Tornio [] () ist eine Stadt im Norden Finnlands mit Einwohnern (Stand ). Sie gehört zur Landschaft Lappland und liegt unmittelbar an der Grenze zu Schweden an der Mündung des Flusses Tornionjoki in den Bottnischen Meerbusen. Mit dem auf schwedischer Seite gelegenen Haparanda bildet Tornio eine Zwillingsstadt. Das 1621 an der Stelle eines alten Handelsplatzes gegründete Tornio ist die älteste Stadt Lapplands. Über Jahrhunderte ein Zentrum des Lappland-Handels, wurde Tornio 1809 zur Grenzstadt und ist heute ein bedeutender Industriestandort. Hauptsehenswürdigkeit der Stadt ist die 1686 erbaute Holzkirche.

Geografie Geografische Lage mini|Die Hannula-Brücke führt über den breiten Tornionjoki.

Tornio liegt an der finnisch-schwedischen Grenze am Nordende der Ostsee. Der Grenzfluss Tornionjoki mündet hier in die Bottenwiek (den nördlichsten Teil des Bottnischen Meerbusens). Tornio ist Teil der Landschaft Lappland, wird aber historisch meist zur Region Peräpohjola gezählt. Das Stadtzentrum von Tornio liegt auf der mittlerweile verlandeten Flussinsel Suensaari im Tornionjoki unmittelbar an der Grenze zu Schweden.

Nachbarstädte und -gemeinden von Tornio sind Kemi und Keminmaa im Osten, Tervola im Nordosten Ylitornio im Norden sowie die Gemeinde Haparanda auf schwedischer Seite im Westen. Deren Hauptort Haparanda liegt direkt gegenüber dem Stadtzentrum von Tornio und bildet, obgleich durch eine Staats- und Zeitzonengrenze getrennt, zusammen mit diesem eine Zwillingsstadt. Das Stadtzentrum von Kemi liegt 25 Kilometer östlich von Tornio. Zusammen mit einigen umliegenden Gemeinden bilden diese beiden Städte die Region Kemi-Tornio.

Ausdehnung des Stadtgebiets Neben dem eigentlichen Stadtzentrum gehört zu Tornio ein weitläufiges Gebiet am Unterlauf des Tornionjoki. Das Stadtgebiet von Tornio hat eine maximale Länge von 83 Kilometern und eine maximale Breite von 44 Kilometern. Unter Ausschluss der Meeresgebiete beträgt die Fläche 1229,09 Quadratkilometer (davon 43,41 Quadratkilometer Binnengewässer). Ein Großteil dieses Gebiets ist ländlich strukturiert. So ergibt sich für Tornio eine geringe Bevölkerungsdichte von 18,9 Einwohnern pro Quadratkilometer.

Die Landschaft von Tornio wird vom mächtigen Tornionjoki geprägt. Der über 400 Kilometer lange Strom ist der größte frei fließende Fluss Europas. Entsprechend groß sind die Schwankungen in der Abflussmenge: Beim Dorf Karunki beträgt sie im Mittel 367 Kubikmeter pro Sekunde, maximal kann sie bis zu 3180 Kubikmeter pro Sekunde erreichen. Das Gebiet von Tornio gehört zur Borealen Zone. Vorherrschende Baumarten sind Kiefern und Fichten, die häufigste Laubbaumart ist die Birke. Etwa die Hälfte des Stadtgebiets besteht aus Moorland. Das Grundgestein Tornios gehört zum Schiefergebiet von Peräpohjola. Die höchste Erhebung Tornios ist mit 189 Metern der Berg Kaakamavaara. Die Küste Tornios steigt durch die Landhebung jährlich um sechs bis acht Millimeter aus dem Meer. Der Küste vorgelagert ist ein Schärengebiet. Dessen äußerer Bereich gehört zum Nationalpark Bottenwiek.

Stadtgliederung mini|Die Hallituskatu im zentralen Stadtteil Suensaari ist die Hauptstraße Tornios. mini|Alte Holzbauten in Kukkola im ländlichen Teil Tornios

Das Stadtgebiet Tornios teilt sich in das städtisch bebaute Zentrum und das ländliche Hinterland. Den Stadtkern bildet der Stadtteil Suensaari, ursprünglich eine Flussinsel, die aber mittlerweile durch Verlandung des Flussarms mit dem schwedischen Westufer verbunden ist. In Suensaari befinden sich der historische Stadtkern mit den bedeutendsten Bauten wie der alten Holzkirche sowie der Hauptstraße Hallituskatu. Den nördlichen Teil der Flussinsel nimmt der Stadtteil Juhannussaari ein. Am Ostufer des Tornionjoki liegen die Stadtteile Särkinärä, Kiviranta, Torppi, Pudas, Miukki, Palosaari und Luotomäki. Der Flussarm Kirkkopudas trennt die Insel Röyttä vom Festland. Auf ihr liegen die Stadtteile Pirkkiö, Kirkonmäki, Kokkokangas, Näätsaari, Puuluoto und Röyttä.

