Emma ist eine deutschsprachige feministische Zeitschrift. Sie wurde 1977 von einem Kollektiv um Journalistin Alice Schwarzer gegründet, die Herausgeberin und Geschäftsführerin ist. Langjährige Mitarbeiterinnen sind Franziska Becker (seit 1977), Margitta Hösel (seit 1982), Chantal Louis (seit 1994), Angelika Mallmann (seit 1998), Annett Keller (seit 2001), Silvia Kretschmer (seit 2002), Irina Rasimus (seit 2005) und Annika Ross (seit 2019). Sie erscheint zweimonatlich. Im Jahr 2023 betrug die Druckauflage 34.300 Exemplare bei einer verbreiteten Auflage von 25.660 Exemplaren. Seither wurden keine Auflagezahlen mehr veröffentlicht. Die Redaktion befindet sich über Schwarzers Stiftung FrauenMediaTurm im Kölner Bayenturm.

Name Der Name „Emma“ wurde wegen seiner Griffigkeit und als Kopfwort des Begriffs „Emanzipation“ gewählt. Die Herausgeberin Alice Schwarzer sagte dazu:

„Der war irgendwann mal aufgetaucht und gefiel uns. Nicht nur wegen der Anspielung auf die Em(m)anzipation, sondern auch, weil er das selbstironische Gegenteil vom platt Erwarteten war: Wie würde sie wohl heißen, diese Zeitschrift der jetzt vollends größenwahnsinnigen Schwarzer? Nora? Die Rächerin? Die Amazone? Nein. Emma. Ganz einfach Emma.“

Die Zeitschrift trägt neben dem Namen Emma zwei Untertitel, die Bezeichnung Das politische Magazin für Menschen, und die Aufforderung Bleibt mutig.

Entwicklung Die erste Ausgabe der Emma erschien am 26. Januar 1977 mit einer Auflage von rund 200.000 Exemplaren. Den Start des Magazins finanzierte Alice Schwarzer mit 250.000 Mark aus ihren AutorenhonorarenAlice Schwarzer: Alice im Männerland. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2002. sowie mit 20.000 Mark aus Krediten von zwei Mitarbeiterinnen (die sie nach einem Jahr mit 10 Prozent Zinsen zurückgezahlt habe). Emma gilt seit der ersten Ausgabe als Leitblatt des Feminismus im deutschsprachigen Raum. In der ersten Redaktion saßen Alice Schwarzer, Fernsehredakteurin Angelika Wittlich, Lokalredakteurin Sabine Schruff und Christiane Ensslin. In: SR 2 Kulturradio ZeitZeichen. 26. Januar 1977 Von 1979 bis 1986 gehörte Ingrid Strobl der Redaktion an.

Die Zeitschrift positioniert sich ausdrücklich als politisch und wirtschaftlich unabhängig; laut eigenen Angaben kann sie sich fast alleine durch den Kioskverkauf und Abonnementsgebühren finanzieren und ist nicht auf Anzeigen angewiesen.

Anfang Dezember 2007 kündigte Schwarzer an, die Chefredaktion von Emma im Frühjahr 2008 an die Fernsehjournalistin und Kolumnistin Lisa Ortgies zu übergeben,Moderatorin Lisa Ortgies übernimmt. In: Spiegel Online. 7. Dezember 2007Die neue Alice Schwarzer heißt Lisa Ortgies. In: FAZ.net. 7. Dezember 2007 aber weiterhin als Verlegerin, Herausgeberin und Autorin mitzuwirken. Ortigies verließ das Blatt jedoch zwei Monate nach ihrem Antritt zum 31. Mai 2008 wieder. Um die Entlassung entspann sich eine öffentliche Kontroverse, in der u. a. der Einfluss Schwarzers auf das Tagesgeschäft,vgl. z. B. In: RP Online. 30. Mai 2008 die Ausrichtung des MagazinsThorsten Dörting: Schwarzers Burma-Missgriff. „Verantwortungslose Polemik“. In: Spiegel Online. 3. Juni 2008 und die (Nicht-)Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der Emma-Redaktion thematisiert wurden.

