Publius Ventidius BassusEs ist nicht sicher, ob Ventidius tatsächlich offiziell das Cognomen Bassus führte, da es selten und erst bei späteren Autoren (zum Beispiel Gellius 15, 4, 2. 4) bezeugt ist; die erhaltenen Fastentabellen (zum Beispiel für den Parthertriumph) nennen überhaupt kein Cognomen des Ventidius (* kurz vor 89 v. Chr.; † nach 38 v. Chr.) war ein römischer Feldherr und 43 v. Chr. Suffektkonsul.
mini|Marcus Antonius auf der Vorderseite eines von Ventidius geschlagenen Denarius mit der Legende M ANT IMP III VIR R P C. Auf der Rückseite ist vermutlich Jupiter Victor zu sehen, in Verbindung mit der Legende P VENTIDI, PONT IMP.Auf der hier abgebildeten Münze ist IMP auf dem Avers nicht zu erkennen, es existieren aber Exemplare der Münze, die diese Bezeichnung für Antonius führen. Vgl. Bühler, Macht und Treue, S. 198, FN6.
Herkunft
Publius Ventidius Bassus war der Sohn eines nicht weiter bekannten Publius Ventidius. Dieser war Aulus Gellius zufolge wie Ventidius Bassus selbst Maultiertreiber. Geboren wurde Ventidius Bassus in Picenum, höchstwahrscheinlich in Asculum oder Auximum.Velleius Paterculus 2, 65, 3; Cassius Dio 43, 51, 4Gellius 15, 4, 3.
Ob Ventidius Bassus tatsächlich von so niederer Herkunft war wie in den Quellen behauptet, wird in der modernen Wissenschaft bezweifelt. Abgesehen davon, dass man bei Männern wie ihm, die aus relativ bescheidenen Verhältnissen so stark aufstiegen, gerne ihre Anfänge aus literarischen Gründen als besonders gering ausmalte, lässt die Tatsache, dass er schon als Kleinkind an einem Triumphzug teilnehmen musste, eher auf eine vornehme Abstammung schließen. Vielleicht war er in eine führende italische Familie geboren, die wegen ihrer Teilnahme am Bundesgenossenkrieg gegen Rom verarmte.Gundel (s. Lit.), Sp. 796f.
Frühes Leben
Das chronologisch erste bekannte Ereignis im Leben des Ventidius Bassus wird nur von kaiserzeitlichen, nicht von zeitgenössischen Autoren erwähnt:Vgl. Rezension bei Sehepunkte zu Daniel Bühler, Macht und Treue, München 2009, S. 14–44. danach musste er als kleiner JungeAbweichend vom Rest der Überlieferung gibt Cassius Dio, 43, 51, 4–5, an, dass Ventidius bereits gegen die Römer gekämpft habe. mit seiner Mutter nebst vielen anderen Gefangenen in Rom vor dem Wagen des Triumphators Gnaeus Pompeius Strabo hergehen, der dabei am 25. Dezember 89 v. Chr. seinen Sieg über die Asculaner und Picenter feierte.Velleius Paterculus 2, 65, 3; Valerius Maximus 6, 9, 9; Plinius der Ältere, Naturgeschichte 7, 135; Juvenal 7, 199–201.
Ventidius Bassus durchlebte eine phänomenale Karriere. In seinen jungen Jahren war er arm und musste sich wahrscheinlich als Maultiertreiber verdingen, brachte es aber im Laufe der Zeit zu einem gewissen Wohlstand, so dass er Maultiere an Provinzialbeamte verkaufen konnte. Später hielten viele Neider dem homo novus gern seine ursprüngliche Arbeit vor.Vgl. etwa Lucius Munatius Plancus bei Cicero, ad familiares 10, 18, 3 (aus dem Jahr 43 v. Chr.). Doch das dadurch erworbene Vermögen bildete den Grundstein für seinen gesellschaftlichen Aufstieg.
Karriere unter Caesar
Der größte anfängliche Förderer des jungen Ventidius Bassus war niemand Geringerer als Gaius Iulius Caesar, dem er schon während dessen gallischem Feldzug (58–51 v. Chr.) und dann im Bürgerkrieg (seit 49 v. Chr.) diente, vielleicht anfänglich als Lieferant von Lasttieren und Wagen für das römische Heer und später in militärischen Positionen.Plinius, Naturgeschichte 7, 135; Appian, Bürgerkriege 3, 66, 270. Er erledigte alle Aufgaben – wie später als Feldherr des Antonius – sehr energisch und gewann den Respekt und die Freundschaft Caesars durch pünktliches und genaues Ausführen von dessen Befehlen.