Das Stadtzentrum von Tornio besteht aus folgenden Stadtteilen: (finn.) Juhannussaari (1653 Einwohner) Luotomäki (1074 Einwohner) Kiviranta (2861 Einwohner) Kokkokangas (3023 Einwohner) Miukki (356 Einwohner) Palosaari (1544 Einwohner) Pirkkiö (340 Einwohner) Pudas (1021 Einwohner) Puuluoto-Röyttä (346 Einwohner) Raumo (723 Einwohner) Ruohokari (522 Einwohner) Särkinärä (231 Einwohner) Suensaari (1934 Einwohner) Torppi (142 Einwohner) Vanha Pirkkiö (320 Einwohner)

Im ländlichen Teil des Stadtgebiets befinden sich folgende Dörfer: Aapajärvi (137 Einwohner) Aapajoki (297 Einwohner) Alavojakkala (530 Einwohner) Arpela (593 Einwohner) Kaakamo (1021 Einwohner) Kantojärvi (168 Einwohner) Karunki (651 Einwohner) Könölä (158 Einwohner) Korpikylä (130 Einwohner) Kourilehto (173 Einwohner) Kukkola (210 Einwohner) Laivaniemi (736 Einwohner) Liakka (329 Einwohner) Palovaara (71 Einwohner) Ruottala (192 Einwohner) Sattajärvi (200 Einwohner) Yliliakka (304 Einwohner) Ylivojakkala (231 Einwohner)

Klima Das Klima in Tornio ist kaltgemäßigt und recht maritim geprägt. Durch die hohe Nordlage sind die Temperaturen kühl, die Ostsee wirkt sich aber mäßigend auf das Klima aus.

Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt in Tornio zwischen 0 und 2 Grad Celsius. Der wärmste Monat ist der Juli mit einem Mittel von 16 Grad, der kälteste der Februar mit −11 Grad. Die Wachstumsperiode ist mit einer Dauer von 135 bis 145 Tagen kurz. Der Jahresniederschlag liegt bei 500 bis 550 Millimetern.Stadt Tornio: (finn.) Eine bleibende Schneedecke herrscht meist von Mitte November bis Anfang Mai.Finnisches Institut für Meteorologie: Talven lumista ja lumisuudesta (finn.)

Das Zentrum von Tornio liegt circa 80 Kilometer südlich des Polarkreises. Daher scheint in Tornio zwar nicht die Mitternachtssonne, doch bleibt es in der Zeit um die Sommersonnenwende, wenn die Sonne nur kurz hinter dem Horizont verschwindet, auch nachts taghell. Entsprechend dunkel ist es im Winter, wenn die Tagesdauer nur drei Stunden beträgt.

Geschichte Vor der Stadtgründung Die ersten Menschen erreichten das Gebiet von Tornio nach dem Rückzug der Gletscher gegen Ende der letzten Eiszeit im 7. Jahrtausend v. Chr. Spätestens im 9. Jahrhundert n. Chr. entstand am Unterlauf des Tornionjoki die erste sesshafte Besiedlung durch Ackerbau treibende finnische Neusiedler aus der Region Häme.Matti Enbuske: Lapin asuttamisen historia. In: Ilmo Massa, Hanna Snellman (Hrsg.) Lappi – Maa, kansat, kulttuurit, Suomalaisen Kirjallisuuden Seura, Helsinki 2003. Hier S. 40 f. Der Name Tornio bezeichnete ursprünglich den Fluss und wurde dann auf die Siedlung und später die Stadt an seiner Mündung übertragen. Er stammt aus dem Häme-Dialekt der finnischen Siedler und leitet sich von einem alten Wort für „Speer“ ab, welches seinerseits eine frühe skandinavische Entlehnung ist.J. Vahtola: Tornion nimi ja sen asutushistoriallinen tausta. Eripainossarja 27. Oulun yliopisto, historian laitos, Oulu 1976.

Im 14. Jahrhundert kam das Gebiet unter den Einfluss des schwedischen Reiches und wurde in die Kirchenverwaltung des Bistums Uppsala eingegliedert. Das Kirchspiel Tornio umfasste anfangs das gesamte Tornio-Tal. 1606 wurde es in die Kirchspiele Alatornio („Nieder-Tornio“) und Ylitornio („Ober-Tornio“) geteilt. Verwaltungsmäßig gehörte das Tal des Tornionjoki während seiner Zugehörigkeit zu Schweden zur Landschaft Västerbotten. An der Mündung des Tornionjoki befand sich bereits seit dem Mittelalter ein lebhafter Warenumschlagsplatz. Die Birkarls, privilegierte Vertreter der schwedischen Krone, betrieben von hier aus Handel mit Lappland und besteuerten die dort ansässigen Samen. 1531 wurde Tornio von König Gustav I. Wasa offiziell als Handelsplatz anerkannt.

