Die Welt (Eigenschreibweise DIE WELT oder DIE WeLT) ist eine überregionale deutsche Tageszeitung der Axel Springer SE. In der britischen Besatzungszone in Hamburg gegründet, erschien sie erstmals 1946 und wurde 1953 vom Verleger Axel Springer übernommen. Der Redaktionssitz von Welt und Welt am Sonntag befindet sich in Berlin.

Die Welt erscheint im Nordischen Format. Bei den überregionalen deutschen Abonnenten-Tageszeitungen liegt sie hinter Süddeutscher Zeitung, Frankfurter Allgemeiner Zeitung und Handelsblatt auf dem vierten Platz. Die verkaufte Auflage beträgt Die sogenannte harte Auflage (Einzelverkäufe zum regulären Preis und Abonnements ohne Bordexemplare, Lesezirkel oder stark rabattierte sonstige Verkäufe) beträgt Exemplare.Laut IVW.

Geschichte mini|hochkant|Axel Springer, 1966 1946–1990 Die Welt war eine Gründung der britischen Militärregierung und erschien zum ersten Mal am 2. April 1946 zum Preis von 20 Pfennig. Das Konzept der Zeitung war, Fakten scharf von Kommentaren zu trennen, in den Leitartikeln kamen gegensätzliche Standpunkte zur Sprache. Unter dem seit Frühjahr 1946 amtierenden Chefredakteur, dem SPD-Mitglied und ehemaligen Insassen des KZs Bergen-Belsen Rudolf Küstermeier, kollidierte das Blatt mehrmals mit den britischen Besatzungsbehörden, die die Welt als PR-Organ nutzen wollten. Die Auflage stieg bis auf eine Million Exemplare, so dass beim anstehenden Verkauf 1952 an Interessenten kein Mangel herrschte. Für zwei Millionen DM erhielt Axel Springer den Zuschlag.

Unter dem ersten Springer-Chefredakteur, dem rechtskonservativen Hans Zehrer (der bereits 1946 kurzzeitig das Blatt geleitet hatte, aufgrund seiner Vergangenheit aber von den Briten abgesetzt worden war), wandelte sich das einst liberale Blatt zur „großen nationalen Zeitung“, wie sie 1965 offiziell tituliert wurde. Autoren wie Ilse Elsner, Sebastian Haffner und Erich Kuby beendeten allmählich die Mitarbeit. Für Die Welt arbeiteten Journalisten wie Winfried Martini, Friedrich Zimmermann oder der ehemalige Pressechef im NS-Außenministerium Paul Karl Schmidt alias Paul Carell, der von 1958 bis 1979 für die Welt schrieb.Christian Plöger: Von Ribbentrop zu Springer. Zu Leben und Wirken von Paul Karl Schmidt alias Paul Carell. Marburg 2009 (zugl. Diss. Münster 2009), S. 466 f. Dessen damaliger Mitarbeiter Hans Georg von Studnitz sowie konservative Schreiber wie Matthias Walden und William S. Schlamm prägten kurzzeitig den Charakter der Zeitung.

Während der Springer-Kampagne während der Studentenproteste in den 1960er Jahren gegen Axel Springer wurde auch Die Welt Zielscheibe von Kritik. Laut Hans-Peter Schwarz verhandelte Axel Springer Mitte der 1970er Jahre mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über den Verkauf der defizitären Welt, bei dem Die Welt in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung aufgehen sollte. Springer soll sich kurz vor Vertragsabschluss aber gegen den Verkauf entschieden haben.

Verlagsleiter von Die Welt und Welt am Sonntag ab 1963 war der zuvor bei den Lübecker Nachrichten und als Wirtschaftsredakteur bei Die Welt tätig gewesene Diplom-Volkswirt Ernst-Dietrich Adler (1927–2014).Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 5. Die Zentralredaktion der Welt zog 1975 von Hamburg nach Bonn.

1990–Gegenwart 1993 zog die Zentralredaktion nach Berlin, die der Welt am Sonntag folgte 2001 von Hamburg nach Berlin.Jakob Menge: „Welt am Sonntag“ zieht von Hamburg nach Berlin. In: welt.de. 20. Januar 2001, abgerufen am 21. Januar 2026. 2002 wurden die Redaktionen von Welt und Berliner Morgenpost fusioniert.Welt und Berliner Morgenpost fusionieren. In: welt.de. 6. Dezember 2001, abgerufen am 11. März 2026. 2006 wurde diese Redaktion mit der Redaktion der Welt am Sonntag und den Online-Redaktionen der drei Zeitungen zusammengelegt.Die Welt startet Online-Offensive. In: welt.de. 25. April 2006, abgerufen am 3. Juli 2026.