Caesar ließ Ventidius Bassus in den Senat aufnehmen,Cassius Dio 43, 51, 5 wahrscheinlich 47 v. Chr., als der große Feldherr viele seiner Gefährten zu Senatoren machte, um sie zu belohnen und loyale Gefolgsleute für seine Politik in diesem entscheidenden politischen Gremium zu gewinnen. 46 oder 45 v. Chr. erhielt Bassus das Volkstribunat. Vor seiner Ermordung (an den Iden des März 44 v. Chr.) hatte Caesar noch jene Personen bestimmt, die in den nächsten Jahren die wichtigsten staatlichen Ämter bekleiden sollten. So wurde Ventidius Bassus im Juni 44 v. Chr. nach Caesars Willen zum Prätor für 43 v. Chr. bestimmt.Cassius Dio 43, 51, 5; Valerius Maximus 6, 9, 9; u. a.
Laufbahn unter Antonius bis 43 v. Chr.
Wahrscheinlich schloss sich Ventidius Bassus schon im Juni 44 v. Chr. dem späteren Triumvirn Marcus Antonius an, der unter den ehemaligen Gefolgsleuten des ermordeten Caesar der mächtigste war und dessen Nachfolge anstrebte. Jedenfalls hob Ventidius Bassus wohl etwa seit Juli 44 v. Chr. zwei Legionen (wahrscheinlich in den caesarischen Veteranenkolonien in Kampanien und Apulien) für Antonius aus. Dies scheint länger gedauert zu haben; die genauere Chronologie dafür ist aber aus den Schriften Ciceros nicht eindeutig herauszuarbeiten. Nach AppianBürgerkriege 3, 66, 270f., der die Ereignisse chronologisch auch nicht ganz richtig einordnet, soll Cicero vor Ventidius Bassus aus Rom geflüchtet sein, während durch Ciceros eigene Wortead Atticum 16, 1, 4. nur bekannt ist, dass er noch im Juli 44 v. Chr. die Warnungen seines Freundes Titus Pomponius Atticus vor dem ehemaligen Maultiertreiber nicht allzu ernst nahm.
Erst ab März 43 v. Chr. taucht Ventidius Bassus wieder in den Quellen auf. Dem von Antonius in Mutina belagerten Caesarmörder Decimus Iunius Brutus Albinus zogen der Konsul Aulus Hirtius und der junge Caesarerbe Octavian (der spätere Kaiser Augustus) längs der Via Aemilia zu Hilfe und drohten die Truppen des Antonius in einen Zweifrontenkrieg zu verwickeln. Deshalb versuchte Ventidius Bassus, Antonius Verstärkungen zuzuführen, hob zu diesem Zweck in seiner Heimat Picenum eine dritte Legion ausAppian, Bürgerkriege 3, 66, 271. und wartete dort vorerst ab.Nach Cicero (Philippika 12, 20; 12, 23) befand er sich jedenfalls Anfang März 43 v. Chr. im nördlichen Picenum. Dass er sich nicht gleich mit Antonius zu vereinigen suchte, dürfte daran liegen, dass Antonius offenbar erfuhr, dass der zweite Konsul Gaius Vibius Pansa Caetronianus mit vier weiteren, frisch ausgehobenen Rekrutenlegionen Decimus Brutus zu Hilfe eilte. Daher scheint Ventidius Bassus mit seinen Truppen die wichtigste Straße, die zum Kampfplatz führte, die Via Flaminia, gesperrt zu haben. Pansa dürfte jedoch auf die von Ventidius Bassus nicht mehr überwachbare Via Cassia ausgewichen sein und konnte sich mit einem von Hirtius ihm entgegengeschickten Hilfskorps vereinen, erlitt dann aber gegen Antonius eine schwere Niederlage bei Forum Gallorum. Da kam Hirtius mit Elitetruppen und konnte seinerseits Antonius besiegen. Die beiden Konsuln und Octavian schlugen in der folgenden Schlacht von Mutina am 21. April 43 v. Chr. Antonius erneut, ohne dass ihm Ventidius Bassus hätte beistehen können, da er sich wohl mit seinem Heer noch immer zu weit weg ostwärts von Bononia befand.
