen in Oberteuringen, Langenargen und Ruschweiler, welche Gestapochef Friedrich Mußgay aus Stuttgart mit den jeweiligen Bürgermeistern und Ortspolizeistationen organisierte. Alle Frauen wurden nach den Morden ins KZ Ravensbrück verbracht.SZ-Bericht zu Widerstand in Meckenbeuren. Die grausame Tatgeschichte wurde bislang seitens der Gemeinden nicht veröffentlicht oder aufgearbeitet.

Heute Bei der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte Meckenbeuren 1938 zum Landkreis Friedrichshafen, der ab 1945 wieder Landkreis Tettnang hieß. Meckenbeuren war nach dem Zweiten Weltkrieg Teil der französischen Besatzungszone und geriet somit 1947 zum neu gegründeten Land Württemberg-Hohenzollern, welches 1952 im Regierungsbezirk Südwürttemberg-Hohenzollern des neuen Bundeslandes Baden-Württemberg aufging.

Am 1. Mai 1972 wurde die zuvor selbständige Gemeinde Kehlen nach Meckenbeuren eingemeindet.

1973 erfolgte die Kreisreform in Baden-Württemberg, bei der Meckenbeuren zum Bodenseekreis kam.

Im Juni 2024 wurde Meckenbeuren durch ein Hochwasser der Schussen überflutet, wobei allein an öffentlichen Gebäuden ein Schaden von mehr als 2,2 Mio. Euro entstand.

Religion und Kirchen Meckenbeuren ist seit jeher römisch-katholisch geprägt. In der Gemeinde sind die katholischen Pfarreien St. Maria in Meckenbeuren, St. Jakobus in Brochenzell und St. Verena in Kehlen ansässig. Die drei Pfarreien bilden die Seelsorgeeinheit Meckenbeuren und gehören zum Bistum Rottenburg-Stuttgart.

Die Pfarrkirche St. Maria steht unter dem Patrozinium der Maria von der immerwährenden Hilfe und wurde in den Jahren 1912/13 nach den Plänen des Stuttgarter Baurats Ulrich Pohlhammer im Stil des Neobarock erbaut. Der Vorgängerbau der Pfarrkirche, der sich westlicher auf dem heutigen Kirchplatz befand, war Unserer Lieben Frau von Meckenbeuren geweiht und wurde 1873 erbaut. Bedeutendster Ausstattungsgegenstand des sogenannten „Kappele“ war die aus dem Kloster Löwental stammende „Schmerzhafte Muttergottes“. Diese Statue, die sich heute im linken Seitenschiff der Pfarrkirche befindet, wird nach mündlicher Überlieferung mit mehreren Gebetserhörungen in Verbundenheit gebracht. Außer der Pfarrkirche St. Maria gibt es noch die Kapelle Maria Königin des Friedens im Teilort Obermeckenbeuren.

Die Pfarrkirche St. Jakobus Maior im Teilort Brochenzell geht bis in die Epoche der Spätromanik zurück. Das heutige Erscheinungsbild geht auf eine Erneuerung durch die Herren von Humpis im Jahre 1624 sowie die Barockisierung im Jahre 1734 zurück. 1971 wurde die ursprünglich geostete Kirche durch einen Anbau ergänzt, wobei das ehemalige Kirchenschiff zum neuen Chorraum umfunktioniert wurde. Neben zahlreichen liturgischen Kunstgegenständen ist der aus dem Kloster Löwental stammende Rosenkranzaltar besonders hervorzuheben.

Die Kehlener Pfarrkirche St. Verena, deren Wurzeln über zwei Vorgängerbauten weit zurückgehen, stellt ein besonderes architektonisches Kirchengebäude dar. Sie wurde im Jahre 1958 im Stil des Brutalismus erbaut. Geplant wurde sie vom Büro Kammerer-Belz aus Stuttgart.

Einige Gebiete der politischen Gemeinde gehören auch zu den Pfarreien St. Johannes in Ravensburg-Obereschach, St. Walburga in Ravensburg-Gornhofen, St. Margaretha in Tettnang-Obereisenbach, St. Gallus in Tettnang und St. Maria in Eriskirch-Mariabrunn.

Die in der Gemeinde lebenden evangelischen Christen sind Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinden Meckenbeuren und Tettnang.