Stadtgründung mini|hochkant=2|Stadtansicht um 1700. Illustration von Erik Dahlberg aus Suecia antiqua et hodierna.

Schon 1585 unter König Johann III. hatte es Überlegungen gegeben, eine Stadt an der Mündung des Tornionjoki zu gründen, um den Lapplandhandel unter staatliche Kontrolle zu bringen. Die Pläne scheiterten aber am Widerstand der Birkarls. Erst König Gustav II. Adolf erließ 1620 den Befehl, die Städte Umeå, Piteå, Luleå und Tornio zu gründen. Als Standort für Tornio war ursprünglich die Insel Seitsenkari vorgesehen, die Stadt wurde aber letztlich auf der aus Sicht der Einheimischen besser geeigneten Insel Suensaari gegründet. 1621 erhielt Tornio die Stadtrechte. Somit ist Tornio die älteste Stadt Lapplands. Während seiner Zugehörigkeit zu Schweden war Tornio die nördlichste Stadt des Landes, den Status als nördlichste Stadt Finnlands musste Tornio 1960 an Rovaniemi abgeben.

Kirchenrechtlich gehörte die Stadt Tornio weiter zum Kirchspiel Alatornio, erhielt aber 1647 eine eigene Stadtkirche. Schon 1682 brannte dieser Kirchenbau nach einem Blitzeinschlag ab. Vier Jahre später wurde die bis heute genutzte Kirche von Tornio geweiht.

17. und 18. Jahrhundert Die Bürger Tornios kamen durch den Handel zu Reichtum. Sie besaßen die Handelsrechte für ein ausgedehntes Gebiet, das die Flusstäler des Tornionjoki und des Kalixälven sowie große Teile Lapplands umfasste. In Tornio tauschten sie vor allem Lachs, Pelze und Butter gegen Güter ein, die von Seefahrern aus Stockholm und Händlern aus Karelien importiert wurden. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts stiegen die Bürger Tornios in die Reederei ein, um ihre Waren selbst nach Süden verschiffen zu können. Auch der Große Nordische Krieg 1700–1721, in dessen Verlauf Tornio 1715 von russischen Truppen eingenommen und niedergebrannt wurde, konnte den Aufschwung der Stadt nur vorübergehend unterbrechen.

Als der Hafen Tornios im 18. Jahrhundert durch die Landhebung zunehmend verlandete und ein Großteil Tornios bei einem Stadtbrand im Jahr 1762 zerstört wurde, gab es Planungen, die Stadt näher an die Küste zu verlegen. Letztlich wurde Tornio aber an derselben Stelle wiederaufgebaut. Der Hafen der Stadt wurde indes 1766 an seine heutige Stelle auf der Insel Röyttä verlegt. Im selben Jahr erhielt Tornio das Stapelrecht, das zum Handel mit dem Ausland berechtigte.

Russische Zeit mini|Stadtansicht 1908. Illustration von Alexander Thiodolf Federley. Nach dem verlorenen Russisch-Schwedischen Krieg 1808–1809 musste Schweden das Gebiet des heutigen Finnland an Russland abgeben. Im Vertrag von Fredrikshamn wurde Tornio Russland zugeschlagen, obwohl sich die Flussinsel, auf der die Stadt liegt, westlich des als Grenze festgelegten Hauptarms des Tornionjoki befindet. Somit wurde auch Tornio Teil des neugegründeten Großfürstentums Finnland.

Durch die Grenzziehung kam der Handel mit Schweden zum Erliegen und Tornio verlor große Teile seines Handelsgebietes. Viele Bürger zogen nach Schweden. Haparanda, das 1842 die Stadtrechte erhielt, und das 1869 gegründete Kemi traten in Konkurrenz mit Tornio. Dadurch büßte die Stadt im 19. Jahrhundert viel von ihrer ehemaligen Bedeutung als Handelsplatz ein. Als Grenzstadt war Tornio nunmehr aber von strategischer Bedeutung und wurde deshalb von den Russen zu einer Garnisonsstadt gemacht. Mit dem Bau eines dampfbetriebenen Sägewerks auf der Insel Röyttä im Jahr 1862 und der Gründung der Lapin-Kulta-Brauerei 1873 hielt die Industrialisierung in Tornio Einzug. 1903 wurde die Stadt an das Eisenbahnnetz angeschlossen.