Memphis ist die zweitgrößte Stadt im US-Bundesstaat Tennessee und County-Sitz des Shelby County. Die Stadt liegt im äußersten Südwesten Tennessees am Ostufer des Mississippi River. Das U.S. Census Bureau hat bei der Volkszählung 2020 eine Einwohnerzahl von 633.104 ermittelt.

Die Stadt ist eine der Metropolen der klassischen Südstaaten. Nachdem Memphis bis in den Sezessionskrieg und die 1870er hinein floriert hatte, suchten mehrere Katastrophen die Stadt heim. In jüngster Zeit verdankt sie ihren wirtschaftlichen Aufschwung vor allem der Transportfirma FedEx, die mit Abstand größter Arbeitgeber der Stadt ist.

Die Stadt ist ein wichtiger Ort sowohl für die Entwicklung des Blues und des Souls als auch für die des Rock ’n’ Rolls. Elvis Presley lebte in Memphis, viele Größen der Rockmusik begannen ihre Karriere dort. Die Beale Street ist eines der Zentren des Blues.

Geographie Memphis liegt im US-amerikanischen Südosten im Dreistaaten-Eck zwischen Tennessee, Mississippi (südlich von Memphis) und Arkansas an der Mündung des Wolf River in den Mississippi River. Sowohl die Geographie als auch die geschichtliche Entwicklung und Kultur werden maßgeblich von der Lage am Mississippi und der geographischen Nähe der Lower Mississippi Delta Region bestimmt. Die Stadt wurde 1912 und 1937 von schweren Überflutungen des Flusses heimgesucht. Jenseits des Mississippi, durch drei Brücken verbunden, findet sich die Kleinstadt West Memphis in Arkansas.

Memphis liegt in der immerfeuchten subtropischen Klimazone. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 18,5 Grad Celsius, kältester Monat ist der Januar mit einer Temperatur von fünf Grad Celsius, wärmster der Juli mit einem Schnitt von 28 Grad, bei oft hoher Luftfeuchtigkeit. Diese liegt das ganze Jahr über zwischen 80 % (vormittags) und 50 % (nachmittags).

Die Stadt liegt im Einzugsgebiet von Tornados sowie in unmittelbarer Nähe des New Madrid Fault und ist deswegen erdbebengefährdet.Havid́́án Rodríguez u. a.: Handbook of Disaster Research Springer, 2007, ISBN 978-0-387-73952-6.

Geschichte

Indianische Besiedlung und erste Europäer Das Gebiet, in dem Memphis liegt, wurde ursprünglich von dem Indianervolk der Chickasaw besiedelt. Der spanische Entdecker Hernando de Soto bereiste wahrscheinlich um 1541 die Gegend. Erste dauerhafte europäische Besiedlungsversuche gingen von Frankreich aus. Fort Prudhomme entstand 1682, Fort Assumption 1739. Nach dem englisch-französischen Krieg übernahm England die Kontrolle des Territoriums, de jure stand es zu dieser Zeit noch den Chickasaw zu. Chickasaw, Franzosen, Engländer und Spanier lebten weitgehend friedlich miteinander, bis Tennessee 1790 ein US-Territorium und schließlich 1796 US-Bundesstaat wurde. Obwohl offiziell immer noch Indianerland, zogen weiße Siedler in die Gegend, die Chickasaw gaben schließlich 1818 ihr nördliches Territorium auf, in dem das heutige Memphis liegt.

Frühes 19. Jahrhundert Die eigentliche Stadtgründung erfolgte 1819, als Gründungsväter gelten der General und US-Präsident Andrew Jackson, der General James Winchester und der Richter John Overton. Sie errichteten die Stadt auf 5000 Acre und wollten sie zu einem Stützpunkt an der damaligen Westgrenze der Vereinigten Staaten ausbauen, von der aus sich der Handel im Tal des Mississippi kontrollieren ließ.Wanda Rushing: Memphis and the Paradox of Place: Globalization in the American South UNC Press, 2009, ISBN 978-0-8078-5952-0, S. 12–15. Zu diesem Zeitpunkt hatte Memphis ungefähr 50 Einwohner. Die Stadt wurde nach der Hauptstadt des antiken Ägyptens Memphis benannt. Der Sohn von Winchester wurde erster Bürgermeister.

