Surtsey [] ( für Insel des Surt) ist eine ab dem 14. November 1963 in einer Ausbruchsserie entstandene Vulkaninsel im Atlantischen Ozean, die etwa 30 Kilometer vor der Südküste Islands liegt. Sie ist nach Heimaey die zweitgrößte der Vestmannaeyjar oder Westmännerinseln und stellt den südlichsten Punkt Islands dar.

Surtsey entstand durch einen submarinen Vulkanausbruch, der später die Meeresoberfläche durchbrach und aus Tephra und Laven die heutige Insel aufbaute. Inzwischen befinden sich Forschungsstationen auf der unter strengem Naturschutz stehenden Insel. Surtsey darf ausschließlich zu wissenschaftlichen Zwecken betreten werden.

Nähere Beschreibung der Vulkaninsel mini|Surtsey als Teil der Westmännerinseln, Topographische Karte Bei Surtsey, der südwestlichsten der Westmännerinseln, handelt es sich um den sichtbaren Teil eines unterseeischen Vulkans. Das Vulkangebäude besteht aus einem ca. 6 Kilometer langen, nach Nordosten ausgerichteten Rücken von etwa 14 Quadratkilometern Fläche. Die Insel selbst wird charakterisiert durch zwei Tuffberge und ein Pāhoehoe-Lavafeld, das den südlichen Teil von Surtsey bedeckt.Thor Thordarson, Armann Hoskuldsson: Iceland – Classic Geology in Europe 3. Harpenden 2002, S. 95.

Entstehung Surtseys Vorboten der Eruption Am 14. November 1963 um 06:55 UTC bemerkte die Besatzung des vor der Küste der Vestmannaeyjar segelnden Fischkutters Ísleifur II einen starken Schwefelwasserstoffgeruch in der Luft. Gegen 07:15 UTC war wenige Kilometer vom Schiff entfernt eine dunkle Rauchwolke erkennbar. Das Schiff fuhr näher an den Rauch heran, da der Kapitän der Ísleifur dachte, dass es sich dabei möglicherweise um ein brennendes Schiff handele. Der Rauch wurde jedoch von Eruptionen hervorgerufen, bei denen schwarze Asche ausgestoßen wurde, was auf vulkanische Aktivität am Meeresgrund schließen ließ.Guðjón Ármann Eyjólfsson: Vestmannaeyjar. Ferðafélag Íslands, árbók 2009, S. 256–257.

mini|Asche-/Dampfwolke über der entstehenden Insel

Obwohl die Eruptionen unerwartet stattfanden, hatte es bereits zuvor Anzeichen für einen zukünftigen Ausbruch eines Unterwasservulkans gegeben. Eine Woche zuvor waren von Seismographen im 110 Kilometer entfernten Reykjavík und in KirkjubæjarklausturS.Thorarinnsson: The Surtsey eruption and related articles In: Polar Record, 13, 1967; Abstract, zuletzt abgerufen am 5. Februar 2011. kleinere Erdbeben aufgezeichnet worden, ihr genauer Ort wurde aber nicht ermittelt. Zwei Tage vor dem Ausbruch stellte ein Forschungsschiff fest, dass das Meer in der Region etwas wärmer als üblich war. Gleichzeitig berichteten die Einwohner der Stadt Vík í Mýrdal, 80 Kilometer entfernt am Festland, den Geruch von Schwefelwasserstoff wahrgenommen zu haben.

Der Meeresgrund befindet sich an der Stelle 130 Meter unter dem Meeresspiegel. Bei dieser Tiefe werden explosive Ausbrüche durch den Wasserdruck abgeschwächt. Als die Eruptionen einen Vulkankegel gebildet hatten, der sich dem Meeresspiegel näherte, wurden die Explosionen nicht mehr länger durch den Wasserdruck beeinträchtigt, und die Eruptionen erreichten die Oberfläche.

Die ersten Phasen mini|Surtsey, 16 Tage nach dem Auftauchen aus dem Meer

Betrug die Höhe der Eruptionssäule am 14. November 1963 um 8 Uhr noch unter 100 Meter, so wuchs sie bis 10 Uhr bereits auf 3000 Meter und stieg weiter an. Die Eruptionen fanden zuerst an drei getrennten Ausbruchsstellen entlang einer von Nordosten nach Südwesten weisenden, 400 Meter langen Spalte statt, die sich jedoch im Laufe des Nachmittags in weiteren phreatomagmatischen Ausbrüchen zu einer einzigen großen Ausbruchsstelle vereinigten. Bereits in der ersten Nacht nach der Entdeckung des Ausbruchs ragte der Vulkan über den Meeresspiegel hinaus. Die explosive Phase des Ausbruchs dauerte während der folgenden Woche an, und nach ein paar Tagen hatte sich bereits eine 500 Meter lange und bis zu 45 Meter hohe Insel aus Hyaloklastiten, Kissenlaven sowie Laven-, Schlacken- und Ascheschichten aus Alkali-Olivinbasalt gebildet. Die explosive Phase hielt viereinhalb Monate an.Guðjón Ármann Eyjólfsson: Vestmannaeyjar. Ferðafélag Íslands, árbók 2009, S. 260.