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Meckenbeuren besteht aus den 22 gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis (mit Vergleichszahlen der Wahl 2019):Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums

Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019 FWV Freie Wähler 35,63 8 34,5 7 CDU Christlich Demokratische Union 30,77 7 31,1 7 BUS Bürgerliste für Umwelt und Soziales 19,77 4 22,0 5 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 10,67 2 12,4 3 FDP Freie Demokratische Partei 3,16 1 – – Gesamt 100 % 22 100 % 22 Wahlbeteiligung 60,05 % 58,8 % mini|Rathaus

Bürgermeister Bürgermeister der Gemeinde ist seit dem 1. August 2022 Georg Schellinger. Er wurde am 15. Mai 2022 mit 75,6 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister gewählt. Schellinger war zuvor von 2016 bis 2022 hauptamtlicher Ortsvorsteher in Friedrichshafen-Ailingen und bis 2016 in verschiedenen Funktionen im Meckenbeurener Rathaus tätig, zuletzt als Hauptamtsleiter. Er folgte Elisabeth Kugel nach, die sich am 22. Oktober 2017 im ersten Wahlgang mit 54,8 % der Stimmen gegen den damaligen Amtsinhaber Andreas Schmid (44,8 %) durchsetzte. Sie war die erste Frau in diesem Amt in Meckenbeuren., Südkurier, 4. Dezember 2017, abgerufen am 18. Januar 2018. Kugel legte ihr Amt 2022 wegen zu hoher Arbeitsbelastung vorzeitig nieder.

Die Bürgermeister der Gemeinde Meckenbeuren seit 1919: Karl Roth, 1919–1932 Bernhard Sporer NSDAP, 1933–1945 Heinrich Müller, ab 1945 Siegfried Tann (CDU), 1971–1985 Roland Karl Weiß (Freie Wähler), 1985–2010 Andreas Schmid (CDU), 2010–2018 Elisabeth Kugel (Freie Wähler), 2018–2022 Georg Schellinger (CDU), seit 2022

Wappen

Wappen der ehemals selbständigen Gemeinde Kehlen

Partnergemeinden Neustadt in Sachsen (als Rechtsnachfolger der ursprünglichen Partnergemeinde Langburkersdorf), seit 1991 Kehlen, Luxemburg, seit 1993

Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr mini|Bahnhof Meckenbeuren Meckenbeuren liegt an den Bundesstraßen 30 und 467 sowie an den Landesstraßen 329 und 333.

Die Gemeinde liegt an der Bahnstrecke Ulm–Friedrichshafen und wird von Zügen der Deutschen Bahn und der Bodensee-Oberschwaben-Bahn (BOB) angefahren. Bis Ende 2016 war Meckenbeuren Intercity-Halt mit einmal täglich Direktverbindungen nach Münster bzw. Innsbruck. Die BOB bedient außerdem die Haltepunkte Kehlen und Flughafen Friedrichshafen, das An- und Abflugterminal des Flughafens liegt auf der Gemarkung der Gemeinde Meckenbeuren. An der BOB ist diese als Gründungsmitglied mit zehn Prozent des Kapitals beteiligt.

Die Station wird auch im Refrain von Auf de schwäbsche Eisebahne besungen.

Die Gemeinde ist mit mehreren Buslinien unter anderem mit Friedrichshafen, Ravensburg und Tettnang verbunden und gehört dem Bodensee-Oberschwaben Verkehrsverbund (bodo) an.

Durch eine Alltagsroute aus dem Radnetz Baden-WürttembergDas RadNETZ Baden-Württemberg auf www.radroutenplaner-bw.de ist Meckenbeuren mit Friedrichshafen und in der anderen Richtung mit Ravensburg verbunden.

Der Oberschwaben-Allgäu-Radweg führt durch Meckenbeuren. Er ist eine Rundstrecke über Ulm und Tettnang und verläuft dabei von Tettnang nach Meckenbeuren und weiter nach Oberteuringen.

Ansässige Unternehmen mini|Stiftung Liebenau Genossenschaftsbank Meckenbeuren eG: örtliche Universalbank mit Filialen in Meckenbeuren und Brochenzell Stiftung Liebenau: zu dieser Einrichtung der Behindertenhilfe in den Meckenbeurer Ortsteilen Liebenau und Hegenberg zählen auch zahlreiche weitere soziale Einrichtungen der Behinderten- und Altenhilfe sowie des Bildungs- und Gesundheitswesens in Baden-Württemberg, Vorarlberg, der Schweiz und Bulgarien (die Stiftung Liebenau ist eine Stiftung kirchlichen Rechts) Winterhalter Gastronom GmbH: Hersteller von gewerblichen Geschirrspülermaschinen; neben dem Werk in Meckenbeuren gibt es weitere Produktionsstätten in Rüthi (CH) sowie in Endingen am Kaiserstuhl

Bildungseinrichtungen