Das Matterhorn ( oder , oder , walliserdeutsch Hore oder Horu) ist mit einer der höchsten Berge der Alpen. Wegen seiner markanten Gestalt und seiner Besteigungsgeschichte ist das Matterhorn einer der bekanntesten Berge der Welt. Für die Schweiz ist es ein Wahrzeichen und eine der meistfotografierten Touristenattraktionen.

Der Berg steht in den Walliser Alpen zwischen Zermatt und Breuil-Cervinia. Ost-, Nord- und Westwand liegen auf schweizerischem, die Südwand auf italienischem Staatsgebiet.

Geschichte des Namens Im Allgemeinen kamen im Gebirge die Bergspitzen erst spät zu ihren Namen, die daruntergelegenen Passübergänge und Alpen jedoch meist früher. Auf Johannes Schalbetters Karte von 1535 ist das Matterhorn als mons silvius und Augsttalberg beschriftet, in Sebastian Münsters Cosmographia von 1544 heisst der Theodulpass zwischen Aostatal und Mattertal Matterberg. 1581 wurde das Matterhorn erstmals als Mont Cervin bezeichnet. Im Jahr 1682 nannte Anton Lambien das Matterhorn Matter Dioldin h[orn] (Matterhornspitze) zur Abgrenzung vom gleichnamigen Pass, der bis Mitte des 19. Jahrhunderts (beispielsweise auf der Dufourkarte) noch Matterjoch genannt wurde. In der Lokalbevölkerung wird der Berg auch einfach ds Hore («das Horn», Zermatter Dialekt) oder ds Horu («das Horn», Oberwalliser Dialekt) genannt.

Geologie Das Matterhorn ist ein Karling, und seine charakteristische Form entstand durch Erosion und Gletscherschliff in den Eiszeiten. Das Matterhorn ist Teil der Dent-Blanche-Decke des Unter-Ostalpins, also eines weit nach Westen auf die penninischen Decken der Westalpen aufgeschobenen Trümmerstücks eines ostalpinen Deckgesteins. Die untere Gesteinsschicht des Matterhorns, die bis zur Höhe der Hörnlihütte reicht, ist penninisch, also westalpin. Das im Vergleich dazu kleine Horn selbst sitzt auf dieser Basis auf und gehört zur Dent-Blanche-Decke, und zwar der untere Teil bis zur «Schulter» zur Arolla-Serie aus Orthogneisen und Metagabbros und der oberste Teil zur Valpelline-Serie aus hochmetamorphen Paragneisen der Dent-Blanche-Decke. In: Website von Andreas Ebert, 2001 (Diplomarbeit). Einfach ausgedrückt, besteht das Matterhorn aus zwei verschiedenen, schräg aufeinanderliegenden Gesteinspaketen. Der heutige Matterhorngletscher entstand erst wieder im Pessimum der Völkerwanderungszeit nach dem Optimum der Römerzeit.

Am 13. Juni 2023 kollabierte ein freistehender Felspfeiler am Hörnligrat, rund 20 Kubikmeter Gestein stürzten ab. Menschen kamen nicht zu Schaden. Da der Pfeiler über Jahre beobachtet worden war, konnte der Felssturz vorhergesagt werden. Ursache war der Klimawandel. Durch diesen schmilzt der Permafrost, der den Fels bislang zusammengehalten hatte. Gleichzeitig bringt das Schmelzwasser Wärme in den Untergrund, damit taut der Permafrost noch schneller. Zudem verringert sich die Reibung an den Klüften, was das Gestein zusätzlich schwächt. alt=Die charakteristische "Matterhornwolke", die sich an der windabgewandten Seite des Gipfels bildet.|mini|Die «Matterhornwolke» Eine Besonderheit ist die charakteristische «Matterhorn-Wolke». Sie ist ein herausragendes Beispiel für einen Wolkentyp, den Meteorologen als Bannerwolke bezeichnen: Wie eine mächtige Fahne bildet sich die Wolke auf der windabgewandten Seite (Lee-Seite) des Gipfels als fast ständiger Begleiter des Berges. Die plausibelste Erklärung für ihr Entstehen ist die folgende: Das Matterhorn überragt das umgebende Gebirge wie ein Turm, so dass sich an ihm Leewirbel bilden, die feuchte Luft aus dem Tal nach oben führen, wo es zur Kondensation und Wolkenbildung kommt. Ist das Gipfelniveau erreicht, so wird die Wolke von einem waagerechten Ast des Leewirbels erfasst, der zu der typischen Fahnen-Form führt (Leewirbel-Hypothese).

