Der Landkreis Emsland ist ein niedersächsischer Landkreis im Nordwesten Deutschlands an der Staatsgrenze zu den Niederlanden. Er ist nach dem ihn durchquerenden Fluss Ems und dem Emsland als kulturell-historischer Region und Territorium benannt.
Geografie Lage Der Landkreis Emsland liegt im Westen Niedersachsens. Er umfasst große Teile der kulturellen und historischen Region Emsland. Prägend für das Kreisgebiet sind die Flüsse Ems und Hase mit ihren Zuflüssen, die ausgedehnten Moorflächen des Bourtanger Moores und des Küstenkanalmoores, sowie die Geestgebiete des Hümmlings und der Lingener Höhe.
Der Kreis hat eine Nord-Süd-Ausdehnung von 93 km und eine Ost-West-Ausdehnung von 56 km. Überwiegend ist er ein Flachland zwischen 20 und 35 m Seehöhe. Größere Erhebungen gibt es nur im Nordosten und Südosten: Der Nattenberg mit bei Emsbüren, der Windmühlenberg auf der Grenze von Langen und Thuine mit und der Windberg mit bei Werpeloh im Hümmling.
Flächenrekord Der Landkreis war von seiner Gründung bis zum 5. Dezember 1993 der flächenmäßig größte Landkreis Deutschlands. Abgelöst wurde er vom damals neu geschaffenen brandenburgischen Landkreis Uckermark, welcher am 4. September 2011 seinerseits vom Landkreis Mecklenburgische Seenplatte abgelöst wurde.
Nachbarkreise Der Landkreis grenzt im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an die Landkreise Leer, Cloppenburg und Osnabrück (alle in Niedersachsen), an den Kreis Steinfurt (in Nordrhein-Westfalen) sowie an den Landkreis Grafschaft Bentheim (wiederum in Niedersachsen). Im Westen grenzt er an die niederländischen Provinzen Drenthe und Groningen.
Naturschutzgebiete Im Landkreis Emsland gibt es 76 Naturschutzgebiete.Landkreis Emsland – Liste der Naturschutzgebiete, Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz.Stadt Lingen – Liste der Naturschutzgebiete, Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz. Das größte (Tinner Dose-Sprakeler Heide) hat eine Fläche von rund 3.500 ha, das kleinste (Zitterteiche) eine Fläche von 2,9 ha., Kennzeichen: NSG WE 177.Naturschutzgebiet „Zitterteiche“, Kennzeichen: NSG WE 020. Das ehemals kleinste Naturschutzgebiet des Landkreises, das 2,6 ha große Naturschutzgebiet „Hasealtarm bei Wester“, ging 2017 im Naturschutzgebiet „Natura-2000-Naturschutzgebiet in der unteren Haseniederung“ auf.
Siehe auch: Liste der Naturschutzgebiete im Landkreis Emsland Liste der Landschaftsschutzgebiete im Landkreis Emsland Liste der Naturdenkmale im Landkreis Emsland Liste der geschützten Landschaftsbestandteile im Landkreis Emsland
Bevölkerung
Im Landkreis Emsland wird von der einheimischen Bevölkerung noch vielerorts – insbesondere im ländlichen Raum – die niedersächsische Sprache (umgangssprachlich plattdüütsch oder auch platt/plattdeutsch) gesprochen. Der Landkreis Emsland weist eine relativ hohe Geburtenrate auf.
