Sir Stephen Harold Spender, CBE, (* 28. Februar 1909 in London; † 16. Juli 1995 ebenda) war ein englischer Dichter, Autor und Hochschullehrer, der sich zeitweise in seinen Werken mit sozialen Ungerechtigkeiten und deren politischer Überwindung beschäftigte.
Leben Spender war Sohn des Journalisten Harold Spender. Als er 11 Jahre alt war, starb seine Mutter, die Malerin und Dichterin Violet Hilda Schuster. Er besuchte die Gresham’s School in Holt (Norfolk), an der er W. H. Auden kennenlernte, und die Universität Oxford. Er beendete sein Hochschulstudium nicht, sondern ging nach Deutschland (gleichwohl wurde er 1973 zum honorary fellow of the college ernannt).
In Deutschland freundete er sich mit Christopher Isherwood, Louis MacNeice, Cecil Day Lewis und Herbert List an.Stephen Spender. In: Herbert List: Söhne des Lichts. Hamburg 1988, S. 2; Fotoband. 1929 begann er seinen Roman The Temple, der jedoch erst 1988 erschien. Dieser handelt von einem jungen Mann, der nach Deutschland reist, von der deutschen Kultur beeindruckt ist und in dem fremden Land einiges über sein Verhältnis zu Männern lernt. Die Figur des Joachim stellt Herbert List dar, der ihm während seines Aufenthalts in Deutschland als Bezugsperson diente. Für den Freund Joachims im Roman, Willi Lassel, nahm Spender wahrscheinlich Willi Lassen zum Vorbild.Nicolaus Schmidt: Willi Lassen – eine biografische Skizze. In: Demokratische Geschichte, 2015, Band 26, S. 196. Zu Beginn des Spanischen Bürgerkriegs ließ sich Spender vom Sekretär der Kommunistischen Partei Großbritanniens (CPGB), Harry Pollitt, in die Partei aufnehmen. Er unterstützte die spanische Volksfront und berichtete im Daily Worker über den Kampf der Internationalen Brigaden.Stephen Spender: Welt zwischen Welten. Verlag der Parma Edition, Frankfurt 1952, S. 244.
Spender bewegte sich auch in Künstlerkreisen, sammelte Kunstwerke und freundete sich mit Künstlern an, darunter Hans Arp, Francis Bacon, Lucian Freud, Alberto Giacometti und andere. Auch mit Pablo Picasso stand er in einem intellektuellen Austausch.
Mit Cyril Connolly und Peter Watson gehörte Spender 1940 zu den Initiatoren der Literaturzeitschrift Horizon. 1949 distanzierte er sich von der kommunistischen Partei und veröffentlichte mit Schriftstellerkollegen das Stalin-kritische Buch The God that failed. Von 1953 bis 1966 war er Redakteur des Magazins Encounter. Er beendete die Mitarbeit, als sich herausstellte, dass der Kongress für kulturelle Freiheit, der es herausgab, von der CIA finanziert wurde.
Im Jahr 1954 übernahm Spender die Professur „Elliston Chair of Poetry“ an der University of Cincinnati. McMicken College of Arts and Sciences, Universität Cincinnati. 1961 wurde er Professor für Rhetorik am Gresham College in London und war von 1970 bis 1977 Professor für Englisch am University College London. Danach wurde er Professor Emeritus.
Spender erhielt 1962 den Titel Commander (CBE) des Order of the British Empire und wurde 1983 zum Ritter geschlagen. 1966 wurde er in die American Academy of Arts and Sciences und 1969 in die American Academy of Arts and Letters gewählt.
Trivia Im Jahr 1980, nach einer Vorlesung in Oneonta, musste Spenders Flugzeug wegen schlechten Wetters zwischenlanden. Spender legte die verbleibenden 287 Meilen bis Manhattan in einem Taxi zurück, um ein Treffen mit Jacqueline Kennedy Onassis nicht zu verpassen. Hierzu äußerte er: „I simply had to get there.“Stephen Metcalf: Stephen Spender, Toady. Was there any substance to his politics and art? In: Slate, 6. Februar 2005.