Die andauernden Eruptionen konzentrierten sich zunehmend auf zwei Krater, die später Vesturbunki und Austurbunki genannt wurden.Sie tragen auch die Namen Surtur II und Surtur I, vgl. Thor Thordarson, Armann Hoskuldsson: Iceland – Classic Geology in Europe 3. Harpenden 2002, S. 95. Teilweise handelte es sich um gemischte Eruptionen, solange der eine Krater schon völlig aus dem Wasser ragte und die explosive Tätigkeit in ihm anhielt, die aber von anderer Qualität war als die phreatomagmatischen Explosionen im noch von Wasser überschwemmten anderen Krater.Þorleifur Einarsson: Geology of Iceland. Rocks and landscape. Reykjavík 1991, S. 45. Am 24. November war die Insel bereits 900 Meter mal 650 Meter groß.

Austurbunki erreichte schon in dieser ersten Ausbruchsphase eine Höhe von 174 Meter (300 Meter über dem Meeresboden).Ingvar Sigurðsson, Sveinn Jakobsson: Jarðsaga Vestmannaeyja. In: Guðjón Ármann Eyjólfsson: Vestmannaeyjar. Ferðafélag Íslands, árbók 2009, S. 17.

Die Insel bestand zunächst größtenteils aus losem Gestein, was eine schnelle Erosion durch Winterstürme im Nordatlantik begünstigte. Die Eruptionen glichen den Materialverlust durch die Erosion jedoch mehr als aus. Im Februar 1964 hatte die Insel bereits einen maximalen Durchmesser von über 1300 Metern erreicht.

Eine dauerhafte Insel mini|Schemazeichnung mit Erläuterungen

Die durch das Eindringen von Meerwasser in die Eruptionsöffnungen hervorgerufenen phreatomagmatischen Explosionen schleuderten Felsen bis zu einem Kilometer weit von Surtsey weg und erzeugten eine bis zu 10 Kilometer hohe Eruptionssäule über dem Vulkan. Ohne den fortwährenden Nachschub an Magma hätte die Erosion die losen Pyroklastika abgebaut. Während dieser Zeit wurden oft Aschewolken beobachtet, die der Wind von der Insel weg blies.

Im Jahr 1964 hatte die Insel eine solche Größe erreicht, dass kein Meerwasser mehr in die Magmakanäle eindringen konnte.

Ab April 1964 ging der Ausbruch auf der Hauptinsel Surtsey in eine effusive Phase über und baute innerhalb eines knappen Jahres einen Schildvulkan auf dem Hyaloklastitsockel auf. Wissenschaftler konnten an diesem Beispiel zum ersten Mal die Entstehung eines Tafelvulkans mitverfolgen.

Die vulkanische Aktivität verlor an Explosivität, es wurde nun hauptsächlich Lava ausgestoßen. Die anschließende Umwandlung von Hyaloklastiten in harten Palagonit führte zu einer erosionsresistenten Gesteinshülle um große Teile der Insel, was die weitere Erosion durch Meer und Wind beträchtlich verlangsamte. Die zuletzt ausgestoßenen Laven hingegen wurden relativ schnell abgebaut.Ingvar Sigurðsson, Sveinn Jakobsson: Jarðsaga Vestmannaeyja. In: Guðjón Ármann Eyjólfsson: Vestmannaeyjar. Ferðafélag Íslands, árbók 2009, S. 19–20.

Die Eruptionen hielten bis 1965 an, wobei die Insel ihre größte Ausdehnung mit einer Oberfläche von 2,5 km² erreichte.

Ausbrüche in der Umgebung von Surtsey Am 28. Dezember 1963 begannen unterseeische Ausbrüche etwa 2,5 Kilometer nordöstlich von Surtsey, die einen 100 m langen, Surtla genannten Bergrücken am Meeresgrund formten, der jedoch nie den Meeresspiegel erreichte. Die Ausbrüche endeten am 6. Januar 1964, und seit damals ist der Grat von seiner maximalen Höhe von 23 m unter dem Meeresspiegel auf 47 m unter der Meeresoberfläche erodiert.