Geschichte Vor der Gründung mini|Megalithanlagen und Hünengräber mini|Germanicus, Feldzug in das rechtsrheinische Gebiet Germania magna (eingezeichnete Orte entsprechen nicht unbedingt dem Stand der Wissenschaft) Frühgeschichte Die Region wurde nach der letzten Eiszeit, in der hier zunächst Jäger und Sammler lebten, etwa um 4000 v. Chr. von der Trichterbecherkultur in den Ackerbausektor Nord-Mitteleuropas einbezogen. Ab 3500 v. Chr. entstanden im Emsland über 60 Megalithanlagen und Hünengräber primär zwischen Meppen und Lastrup sowie zwischen Lingen und Freren. Weitere Fundstücke aus der Jungsteinzeit stammen aus Gebieten entlang der Ems, der Hase sowie aus dem Dreieck Freren, Lengerich und Fürstenau. (PDF; 3,4 MB) Erste Nachweise von Produktionsplätzen der Trichterbecherkultur von C. Diedrich, Abb. 13 Megalithen im Emsland Im Emsland, zwischen den Flüssen Ems und Hunte, lag in der jüngeren Bronzezeit (ca. 1100 bis 800 v. Chr.) das Verbreitungsgebiet der sogenannten Ems-Hunte-Gruppe. Fundstücke vom Nattenberg bei Emsbüren zeigen mythologische Schiffsdarstellungen dieser Kultur. Ein weiteres prächtiges Fundstück stammt vom Heiligenberg bei Gleesen in der Nähe von Bramsche. Als Kultanlage gilt die auf dem Höhenzug Hörtel bei Leschede aus sechs Pfostendoppelreihen bestehende, 16 Meter lange und 216 Pfosten umfassende Avenue dieser Kultur. Diese Avenue kam auf einem Gräberfeld aus der Übergangszeit von der jüngeren Bronzezeit zur frühen Eisenzeit zwischen zwei Grabhügeln zum Vorschein. Aus der Eisenzeit sind ebenfalls zahlreiche Relikte überkommen. Die Ems-Hunte-Kultur
Eine germanische Besiedlung des Emslandes ist vor der Zeitenwende anzunehmen, wobei die Germanen in verhältnismäßig kleinen Siedlungen wohnten. Das Suffix „-ing“ ist ein Hinweis auf die Besitznahme von Gebieten durch die Germanen. Dieses gilt besonders für Orte südlich von Lingen. Orte mit dem Suffix „-ing“ sind: Lingen, Messingen, Völleringhook, Sommeringen, Estringen, Münnigbüren, Mehringen, Imming, Schardingen, Rupingberg sowie die Orte Raming, Teglingen und Wippingen, nördlich von Lingen.
Die Topografie zeigt aber auch, dass diese Orte bereits vor der germanischen Inbesitznahme besiedelt waren: Zum Beispiel befinden sich in Mehringen und in Teglingen Grabanlagen aus dem Neolithikum. Das Gebiet des ehemaligen Landkreises Hümmling zeigt ebenfalls eine durchgehende Besiedlung seit dieser Zeit, aufgrund von mehr oder weniger gut erhaltenen Hünengräbern. Dieses Gebiet wird auch Sögeler Geest genannt. Des Weiteren belegen auch zahlreiche Funde, dass der Ort Estringen bei Bramsche schon in der Steinzeit große Bedeutung gehabt haben muss. Die Herkunft dieses Ortsnamens leitet sich von den Begriffen Esch und Ting ab. Tingplätze waren bei den Germanen geheiligte religiöse Plätze, zusätzlich dienten diese Plätze als Gerichts- und Versammlungsplatz. Meppen war wahrscheinlich schon in dieser Zeit ein wichtiger germanischer Handelsort. Vom Osnabrücker Land, einer Region mit bedeutenden Eisenerzvorkommen, konnte Eisen Bronzezeit und vorrömische Eisenzeit in Westfalen über die Hase und die Ems nach Ostfriesland und Groningen, im Tausch mit Friesensalz, In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges endete in Norddeutschlands diese Art der Salzgewinnung verschifft werden.
Die Germanen kannten keinen Verwaltungsstaatswesen im heutigen Sinne. Die germanischen Stämme waren ähnlich wie Personenverbandsstaaten organisiert. Die Angehörigen eines Stammes schworen ihrem Herrscher die Treue. Der „Staat“ wurde nicht über eine räumliche Ausdehnung definiert, sondern über seine Menschen und deren Stellung zum Herrscher. Deshalb waren die Reiche stark mit dem jeweiligen Herrscher verbunden, und der Tod eines Herrschers bedeutete oft auch den Untergang des Reiches. Laut dem römischen Historiker Tacitus siedelte der germanische Stamm der Ampsivarier (germanisch „Ems-Männer“) Lokalisierung der Varusschlacht durch Cornelius Tacitus in nördlichen Emsland, der germanische Stamm der Chasuarier (PDF; 393 kB) Die Römer in Ostfriesland von Norbert Fiks an der Hase und der Volksstamm der Brukterer im südlichen Emsland. (PDF; 522 kB) Stammesgeschichte der Rom an der Ems Zudem ist bekannt, dass die kaiserliche römische Armee mehrfach die Ems als Transportweg genutzt und an ihren Ufern auch Lager, wie das Lager Bentumersiel errichtet hat. Römische Funde, wie zum Beispiel in Lengerich, in Gersten, in Geeste, nördlich von Meppen, sowie verschiedenen Fundstätten im Bereich des Zusammenflusses der Großen Aa mit der Ems in Gleesen bei Bramsche zeigen zudem den Zusammenhang mit den römischen Aktionen in spätaugusteisch-frühtiberischer Zeit. In Hesselte wurde 2007 eine germanische Siedlung aus der römischen Kaiserzeit entdeckt, die vermutlich am Marschweg der römischen Truppen lag. Römische Funde an der Ems sind dabei besonders interessant, da sie Belege für die Aktionen des Germanicus 15–16 n. Chr. sein können.