Afroamerikaner, die später prägend für die Stadtgeschichte wurden, spielten zu dieser Zeit nur eine geringe Rolle. Die afroamerikanische Bevölkerung selbst war auf den Plantagen des Mississippi-Deltas versklavt, den Bedarf an ungelernten Arbeitskräften deckten vor allem Iren.Marcus D. Pohlmann: African Americans in Tennessee: The Case of Memphis. In: John R. Vile, Mark E. Byrnes (Hrsg.): Tennessee government and politics: democracy in the volunteer state Vanderbilt University Press, 1998, ISBN 0-8265-1318-2, S. 115–118. Die katholische St. Mary’s Church mit dem ältesten Altar der USA stammt ebenfalls aus dieser Zeit.

Memphis war Zentrum der aufstrebenden Baumwollindustrie. Verkehrstechnisch günstig gelegen und umgeben von fruchtbarem Boden entwickelte sich hier ein Handelszentrum. In Memphis standen zeitweise die größten Baumwollspeicher der Welt, der größte geschlossene Baumwollmarkt der Welt fand hier statt, weltgrößter Produzent von Produkten aus Baumwollsamen, wichtigster Hartholz-Markt der USA, sowie der zweitgrößte Markt für Medikamente und der drittgrößte für Lebensmittel. Viele Pioniere und Händler, die sich weiter in den amerikanischen Westen orientierten, nutzten die Stadt am Mississippi als Basislager und Aufenthaltsort. Gleichzeitig mit dem Aufbau des Baumwollhandels entwickelte sich Memphis ebenfalls zu einem Zentrum des amerikanischen Sklavenhandels, die hier auf die großen Plantagen im Mississippi Delta verkauft wurden.

Endgültig an das Verkehrsnetz der USA angebunden wurde Memphis 1845, als fast gleichzeitig ein Hafen der US-Marine in der Stadt eröffnete und die Memphis and Charleston Railroad, die die Stadt mit der Atlantikküste verband, eröffnete. Memphis war zu dieser Zeit die sechstgrößte Stadt der USA.

Sezessionskrieg und danach: Wohlstand und Emanzipation mini|Memphis am Ende einer prosperierenden Zeit, 1870, kurz vor Ausbruch der Gelbfieberepidemien Im Gegensatz zu vielen anderen Städten der Südstaaten war der Sezessionskrieg für Memphis eine Zeit ungebrochener Prosperität. Die direkten Kampfhandlungen in der Stadt beschränkten sich auf ein eintägiges Gefecht auf dem Mississippi, ansonsten profitierte die Stadt vor allem von ihrer verkehrsgünstigen Lage. Die Wirtschaft florierte in dieser Zeit mit Händlern, die gleichzeitig Baumwolle an die Nordstaaten verkauften und Munition und Stahlwaren an die Südstaaten.

Im Krieg selbst wurde Memphis aufgrund seiner Lage wichtiger Nachschubpunkt, zuerst als Nachschubdepot für die Südstaaten. Bei dem Gefecht um Memphis, bei dem die Marine der Nordstaaten 1862 die Marine der Konföderierten besiegte, hatten die an den Ufern des Mississippis sitzenden Einwohner der Stadt eine gute Aussicht, ohne ernsthafte Gefahren befürchten zu müssen. Nach dem Sieg der Nordstaaten diente die Stadt als militärisches Hauptquartier des Nordstaaten-Generals Ulysses S. Grant.

Die frühe Eroberung durch die Nordstaaten verhinderte weitere Kampfhandlungen und Zerstörungen während des Krieges. Memphis unterlag auch keiner formalen Reconstruction. Als sich 1866 viele schwarze Soldaten der Nordstaaten in der Stadt aufhielten, kam es am 1. Mai erst zu Ausschreitungen und in den zwei folgenden Tagen zu schweren Verfolgungen. Bis zum 3. Mai wurden 48 Menschen, davon 46 Schwarze und zwei Weiße (denen Sympathie zu den Schwarzen vorgeworfen wurde), ermordet.Howard Zinn: A People’s History of the United States. Harper Perennial, New York 2005, ISBN 0-06-083865-5, S. 203. Viele Wohnhäuser und Kirchen von schwarzen Einwohnern der Stadt wurden abgebrannt.

Nachdem Tennessee im Juli 1866 den 14. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten anerkannte und Memphis endgültig Teil der Nordstaaten geworden war, zog die Stadt viele ehemalige Sklaven an. Die afroamerikanische Bevölkerung vervierfachte sich zwischen 1860 und 1870 von 4000 auf knapp 16.000 Einwohner, die Gesamtbevölkerung stieg von 22.000 auf 40.000. Die Emanzipation der Schwarzen wurde in der Stadt im Rahmen des Rechts vergleichsweise weitgehend umgesetzt, das Recht, lesen zu lernen ebenso wie auch die Religionsfreiheit. Insbesondere schwarze Kirchen wurden eine wichtige Basis für den Einfluss der Afroamerikaner. Die Beale-Street-Baptist-Church von Prediger Morris Henderson galt als besonders einflussreich. Ed Shaw, der wichtigste politische Führer, saß im Stadtrat der County-Commission und stieg bis zum Hafenkapitän auf.

