Oberösterreich ist ein Land der Republik Österreich. Die Landeshauptstadt ist Linz. Oberösterreich ist mit 11.982 Quadratkilometern flächenmäßig das viertgrößte und mit rund 1,5 Millionen Einwohnern bevölkerungsmäßig das drittgrößte Bundesland. Es grenzt an Bayern (Deutschland), Südböhmen (Tschechien) sowie innerösterreichisch an Niederösterreich, die Steiermark und das Land Salzburg. Der Name des Landes leitet sich vom Namen des Vorgängerterritoriums ab, des Erzherzogtums Österreich ob der Enns, eines der habsburgischen Erblande.
Geologie und Geographie
Granit- und Gneishochland Nördlich des Donautales und im Sauwald befindet sich die Böhmische Masse (auch Böhmisches Massiv), die geologisch älteste Landschaft Österreichs. Sie ist ein altes Faltengebirge und besteht im westlichen Teil aus dem Moldanubikum, im östlichen Teil (außerhalb von Oberösterreich) aus dem Moravikum. Die Böhmische Masse stellt den Sockel eines abgetragenen, einstigen Hochgebirges (Grundgebirge genannt) dar, das im Zuge der Variszischen Orogenese (Gebirgsbildung) im Paläozoikum entstand. Weitere Reste dieser Gebirgsbildung in Mitteleuropa sind die deutschen Mittelgebirge. Es dominieren saure Plutonite wie Granite und metamorphe Gesteine wie Gneise. Das an sich zur Gänze abgetragene Gebirge wurde vermutlich im Zuge der alpidischen Gebirgsbildung in Schollen gebrochen und etwas gehoben, wodurch seine heutige Topographie eines Hügellandes resultiert (Rumpflandschaft).
Oberösterreichische Alpen Südlich der variszischen Gebirgskette erstreckte sich damals die Tethys, die beim Auseinanderdriften der Kontinentalplatten gegen Ende des Paläozoikums immer größer wurde. Unter tropischen bzw. subtropischen Bedingungen wurden hier während des Mesozoikums jene Sedimente abgelagert, die dann später bei der alpidischen Gebirgsbildung, die gegen Ende der Kreide einsetzte, überschoben und nach Norden transportiert wurden. So entstanden die Süd-Nord-Abfolge von Decken, die nördlichen Kalkalpen, die Flyschzone und die Subalpine Molasse, wobei auch noch Reste der Helvetischen Decke erhalten sind. Der in der Trias in der Tethys entstandene Kalk ist reich an Fossilien, die man heute besonders im Dachsteingebirge und um Hallstatt findet. Besondere Fundorte für Ammoniten sind die Berge um Gosau, westlich des Dachsteins.
Während sich die Alpen zunächst als Inselkette aus der Tethys erhoben und immer weiter anwuchsen, setzte zur selben Zeit bereits der Abtragungsprozess des jungen Gebirges ein, der jedoch das Maß der Hebung nicht ausgleichen konnte.
Molassezone Zwischen diesen beiden sehr unterschiedlichen Gebirgen befindet sich eine Sedimentationszone, die durch die Ablagerungen der Erosion in den Alpen entstanden ist, die sogenannte Titenzone.
Das nach Norden hin transportierte Material der Abtragung wurde zunächst in den flachen und immer schmaler werdenden Arm der Tethys zwischen den Alpen im Süden und dem Kontinent im Norden abgelagert (Molassebecken). So wurde bei gleichzeitig andauernder Hebung der Alpen und nordwärts gerichteter Bewegung der afrikanischen Platte der Meeresarm zugeschüttet (Süßwassermolasse) und es entstand das heutige Bild der geologischen Dreiteilung Oberösterreichs in die Böhmische Masse, das Tertiärhügelland als Ablagerungsgebiet für die klastischen Sedimente der alpinen Erosion in der Mitte und den Nördlichen Kalkalpen im Süden.
Eiszeitliche Überprägung Der unserem heutigen Zeitalter, dem Holozän, vorangegangene Teil der Erdgeschichte, das Pleistozän oder Eiszeitalter, hat das heutige Landschaftsbild Oberösterreichs in den Alpen und im Alpenvorland am deutlichsten geprägt. Es war dies die Zeit der bis heute letzten großen Vereisungsphase in den Alpen, in welcher das Gebirge zu den größten Teilen von Eismassen bedeckt war, die mit gewaltigen Gletscherzungen weit ins Vorland hinaus vorstießen. Neben dem Traungletscher stieß der Salzachgletscher ins heutige Oberösterreich vor und übertraf diesen an Größe beträchtlich. Gespeist von den Eismassen der Zentralalpen wälzte sich der Gletscher mindestens viermal (so die klassische Quartärstratigraphie) durch das Salzachtal und das Salzburger Becken nach Norden, um sich dann in ein verzweigtes, fächerförmiges System an Seitengletschern auszubreiten. Während Hausruck und Kobernaußerwald nördlich der Traun nicht erodiert wurden, sind die benachbarten Regionen im Salzburger und dem Südinnviertler Seengebiet vom Salzachgletscher überfahren worden.
