mini|Sommergrüner Laubwald im Herbstlaub in Mittelhessen mini|Subtropischer Lorbeerwald auf La Palma, Kanarische Inseln mini|Borealer Nadelwald, Finnland mini|Laub- und Nadel-Mischwald, Quebec mini|Tropischer Monsunsumpfwald, Bangladesch mini|Tropischer Regenwald, Malaysia mini|Tropischer Trockenwald, Madagaskar
Wald (auch Waldung) im alltagssprachlichen Sinn und im Sinn der meisten Fachsprachen ist ein Ausschnitt der Erdoberfläche, der von Bäumen bedeckt wird und eine gewisse, vom Deutungszusammenhang abhängige Mindestdeckung und Mindestgröße überschreitet.
Die Definition von Wald ist notwendigerweise vageBrandon Bennett: What is a forest? On the vagueness of certain geographic concepts. Topoi 20, 2001, S. 189–201. und hängt vom Bedeutungszusammenhang (alltagssprachlich, geographisch, biologisch, juristisch, ökonomisch, kulturell usw.) ab.H. Gyde Lund: When is a forest not a forest? Journal of Forestry 100(8), 2002, S. 21–27.Francis E. Putz (2010): The Importance of Defining „Forest“: Tropical Forest Degradation, Deforestation, Long-term Phase Shifts, and Further Transitions. Biotropica 42(1): 10–20. doi:10.1111/j.1744-7429.2009.00567.x Präzisere Definitionen decken jeweils nur einen Teil des Bedeutungszusammenhangs ab. Eine in der deutschen Forstwissenschaft verbreitete Definition definiert Wald als eine Pflanzenformation, die „im Wesentlichen aus Bäumen aufgebaut ist und eine so große Fläche bedeckt, dass sich darauf ein charakteristisches Waldklima entwickeln kann“.Peter Burschel, Jürgen Huss: Grundriß des Waldbaus. Ein Leitfaden für Studium und Praxis. 2., neubearbeitete und erweiterte Auflage. Parey, Berlin 1999, ISBN 3-8263-3045-5, S. 1; weiterhin S. 39 f. Nach § 2 des deutschen Bundeswaldgesetzes ist ein Wald „… jede mit Forstpflanzen bestockte Grundfläche. Als Wald gelten auch kahlgeschlagene oder verlichtete Grundflächen, Waldwege und Lichtungen“.
Wortherkunft und Begrifflichkeiten Das Wort Wald (von gleichbedeutend mittelhochdeutsch walt) beruht auf einem rekonstruierten urgermanischen *walþu ‚Wald‘, ‚Wildnis‘, das seinerseits aus indogermanisch *wolɘt- ‚Büschel‘‚ insbesondere ‚Laubwerk‘, ‚Zweige‘ hervorgegangen sein könnte. Auch eine Verwandtschaft zu lateinisch vellere ‚rupfen‘ (vgl. Wolle) ist möglich.
Der umgangssprachliche Begriff Wald deckt sich in den typischen Fällen auch mit den fachlichen Definitionen. Zu den Bedeutungsrändern hin wird der Begriff unscharf und umfasst Flächen und Vegetationsformen, die je nach Auffassung und verwendeter Definition entweder als Wald gelten können oder nicht. Bei einem weltweiten Überblick wurden allein in juristischem Zusammenhang 63 voneinander verschiedene, nationale Definitionen von „Wald“ gezählt, für den für die Definition wesentlichen Begriff „Baum“ 149 Definitionen. Wichtig ist die Abgrenzung zum Beispiel gegenüber Plantagen aus Baumarten (zum Beispiel auch Energieholz-Plantagen, Ölpalmen-PlantagenLian Pin Koh1, David S. Wilcove: Is oil palm agriculture really destroying tropical biodiversity? In: Conservation Letters. Band 1, 2008, S. 60–64, doi:10.1111/j.1755-263X.2008.00011.x.) baumbestandenen Parks und Grünanlagen, zumindest teilweise baumbestandenem Weideland (im englischen Sprachraum unter rangeland gefasst, z. B. auch Almen)H. Gyde Lund: Accounting for the word’s rangelands. In: Rangelands. Band 29, Nr. 1, 2007, S. 3–10. und offenen, zum Beispiel durch Beweidung oder Übernutzung degradierten, nur teilweise baumbestandenen Flächen, aber auch natürlicherweise teilweise offenen Baumsavannen.