Von 2010 bis 2012 erschien die Emma viermal im Jahr. Gleichzeitig wurde sie 2010 einem Relaunch unterzogen und der Online-Auftritt wurde ausgebaut. Unter anderem wurde ein „Lesesaal“ eingerichtet, in dem online alle ehemaligen Emma-Ausgaben kostenlos einsehbar sind. Seit 2013 erscheint die Zeitschrift wieder im Zwei-Monats-Rhythmus. Als Gründe dafür wurde der vielfache Wunsch von Leserinnen und die wieder steigende Aktualität von „Frauenfragen“ genannt. Der Heftpreis wurde von 9,80 Euro auf 7,50 Euro gesenkt, um jüngeren Leserinnen entgegenzukommen.Und der Heftpreis sinkt: „Emma“ erscheint wieder alle zwei Monate. In: kressreport. 24. September 2012.

In Nicole Weegmanns zweiteiligem Spielfilm Alice von 2022 über die Jugendzeit Alice Schwarzers wird unter anderem auch die Entstehung der Emma dargestellt. Der zweite Film endet mit einer Szene, in der das Team gemeinsam den Druck der ersten Ausgabe feiert, und blendet danach dokumentierte Reaktionen von Leserinnen dieser ersten Ausgabe ein.

Auflage Die Emma gehört zu den deutschen Zeitschriften mit den größten Auflagenverlusten. Die verkaufte Auflage betrug im zweiten Quartal 2007, dem Zeitpunkt der letztmaligen Meldung an die IVW, 44.687 Exemplare.IVW: , abgerufen am 14. Dezember 2017 Danach stellte das Blatt die Meldung der Auflagenzahlen an die IVW ein. Laut eigenen Angaben betrug 2019 die verkaufte Auflage 25.717 Stück. Dies entspricht einem Rückgang von Exemplaren oder Prozent gegenüber 1999. Seit 2024 wird in den Mediadaten keine Auflage mehr angegeben.Für 2020: ; 2021: ; abgerufen am 5. Dezember 2022

Entwicklung der verkauften AuflageFür 2018: ; 2017: ; 2016: ; 2015: ; 2014: ; 2013: ; abgerufen am 5. Dezember 2022

1998 bis 2006 IVW, jeweils viertes Quartal; ab 2007 Verlagsangaben

Inhalte mini|Logo PorNO Die Emma befasst sich mit Themen wie Ausbildung, Familie, Politik und Arbeitswelt sowie Kultur, Medien, Religion und Pornografie. Laut einer Untersuchung aus dem Jahr 2005 machen Politik, private Rollenverteilung und Medien die meisten Artikel aus. Damit unterscheide sich die Emma grundlegend von konventionellen Frauenzeitschriften und nehme eine besondere Stellung in der deutschen Medienlandschaft ein.Alexandra Kühte: Das Frauenbild der feministischen Zeitschrift EMMA: eine Untersuchung über die Darstellung von Frauen und die Behandlung frauenspezifischer Themen. Wissenschaftlicher Verlag Berlin, Berlin 2005, ISBN 978-3-86573-056-5.

Emma setzt sich nach eigener Aussage für Frauen und für uneingeschränkte Chancengleichheit von Frauen und Männern ein, was sich aus Sicht des Magazins in konkreten Projekten und Kampagnen ausdrückt, die von Emma unterstützt oder initiiert wurden, zum Beispiel: Proteste gegen Klitorisverstümmelung (1977)Große Emma-Themen Klitorisverstümmelung Thematisierung und konkrete Hilfsaktionen bei sexuellem Missbrauch (1978)Große Emma-Themen Missbrauch Aktionen gegen Pornografie (ab 1978) und PorNO-KampagneGroße Emma-Themen Pornografie Diskussionen und Kampagnen gegen fundamentalistischen Islamismus und Kopftuch (ab 1979)Große Emma-Themen Islamismus Forderung nach Ganztagsschulen und Ganztagsbetreuung (ab den 1980ern)Große Emma-Themen Ganztagsschule Emma-Kampagne für Frauenfußball (1998) Unterstützung des Girls’ Day (ab 1999)

Die Zeitschrift thematisiert immer wieder (selbst)kritisch die Kontroversen innerhalb der modernen Frauenbewegung und Themen wie „Missbrauch mit dem Missbrauch“ und Wehrpflicht für Frauen.