Flora und Fauna, Naturschutzgebiete
Durch die Gliederung in Höhenstufen (von 239 bis 2995 Meter) sowie in die drei biogeographischen Regionen (Böhmische Masse, klimatisch begünstigter Zentralraum und Kalkalpen) beherbergt Oberösterreich eine für mitteleuropäische Verhältnisse artenreiche Flora von etwa 1800 Gefäßpflanzen.Gerhard Pils: Die Pflanzenwelt Oberösterreichs. Ennsthaler Verlag, Steyr 1999, ISBN 3-85068-567-5. Wie überall in Mitteleuropa sind weite Teile der Landschaft stark durch den Menschen geprägt. Für den Erhalt von natürlichen und naturnahen Lebensräumen befinden sich in Oberösterreich 156 Schutzgebiete in Natur- und Landschaftsschutz, davon 24 Europaschutzgebiete (Natura-2000-Gebiete und andere, teils überlappend mit den 164 landesrechtlichen Gebieten), der Nationalpark Kalkalpen, 109 Naturschutzgebiete, 16 Landschaftsschutzgebiete (darunter 2 Naturparks), 7 geschützte Landschaftsteile,Stand 06/2010 und 562 Naturdenkmale.
In Oberösterreich wurden in freier Natur bisher 75 Arten von Säugetieren festgestellt. Davon sind Manguste und Nutria Gefangenschaftsflüchtlinge; Mufflon und Alpenmurmeltier wurden ausgesetzt. In den letzten 100 Jahren wurden im Gebiet 361 Vogelarten nachgewiesen, viele jedoch nur ein einziges Mal. 163 Vogelarten brüten in Oberösterreich. Des Weiteren wird das Gebiet von sieben Arten von Schwanzlurchen, zwölf Froschlurcharten und elf unterschiedlichen Arten von Reptilien als Lebensraum bewohnt.Naturschutz der oö. Landesregierung: Geschützte Tiere in Oberösterreich. Linz 2006. mini|hochkant=1.5|Die 41 Raumeinheiten Oberösterreichs (Natur und Landschaft)
Großlandschaften Oberösterreich hat Anteil an drei großen Naturräumen. Von Norden nach Süden findet man in Oberösterreich eine geologisch-landschaftliche Dreiteilung, die sich westlich bis nach Bayern einerseits und östlich bis nach Niederösterreich andererseits fortsetzt. Das Mühlviertel nördlich der Donau und vier Abschnitte südlich des Stromes gehören zum Granit- und Gneishochland (Böhmische Masse) und ist eine typische Mittelgebirgslandschaft mit nordwärts zunehmenden Höhen. In der Nähe der Nordwestgrenze Oberösterreichs, in der Umgebung des Dreiländerecks Deutschland-Tschechien-Österreich, hat das Land Anteil am Böhmerwald mit dem 1378 m hohen Plöckenstein. Südlich der Donau hat Oberösterreich Anteil am nördlichen Alpenvorland (Oberösterreichisches Alpenvorland), einer teils flachen, teils hügeligen Wald- und Wiesenlandschaft mit intensiver Landwirtschaft. Sie nimmt den größten Teil der Landesfläche ein. Im Westen des Bundeslandes liegt der Hausruck, eine teils bewaldete Hügelkette (maximal 801 Meter); westlich schließt sich der Kobernaußer Wald an, der im Gegensatz zum Hausruck noch sehr dicht bewaldet ist. Der Alpenanteil gliedert sich in die Oberösterreichischen Alpen (den Anteil an den Salzburger-Oberösterreichischen Alpen, die sich zwischen Salzach und Enns erstrecken), und den Anteil an der Eisenwurzen von der Enns ostwärts (Ybbstaler Alpen), und liegt in zwei wichtigen Regionen, dem Salzkammergut und der Region Pyhrn-Eisenwurzen Den Nordrand der Alpen bildet die Flyschzone, ein aus Ton- und Sandsteinen aufgebauter, teils stärker bewaldeter Mittelgebirgsstreifen. Die größte Breite erreicht sie zwischen Mondsee und Traunsee. Die südlich anschließenden Nördlichen Kalkalpen bestimmen das Landschaftsbild des Salzkammergutes und der Pyhrn-Eisenwurzen-Region. Die Kalkalpen gliedern sich in Oberösterreich in: Die Oberösterreichischen Voralpen: Salzkammergutberge mit dem Höllengebirge und zahlreichen anderen Gruppen; Sengsengebirge und dem Reichraminger Hintergebirge und die Anteile an den Kalkhochalpen: Dachsteingebirge mit dem Dachsteinmassiv; Totes Gebirge; Anteile an den Ennstaler Alpen am Pyhrn
mini|hochkant|Oberösterreichs höchster Berg: Hoher Dachstein (Ladislaus Benesch, um 1900) Höchster Punkt des Landes ist der Hohe Dachstein (2995 Meter) an der Südspitze Oberösterreichs, mit dem einzigen Gletschergebiet des Landes. Da die Grenze zur Steiermark am Kalkalpen-Hauptkamm liegt, ist der höchste Berg, der sich vollständig auf oberösterreichischem Boden befindet, der Große Priel mit 2515 Metern. Der tiefste Punkt des Landes ist dort, wo die Donau endgültig nach Niederösterreich wechselt, östlich des Machlands am Eingang in den Nibelungengau.