Welt-Gruppe Ab dem 24. Mai 2004 erschien neben der herkömmlichen Welt auch Die Welt Kompakt, in der Inhalte der großen Ausgabe auf 32 Seiten im kleineren Format zusammengestellt wurden.Springers kleine „Welt“. In: Spiegel Online. 21. April 2004, abgerufen am 10. Juli 2026. Im Jahr 2007 schrieb Die Welt erstmals schwarze Zahlen.„Welt“-Gruppe fährt erstmals Gewinne ein. In: Spiegel Online. 12. März 2008, abgerufen am 23. Juli 2026.

mini|Logo von 2010 bis zum 29. November 2015

Am 15. Februar 2010 übernahm der bisherige Chefredakteur Thomas Schmid die Position des Herausgebers und Jan-Eric Peters wurde Chefredakteur aller Welt-Publikationen. Im Oktober 2012 gab die Axel Springer AG bekannt, dass die Redaktion der Welt noch vor dem Jahresende mit jener des Hamburger Abendblattes zusammengelegt wird. Die neue Zentralredaktion wurde in Berlin angesiedelt. In Hamburg blieb nur noch eine Abendblatt-Lokalredaktion bestehen.

Seit 2010 lässt die Kulturredaktion einmal jährlich sogenannte Künstlerausgaben der Zeitung durch namhafte Bildende Künstler nach deren Vorstellung gestalten, beispielsweise 2010 Georg Baselitz und 2011 Ellsworth Kelly.

Mit dieser neuen Strategie scheint die weitere Existenz von Die Welt als Printversion zur Disposition zu stehen. Der Verlag wolle, so hieß es, im Falle neuer Einbrüche „keine lebensrettenden Maßnahmen“ für die gedruckte Ausgabe mehr ergreifen. Von Bedeutung seien allein noch die Online-Redaktion und die Welt am Sonntag. Deshalb wurde die gesamte Redaktion auf die Online-Ausgabe ausgerichtet. Alle Inhalte werden online first veröffentlicht, weshalb die Redaktion auch durchgehend von frühmorgens bis zum späten Abend thematisch vollständig besetzt sein muss. Die Medienseite der tageszeitung fasste den Wandel so zusammen:

Im Dezember 2012 führte Welt Online ein Bezahlmodell ein: Kostenlos waren nur noch 20 Online-Artikel pro Monat abrufbar, für darüber hinausgehende Abrufe musste ein kostenpflichtiges Abonnement abgeschlossen werden. Am 9. Dezember 2013 gab die Axel Springer SE den Kauf des Fernsehsenders N24 bekannt. Der bisherige N24-Gesellschafter Stefan Aust wurde am 1. Januar 2014 Herausgeber der Welt.Springer kauft Nachrichtensender N24 spiegel.de, 9. Dezember 2013. Nach der Genehmigung durch das Bundeskartellamt im Februar 2014 wurden die Redaktionen von Welt und N24 zusammengelegt, um multimediale Nachrichten produzieren zu können.Kartellamt genehmigt N24-Übernahme durch Springer spiegel.de, 7. Februar 2014.

WeltN24 Zum 1. Januar 2015 wurden die gemeinsamen Aktivitäten in der WeltN24 GmbH gebündelt.Zu mir und zu meinen Bedingungen taz.de, 6. Mai 2014.

mini|Redaktion von Die Welt im Axel-Springer-Hochhaus, 2012

Im 2. Quartal 2014 gingen 41,5 Prozent der gemeldeten verkauften Auflage nicht an Abonnenten oder in den Straßenverkauf, sondern wurden als Bordexemplar oder per Sonderverkauf abgesetzt. Der Verlag erhält dafür keine oder wesentlich geringere Erlöse.Andreas Bull: Primitives Management. In: Die Tageszeitung, 17. April 2014, abgerufen am 1. Januar 2025; IVW 2. Quartal 2014 () In: ivw.eu Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e. V. (IVW). Axel-Springer-Zeitungsvorstand Jan Bayer gab im April 2015 ein klares Bekenntnis zur Zukunft der gedruckten Welt ab: Sie solle „intellektuelles Leitmedium“ werden und man investiere „sehr konsequent in Qualität“. Die Berliner Lokalausgabe wurde zum 1. September 2015 eingestellt.„Welt“ ohne Berlin-Teil taz.de, 13. Juli 2015. Zum 29. November 2015 wurde die WeLT am Sonntag und ab dem 30. November 2015 DIE WeLT auf ein neues Logo in einem Entwurf von Erik Spiekermann samt Markenauftritt umgestellt.„Welt“ und „WamS“ Ende November mit neuem Logo, dwdl.de, 24. November 2015.