Gelbfieber Nachdem die Stadt den Sezessionskrieg besser überstanden hatte als fast alle anderen Südstaatenstädte, sorgten mehrere Gelbfieberepidemien 1870, 1873 und insbesondere 1878 für verheerende Auswirkungen. 1878 sorgte El Niño für tropisches Klima in den Südstaaten. Die Temperaturen lagen deutlich höher als sonst, die Sommersaison dauerte länger und die Niederschläge in dieser Zeit waren mehr als doppelt so hoch wie sonst. Die Hafenstädte des Südens waren direkt nach dem Krieg überfüllt mit Landflüchtlingen und Zuwanderern aus den Nordstaaten, regelmäßig wieder stattfindender globaler Schiffsverkehr brachte Krankheitserreger und infizierte Stechmücken in die Gegend. Eine Gelbfieber-Seuche verbreitete sich von New Orleans ausgehend den Flusslauf des Mississippi und seiner Nebenflüsse entlang.

Insbesondere jedoch aufgrund seiner miserablen Abwasserentsorgung traf die Gelbfieber-Seuche des Jahres Memphis härter als alle anderen Städte der USA: 25.000 Einwohner verließen die Stadt. Von den 19.000 Einwohnern, die nicht flohen, steckten sich im schlimmsten Jahr 80 % mit dem Gelbfieber an, ein Viertel der Bevölkerung starb. Gemessen an der Einwohnerzahl war dies die tödlichste Epidemie, die je eine US-Stadt traf. Gleichzeitig verarmte Memphis, da insbesondere vermögende Einwohner die Stadt verließen und fast nur irisch-amerikanische Hilfsarbeiter und gerade in die Freiheit entlassene Sklaven in der Stadt blieben, die mit enormen Problemen zu kämpfen hatten.

1879 erklärte die Stadt offiziell ihren Bankrott und die Stadtrechte wurden ihr aberkannt. Memphis hörte offiziell auf zu existieren und lebte nur als Steuerdistrikt Shelby County weiter. Der Staat Tennessee löste die teilweise von Schwarzen und Iren geleitete Stadtregierung auf und ersetzte sie durch ein Gremium, dem fast ausschließlich Weiße der reichen Vorkriegs-Südstaateneliten angehörten.

Erst in den 1880er-Jahren konnte durch ein neues Abwassersystem (das erste seiner Art weltweit) und die Einrichtung artesischer Brunnen die Epidemie gestoppt werden. Memphis gilt bis heute als eine der Städte mit dem saubersten Trinkwasser der USA. Die Siedlungsbewegungen jedoch hatten sich dauerhaft umgekehrt. Hatte Memphis vor Ausbruch der Gelbfieberepidemien doppelt so viele Einwohner wie Atlanta und fast doppelt so viele wie Nashville, zeigte sich danach ein Rückstand, den die Stadt nie wieder aufholte. Stadtbevölkerung und Stadtklima veränderten sich nach der Epidemie. Während die geflohenen Weißen aus der Händlerschicht und Zuwanderer nicht wieder zurückkehrten, zogen zunehmend Weiße aus den umliegenden Gemeinden in die Stadt. Aus einer kosmopolitischen Stadt, in der über 30 Prozent der Einwohner aus dem Ausland und ein großer Teil aus den gesamten restlichen Vereinigten Staaten kamen, war ein Ort geworden, in dem 80 % der Einwohner in den ländlichen Gebieten um Memphis herum geboren waren.

Jahrhundertwende und die Ära Crump mini|Skyline um 1900 mini|Riverboat in Memphis um 1900 Schwarze spielten auch weiterhin eine einflussreiche Rolle. Der hohe afroamerikanische Bevölkerungsanteil unterstützte eine gefestigte Schicht afroamerikanischer Ärzte, Anwälte, Banker und ähnlicher Berufe. Der afroamerikanische Großindustrielle Robert R. Church war vermutlich der erste schwarze Millionär der USA und gründete die erste afroamerikanische Bank. Er investierte entscheidend in den Neuaufbau der Stadt. Der ehemalige Sklave und einflussreiche Politiker der Republikaner baute auch die Bürgerrechtsorganisation NAACP auf und eröffnete, bei immer noch bestehender politischer Segregation, mit dem Church Park den ersten öffentlichen Park für Afroamerikaner und mit dem Church Auditorium eine wichtige Kulturstätte für diesen Teil der Bevölkerung.