mini|Blick vom Westweg durch das Gaistal und über den gleichnamigen Ortsteil hinweg bis nach Bad Herrenalb mini|Aussicht über den Falkensteinfelsen hinweg auf die Straße nach Rotensol Bad Herrenalb (bis 1971 Herrenalb) ist eine baden-württembergische Kurstadt mit Einwohnern () im Landkreis Calw. Seit 1954 führt Bad Herrenalb das Prädikat heilklimatischer Kurort. Die Stadt gehört zur Region Nordschwarzwald. Die aus einem Kloster hervorgegangene Kleinstadt liegt im oberen Tal des Flusses Alb.
Geografie Geografische Lage Das auf Höhe im westlichen Nordschwarzwald in einer Aufweitung des oberen Tals der Alb gelegene Bad Herrenalb ist von bis zu hohen, bewaldeten Bergen umgeben.
Der Fluss Alb entspringt in Luftlinie fünfeinhalb Kilometer südlich der Stadt, durchfließt Bad Herrenalb von Süden nach Norden und wird hier von mehreren Zuflüssen gespeist: zunächst vom Rennbach von links ganz im Süden am Campingplatz; dem Gaisbach im Kurpark und dem Dobelbach im Norden an der Grenze zum Stadtteil Kullenmühle, beide fließen von rechts zu; und zuletzt wieder von links vom Bernbach am Ende dieses Stadtteils. Alle vier sind recht kleine Bäche mit einer Länge zwischen zweieinhalb und etwas über vier Kilometern, die aber durch ausgebildete Seitentäler zufließen.
Diese Seitentäler gliedern die umgebenden Höhen in Einzelberge, die also zumeist Mündungssporne dieser Bäche sind. Im Südwesten beginnend sind es im Uhrzeigersinn der Ausleger Bottenberg () zwischen Rennbach und abfließender Alb, hinter dem sich der Rennberg () erhebt; die Kuppe Hardtkopf () auf dem Sporn Sägberg zwischen Bernbach und der ablaufenden Alb über Kullenmühle im Norden; der Maienberg () zwischen dem mündenden Dobel- und Gaisbach im Osten; sowie der Wurstberg () im Süden zwischen dem Gaisbachtal und dem oberen Albtal.
Der südlichste Punkt der Gemarkung liegt oberhalb des Albursprungs an der Wasserscheide zum Murgtal auf dem Langmartskopf, knapp einen Kilometer nordöstlich davon ist der Lerchenstein mit die höchste Erhebung Bad Herrenalbs. Der tiefste Geländepunkt liegt auf an der Alb auf der Grenze zu Marxzell bei Steinhäusle.
Bereiche des Talbodens im Albtal ober- und unterhalb von Bad Herrenalb sowie des Moosalbtals bei Althof gehören zum Naturschutzgebiet Albtal und Seitentäler. Die drei Landschaftsschutzgebiete Albtalplatten und Herrenalber Berge, Staatswald südlich Bernbach und Bottenberg nehmen gut 55 % der Gemeindefläche ein.
Die Böden bestehen überwiegend aus lockerem rotem Buntsandstein. Um Kullenmühle tritt verkieseltes Porphyrkonglomerat des oberen Rotliegenden zutage, das die als Naturdenkmale ausgewiesenen Felsengruppen Falkenstein und Zwölf Apostel bildet.Falkenstein: Zwölf Apostel: Im Albtal und Gaistal im Süden der Gemeindefläche wird der Granit des Grundgebirges angeschnitten.
Wie schon im ehemaligen Land Württemberg befindet sich Herrenalb innerhalb des Landkreises Calw in einer westlichen Randlage. Der etwa hohe Bergzug bei Dobel trennt die Stadt vom übrigen Kreisgebiet. Die Fahrtstrecke in die Kreisstadt Calw im Tal der Nagold beinhaltet zwei Passübergänge und die Querung des Enztals. Das verkehrsgünstigere Albtal führt von Bad Herrenalb ins badische Ettlingen (Landkreis Karlsruhe), wo es in die Oberrheinebene mündet.
Nachbargemeinden Bad Herrenalb hat Grenzen zu sieben Städten und Gemeinden aus vier Landkreisen. Im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden, sind das: Marxzell mit seinen Gemarkungen Burbach und Schielberg (Landkreis Karlsruhe), Straubenhardt mit den Gemarkungen Langenalb und Feldrennach (Enzkreis), Dobel (Landkreis Calw), Gernsbach mit seiner Gemarkung Reichental; Loffenau, die Gaggenauer Gemarkungen Sulzbach, Rotenfels und Michelbach (alle Landkreis Rastatt); Malsch mit einer Exklave der Gemarkung Völkersbach am Mahlberg (Landkreis Karlsruhe) und die Gaggenauer Gemarkung Freiolsheim (Landkreis Rastatt).