Am 1. Januar 2016 übernahm Stefan Aust zusätzlich zur Herausgeberschaft auch den Posten des Chefredakteurs von Jan-Eric Peters. Im Februar 2016 wurde ein neues Redaktionskonzept vorgestellt, nach dem es statt vierzehn acht Ressorts geben soll. Auch das Bezahlmodell änderte sich von dem Metered Model auf ein Freemium Model. Aktuelle und schnell erstellte Artikel sind danach weiterhin frei verfügbar, Hintergrundberichte und ausführliche Reportagen oder Analysen sind kostenpflichtig. Zum 70-jährigen Jubiläum erschien am 2. April 2016 eine von Udo Lindenberg illustrierte Sonderausgabe.Die „Welt“ wird 70, likörelliert von Udo Lindenberg, welt.de, 1. April 2016. Am 6. September 2016 wurde Ulf Poschardt neuer Chefredakteur.Ulf Poschardt neuer Chefredakteur von WeltN24, welt.de, 6. September 2016.

Beim Einstieg des Finanzinvestors KKR in die Axel Springer SE 2019 wurde ein Passus im Angebot bekannt, wonach vereinbart wurde, „den Geschäftsbereich der Welt-Gruppe fortzuführen“ – dies allerdings „unter der Voraussetzung einer angemessenen Steuerung der jährlichen Ergebnissituation“.

Im September 2019 gab die Axel Springer SE bekannt, dass am 31. Dezember 2019 Die Welt Kompakt und die Hamburger Lokalausgabe eingestellt werden und die Sportredaktion aufgelöst wird. Die Berichterstattung in diesem Bereich wird vom Kompetenzcenter Sport der Axel Springer SE übernommen. In dem am 6. Oktober 2020 eröffneten Axel-Springer-Neubau in Berlin belegen die Bereiche Print, Digital und Fernsehen erstmals gemeinsame Räumlichkeiten.

Seit dem 6. September 2021 erscheint die Print-Ausgabe der Welt von Montag bis Freitag auf 16 (statt bis dato 24) Seiten. Die Samstagsausgabe erschien am 4. September 2021 zum letzten Mal. Dafür erscheint die Welt am Sonntag seit dem 11./12. September 2021 in zwei Ausgaben, von denen eine bereits am Samstag verfügbar ist.Timo Niemeier: Springer: Kürzungen bei „Welt“, „WamS“ auch samstags. Auf: DWDL.de, 13. Juli 2021. Das Projekt „5+2“ wird als „Tageszeitung fürs Wesentliche“ bezeichnet und als Anpassung an gewandelte Anforderungen von Lesern und Inserenten verkauft. Es war eine Reaktion auf gesunkene Auflagenzahlen und Verkäufe (siehe Zeitungssterben).Alexander Krei, DWDL: Springer positioniert „Die Welt“ als „Zeitung fürs Wesentliche“. Auf: DWDL.de, 6. September 2021.

Premium-Gruppe Zum 1. Januar 2025 löste Jan Philipp Burgard Ulf Poschardt als Chefredakteur ab. Nachdem Burgard aus gesundheitlichen Gründen im Januar 2026 als Chefredakteur zurückgetreten war, übernahm Helge Fuhst, der vormalige Zweite Chefredakteur von ARD-aktuell, zum 11. März 2026 die Chefredaktion der Welt sowie den neu geschaffenen Posten des Vorsitzenden der Chefredaktionen der Premium-Gruppe, zu welcher neben der Welt die deutschen Ableger von Politico Deutschland und Business Insider zählen. Mitte 2026 übernahm Michael Bröcker die Position des übergreifenden Politikchefs der Premium-Gruppe und die des Chefredakteurs von Politico.

Ausrichtung Das Blatt wurde in den 2010er Jahren dem bürgerlich-konservativen Spektrum zugerechnetNicola Pointner: In den Fängen der Ökonomie? Ein kritischer Blick auf die Berichterstattung über Medienunternehmen in der deutschen Tagespresse. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-531-17198-2, S. 153 (zugleich: Dissertation, Ludwig-Maximilians-Universität, München 2009; benannte Quellen: Pürer, 1996, S. 168 f.; Hachmeister & Rager, 2000, S. 284).. und als „deutlich marktliberal“ eingeordnet.

Der Jurist und Medienethiker Luis Paulitsch zählte Die Welt 2025 zu den Mainstream-Medien, bei denen sich eine Tendenz erkennen lässt, dass sie „bestimmte Feindbilder oder Begriffe rechtsalternativer Medien übernehmen und sich ihnen – ob bewusst oder unbewusst – thematisch angleichen.“Luis Paulitsch: Alternative Medien. Definition, Geschichte und Bedeutung. Wiesbaden 2025, S. 84.

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