Spender griff 1994 David Leavitt für dessen Darstellung seiner Beziehung zu „Jimmy Younger“ in While England Sleeps an. Der Fall wurde vor Gericht ausgetragen, und Leavitt korrigierte seinen Text. Viele von Spenders Freunden in seinen frühen Lebensjahren waren homosexuell, und Spender unterhielt Liebesbeziehungen zu mehreren Männern, darunter Tony Hyndman, der in seinen Memoiren, World Within World, als Jimmy Younger auftritt. Später war er mit Muriel Gardiner liiertMS letter, 14. September 1934. Huntington Library. Zitiert nach: und heiratete 1936 Inez Maria Pearn, von der er nach drei Jahren geschieden wurde. 1941 heiratete er Natasha Litvin. In den späten Ausgaben seiner Gedichte verschwanden homosexuelle Anspielungen; hier zwei Fassungen einiger Verse aus The Uncreating Chaos:
Ausgewählte Werke
Gedichte Nine Experiments, 1928 (privat gedruckt) Twenty Poems, 1930 Poems, 1933 (2. Ausgabe 1934) Vienna, 1934 The Still Centre, 1939 Ruins and Visions, 1942 Spiritual Exercises, 1943 (privat gedruckt) Poems of Dedication, 1947 The Edge of Being, 1949 Collected Poems, 1928–1953; 1955 Selected Poems, 1965 The Generous Days, 1971 Selected Poems, 1974 Recent Poems, 1978 Collected Poems 1928–1985, 1986 New Collected Poems, (ediert von Michael Brett), 2004
Briefe und Journals Letters to Christopher: Stephen Spender’s Letters to Christopher Isherwood, 1980 Journals, 1939-1983, 1985
Rezensionen, Reiseliteratur und Sachliteratur The Destructive Element, 1935 Forward from Liberalism, 1937 Life and the Poet, 1942 European Witness, 1946 auf Deutsch: Deutschland in Ruinen, Mattes Verlag, Heidelberg 1995. als Suhrkamp-Taschenbuch Deutschland in Ruinen. Ein Bericht, Frankfurt am Main 1998 Poetry Since 1939, 1946 The God That Failed. Hrsg. Richard Crossman. Zusammen mit Arthur Koestler, Ignazio Silone, André Gide, Louis Fischer, Richard Wright. Hamilton, London 1949. Auf Deutsch: Ein Gott der keiner war. Verlag der Parma Edition, Frankfurt 1950 Learning Laughter, 1952 auf Deutsch: Aliyah – Eine Reise durch Israel, Steingrüben Verlag, Stuttgart 1953 The Creative Element, 1953 The Making of a Poem, 1955 The Struggle of the Modern, 1963 The Year of the Young Rebels, 1969 Love-Hate Relations, 1974 Eliot, 1975 (Modern Masters Serie) W. H. Auden: A Tribute (ediert von Spender), 1975 The Thirties and After, 1978 China Diary (gemeinsam mit David Hockney), 1982
Drama Trial of a Judge. 1938; questia.com The Oedipus Trilogy. 1985.
Libretto Rasputin’s End. Oper (1958). Musik: Nicolas Nabokov
Memoiren World Within World. Hamilton, London 1951. Auf Deutsch: Welt zwischen Welten. Verlag der Parma-Edition, Frankfurt a. M. 1952.
Fiktion The Burning Cactus, 1936 (Geschichten) The Backward Son, 1940 Engaged in Writing, 1958 The Temple (geschrieben 1928; publiziert 1988)
Literatur über Spender (Auswahl) Samuel Hynes: The Auden Generation. 1976, ISBN 0-370-10381-5. John Sutherland: Stephen Spender: The Authorized Biography. 2004, ISBN 0-670-88303-4; US-Ausgabe: Stephen Spender: A Literary Life. 2005, ISBN 0-14-027889-3. Matthew Spender: A House in St John’s Wood: in Search of My Parents. William Collins, 2015, ISBN 978-0-00-813206-4. Ian Hamilton: Spender’s Lives. In: The New Yorker, 28. Februar 1994; Auszüge. upenn.edu/~afilreis Stephen Metcalf: Stephen Spender, Toady. Was there any substance to his politics and art? In: Slate, 6. Februar 2005.
Weblinks
Stephen Spender Memorial Trust. Beiträge zu Stephen Spender. In: New York Review of Books.
Einzelnachweise
Kategorie:Autor Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Essay Kategorie:Lyrik Kategorie:Drama Kategorie:Librettist Kategorie:Erzählung Kategorie:Autobiografie Kategorie:Poet Laureate (Vereinigte Staaten) Kategorie:Commander des Order of the British Empire Kategorie:Herausgeber Kategorie:Hochschullehrer (Gresham College, London) Kategorie:Hochschullehrer (University College London) Kategorie:Interbrigadist Kategorie:Homosexualität in der Literatur Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Englisch) Kategorie:Literatur (Vereinigtes Königreich) Kategorie:Knight Bachelor Kategorie:Journalist (Vereinigtes Königreich) Kategorie:Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung Kategorie:Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste Kategorie:Mitglied der American Academy of Arts and Sciences Kategorie:Mitglied der American Academy of Arts and Letters Kategorie:Brite Kategorie:Geboren 1909 Kategorie:Gestorben 1995 Kategorie:Mann