Stadtgliederung Zur Stadt Bad Herrenalb gehören die Stadt Bad Herrenalb, die Weiler Aschenhütte, oberes und unteres Gaistal, Höfle, Kullenmühle, Steinhäusle und Zieflensberg, seit der Gemeindereform in den 1970er Jahren auch die ehemaligen Gemeinden Bernbach, Neusatz und Rotensol.
Zur ehemaligen Gemeinde Bernbach gehören das Dorf Bernbach, das Dorf Althof und die Häuser Hardtscheuer.
Zur ehemaligen Gemeinde Neusatz gehört das Dorf Neusatz.
Zur ehemaligen Gemeinde Rotensol gehören das Dorf Rotensol und die Häuser Dobeltal und Steinhäusle.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2, S. 479–480.
In den ehemaligen Gemeinden sind Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit jeweils eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher als dessen Vorsitzender eingerichtet.
Innerhalb der Kernstadt werden Wohngebiete teilweise mit eigenem inoffiziellem Namen unterschieden (z. B. „Rennberg“ für das Neubaugebiet am Ortsausgang in Richtung Loffenau oder „Bleiche“ und „Millionenviertel“ für die Bereiche östlich der Schweizer Wiese), deren Grenzen meist nicht genau festgelegt sind.
Raumplanung Bad Herrenalb bildet ein Kleinzentrum innerhalb des Regionalverbandes Nordschwarzwald, in der die Stadt Pforzheim als Oberzentrum ausgewiesen ist. Bad Herrenalb ist dabei dem Mittelbereich Bad Wildbad zugeordnet. Diese Zuordnung weicht jedoch aufgrund der geografischen Lage und starken verkehrlichen Ausrichtung von Bad Herrenalb zum Mittelzentrum Ettlingen bzw. Oberzentrum Karlsruhe in der Realität deutlich ab.
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2015.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Bad Herrenalb.
Schutzgebiete
Bad Herrenalb hat Anteil am Naturschutzgebiet Albtal und Seitentäler, zu welchem die Auebereiche von Alb, Moosalb und Holzbach gehören. Ein Großteil der Stadtfläche steht unter Landschaftsschutz. Ausgewiesen sind die Landschaftsschutzgebiete Staatswald südlich Bernbach, Albtalplatten und Herrenalber Berge und Bottenberg. Zudem befinden sich auf der Stadtfläche einige Teilgebiete des FFH-Gebiets Albtal mit Seitentälern und des Vogelschutzgebiets Nordschwarzwald. Bad Herrenalb liegt im Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord.Daten- und Kartendienst der LUBW
Geschichte mini|Historische Ansichten der Gegend von Herrenalb: Gesamtansicht mit Ruinenfragmenten, Am Grafenweg, Der Bernstein, Die Aschenhütte, Frauenalb, In der Klause, Paradies. 1874, nach Eduard von Kallee.
Um 1149 stiftete Berthold von Eberstein das Kloster Herrenalb, lateinisch Alba dominorum, und übergab es den Zisterziensern. Ab 1275 war das Hauskloster der Ebersteiner reichsunmittelbar. Bis 1450 hatte Herrenalb durch Schenkungen und Käufe ein weit verstreutes Herrschaftsgebiet aus dutzenden Flecken und Dörfern erworben. Die Schirmherrschaft war zwischen den durch ihre Schenkungen geschwächten Ebersteinern, den Markgrafen von Baden und den Württembergern umstritten. In einem Kompromiss mit Baden setzte sich Württemberg im Jahr 1497 als Schirmherr über den Großteil des Herrenalber Herrschaftsgebiets durch. Während der Reformation in Württemberg wurde das Kloster 1535 erstmals aufgehoben, und die Reichsunmittelbarkeit ging verloren. In der Folge wurde das Kloster zeitweise wieder katholisch, von 1556 bis 1595 beherbergte es aber eine evangelische Klosterschule. Nach Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg wurde es 1649 endgültig aufgehoben. Die um den Klosterbereich herum entstandenen Ansiedlungen wurden 1791 zur württembergischen Gemeinde erhoben.Christiane Högerle, Sabine Zoller: Bad Herrenalb. Vom Kloster zum Kurort. Die Geschichte. Verlag Bernhard Gengenbach, Bad Liebenzell 1990, ISBN 3-921841-35-6, S. 290 f.
Das Klosteramt Herrenalb kam 1808 bei der Umsetzung der neuen Verwaltungsgliederung im Königreich Württemberg zum Oberamt Neuenbürg.
Nach jahrelangen Bemühungen des Schultheißen Erhard Beutter wurde am 3. November 1887 dem Pfarrdorf Herrenalb das Prädikat einer Stadt verliehen.
Bereits 1840 gründete der aus Naumburg stammende Arzt Phil. Friedrich Weiß eine Kaltwasserheilanstalt. Infolge finanzieller Probleme wurde die Anstalt 1847 von dem aus Bietigheim stammenden Johannes Bernhard Zipperlen übernommen. Dieser war im Vorfeld in Priesnitz und ab 1843 Leiter der Kaltwasseranstalt Teinach. 1857 wurde die Leitung vom preußischen Militärarzt Heinrich Kleinerzt übernommen. Unter seiner Leitung entwickelte sich der Kurbetrieb sehr stark. Nach diesem wurde 1876 die Leitung durch den ehemaligen Oberstabsarzt Tüllmann übernommen. Nach dessen Tode wurde um 1885 die Kaltwasseranstalt durch den Mannheimer „Kehlkopfspezialisten“ Carl August Mermagen geführt, der später den Titel Hofrat erhielt. Er wandelte die Wasserheilanstalt in ein Sanatorium für Nervenkranke um. Sie stand noch nach der Jahrhundertwende unter der Leitung des Hofrats Mermagen.Bäder-Almanach 10 (1907)
Bei der Kreisreform während der Zeit des Nationalsozialismus in Württemberg gelangte Herrenalb 1938 zum Landkreis Calw. Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel die Stadt in die Französische Besatzungszone und kam somit 1947 zum neu gegründeten Land Württemberg-Hohenzollern. 1952 ging das provisorische Nachkriegsland im Regierungsbezirk Südwürttemberg-Hohenzollern auf und gehört seither zum neuen Landes Baden-Württemberg.
Seit 1954 darf sich Herrenalb heilklimatischer Kurort nennen. 1964 führte eine Bohrung in 600 Meter Tiefe auf eine mineralreiche Thermalquelle. Das daraufhin gebaute Thermalbad eröffnete 1971 und aus Herrenalb wurde Bad Herrenalb. Den Namenszusatz „Bad“ führt die Stadt seit dem 26. Juli 1971.Christiane Högerle, Sabine Zoller: Bad Herrenalb. Vom Kloster zum Kurort. Die Geschichte. Verlag Bernhard Gengenbach, Bad Liebenzell 1990, ISBN 3-921841-35-6, S. 278.
Am 1. Januar 1972 wurde Rotensol eingemeindet. Am 1. Februar 1972 erfolgte die Eingemeindung von Neusatz. Bernbach kam am 1. Januar 1975 hinzu.
Mit der Kreisreform zum 1. Januar 1973 erreichte der Landkreis Calw seine heutige Ausdehnung. Der Landkreis wurde gleichzeitig Teil der neu gegründeten Region Nordschwarzwald, die dem damals neu umschriebenen Regierungsbezirk Karlsruhe zugeordnet wurde. Somit wird die ehedem württembergische Stadt Bad Herrenalb nun auch von der vormals badischen Hauptstadt Karlsruhe aus verwaltet.
Bürgerentscheid für den Wechsel vom Landkreis Calw zum Landkreis Karlsruhe Bei einem infolge einer Bürgerinitiative zustande gekommenen Bürgerentscheid am 23. Oktober 2016 stimmte die knappe Mehrheit der stimmberechtigten Wähler für einen Wechsel vom Landkreis Calw zum Landkreis Karlsruhe. 29,77 Prozent der Wahlberechtigten stimmten für den Wechsel, 29,08 Prozent dagegen. Den Ausschlag gaben 43 Stimmen. In einer Stellungnahme des Landkreises Karlsruhe zur Anfrage des Innenministeriums Baden-Württemberg zu den Auswirkungen für den Landkreis Karlsruhe im Falle eines Landkreiswechsels kam der Landkreis Karlsruhe zu dem Schluss, dass ein Landkreiswechsel „in jedem Fall finanzielle Auswirkungen“ für den Landkreis Karlsruhe zur Folge hätte. Ferner stellte der Landkreis Karlsruhe in der Stellungnahme fest, dass die Finanzkraft der dann 33 Kommunen (einschließlich Stadt Bad Herrenalb) des Landkreises Karlsruhe sich verschlechtern würde. Für den Landkreis Karlsruhe bestehen laut Stellungnahme Zweifel, „ob aus Landkreissicht unter Berücksichtigung der dargelegten organisatorischen, personellen und finanziellen Folgen für den Landkreis Karlsruhe, seine rund 435.000 Einwohnerinnen und Einwohner sowie die kreisangehörigen Städte und Gemeinden Gründe des öffentlichen Wohls angenommen werden könnten“. Eine Große Anfrage der baden-württembergischen Grünen und der CDU sowie die Antwort der Landesregierung vom 17. Januar 2018 hatten mögliche Konsequenzen eines Wechsels des Landkreises der Stadt Bad Herrenalb zum Gegenstand. Der Landtag von Baden-Württemberg verweigerte am 20. Dezember 2018 die notwendige Zustimmung, da der Bürgerentscheid rechtlich nicht bindend sei.
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