Erstbesteigungen mini|Unfall am Matterhorn 14. Juli 1865, Rechtsgrund und Beschluss des Bezirksgerichts Visp mini|Chromolithographie des Matterhorns um 1900 aus der Zentralbibliothek Zürich Seit 1857 wurden mehrere erfolglose Versuche unternommen, das Matterhorn zu besteigen, zumeist von der italienischen Seite her.Pointdexter, Joseph: Zwischen Himmel und Erde. Die 50 höchsten Gipfel. Könemann, Köln 1999, ISBN 3-8290-3561-6, S. 156. 1862 erstieg John Tyndall mit den Führern Johann Josef Benet, Anton Walter, Jean-Jacques und Jean-Antoine Carrel erstmals die Südwestschulter, den heutigen Pic Tyndall. Die Fortsetzung des Aufstiegs entlang des Liongrates erschien ihnen unmöglich.

Dem Erstbesteiger des Matterhorns, Edward Whymper, erschien der Liongrat weiterhin als nicht machbar. Insgesamt war er bereits sieben Mal gescheitert und überlebte u. a. einen Sturz über 60 Meter. Whymper versuchte daher, seinen Freund Jean-Antoine Carrel zu einer Besteigung von der Zermatter Seite zu überreden. Carrel beharrte darauf, von Italien her aufzusteigen.

Im Juli 1865 erfuhr Whymper zufällig von einem Gastwirt in Breuil-Cervinia, dass Carrel sich – ohne Whymper zu benachrichtigen – wieder zum Liongrat aufgemacht hatte. Whymper fühlte sich getäuscht und eilte nach Zermatt, um dort eine Gruppe für einen sofortigen Versuch über den Hörnligrat zusammenzustellen. Am 14. Juli 1865 gelang der 7er-Seilschaft Whympers die Erstbesteigung.Pointdexter, Joseph: Zwischen Himmel und Erde. Die 50 höchsten Gipfel. Könemann, Köln 1999, ISBN 3-8290-3561-6, S. 159. Die Gruppe stieg über den Hörnligrat auf die Schulter; weiter oben, im Bereich der heutigen Fixseile, wich sie in die Nordwand aus. Edward Whymper erreichte als erster den Gipfel, weil er sich vor dem Gipfel vom Seil losschnitt und vorauslief. Ihm folgten der Bergführer Michel Croz (aus Chamonix), Reverend Charles Hudson, Lord Francis Douglas, Douglas Robert Hadow (alle aus England) sowie die Zermatter Bergführer Peter Taugwalder Vater und Peter Taugwalder Sohn.Joseph Pointdexter: Zwischen Himmel und Erde. Die 50 höchsten Gipfel. Könemann, Köln 1999, ISBN 3-8290-3561-6, S. 155. Sie sahen Carrel und seine Gruppe weit unterhalb am Pic Tyndall.

Beim Abstieg der Erstbesteiger stürzten die vorderen vier der Seilschaft (Croz, Hadow, Hudson und Douglas) noch oberhalb der «Schulter» über die Nordwand tödlich ab. Josef Marie Lochmatter brach ab dem 15. Juli 1865 mehrmals mit Rettungsmannschaften auf, um den vier Abgestürzten Erste Hilfe zu leisten. Am 19. Juli barg ein Bergungstrupp die Leichen von Croz, Hadow und Hudson auf dem Matterhorngletscher. Douglas’ Leiche wurde nie gefunden.Benedikt Meyer: Absturz am Horn Im Blog des Schweizerischen Nationalmuseums vom 23. September 2019.

Am 17. Juli gelang auch Carrel zusammen mit Jean-Baptiste Bich der Aufstieg über den Liongrat bis zum Gipfel.Pointdexter, Joseph: Zwischen Himmel und Erde. Die 50 höchsten Gipfel. Könemann, Köln 1999, ISBN 3-8290-3561-6, S. 160. Sie traversierten vom Nordende der italienischen Schulter durch die oberste Westwand auf den Zmuttgrat (sog. Galleria Carrel) und schlossen die Besteigung über diesen ab. Jean-Augustin Meynet und Amé Gorret, die weiteren Mitglieder der Seilschaft, erreichten nur den Zmuttgrat unterhalb des Gipfels.

Runde Jahrestage der Erstbesteigung des Matterhorns sind feierlich begangen worden. So zeigte das Schweizer Fernsehen zum 100. Jahrestag am 14. Juli 1965 eine internationale Live-Sendung einer Matterhornbesteigung mit Beteiligung von Berg-Reportern der BBC und der RAI. Am 30. Juni 1965 zeigte das Schweizer Fernsehen den eigens produzierten Dokumentarfilm Bitterer Sieg: Die Matterhorn Story (Regie: Gaudenz Meili).Medienmitteilung der SRF DRS zu 100. Jahrestag der Erstbegehung des Matterhorns (pdf) Anlässlich des 150. Jahrestages wurde am 14. Juli 2015 auf dem Bahnhofplatz in Zermatt eine Countdown-Uhr aufgebaut, im Dezember 2014 wurde im Zentrum des Ortes («Matterhorn Plaza») ein Treffpunkt für das Jubiläumsjahr ins Leben gerufen. In: Reisen exclusiv. 14. Januar 2015, abgerufen am 14. Januar 2015.