Mittelalter mini|Stammesherzogtum Sachsen Ab dem 5. Jahrhundert unterstand das Emsland dem Einfluss des fränkischen Reiches und dem Stammesherzogtum Sachsen. Territorial gehörte Lingen zum Venkigau und Meppen zum Hasegau. Die Gaugrafen des Hasegaues standen mit dem Hause Widukinds in verwandtschaftlicher Beziehung. Als erster Gaugraf des Hasegaus wird Mitte des 10. Jahrhunderts Heinrich genannt sowie sein Sohn Gottschalk. Ab dem 9. Jahrhundert erfolgen durch die Christianisierung des Emslandes die ersten urkundlichen Erwähnungen von Ortschaften im Emsland. Im Jahre 834 erfolgt die urkundliche Erwähnung von Meppen in einer Schenkungsurkunde Vita secunda S. Liudgeri von Kaiser Ludwig dem Frommen, in der die Missionszelle Meppen der Benediktinerabtei Kloster Corvey in Höxter übertragen wurde. Im Heberegister der Benediktinerabtei vom Kloster Werden an der Ruhr werden 836 Messingen und Thuine, 891 Freren und 975 Lingen als zum Venkigau gehöriger Ort erwähnt.
mini|Das Heilige Römische Reich um 1400 Im Januar 1180 entzog Friedrich Barbarossa dem sächsischen Herzog Heinrich der Löwe die Reichslehen, so dass sich auf dem Territorium des heutigen Emslandes das Oberstift Münster und die Grafschaft Tecklenburg herausbildeten. Zum Beispiel büßte Hümmlingen 1394Geschichte des vormaligen münsterschen Amtes Meppen, S. 122 seine territoriale Unabhängigkeit durch die Eroberung Cloppenburgs durch den Bischof Otto IV. von Hoya von Münster ein. In der Urkunde Freibauernurkunde wird die Abtrennung von Lahn bei Sögel vom Herrschaftsgebiet der Grafen von Tecklenburg an das Oberstift Münster bekundet. Nach der Einteilung des Heiligen Römischen Reiches in zehn Reichskreise gehörte ab dem 16. Jahrhundert das Emsland zum Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis. Durch den großen Anteil an Mooren und wenig ertragreichen Geestböden besaß diese Region nur sehr wenig Kulturland, das ackerbaulich bewirtschaftet werden konnte. Deshalb herrschte relativ viel Armut im Emsland.
Frühe Neuzeit mini|Das Heilige Römische Reich um 1618 mini|Festungsbau in den Niederlanden während des Achtzigjährigen Krieges mini|Hochstift Münster um 1560
Der Norden (der frühere Landkreis Aschendorf-Hümmling) und die Mitte (der frühere Landkreis Meppen) des heutigen Landkreises sowie ein schmaler Korridor zwischen den Grafschaften Bentheim und Lingen mit den Orten Lohne, Emsbüren und Salzbergen gehörten zum Hochstift Münster. Die Grafschaft Bentheim und die Vereinigten Niederlande grenzten an das Hochstift Münster westlich der Ems. Nördlich grenzte das Hochstift an die Grafschaften Ostfriesland und Oldenburg. Die Grafschaft Lingen war von den Hochstiften Osnabrück und Münster komplett umringt. Von Jütland kommend durchquerte die Flämische Straße in Ost-West-Richtung und in Nord-Süd-Richtung die Friesische Straße, die der Ems folgend Westfalen mit der Nordseeküste verband, das Emsland. Entlang der Ems erstreckte sich im westlichen Emsland das Bourtanger Moor. Das Landschaftsbild des Emslandes um 1870
Grafschaft Lingen (Südliches Emsland)