Neben zahlreichen anderen, teilweise metaphorischen Verwendungen (wie zum Beispiel „Schilderwald“, „Tangwald“) sind vier Bedeutungszusammenhänge wesentlich. Zu beachten ist, dass gemäß jeder der folgenden Definitionen Flächen als Wald definiert werden können, die nach den anderen jedoch nicht als ein solcher gelten würden:
Juristische Definition: Wald ist eine Fläche, die unter der jeweiligen Gesetzgebung nach den im Gesetz genannten Kriterien als ein solcher definiert ist. Im deutschsprachigen Raum sind dies in Deutschland das Bundeswaldgesetz,Bundeswaldgesetz (BWaldG) in Österreich das Forstgesetz und in der Schweiz das Waldgesetz (WaG). Gemäß dieser Definitionen sind auch nicht-baumbestandene Flächen enthalten (forstlich teilweise als „Nichtholzboden“ bezeichnet): zum Beispiel Wildwiesen, Holzlagerplätze, SturmwurfflächenD. Knoerzer: Was ist eine Sturmwurffläche? Versuch einer Antwort auf eine nur scheinbar triviale Frage. In: Allgemeine Forst- und Jagdzeitung, Band 175, Nr. 6, 2004, S. 109–117. und Kahlschläge.Reinhard Kallweit, Uwe Meyer: Kahlschlagsverbot. Was sind freilandähnliche Verhältnisse? Wissenstransfer in die Praxis. Beiträge zum dritten Winterkolloquium am 28. Februar 2008 in Eberswalde. In: Eberswalder Forstliche Schriftenreihe, Band 35, 2008, S. 17–25. Ökonomische Definition: Wald ist jede Fläche, die forstwirtschaftlich genutzt wird (Wirtschaftswald bzw. Forst). Gemäß dieser Definition sind gärtnerisch und landwirtschaftlich genutzte Flächen kein Wald, beispielsweise Energieholzplantagen, Weihnachtsbaumkulturen, Waldweiden mit vorwiegender Weidefunktion, spontan wiederbewaldete Brachen, aber auch dicht baumbestandene Stadtparks und Waldfriedhöfe. Vegetationsstrukturelle Definition: Wald ist eine baumbestandene Fläche einer bestimmten Ausdehnung mit einem Mindest-Deckungsgrad der Baumschicht. Gemäß dieser Definition verliert eine Fläche ihren Waldcharakter, wenn der Anteil der Bäume pro Flächeneinheit einen bestimmten, definierten Schwellenwert unterschreitet.Christoph Kleinn: On large-area inventory and assessment of trees outside forests. Unasylva 200, Band 51, 2000, S. 3–10. Dies ist vor allem in Regionen der Welt mit schwach entwickelter Verwaltung oder in sehr unzugänglichen Regionen aktuell von Interesse, bei denen der Waldanteil mit Fernerkundung per Satellitenmessung bestimmt wird. So hängt zum Beispiel die in Statistiken und Aufstellungen angegebene Waldfläche der Erde insgesamt in kritischer Weise von der Wahl des Schwellenwerts ab. Dieser unterliegt, z. B. in Klimaschutz-Abkommen, politischer Einflussnahme.Nophea Sasaki, Francis E. Putz: Critical need for new definitions of „forest“ and „forest degradation“ in global climate change agreements. In: Conservation Letters, Band 2, 2009, S. 226–232, doi:10.1111/j.1755-263X.2009.00067.x. Ökologische Definition: Wald umfasst Biozönosen, deren Lebensgemeinschaft durch Arten gekennzeichnet ist, die an waldtypische ökologische Faktoren bzw. Standortfaktoren angepasst sind, insbesondere an eine reduzierte Beleuchtungsstärke, das Waldinnenklima und die Waldböden. Gemäß dieser Definition hängt Wald kritisch von einer Mindestgröße ab, die notwendig ist, um das Minimumareal der Arten zu gewährleisten. Diese Fläche kann deutlich größer sein als es juristische Definitionen vorsehen oder bestimmen.Ghislain Rompré, Yan Boucher, Louis Bélanger, Sylvie Côté, W. Douglas Robinson: Conserving biodiversity in managed forest landscapes: The use of critical thresholds for habitat. In: The Forestry Chronicle. Band 86, Nr. 5, 2010, S. 589–596. doi:10.5558/tfc86589-5Markus Müller, Thibault Lachat, Rita Bütler: Wie gross sollen Altholzinseln sein? In: Schweizerische Zeitschrift für Forstwesen. Band 163, Nr. 2, 2012, S. 49–56, doi:10.3188/szf.2012.0049.