Am 22. Juli 1871, sechs Jahre nach Whymper, bestieg die britische Alpinistin Lucy Walker als erste Frau das Matterhorn.zermatt.ch Zermatt Tourismus: First Ladies – Die ersten Frauen auf dem Matterhorn 1869 hatten Isabella Straton und Emmeline Lewis Lloyd als reine Frauenseilschaft die Besteigung versucht; sie scheiterten kurz vor dem Gipfel. 1877 bestieg Anna Voigt aus Frankfurt am Main als erste deutsche Bergsteigerin das Matterhorn; sie war damals eine der ersten aktiv bergsteigenden Frauen in der Sektion Frankfurt am Main des Deutschen Alpenvereins. Die erste reine Frauenseilschaft, die erfolgreich das Matterhorn bestieg, bestand aus der Französin Alice Damesme und der Amerikanerin Miriam O’Brien, die am 13. August 1932 den Gipfel des Matterhorns über den Hörnligrat erreichten.

Yvette Vaucher (1929–2023) war 1965 die erste Frau, die die Nordwand des Matterhorns durchstieg, und Daisy Voog 1966 die erste Deutsche. Die beiden Japanerinnen Michiko Imai und Yoshiko Wakayama waren am 18. und 19. Juli 1967 die erste reine Frauenseilschaft, der die Durchsteigung der Nordwand gelang.

Routen mini|hochkant=2|Flug rund um das Matterhorn (2010) mini|Segelflug am Matterhorn mit DuoDiscus aus 5200 m Höhe (16. März 2014) Der am weitaus häufigsten begangene Aufstiegsweg ist der Hörnligrat von Zermatt aus über die Hörnlihütte (Nordostgrat, ZS+). Er stellt den sogenannten Normalweg, also den leichtesten Aufstieg, dar. Auf 4003 Metern Höhe, nordöstlich unterhalb des Gipfels, gibt es als Biwak für Notfälle, wie Wettersturz und Zeitverzug, die von der Hörnlihütte aus betreute Solvayhütte mit zehn Notlagern. Weitere Aufstiegsrouten gibt es am Südwestgrat über den kirchendachartigen Pic Tyndall (auch Liongrat oder Italienerweg genannt, ZS+), am Nordwestgrat (Zmuttgrat, S) und am Südostgrat (Furggengrat, SS, wenig begangen). Auch durch die abweisende Nordwand verläuft mit der "Schmid-Route" eine Aufstiegsroute, die häufig von Spezialisten begangen wird.

Routen über die Grate mini|hochkant|Die Solvayhütte (2005) Nordostgrat «Hörnligrat» (Normalroute) Schwierigkeit: ZS+, mit UIAA-Grad III+ Felskletterei Zeitaufwand: 5–6 Stunden Ausgangspunkt: Hörnlihütte (3260 m) Talort: Zermatt (1608 m) Erstbegehung: 14. Juli 1865 durch Edward Whymper, Charles Hudson, Douglas Robert Hadow und Francis Douglas mit den Bergführern Michel Croz, Peter Taugwalder (Vater) und Peter Taugwalder (Sohn) Wintererstbegehung (?; siehe 1894 und 1911): 1875 durch G. Corona, J. Jos, Jean-Pierre Maquignaz, Jean-Antoine Carrel und Luc MeynetToni Hiebeler: Matterhorn. Von der Erstbesteigung bis heute. Bertelsmann, Gütersloh Berlin 1976, ISBN 3-570-01677-3, S. 30, S. 246. Erstbegehung bei winterlichen Verhältnissen (?; siehe 1875): 27. März 1894 durch Charles Simon mit Alexander Burgener, Aloys Pollinger und Joseph PollingerCronistoria Cervino (Matterhornchronik) auf gognablog.sherpa-gate.com, abgerufen am 13. Mai 2025. Alleinerstbegehung: 1898 durch Wilhelm Paulcke Wintererstbegehung (?; siehe 1875): 31. Januar 1911 durch Charles F. Meade mit Josef Lochmatter und Josef Pollinger

Nordwestgrat oder «Zmuttgrat» Schwierigkeit: S, mit IV. UIAA-Grad Felskletterei Zeitaufwand: 6–7 Stunden Ausgangspunkt: Hörnlihütte (3260 m) Talort: Zermatt (1608 m) Erstbegehung: 3. September 1879 durch Albert Mummery mit Alexander Burgener, Augustin Gentinetta und Johann Petrus Alleinerstbegehung: 1. September 1906 durch Hans Pfann Wintererstbegehung: März 1948 durch Edmund Petrig und Henri Masson

Südostgrat oder «Furggengrat» Schwierigkeit: SS, mit UIAA-Grad V+ Felskletterei Zeitaufwand: 7 Stunden Ausgangspunkt: Bivacco Oreste Bossi (3345 m) Talort: Breuil-Cervinia (2006 m) 1880 erreichten Albert Mummery und Alexander Burgener am Furggengrat eine Höhe von ungefähr 4300 Metern. Von dort, noch unterhalb der Furggenüberhänge am Matterhornkopf, wurde durch die Ostwand zum Hörnligrat gequert.