Im Sommer 1965 stellte man einen Vulkanausbruch auf dem Meeresboden nordöstlich von Surtsey fest. Als dieser sich der Meeresoberfläche näherte, ging er in eine explosive Phase über und baute die Insel Syrtlingur auf. Sie erreichte eine Höhe von 70 m und eine Oberfläche von 0,15 km². Diese fiel jedoch kurze Zeit später bis zum 24. Oktober 1965 der Meereserosion zum Opfer. Im Jahr 2000 nahm man Messungen im Meer vor und stellte über der ehemaligen Insel 33 m Wassertiefe fest.

Am 26. Dezember 1965 begann im Südwesten von Surtsey ein erneuter unterseeischer Vulkanausbruch, der bis August 1966 anhielt. Dabei bildete sich die Insel Jólnir. Sie erreichte ebenfalls eine Höhe von 70 m, jedoch eine Oberfläche von immerhin 0,28 km². Aber auch sie wurde bis Oktober 1966 wieder gänzlich erodiert.Guðjón Ármann Eyjólfsson: Vestmannaeyjar. Ferðafélag Íslands, árbók 2009, S. 261.

Schlussphase der Ausbruchsserie Ab dem 16. August 1966 fand ein weiterer effusiver Vulkanausbruch aus einer Spalte im östlichen Krater statt. Diese Ausbrüche endeten am 5. Juni 1967 und damit endete die Ausbruchsserie auf Surtsey und in dessen Umgebung. Gleichzeitig hatten von Oktober 1966 bis Januar 1967 noch Ausbrüche aus kleinen Spalten im östlichen Krater stattgefunden.

Ergebnisse Das gesamte Volumen des innerhalb von dreieinhalb Jahren ausgestoßenen Materials betrug ungefähr 1,1 Kubikkilometer. Davon waren 70 Prozent Tephra, die restlichen 30 Prozent Lava. Am Ende der Eruptionen befand sich der höchste Punkt der Insel bei 174 Meter über dem Meeresspiegel, die maximale Fläche betrug 2,65 km².

Seit dem Ende der Eruptionen hat die Fläche der Insel durch Erosion abgenommen. Ein größeres Gebiet auf der südöstlichen Seite ist komplett verschwunden. Im Gegenzug bildete sich an der Nordseite die Sandbank Norðurtangi (Nordpunkt), die die Insel etwas vergrößerte. Bei letzten Messungen der Insel im Jahre 2007 stellte man allerdings nur noch eine Oberfläche von 1,4 km² fest.Ingvar Sigurðsson, Sveinn Jakobsson: Jarðsaga Vestmannaeyja. In: Guðjón Ármann Eyjólfsson: Vestmannaeyjar. Ferðafélag Íslands, árbók 2009, S. 20.

Name und Hoheitsgewalt Der Name Surtsey wurde nach dem Feuerriesen Surt der nordischen Mythologie vergeben. Die Bewohner der Vestmannaeyjar hätten den Namen Vesturey (Westinsel) bevorzugt und fuhren am 13. Dezember nach Surtsey, um eine entsprechende Taufzeremonie abzuhalten. Kurz nachdem die Männer die Insel betreten hatten, wurden sie aber von heftigen Ausbrüchen wieder vertrieben. Es blieb beim Namen Surtsey.Guðjón Ármann Eyjólfsson: Vestmannaeyjar. Ferðafélag Íslands, árbók 2009, S. 256.

In den ersten Tagen der Insel landeten drei französische Journalisten des Magazins Paris Match auf der Insel am 6. Dezember 1963. Sie blieben ungefähr 15 Minuten auf Surtsey, bevor heftige Eruptionen sie zum Verlassen bewegten.Guðjón Ármann Eyjólfsson: Vestmannaeyjar. Ferðafélag Íslands, árbók 2009, S. 260–261. Anschließend beanspruchten sie scherzhaft die Hoheitsgewalt Frankreichs über die Insel, wogegen die isländischen Behörden umgehend einwendeten, dass Surtsey in isländischen Hoheitsgewässern entstanden sei. Auch nach Entstehung der Vulkaninsel Ferdinandea in der Nähe von Sizilien hatte es Kontroversen um die Herrschaft über die Insel gegeben.

Die Ansiedlung von Leben Surtsey ist ein beliebter Studienplatz für die Ansiedlung von Gründerpopulationen. Die Insel wurde bereits 1965 – noch während der vulkanisch aktiven Zeit – zu einem Naturschutzgebiet erklärt. Heutzutage darf nur eine kleine Zahl an Wissenschaftlern die Insel betreten, insgesamt waren es bisher etwa einhundert Personen. Privatpersonen können nur von Flugzeugen oder Booten aus einen Blick auf Surtsey werfen.

Die Ausgangsbedingungen für eine Besiedelung durch Lebewesen waren ungünstig, da die Insel den Großteil des Jahres von Stürmen überzogen wird und Regenwasser vom kargen Boden anfänglich nicht aufgefangen werden konnte.

Pflanzen mini|Europäischer Meersenf