Flüsse Ach, Ager, Aist, Alm, Antiesen, Aschach, Donau, Enknach, Enns, Große Gusen, Kleine Gusen, Gusen, Inn, Krems, Mattig, Große Mühl, Kleine Mühl, Naarn, Pram, Rodl, Salzach, Steyr, Trattnach, Traun, Vöckla;
Seen Praktisch alle großen oberösterreichischen Seen liegen im Salzkammergut, so der Almsee, Attersee, die Gosauseen, Hallstätter See, Irrsee, Langbathseen, Mondsee, Offensee, Traunsee und der Wolfgangsee.
Klima
Oberösterreich befindet sich klimatisch in der Zone des mitteleuropäischen Übergangsklimas. Aufgrund der Lage am Nordrand der Alpen ist das Wetter deutlich atlantisch beeinflusst. Der Zentralraum zeigt kühlgemäßigt-vollfeuchten Typus (Buchenklima, Cfb nach Köppen/Geiger) mit vorherrschendem Nordwestwindwetter. Der Süden liegt in der Zone eines ausgeprägten Nordstaus und hat mithin die höchsten Niederschläge Österreichs aufzuweisen. Es kommt auch des Öfteren zu Föhn (Alpenklima, nördlicher Randalpentypus).
Das wärmste Gebiet in Oberösterreich ist das Linzer Becken mit einem Jahresmittel von rund neun Grad Celsius. Mit Ausnahme der Gebirge liegen die Durchschnittstemperaturen der restlichen Landesteile wie Alpenvorland, Eferdinger Becken und Traun-Enns-Platte im Bereich von sechs bis acht Grad Celsius (Jahresmittel von 1961 bis 1990). In 2000 Metern Höhe beträgt die Jahresdurchschnittstemperatur etwa ein Grad.
Die niederschlagsärmsten Gebiete mit Jahresniederschlagsmengen zwischen 750 und 800 Millimetern liegen im östlichen Mühlviertel (Feldaistsenke) und im Eferdinger Becken. Die höheren Bergregionen des Mühlviertels und des Sauwaldes sowie das Alpenvorland werden von der 1000 Millimeter Isohyete umschlossen. Im Gebirgsbereich sind die Niederschlagsmengen aufgrund der Stauwirkung der Wolken jedoch viel höher. In Höhen oberhalb von 1500 Metern Seehöhe werden Jahresniederschläge von 2000 Millimetern und mehr (im Dachsteingebirge 3000 Millimeter) erreicht.
Mittelpunkt Der Mittelpunkt des Bundeslandes Oberösterreich liegt in der Gemeinde Gunskirchen (Bezirk Wels-Land) ().
Verwaltungsgliederung Die Viertel Oberösterreichs mini|Die vier Viertel von Oberösterreich: Mühlviertel Innviertel Hausruckviertel Traunviertel Oberösterreich wird traditionell in vier Teile eingeteilt, das Hausruckviertel, das Innviertel, das Mühlviertel und das Traunviertel. Dies entsprach auch der Kreiseinteilung der Habsburgermonarchie von Mitte des 18. bis Mitte des 19. Jahrhunderts, wo es dementsprechend einen Hausruck-, Inn-, Mühl- und Traunkreis gab. 1867 wurden die Kreise durch das System der Politischen Bezirke ersetzt, seither haben sie keine politische Bedeutung mehr und sind reine Landschaftsbezeichnungen.
Die Viertel fungieren auch als territoriale Einheiten der Raumplanung, in diesem Zusammenhang gibt es allerdings eine zusätzliche Einheit: der Bereich zwischen den Städten Linz, Eferding, Wels, Steyr und Enns wird – als „fünftes Viertel“ – Oberösterreichischer Zentralraum genannt.
Diese fünf Regionen bilden auch ungefähr die statistischen NUTS-3-Einheiten Oberösterreichs, wobei aber das Hausruckviertel aufgeteilt ist, um den Ansprüchen statistisch etwa gleich großer Areale nachzukommen: