mini|St. Edwardskrone König oder weiblich Königin ist die Amtsbezeichnung für den höchsten monarchischen Würdenträger in der Rangfolge eines souveränen Staates. Hierarchisch dem König übergeordnet ist nur der Kaiser wie im Falle der historischen Großreiche. Im Europa des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit war der König in der Regel höchster Souverän seines Landes: Oberhaupt der Regierung, oberster Richter und Gesetzgeber in einer Person. Darüber hinaus nahm er in manchen Staaten – beispielsweise in England und später im Vereinigten Königreich – die Funktion eines geistlichen Oberhaupts wahr. In modernen Monarchien ist der König meist Staatsoberhaupt mit ausschließlich repräsentativen und zeremoniellen Aufgaben. Die Anrede eines Königs ist „Majestät“.

Etymologie Germanische Sprachen

Die Vorstufen des deutschen Wortes König und eng verwandte Wörter sind nicht nur in den älteren deutschen Sprachstufen (, ), sondern auch in den meisten anderen altgermanischen Sprachen bezeugt (altengl. cyning, altnord. konungr) und aus einer germanischen Sprache des 2./3. Jahrhunderts ins Finnische entlehnt worden (, kuningas). Die zugrundeliegende Form des althochdeutschen kuning, (protogermanisch) *kuninga-z, enthält das Suffix -ing/-ung, das Zugehörigkeit und Abstammung bezeichnet. *kuninga-z bedeutete also ursprünglich „der zum kuni/kunja- Gehörige“ oder „der von einem kuni/kunja- Abstammende“. Die genaue Interpretation dieser Wortableitung ist jedoch umstritten. Eine weithin akzeptierte Deutung sieht das altgermanische Wort *kunja- „Sippe, Geschlecht“ (got. kuni, ahd. und altsächs. kunni, mhd. künne, engl. kin, schwed. kön) als Ausgangspunkt der Bildung. Der *kuningaz wäre dann „der einem (edlen) Geschlecht Entstammende“ (von vornehmer Herkunft) gewesen.

Das deutsche Wort König ist eng mit dem neuniederländischen koning, dem neuenglischen king, dem neuschwedischen konung und kung und dem neuisländischen kon(un)gur verwandt. Neben dem protogermanischen *kuningaz existierte auch die Kurzform *kuniz.König. In: Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache. In: dwds.de, abgerufen am 19. August 2018.

Die weibliche Form Königin kann nicht nur eine dem männlichen König entsprechende Würdenträgerin bezeichnen, sondern auch die Ehefrau eines Königs (siehe Titularkönigin). Der Ehemann einer regierenden Königin wird hingegen meist nicht als König (Titularkönig), sondern als Prinzgemahl bezeichnet. Das englische Wort für Königin, queen, bedeutete ursprünglich nur Ehefrau und kommt von altenglisch cwēn, „Ehefrau; Königin“. Dieses gehört zu einem indogermanischen Wortstamm, der einfach „Frau“ bedeutet, wie norwegisch kvinne, schwedisch kvinna, das Wort žena bzw. жена für „Frau“ in den slawischen Sprachen und das Griechische (gesprochen altgriechisch gynḗ, neugriechisch jini).

Romanische Sprachen, Indoarische Sprachen, Keltisch

Zum lateinischen Königstitel rēx (Genitiv rēgis) gehört der Begriff regnum („Königreich“) und das Verb regere/regnare („herrschen“). Er ist etymologisch verwandt mit rājā, dem indischen Wort für „König“ (gesprochen raadschaa auf Sanskrit und Hindi). Das deutsche Wort Reich gehört zur selben indogermanischen Wortfamilie und ist wohl ein altes Lehnwort von keltisch wahrscheinlich *rīgjom zu *rīgs = König (vgl. den Namen des gallischen Häuptlings Vercingetorix). Aus diesem *rīgs leiten sich das irische rí und das schottisch-gälische righ für „König“ und das walisische rhi für „Adliger“ ab. „König“ heißt auf Walisisch hingegen brenin.

Slawische Sprachen

In slawischen Sprachen war das ursprüngliche Wort für König der Knjaz, später wurde der slawische Königstitel vom Eigennamen Karl abgeleitet, nach Karl dem Großen (analog zu der Ableitung der Begriffe Kaiser und Zar vom Namen Caesar): Sorbisch: kral, tschechisch král, polnisch król [krul], slowenisch, kroatisch, bosnisch und serbisch kralj, .

Finno-ugrische Sprachen

In der ungarischen Sprache ist das Wort für König vermutlich slawischen Ursprungs: király (vgl. kroat. bosn. kralj).

Außereuropäische Sprachen Für den Begriff König in außereuropäischen Ländern wird die Bezeichnung bei der Übersetzung oft willkürlich gewählt, um die lebenslange Herrschaftsfunktion zum Ausdruck zu bringen. Bei kleinen Königtümern und Stammeskönigtümern ist der Übergang vom Häuptling zum König oft fließend, in der Landessprache nicht selten ein und derselbe Begriff.

Der chinesische Titel des Wang war in den frühen Dynastien (bis zur Einigung Chinas als Kaiserreich) die Bezeichnung des souveränen Herrschers, weshalb er in der westlichen Übersetzung mit dem König gleichgesetzt wird. Später wurde der Wang jedoch zum höchsten chinesischen Adelstitel im Kaiserreich, in westliche Sprachen üblicherweise übersetzt als Prinz.

Geschichte Alter Orient Im Alten Orient war das Königtum die am weitesten verbreitete Herrschaftsform und wurde in seiner Frühzeit durch eine sogenannte Palastwirtschaft gestützt: Diese entwickelte sich im 3. und 2. Jahrtausend v. Chr. in den Stätten von Sumer aus der Tempelwirtschaft und wurde nach dem Großreich von Akkad (um ca. 2340–2200 v. Chr.) von den darauf folgenden mesopotamischen Kleinkönigreichen übernommen. Besonders erfolgreiche Dynastien wie die von Qatna, Mari, Jamḫad, Ebla, Larsa, Ur, Isin, Der, Susa und viele andere mehr geboten dabei oft über mehrere Städte mit teils abhängigen Palastwirtschaften und regierenden Statthaltern oder Fürsten, welche dem jeweiligen Oberkönig Tribute zollten. Als Höhepunkte des altorientalischen Königtums gelten verschiedene Großkönigreiche, darunter ab ca. 1800 v. Chr. bis 330 v. Chr. diejenigen der Babylonier, Hethiter, Assyrer und Perser. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Verwaltung der Königreiche zunehmend ausgeklügelter und die Palastwirtschaft war spätestens nach dem Bronzezeit-Kollaps (der auch die ähnlich strukturierte mykenische und minoische Palastzeit beendete) obsolet. Ein weiteres und spezielles Beispiel für frühes Königtum stellt das Alte Ägypten dar.

Welche Funktionen altorientalische Könige im Einzelnen hatten, ist nicht immer geklärt und änderte sich sicherlich auch im Laufe der Zeit. Auch ist nicht bekannt, was den König in seinem Amt legitimierte; bei vielen altorientalischen Königtümern wird davon ausgegangen, dass sie aus einer Priesterkaste hervorgingen und sich als Gottkönige betrachteten. Zudem hatten sie anders als die frühen skandinavischen Könige eine rechtsprechende Funktion. Ein solches Selbstverständnis findet sich etwa auch in der Formel „Hirte der Völker“ aus, die zum ersten Mal für Lugalzagesi bezeugt ist. Bei den ägyptischen Königen („Pharaonen“) waren die Gottkönige ebenso geistliches Oberhaupt und göttliche Reinkarnation.Manfred Clauss: Der Pharao. Stuttgart 2012. Zuletzt unterwarf sich der persische Großkönig praktisch den gesamten Vorderen Orient; er betrachtete sich wohl mehr als weltlicher „König der Länder und Völker“, welche in seinem Titel explizit genannt wurden. Er war Oberherrscher über die Satrapen des Reiches, welche er aus den lokalen Eliten rekrutierte.

Das Perserreich wurde mit den Eroberungsfeldzügen von Alexander dem Großen zerschlagen, der sich anders als der persische König wieder auf göttliche Abstammung berief. Dem folgten die Diadochenreiche, als Alexanders Generäle nach dessen Tod eigene Reiche gründeten (Hellenismus). Das Seleukidenreich und das Ptolemäerreich hielten sich am längsten (spätes 1. Jahrhundert v. Chr.). In der Tradition Alexanders beriefen auch sie sich auf ihre göttliche Abkunft, jedoch in erster Linie zur Legitimation; Pflichten als religiöses Oberhaupt gingen nicht primär damit einher. Schließlich übertrugen die Römer nach der Eroberung großer Teile des Orients die Vorstellung von der Göttlichkeit des Herrschers auf das Kaisertum, das seit der Spätantike christlich legitimiert war.

Siehe auch: Sumerische Königsliste, Liste der Pharaonen, Liste der Könige von Elam, Liste der hethitischen Großkönige, Liste der babylonischen Könige, Liste der assyrischen Könige, Liste der nubischen Könige, Liste der achämenidischen Könige, Liste der Seleukidenherrscher, Liste der Ptolemäer

Antike Griechenland Das antike Griechenland war eine sehr lose, oft in widerstreitende Allianzen gespaltene Staatengemeinschaft. In den griechischen Staaten existierten verschiedene, teils wechselnde Staatsformen; das Königtum war in archaischer und klassischer Zeit (ca. 800 bis 336 v. Chr.) eine seltene Ausnahme im griechischen Kernland. In Sparta existierte jedoch ein Doppelkönigtum. Sinn dahinter war eine gegenseitige Kontrolle, wobei die Königsherrschaft ohnehin eingeschränkt war. In der Zeit des Hellenismus war das Königtum hingegen die gängige Staatsform in den Nachfolgereichen des Alexanderreichs, wobei die Macht der hellenistischen Könige in ihrem jeweiligen Reich weitgehend unbeschränkt war.Überblick bei Pierre Carlier: Basileus I. In: Der Neue Pauly. 2 (1997), Sp. 462 ff.

Das eigentliche Wort für König, βασιλεύς [basileus], wurde später auch auf die römischen Imperatoren angewandt. Vom Königtum zu unterscheiden ist die Tyrannis.

Rom

In seiner Anfangszeit seit der (angeblichen) Gründung durch Romulus und seinen Bruder Remus war der römische Staat ausschließlich durch Könige regiert worden, wenngleich vieles von legendären Erzählungen verschleiert ist. Nach dem Sturz des siebten und letzten Königs Lucius Tarquinius Superbus durch die Adligen der Stadt (angeblich 509 v. Chr.) war Rom bis ins späte 1. Jahrhundert v. Chr. eine Republik.Vgl. Karl-Ludwig Elvers: Rex. In: Der Neue Pauly 10 (2001), Sp. 935 f. Der Königstitel (rex) war so verpönt, dass bei der Umwandlung der Diktatur Caesars in eine erneute dauerhafte Monarchie durch Augustus die Amtsbezeichnung Imperator in ihrer Bedeutung verändert und mit Caesars Eigennamen (eigentlich seinem Cognomen) ausgeschmückt wurde. Als Ausnahme übertrug Konstantin der Große seinem Neffen Hannibalianus um 335/36 den Titel rex, was sich jedoch auf separate römische Klientelherrschaften bezog.

Germanen Die Frage nach dem Königtum bei den GermanenKritischer Überblick bei Walter Pohl: Die Germanen. 2. Auflage. München 2004, S. 65 ff. wird in der neueren Forschung kontrovers diskutiert.Stefanie Dick: Der Mythos vom „germanischen“ Königtum. Studien zur Herrschaftsorganisation bei den germanischen Barbaren bis zum Beginn der Völkerwanderungszeit. Berlin 2008. Vgl. auch Matthias Becher: „Herrschaft“ im Übergang von der Spätantike zum Frühmittelalter. Von Rom zu den Franken. In: Theo Kölzer, Rudolf Schieffer (Hrsg.): Von der Spätantike zum frühen Mittelalter. Kontinuitäten und Brüche, Konzeptionen und Befunde. Ostfildern 2009, S. 163–188. In der älteren Forschung wurde aus den antiken Quellen auf ein germanisches Königtum geschlossen, das in unterschiedlichen Ausprägungen (siehe Sakralkönigtum und Heerkönigtum sowie Kleinkönig) bei diversen Stämmen existiert habe, wobei den antiken Autoren zufolge bei einigen Stämmen gar kein Königtum mehr existierte. In neuerer Zeit wird allerdings auf methodische Mängel älterer Arbeiten hingewiesen. Insofern agierten auf germanischer Seite zwar Anführer/Herrscher, bei der in lateinischen Texten auftauchenden Bezeichnung rex (König) handelte es sich allerdings wohl eher um eine Hilfskonstruktion, um so von römischer Seite mit vertrauten Begriffen außenpolitisch agieren zu können. Ob die jeweiligen Anführer aber im eigentlichen Sinne als Könige (mit allen damit verbundenen Erwartungen) zu betrachten sind, wird in der neueren Forschung in Zweifel gezogen.Stefanie Dick: Der Mythos vom „germanischen“ Königtum. Studien zur Herrschaftsorganisation bei den germanischen Barbaren bis zum Beginn der Völkerwanderungszeit. Berlin 2008, S. 211 ff.