International bedeutsame Walddefinitionen sind zum Beispiel: Definition der FAO: Wald umfasst natürliche und angepflanzte Wälder (plantations). Der Begriff wird verwendet für Landflächen mit einem Mindestanteil der Kronenfläche der Bäume von 10 %, auf einer Fläche von mindestens 0,5 ha. Wälder werden sowohl durch das Vorkommen von Bäumen, wie durch das Fehlen anderer vorherrschender Landnutzungsformen definiert. Die Bäume müssen eine Mindesthöhe von 5 m erreichen können. Jungbestände, deren Bäume die notwendige Kronenfläche und Höhe bisher nicht erreicht haben, bei denen dies aber später zu erwarten ist, und nur vorübergehend unbestockte Flächen werden zum Wald gerechnet. Der Ausdruck umfasst Wälder, die für die Produktion, den Schutz, den Naturschutz oder mehrere dieser Zwecke genutzt werden (zum Beispiel Nationalparks, Naturschutzgebiete und andere Schutzgebiete), und auch Waldbestände der Agrarlandschaften, wie zum Beispiel Windschutzpflanzungen, mit einer Mindestbreite von 20 Metern, Kautschuk- und Korkeichen-Plantagen. Ausdrücklich landwirtschaftlichen Zwecken dienende Baumbestände, wie zum Beispiel Obstbaumplantagen, und Agrarforstsysteme sind ausgeschlossen.FAO Global Forest Resources Assessment 2000, Appendix 2 Die Definition der FAO schließt jedoch Baum-Plantagen beispielsweise von Eukalypten nicht aus, die ökologisch als weitgehend wertlos gelten. Gegen diese Walddefinition regt sich daher unter Nichtregierungsorganisationen heftiger Widerstand.csap-durban.orgwrm.org.uy Die Organisationen Timberwatch, Rettet den Regenwald und andere haben daher während des World Forestry Kongresses 2015 in Durban eine Petition an die FAO übergeben, die Definition zu ändern.Sagen Sie der UNO: Plantagen sind kein Wald! In: regenwald.org, 2016.Demo in Durban: Plantagen sind keine Wälder. In: regenwald.org, 15. September 2015.
Definition der UNESCO: Geschlossener Wald (forest) umfasst gemäß der Definition der UNESCO Bestände von Bäumen mit einer Wuchshöhe größer als 5 m (in borealen Gebieten: 3 m, in den Tropen: 8–10 m), deren Kronendach geschlossen ist. Bestände mit Wuchshöhe größer als 5 m mit offenem Kronendach werden als „Offenwald“ (woodland) definiert, sofern ihre Deckung 40 % überschreitet (d. h., der Abstand zwischen zwei Baumkronen höchstens dem Durchmesser der Krone entspricht).UNESCO (Hrsg.): International Classification and Mapping of Vegetation. (PDF; 4,9 MB) Series 6, Ecology and Conservation. UNESCO, Paris 1973, ISBN 92-3-001046-4. Definition der UNFCCC: Wald ist gemäß der Definition der UNFCCC eine mit Bäumen bestandene Landfläche von mindestens 0,05–1 ha Fläche mit einem Deckungsgrad der Baumkronen (oder entsprechendem Bestockungsmaß) von mehr als 10–30 %, mit Bäumen, die eine minimale Wuchshöhe von 2–5 m in situ erreichen können. Ein Wald kann entweder geschlossen sein, wenn Bäume der verschiedenen Stockwerke und der Unterwuchs einen hohen Prozentsatz des Bodens überdecken, oder auch offen. Natürliche Jungbestände und alle Pflanzungen (plantations), welche eine Kronendeckung von 10–30 % oder Höhe von 2–5 m erst später erreichen können, werden unter Wald gerechnet, wie auch dazugehörige Flächen, welche temporär durch menschliche Einflüsse wie Kahlschlag oder aus natürlichen Gründen unbestockt sind, wenn ihre Rückentwicklung zum Wald zu erwarten ist.UNFCCC: The Marrakesh Ministerial Declaration, Annex: Definitions, modalities, rules and guidelines relating to land use, land-use change and forestry activities under the Kyoto Protocol (PDF) 2002. Die Unterzeichnerstaaten des Kyoto-Protokolls können aus den in der Definition offen gelassenen Spannbreiten frei einen für ihr Land geltenden Wert auswählen, es wird aber erwartet, dass sie bei dieser Wahl bleiben, also nicht später den Waldanteil durch Veränderung der Schwellenwerte nach oben oder unten verändern bzw. manipulieren.H. Gyde Lund: Guide for classifying lands for greenhouse gas inventories. In: Journal of Forestry. Band 104, Nr. 4, 2006, S. 211–216.
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