Seit der Gründung der Zeitschrift sind die satirischen Cartoons von Franziska Becker ein fester Bestandteil der Emma. Mit ihren Bildergeschichten kommentiert Becker in jeder Ausgabe feministische Themen und die Welt von Frauen und Männern. Für ihr Lebenswerk wurde sie als „witzigste Frauenrechtlerin Deutschlands“ mit dem Satirepreis „Göttinger Elch“ 2012 ausgezeichnet.„Göttinger Elch“ für Cartoonistin Franziska Becker. In: Zeit Online. 29. Januar 2012

Emma steht in Deutschland prototypisch für Formen feministischer Medienöffentlichkeit, mit ihren Positionen zum Beispiel zur Pornografie oder Frauen im Islam stieß sie innerhalb des feministischen Diskurses sowohl auf Zustimmung als auch auf Widerstand. Wie andere internationale feministische Medien hat die Zeitschrift Themen in die gesellschaftliche Diskussion gebracht, die zuvor keine Öffentlichkeit fanden.Margreth Lünenborg, Tanja Maier: Gender Media Studies. Eine Einführung. UTB, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-8252-3872-8, S. 67

Journalistinnen-Preis Von 1990 bis 2012 wurde alle zwei Jahre der von Alice Schwarzer initiierte Emma-Journalistinnen-Preis vergeben, 2012 unterstützt von der Bundesregierung. Kulturstaatsminister Bernd Neumann sah den Preis als Förderung des Qualitätsjournalismus. „Der Preis von EMMA soll gerade diejenigen Journalistinnen und Journalisten fördern und auszeichnen, die sich mit gesellschaftlichen Fragen kritisch auseinandersetzen – aber handwerklich professionell, d. h. informativ und kreativ bei sauberer Recherche.“

Negativpreis „Sexist Man Alive“ Seit 2019 vergibt die Emma-Redaktion jährlich den Negativpreis „Sexist Man Alive“ für den ihrer Ansicht nach frauenfeindlichsten Mann des Jahres. Der Preisname ist eine Anspielung auf die Auszeichnung „Sexiest Man Alive“ des US-amerikanischen Magazins People. Die bisherigen Preisträger waren:

2019: Rapper Kollegah wegen frauenfeindlicher Texte 2020: FDP-Vorsitzender Christian Lindner wegen Anzüglichkeiten in einer Rede 2021: Papst Franziskus; er sei trotz mancher positiver Züge nach wie vor „Chef eines Apartheidssystems, in dem Frauen Menschen zweiter Klasse“ seien 2022: Sascha Lobo, da er in der NDR-Talkshow deep und deutlich die Ausbeutung von Frauen durch Prostitution verharmlost habe. 2023: Jan Böhmermann, wegen der Berichterstattung im ZDF Magazin Royale über Transpersonen und Angriffe auf Alice Schwarzer und Emma in diesem Zusammenhang.Böhmermann wird von Schwarzer zum "Sexist Man Alive 2023" bestimmt In. n-tv.de 2024: Marie-Agnes Strack-Zimmermann, weil „sie beweist, dass Frau weder den Vornamen wechseln, noch Hormone schlucken, geschweige denn sich die Brüste abnehmen lassen muss, um ein ganzer Kerl zu sein.“

Politische Positionen und Kampagnen Sexualität und Sadomasochismus Vor allem in den frühen Jahren hat Emma der Sexualitätsdebatte großen Raum eingeräumt. 1977 titelte die Zeitschrift mit dem Thema Unsere sexuellen Phantasien. Auslöser war das Buch der Amerikanerin Nancy Friday. In der Ausgabe September 1977 analysierte die Psychoanalytikerin Margarete Mitscherlich den Unterschied zwischen masochistischen Phantasien und der Realität:

Im November 1981 titelte Emma mit den Thesen von Pat Califia und gab der Debatte über Sadomasochismus allgemein und unter Lesben im Besonderen Raum. 1982 veröffentlichte Emma den Sonderband Sexualität, in dem u. a. Alice Schwarzer ihre Thesen vom „kleinen Unterschied“ fortführt. Sie wiederholte, dass Erotik traditionell für Männer mit Macht besetzt sei und für Frauen mit Ohnmacht. Gleichzeitig stellte sie jedoch fest: „Im erotischen Masochismus wiederholen Frauen nicht nur ihre politische Unterwerfung. Sie versuchen auch, aus dieser Ritualisierung im Bett – und zum Teil vielleicht sogar selbst mit inszenierter Unterwerfung – Lust zu ziehen. Unterwerfung, Auslieferung, Hingabe sind elementare Bestandteile von Erotik. Genauso wie Eroberung und Überwältigung. Ungut wird es erst, wenn das abgekoppelt ist von der gesellschaftlichen Realität, wenn wir auf einen einseitigen Part festgelegt sind, und wir Frauen aus der sexuellen Hingabe unsere Bestimmung zur allgemeinen Unterwerfung schließen.“Alice Schwarzer: Sieben Jahre nach dem Kleinen Unterschied. In: Emma-Sonderband Sexualität, 1983