Ende April beschloss der Senat unter Führerschaft Ciceros, Ventidius Bassus wie viele weitere Anhänger des Antonius zum Staatsfeind zu erklären.Cicero, ad Brutum 1, 3, 4. Octavian aber, den der Senat in Verkennung der militärischen Lage nun hatte fallen lassen wollen, strebte eine Versöhnung mit Antonius an und schlug Ventidius Bassus vor, entweder zu seinem Heer zu stoßen oder einen freien Abzug zu Antonius zu erhalten, um diesem ein Bündnis mit ihm näherzubringen.Appian, Bürgerkriege 3, 80, 328 Ventidius Bassus entschloss sich, nach Westen zu Antonius zu ziehen, und machte sich daher etwa am 23. April 43 v. Chr., von Octavian unbehelligt, auf den anstrengenden, gebirgigen Weg über die Apenninen, da seine Gegner die Via Aemilia besetzt hielten.Decimus Brutus bei Cicero, ad familiares 11, 10, 3. Im Gegensatz zu Octavian wollte Decimus Brutus ebenso wie der Senat keine Verständigung mit Antonius und verfolgte ihn daher, um ihn endgültig vernichten zu können. Dazu musste er auch unbedingt eine Verstärkung der Truppen des Antonius durch jene des Ventidius Bassus verhindern. Dieser war zwar gezwungen, weitere und schwierigere Routen als der nördlicher auf der Via Aemilia marschierende Decimus Brutus zu bewältigen, hatte aber einen beträchtlichen zeitlichen Vorsprung. Hans Georg Gundel(s. Lit.), Sp. 801. schätzt, dass Ventidius Bassus seine Truppen in circa nur 12 Tagen auf einer 375 km langen Strecke an die ligurische Küste führte, und bescheinigt ihm große Führungskünste. Nach dieser enormen Marschleistung konnte der Feldherr seine Truppen in Vada Sabatia westlich von Genua Antonius zuführen (etwa am 3. Mai 43 v. Chr.).Decimus Brutus bei Cicero, ad familiares 11, 10, 3 und 11, 13, 3; Gaius Asinius Pollio bei Cicero, ad familiares 10, 33, 4
Für Antonius war diese Aufstockung seiner Truppen äußerst willkommen, stärkte sie doch seine militärische Position beträchtlich, da seine eigenen Truppen schon dezimiert und sehr verbraucht waren. Decimus Brutus musste sich folglich nun defensiv verhalten und auch der noch unentschlossene Marcus Aemilius Lepidus dürfte sich erst wegen der nunmehr deutlich stärkeren Stellung des Antonius diesem (am 29. Mai 43 v. Chr.) angeschlossen haben. Nach einer Bemerkung des Decimus Brutus in einem Brief an Ciceroad familiares 11, 13, 3. wollten die Truppen des Ventidius Bassus nach ihrem Eintreffen bei Antonius angeblich in Italien bleiben und sich zunächst nordwestlich nach Pollentia wenden. Doch konnte Decimus Brutus eine Stunde vor der Ankunft einer von Antonius abgesandten Vorhut unter Lucius Trebellius Pollentia einnehmen (am 10. Mai 43 v. Chr.).Cicero, ad familiares 11, 13, 4. Wahrscheinlich inszenierte man aber dieses Manöver nur zur Ablenkung, um Antonius in die Lage zu versetzen, unbehelligt entlang des Meeres nach Westen abzuziehen. Es ist auch kaum anzunehmen, dass Ventidius Bassus unter dem Befehl des Trebellius nach Pollentia mitmarschierte.H. Gundel, Sp. 801.
Für die nächsten Monate gibt es keine Nachrichten über Ventidius Bassus; er dürfte aber an den Vorverhandlungen zum Abschluss des zweiten Triumvirats beteiligt gewesen sein. Dieses wurde bei dem wichtigen Treffen des Antonius, Octavian und Lepidus in Bononia besiegelt (Oktober 43 v. Chr.) und verlieh den drei Männern die gesamte Macht über den Westen des Reiches (die östlichen Provinzen waren von den Caesarmördern besetzt). Jedenfalls wurde Ventidius Bassus in der zweiten Hälfte des Jahres 43 v. Chr. zum Pontifex ernannt.Inschriften auf Münzen.
Octavian legte am 27. November 43 v. Chr., als das Triumvirat durch das Titische Gesetz förmlich bestätigt worden war, sein Amt als Konsul nieder; der zweiten Konsul Quintus Pedius hatte schon etwas früher das Zeitliche gesegnet. Daher wurden je ein Anhänger des Antonius und Octavian zu neuen Suffektkonsuln ernannt: Ventidius Bassus (der sein Prätorenamt niederlegte) und Gaius CarrinasFastentafeln (Attilio Degrassi, Inscriptiones Italiae 13, 1, 274); Cassius Dio 47, 15, 2; u. a. Da Octavian als Triumvir ein wesentlich höheres Amt bekleidete, fiel es ihm leicht, auf die Würde eines Konsuls zu verzichten, während Antonius den Ventidius Bassus mit der Verleihung dieses Amtes für seine wichtigen Dienste belohnte. Wenn auch nichts über die Tätigkeit des homo novus als Konsul berichtet wird, so fielen doch in seine Amtszeit die schrecklichen Proskriptionen, deren prominentestes Opfer Cicero war. In Rom wurden öffentlich Spottverse über die Günstlinge der neuen Machthaber, so auch über Ventidius Bassus an die Wände geschmiert, die auf seine niedere Herkunft als Maultiertreiber hinwiesen und dem Unmut der Bevölkerung über seinen ungewöhnlichen Aufstieg Ausdruck verliehen.
Perusinischer Krieg Als sich Antonius 42 v. Chr. zusammen mit Octavian auf den Weg nach dem Balkan machte, um dort die Caesarmörder unschädlich zu machen, dürfte er seinen Vertrauten Ventidius Bassus zum Statthalter der Gallia Comata ernannt haben.